21.10.2014, ((szene)) Wien

ANATHEMA

Veröffentlicht am 01.11.2014

Als ich vor einigen Jahren von einem Freund "Alternative 4", den ANATHEMA Klassiker schlechthin in die Hände bekam, konnte ich noch nicht viel mit deren Musik anfangen. Eher über Umwege von PARADISE LOST befasste ich mich mit dem Spätwerk von ANATHEMA, die es im Gegensatz PARADISE LOST's Experiment "Host" schafften, eine konstante experimentelle Entwicklung hinzulegen. Ab dem Jahre 2010 etablierten ANATHEMA ihren "neuen" Stil mit ihren Meisterwerken "We're Here Because We're Here", "Wheather Systems" und dem aktuellen "Distant Satellites", deren Songs auch die aktuelle Setlist dominierten. Vorher kamen aber mit MOTHER'S CAKE eine der momentan spannendsten und musikalisch herausragendsten österreichischen Bands zum Zug. Das eben jene als Special Guest ANATHEMA auf ihrer kompletten Tour begleiten durften, zeugt schon alleine von ihrer Klasse. Da ich bereits im März dieses Jahres Zeuge eines erstklassigen Konzerts im Wiener RadioKulturhaus (zum ausführlichen Livereport) war, das ich aber locationbedingt im Sitzen genießen musste, freute ich mich endlich auf ein richtiges Rockkonzert, bei dem man auch richtig abgehen konnte. Als Support von ANATHEMA wurde zwar naturgemäß kürzer gespielt, es war aber immerhin mit 50 Minuten genügend Zeit, einige Songs vom aktuellen Live-Album "Off The Beaten Track" und sogar ganze drei unveröffentlichte Songs, dem bereits zahlreichen und teilweise nur für die Österreicher angereisten Publikum näher zu bringen.

Da wurden ohne Umwege Geschütze aufgefahren, bei denen die Musiker ihr ganzes Können unter Beweis stellen konnten. Begonnen wurde mit dem Titelsong ihres Debütalbums "Creation's Finest", welches mit einem ruhigen Gitarren-Intro beginnt bis Bass und Schlagzeug sich deutlich bemerkbar machen. Dann geht’s rhythmisch im funkingen Shufflemodus weiter, bevor die charakteristische Stimme von Frontmann Yves Krismer einsetzt. Alle Songs sind einzelne Kunststücke, "I Like It" kommt äußerst groovig daher und glänzt in seinen fast neun Minuten mit Abwechslungsreichtum, da auch ruhige Stellen mit souligen Gesang eingebaut sind und dazwischen gibt es Schlagzeugintermettzo und Basssoli satt. Spannend vor allem auch die an gewissen Stellen geänderten Passagen in den Songs, wie dem durch das geniale Video bekanntere "Soul Prison". Mit einem weiteren Longtrack "Runaway" verabschiedeten sich MOTHER'S CAKE von einem begeisterten Publikum, das höchstens dann Skeptiker zurückließ, welche sich auf gänzlich andere Musik eingestellt hatten. ANATHEMA Fans, die nur kurz mal in die Halle hineingeschaut haben, konnten von einem Teil, den sie sahen sicher nicht auf die musikalische Klasse von MOTHER's CAKE schließen.

Kommen wir nun zu meiner ersten ANATHEMA-Erfahrung. Vorab habe ich schon gehört, dass diese Band locationtechnisch in Wien nicht immer einen leichten Stand hatte, bedarf es doch einer ordentlichen Bühne mit guten Sound- und Lichttechnikbedingungen, um die Atmosphäre die bei dieser Band besonders wichtig ist, richtig rüberbringen zu können. Und mit der ((szene)) Wien wurden genau diese Rahmenbedingungen erfüllt. So starteten ANATHEMA mit den Opener des aktuellen Outputs „The Lost Song“ Part 1 und Part 2 und brachten damit gleich zum Ausdruck, dass uns an dem Abend etwas ganz besonderes bevorsteht. Nach dieser Eröffnung wurde gleich mit dem nächsten Opus vom Vorgängeralbum weitergemacht und mit „Untouchable“ Part 1 und Part 2 klargestellt, dass hier die Könige des melancholischen Rock auf der Bühne stehen. Perfekt ist das Zusammenspiel der Band zu bezeichnen und die Gesangsharmonien zwischen allen Sängern sind einfach packend. „Thin Air“ schließt dann nahtlos an diese Mini Epen an und lädt zu weiteren zehn träumerischen Minuten ein. Die Steigerung in diesem Song bis zum ersten Refrain - einfach phänomenal.

Auf harte Klänge wartet man vergeblich, eher wird es immer noch softer. „Ariel“ beginnt mit Pianointro und der einschmeichelnden Stimme von Sängerin Lee Douglas. Also gönnte ich mir mal eine kurze Pause, da ich mir die ganze Zeit die Frage stellte, wo verdammt noch mal Kollege Reini sich aufhält? Der genoss sein Bier im Gastgarten und attestierte mir, dass ihm ANATHEMA ein wenig zu schwülstig daherkommt. Na wenn das nicht gute investierte 25€ waren, um im Gastgarten der ((szene)) Bier zu trinken…(Hey...des Bier war in Ordnung und i bin dann eh zu "Distant Satellites" wieder vor Ort sprich in der Halle gewesen...-Reini-) Zurück zu ANATHEMA, die gerade im Begriff waren den Kreis der „Lost Song“-Triologie mit dem dritten Teil zu schließen. Danach setzten sie mit dem Song „Anathema“ ein Statement, dass sie mit ihrer musikalischen Entwicklung anscheinend endlich dort angekommen sind, wohin sie immer wollten. Ruhig, ruhiger, ANATHEMA, kaum ein Ausbruch aus der Melancholie, dafür geniale Melodien zum Abwinken. Nach der Performance des bezeichnenden Titels ihrer Live-DVD „Universal“, der mit phänomenalen Gitarrenoutro glänzte, kam der experimentelle Track „Closer“ vom „A Natural Disaster“ Album an die Reihe, an den ich mich nur schwer gewöhnen kann. Zumindest gab er endlich darüber Aufschluss, wieso ein zweites Keyboard auf der Bühne stand.

In die Zugabe wurde dann mit dem Titeltrack von „Distant Satellites“ gegangen, bei dem mit elektronischen Elementen, aber eher rhythmischer Natur als mit gewöhnungsbedürftigem Sound experimentiert wurde und uns vielleicht eine Anspielung darauf gibt, wohin die musikalische Reise von ANATHEMA weiter geht. Da kann nur mehr „A Natural Disaster“ eins drauf setzten, wo mich aber dann die Ansage alle Mobiltelefone mit „Flashlights“ in die Höhe zu halten und dessen Durchführung zugegebenermaßen doch ein wenig nervte. Sowas sollte unterbunden und nicht befürwortet werden. Den meisten im Publikum störte diese Sache jedenfalls nicht, da eh alle Augen auf die Sängerin Lee Douglas gerichtet waren, die mit ihrer emotionalen Stimme diesen Song veredelte. Dieser weitere orchestrale Song rundete den Abend jedenfalls noch weiter ab. Ohne „Fragile Dreams“ ließen uns ANATHEMA dann aber doch nicht von dannen ziehen und so gabs mit dem einzig richtigen rockigen Song des Abends noch einen coolen Abschluss, auch wenn es für meinen Geschmack auch dazwischen nicht geschadet hätte, wenn es mal ein wenig gekracht hätte. Setlist ANATHEMA: The Lost Song, Part 1 The Lost Song, Part 2 Untouchable, Part 1 Untouchable, Part 2 Thin Air Ariel The Lost Song, Part 3 Anathema The Beginning and the End Universal Closer Encore: Distant Satellites A Natural Disaster Fragile Dreams


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