17.10.2014, Komma, Wörgl

KISSIN' DYNAMITE - Megalomania Tour

Text: Laichster
Veröffentlicht am 20.10.2014

Der Ruf des schwäbischen Stahls hallt durchs Tiroler Land und so begibt man sich an diesem Freitagabend in Richtung Komma Wörgl um sich die geballte Glam-Power von KISSIN' DYNAMITE zu Gemüte zu führen und supportet werden die ursprünglich als Schülerband gegründeten Headliner von den YouTube-Stars UMC, den Lokalmatadoren LIQUID STEEL und der Bayrischen Heavy-Metal-Kombo SCAVANGER. Das Komma präsentiert sich wie immer in freundlicher Atmosphäre, der Zuschauerandrang zum heutigen Abend hält sich jedoch in Grenzen, was bei der momentanen heimischen Konzertübersättigung nicht verwunderlich erscheint, so trifft man nur wenig bekannte Gesichter, welche einen wirklich weiteren Weg auf sich genommen hätten um heute zu erscheinen und handelt es sich wohl auch beim heutigen Hauptact um eine Band, welche die Metalgemeinde spaltet, KISSIN' DYNAMITE liebt man oder hasst man und welche der beiden Meinungen nun objektiv betrachtet gerechtfertigt zu sein scheint, sei dem Leser im Folgenden berichtet... 

SCAVANGER:
SCAVANGER verbreiten eine Mischung aus klassischen IRON MAIDEN- und JUDAS PRIEST-Songs und mixen diese schwer eisenhaltigen Zutaten zu einem Cocktail, der es in sich hat. Die etwas verhaltenen Publikumsreaktionen sind dem Schreiberling unerklärlich, würde er nicht an einer Erkältung leiden welche ihn fast vom Besuch des heutigen Konzertabends abgehalten hätte, würde er jetzt nicht an der Absperrung des Sound-Engineers lehnen und sein Mineralwasser mit Aspirin dopen, sondern schon jetzt in der unbesetzten ersten Reihe sein nicht mehr vorhandenes Haupthaar kreisen lassen.

Die beiden Gitarristen Andi Schrank und Andy Jung brettern einem hochprofessionell die 80er-Riffs um die Ohren und die Solos suchen ihres Gleichen. Fronter Anian Geyer versprüht indessen das Dickinson-Feeling und jedem Old-School-Maniac sollte das Heart Of Steel schneller schlagen. Kompositionen wie "Reunion" oder "Assassins Of Ankh Morpork" stehen den großen Vorbildern um nichts nach und als SCAVANGER nach einem starken und äußerst sympathischen Auftritt von der Bühne gehen, ist man bestens für die nun folgenden Local Heroes eingestimmt. Man findet es noch ein wenig schade, dass die Musiker sich nicht am Merch-Stand einfinden, um Shirts und CDs zu verchecken, den Stormbringer-Abgesandten hätte man mit der Show gerade zum willigen Käufer gespielt.

Setlist:
- Rebirth
- Reunion
- Lost Inside
- Last Judgement
- Assassins Of Ankh Morpork
- Grandpa
- Together We Stand, Together We Die

LIQUID STEEL:
LIQUID STEEL haben in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, welch stählerne Macht sie sind und mit "Fire In The Sky" (zum Review) hat man das extrafette Debütalbum im Gepäck, dessen Livequalitäten erst im Zuge der jetzt schon legendären Release-Show in der Innsbrucker p.m.k. (zum Livereport) demonstriert wurden und für alle Tiroler Unterländer gibt es die Lehrstunde jetzt zum Nachholen Live on Stage.

Mit "Riding High" brettert man gleich los und wie gewohnt bietet die Band ein hochprofessionelles Bild und gibt trotz des etwas verschlafenen Publikums wie immer 120 Prozent auf der Bühne. Fronter Fabio springt athletisch über die Bühne, schwingt bei "Samurai" die Japan-Flagge und spätestens ab dort hat man auch das Publikum überzeugt. Der als "Ballade" angekündigte Nackenbrecher "Speed Demon" beschließt einen absolut routiniert wirkenden Auftritt, es gibt bei LIQUID STEEL schon lange keine Spur mehr von Kinderkrankheiten oder Unsicherheit, die NWoBHM-Force made in Tyrol hat wieder einmal gezeigt, wie klassischer Heavy Metal ohne irgendwelche Abstriche richtig und extrafett gezockt wird!

Setlist:
- Riding High
- Scream In The Night
- Samurai
- Fire In The Sky
- Liquid Steel
- Speed Demon

UMC:
UMC - ULTIMATE MUSIC COVERS, das sind Drummer Tobias Derer und Gitarrist Nils Lesser, welche auch bei den Mannheimern Thrash/Industrial Cyborgs von CYPECORE werken. Mit ihrem Nebenprojekt UMC verpassen die beiden Musiker Charthits ein neues instrumentales Gewand und wurden damit zu YouTube-Stars mit hundertausenden Klicks auf ihren Videos und im Gepäck von KISSIN' DYNAMITE werden die Coverversionen erstmals live dem breiten Publikum präsentiert. Auf der Bühne steht eine Schaufensterpuppe mit Flipchart, auf welcher immer das Gesicht des gecoverten Künstlers zu sehen ist und die Vocals werden vom mitgebrachten Laptop eingespielt. Die beiden Herren zeigen derweilen, dass sie hervorragende Musiker sind, fetter Drum-Sound und technisch versiertes Riffing jagen durch die Location, spielen können die beiden wie junge Götter. Der einzige Kritikpunkt an der Performance ist wohl des Schreiberlings sehr subjektive Meinung und liegt im Szenario der Coversongs selbst, so kommt doch nach den ersten paar Nummern schnell Langeweile im Verfasser hoch, während die Jungspunde in der vordersten Reihe frenetisch abfeiern, entschließt man sich, als die Visage von PITBULL am Kopf der Puppe erscheint um das warum auch immer zum Hit avancierte "Timber" der Kommerzglatze zu metalisieren, doch den Weg zur Bar anzutreten, während UMC das restliche Publikum, welches dem Konzept doch mehr abgewinnen kann noch ordentlich für die Headliner anheizt. Es möge sich jeder selbst ein Bild über den längerfristigen Unterhaltungswert von UMC bilden:
KISSIN' DYNAMITE:
Mit dem neuesten Longplayer "Megalomania" (zum Review) haben sich die einstigen schwäbischen Glam-Jungspunde extrem gewandelt, mehr moderne Einflüsse sind zu hören und vorbei sind die Tage, als man mit auftoupierten Haaren und Spandexhosen den Rock'n'Roll zur Religion erklärte. Extravagant sind die Outfits der Band immer noch, von Fronter Hannes Rüschenhemd bis zum Parademantel von Gitarrist Ande. Man will sich erwachsener präsentieren, gereifter und beweisen, dass KISSIN' DYNAMITE Shows abliefern, die vor Professionalität, Bombast und Glamour nur so strotzen.

Man lässt auch von der ersten Minute an nichts anbrennen, hier ist alles von vorne bis hinten durchgestylt und bis auf die Millisekunde abgestimmt. Fronter Hannes, den böse Zungen optische Ähnlichkeit mit HELENE FISCHER postulieren, macht das was er am besten kann, springt wie von der Tarantel gebissen über die Bühne und zeigt sich dabei sympathisch Fan-nah, was die massenweise vertretenen weiblichen Zuschauerinnen wohl äußerst erfreut, der Verfasser konzentriert sich derweilen mehr auf die musikalische Leistung der restlichen Band und die ist tadellos, ja fast schon zu steril. Viele Samples runden das instrumentale Geschehen ab, irgendwo vermisst man dann doch ein wenig den Dreck einer nicht perfekt einstudierten Show, ein wenig geht die Spontanität der Bandmembers verloren, welche doch eine Clubshow ausmachen und so wird man im Bombast ertränkt, ohne sich dagegen wehren zu können. Den Zuschauern gefällt's trotzdem und Hits wie der Opener "DNA" vom erwähnten neuen Longplayer oder ältere Nummern vom Kaliber "Steel Of Swabia" lassen das Komma kochen und als erfreuliche Draufgabe ist dieses Mal im Set "Six Feet Under" enthalten, Schnulzenalarm und schmachtende Mädels garantiert.

Setlist:
- DNA
- Running Free
- VIP In Hell
- Money, Sex & Power
- Maniac Ball
- God in You
- Love Me Hate Me
- Six Feet Under
- Fireflies
- Sex Is War
- Hysteria
- Steel Of Swabia
- Ticket To Paradise
- I Will Be King
- Operation Supernova

KISSIN' DYNAMITE haben gezeigt, dass sie sich zu absoluten Vollprofis entwickelt haben, bei denen nichts dem Zufall überlassen wird, man befürchtet jedoch, dass damit der Charme der Band doch ein wenig im Technikwahnsinn verschwinden könnte. Die Zeit wird zeigen, in welche Richtung sich der Steel Of Swabia entwickeln wird. Ganz bodenständig stehen KISSIN' DYNAMITE anschließend noch am Merch-Stand und plaudern mit ihren Fans und so sind sie trotz Bombastshow immer noch erdige, sympathische Rockstars geblieben!

Untertänigster Dank für die Pics geht an unsere unerschrockene Fotografin Tina, welche sich durch die Massen der kreischenden Mädels kämpfte! Mehr Fotos könnt ihr in Tinas Galerie sehen.


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