16.10.2014, Viper Room

KISSIN' DYNAMITE

Veröffentlicht am 23.10.2014

Bereits unglaubliche vier Alben haben die Burschen von KISSIN DYNAMITE bereits veröffentlicht, dabei sind die Jungs noch nicht mal richtig aus der Pubertät raus - Grund genug, für die Stormbringer-Crew in Gestalt von Kollegin Charli Weber und meiner Wenigkeit, auch zur Wien-Show der sympathischen Herren aus Deutschland zu pilgern. Erfahrungsgemäß schwer würde es werden, an einem Wochentag in Wien auch eine etwas kleinere Location wie den Viper Room zu füllen, und tatsächlich waren letztlich nur etwa achtzig Leute anwesend - diese bekamen dafür einen erstklassigen Showabend geboten. Doch alles der Reihe nacht. Den Opener machten an diesem Abend nämlich GO GO GORILLO, die in Selbstbezeichnung "Brutal Boogie" spielen, und vor allem mit einem richtig feinen Sänger punkten können. Geboten wird grooviger, erdiger Rock mit Rockabilly-und Blues-Anteilen, und die meist kurz und knackig gehaltenen Songs der Band kommen auch beim - leider noch recht spärlich - vorhandenen Publikum an. Ein klasse Anheizer bereits zur frühen Spielzeit; auch wenn mit etwas Verspätung begonnen wurde. Gerne wieder! Als zweiter Act konnten ROCQUETTE aus Niederösterreich gewonnen werden, die sich wiederum durch eine bunte Mischung aus Rock-Hits sämtlicher Epochen spielten. Angeführt von Sängerin Barbie Hardrock (oh ja), macht dabei vor allem die Backing-Band eine sehr gute Figur; Frontlady Barbie hat allerdings mit bösen Soundproblemen zu kämpfen, und das stetig pfeifende Mikrofon hinderte sie wohl auch daran, ihrer Stimme ausreichend Platz machen zu können. So blieben die Vocals meist etwas zu zaghaft und zurückhaltend (wohl um weitere Pfeiforgien durchs Mikrofon zu vermeiden), was sich natürlich auch etwas auf die Gesamtperformance auswirkte. Nichtsdestoweniger machte auch diese Show Lust auf mehr - unter besseren Konditionen dürfte diese Truppe nämlich absolut amtlich abrocken! Es folgte sodann das heimliche Highlight des Abends, mit dem aber wohl nur wenige gerechnet hatten: Zwei Jungs aus Deutschland, an Gitarre und Schlagzeug, die unter dem Kürzel UMC firmieren (steht einfach für "Ultimate Music Covers") und Pop-Songs so spielen, wie sie eigentlich wirklich gespielt gehören. Und so, mit Blastbeats und 7-String-Gitarre bewaffnet, vergehen sich die beiden Burschen an Pop-Hits verschiedenster Künstler, über PITBULL und AVICII bis hin zu HELENE FISCHER(!) wird hier alles verwurstet, was sonst nur auf der Wiener Wiesn und in diversen Après-Ski-Hütten so etwas ähnliches wie eine Existenzberechtigung hat. Ich war zunächst etwas besorgt, ob das Konzept beim Rock- und Metalpublikum Wiens wirklich ankommen sollte, aber erfreulicherweise locken KISSIN' DYNAMITE doch eine eher junge Fanschaft an, die auch mit den ganzen Pop-Hits noch etwas anfangen kann - und so bildet sich schnell ein amtlicher Party-Pool vor der Bühne; und die beiden Protagonisten on stage (unterstützt durch einen Pappaufsteller mit ausgedruckten Gesichtern der interpretierten Stars) machen an ihren instrumenten eine hervorragende Figur. Getriggerte Drums und supertightes Gitarrenspiel verpassen den Arrangements von UMC den nötigen Wumms, und die sympathische Art der Truppe überzeugt auch den letzten Zweifler. Sehr unterhaltsame Showeinlage! [Dragonslayer]

Wer sie schon mal gesehen hat, wird wissen, dass KISSIN' DYNAMITE sich auf energiegeladene Liveshows verstehen und ihrem Publikum ordentlich einheizen können. An diesem Abend im Viper Room ist das nicht anders und als sie nach einer nicht allzu langen Umbaupause schließlich die Bühne betreten, lassen sie sogleich mit „DNA“, einem ihrer neuen Songs, Partystimmung bei ihren Anhängern aufkommen. Es sind diese, verglichen mit den Menschenmengen, vor denen die Band mittlerweile in ihrem Heimatland auftritt, bedauerlicherweise nur recht wenige, die sich heute in dem Wiener Kellerlokal eingefunden haben und die Enttäuschung darüber ist leider etwas zu offensichtlich, merkt doch Leadsänger Hannes Braun ein paar mal zu oft die Größe bzw. zutreffender die Kleine des Publikums an. Nichtsdestotrotz zeigen sich die fünf Jungs aus dem Schwabenländle begeistert von der Singfreude und der Lautstärke, mit der die Wiener bei der Sache sind und so wird mit viel fröhlichem Elan und Fan-Nähe höchst professionell über den mehr als nur dürftigen Sound im Viper Room und einen schnell behobenen Kabelschaden hinweggerockt. Die Setlist besteht zum Großteil aus Songs vom neuen Album MEGALOMANIA und auch der Vorgänger ist mit Mitgröhlkrachern wie etwa dem Titeltrack „Money, Sex & Power“, „I Will Be King“ oder dem eingängigen und nach Hannes' Angaben überhaupt erst von den Fans für live-tauglich befundenen „Six Feet Under“ zur Genüge vertreten. Erst ab der Mitte der Show widmet man sich nach einem Drumsolo und der Powerballade „Fireflies“ dann endlich doch noch drei Nummern der ersten beiden Alben. Auch wenn die Band sich über die letzen Jahre enorm entwickelt hat und heute reif und erwachsen wirkt, „Steel of Swabia“ aus Anfangszeiten darf einfach nicht fehlen und ist angesichts der Headbanger in den vorderen Reihen ein klares Highlight des Abends. Obwohl sichtlich ernüchtert ob der beschaulichen Menschentraube, die vor der Bühne versammelt ist, wissen KISSIN' DYNAMITE nach acht Jahren im Musikgeschäft, was sich gehört, und so legen sie sich für ihre Fans ins Zeug, kümmern sich hinterher noch am Merchstand um sie, ganz so, wie sie es immer getan haben. [Charli Weber]


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