23.10.2014, Viper Room

MYSTIC PROPHECY

Veröffentlicht am 31.10.2014

Powermetal in Wien, das ist meist für sich genommen schon ein gewiss mutiges Unterfangen, wenn der Hauptact nicht gerade SABATON oder HAMMERFALL heißt. Powermetal an einem Wochentag in Wien, das ist schon Brutalität. Aber dennoch gibt es glücklicherweise immer ein paar Verrückte, die's dennoch wissen wollen - und so konnten wir uns an diesem Donnerstag über die deutschen Schwermetaller von MYSTIC PROPHECY freuen, die nochmal ihr jüngstes Album "Killhammer" in der Livesituation präsentieren wollten. Da die Band schon auf der gemeinsamen Tour mit MASTERPLAN im Vorjahr überzeugen konnte, wollten wir uns die Gelegenheit nicht nehmen lassen, die Jungs auch nochmal mit voller Headliner-Show zu beäugen. Als Opener duften im Viper Room zunächst aber mal BULLETRIDE aus dem Burgenland ran, und die Herren machten dabei auch eine absolut amtliche Figur. Sänger Rober Jenei erinnert stellenweise stimmlich an einen jungen James Hetflied, und so macht die groovige Mischung aus Heavy-, Thrash- und Modern Metal absolut Laune. Zwar sind vielleicht erst knapp zwanzig Nasen anwesend (wie eingangs erwähnt, Powermetal in Wien an einem Wochentag), aber die Band lässt es sich trotzdem nicht nehmen, ihr etwa halbstündiges Set solide herunterzurocken. Gelungen ausgewählter Opener, der Lust auf mehr machte. Dieses mehr kam dann in Form von FIREFORCE aus Antwerpen. Die Band - übrigens bei Limb Music unter Vertrag - geht es dabei aber einigermaßen gewagt an: Fast gänzlich in Camouflage gekleidet, wenn man anno 2014 eben nicht SABATON ist - das kann auch ins Auge gehen. Allerdings, so fair muss man sein, passt der Look eigentlich ganz gut zum Sound der Band. Schneller, nach vorne losgehender Speed-Power-Metal im Stile von Achtziger-Bands wie RAVEN, aber auch jüngeren Genrevertretern wie STORMWARRIOR wird hier geboten, und besonders Sänger Flype (der in diesem Outfit optisch an einen gut getarnten Rob Halford erinnert) macht dabei - trotz etwas zu verhallt abgemischter Stimme - eine gute Figur. Für einige Schmunzler sorgt dagegen eher das übertriebene Gitarren-Gepose auf der Bühne, aber bei Songs wie "Born To Play Metal" oder "Combat Metal", da geht das ja schon fast wieder in Ordnung. Gute Performance mit ordentlich Schmackes und dem nötigen Kult-Faktor. Bei den folgenden CRYSTAL TEARS bin ich zunächst etwas überrascht, Nico Adamsen an den Vocals zu sehen, der unter anderem auch das jüngste Album der heimischen Power Metaller von DIGNITY eingesungen hat - und Fronter Nico macht auch diesmal stimmlich eine gute Figur, und veredelt den melodischen Power Metal der Band, der allerdings nicht ganz so aggressiv nach vorne losprescht wie zuvor noch FIREFORCE. Die Jungs haben mit "Hellmade" ihr mittlerweile drittes Album am Start, und brachten davon natürlich einiges an Hörmaterial mit. Was man bei den international besetzen CRYSTAL TEARS (mit Mitgliedern aus Dänemark, Ungarn und Griechenland) aber allenfalls bekritteln kann, ist, dass die Songs leider kaum Wiedererkennungswert haben und zwar recht flott in den Gehörgang eindringen, diesen aber ebenso flott wieder verlassen. Spielerisch gehen die Jungs aber mit sehr viel Herz (und mit Glitzer-Beanie im Falle von Sänger Nico) zur Sache, und erspielen sich so auch an diesem Abend nicht zuletzt mit dem abschließenden MIDNIGHT OIL-Cover von "Beds Are Burning" sicherlich hart erkämpfte neue Fans. Eine Band, die man im Auge behalten sollte, wenn sich im Songwriting noch etwas mehr Feinschliff einstellt. Diesen hat der Headliner MYSTIC PROPHECY nach fast fünfzehn Jahren Karriere im Metal-Business natürlich nicht mehr nötig; hier sitzt jeder Handgriff, das Songwriting passt, und Sänger R.D.Liapidakis ist nach wie vor erstklassig bei Stimme, und weiß auch um seine Frontmann-Qualitäten. Woran liegt's also, dass selbst bei so einem Headliner nur knapp fünfzig Leute im Viper Room vor der Bühne stehen? Also ich glaub, da war ja was von wegen "Powermetal" und "Wien" und "Wochentag"... aber genug davon. Ganz der Riesen-Headliner sind MYSTIC PROPHECY ja noch nie gewesen, auch wenn die Band immer sehr hochwertige Alben veröffentlicht und auch durch erstklassige Liveshows überzeugt hat; aber scheinbar ist der Funke bei der breiten Masse noch nicht so wirklich übergesprungen.

Der Karrierebeginn stand natürlich schon unter einem guten Stern - hatte man doch damals noch einen jungen Gus G. mit an Bord - doch auch die Nachfolger des hellenischen Saitenhexers können sich sehen lassen. Und so macht die Gitarrrenarbeit bei Tracks wie dem knackigen Opener "Kill The Beast" ebenso Laune wie beim Titeltrack des aktuellen Albums "Killhammer", und die Jungs sorgen letztlich doch noch für amtliches Headgebange und emporgereckte Fäuste. Richtig Gas gibt die Band dann noch mit Songs wie "We Kill! You Die!" und "Lords Of Pain", groovig wirds mit "To Hell And Back". Drummer Tristan Maiwurm lässt sich auch ein kurzes Drumsolo nicht nehmen - ob das jetzt wirklich notwendig ist, daran werden sich wie üblich die Geister scheiden. Aber sei's drum, die Stimmung passt, und im Zugabenblock gibt's nach dem "Ravenlord" auch noch ein ordentlich drückendes Cover des unsterblichen "Paranoid" von BLACK SABBATH, bei dem Sänger Lia auch noch das Publikum (eigentlich beinahe das gesamte) auf die Bühne holt, und nochmal gemeinsam mit den Besuchern abfeiert. Man muss MYSTIC PROPHECY also definitiv hohe Professionalität anrechnen - trotz der überschaubaren Besucheranzahl ließ die Band nichts anbrennen, und zockte sich energiegeladen durch ein knackiges Set aus US-Power-Metal mit Thrash-Anleihen, wie man ihn sonst eher von Bands wie BRAINSTORM oder JAG PANZER kennt; die Jungs machen auf der Bühne eine sympathische Figur und es bleibt zu wünschen, dass der kommerzielle Erfolg sich auch hierzulande noch einstellt. Verdient hätte es die Band allemal. Und so bleibt unterm Strich wieder ein leider viel zu schwach besuchter, aber dafür musikalisch erstklassiger Metal-Abend in Wien zu verzeichnen; leider wird es aber wohl immer schwieriger für die kleine, aber feine Szene des melodischen Metal, bei uns auch in Zukunft bestehen zu können. Das Überangebot an Shows, kombiniert mit einer Affinität des österreichischen Publikums zum Besuch eher "trendigerer" Shows, macht es kleineren und mittelgroßen Bands langsam immer schwerer, bei uns noch gut besuchte Shows aufziehen zu können. Dennoch bleibt zu hoffen, dass auch solche Acts in Zukunft weiter in Wien zu sehen sein werden - denn immer nur die "Großen" werden ja auch irgendwann langweilig.


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