15.12.2014, Wiener Stadthalle (Halle D)

BRYAN ADAMS @ Wiener Stadthalle

Veröffentlicht am 18.12.2014

55 Lenzen zählt er mittlerweile schon, der kanadische Edelbarde BRYAN ADAMS, aber von Ruhestand will der (mittlerweile) Altrocker trotzdem noch lange nichts wissen, und so gibt's auch anno 2014 mal wieder eine große Tour. Und Grund zum Feiern und Touren hat er auch, so steht nämlich die Jubiläumstour zu "Reckless" am Programm, jenes Kultalbums, das dem Kanadier damals im Winter 1984 den ganz großen Durchbruch beschwerte. Dieses feiert nämlich - ebenso wie dieser Rezensent - heuer seinen 30iger. Und natürlich darf sich auch STORMBRINGER.at eine solche Feierlichkeit nicht entgehenlassen. Zugegeben, auf dem bereits vor der Show auf der opulenten LED-Wall prangenden Coverfoto des tourtitelspendenden Albums erinnert Herr ADAMS vielleicht eher ein bisschen an DAVID BOWIE (die seltsam animierten Gesichtsbewegungen des Fotos gemahnen darüber hinaus auch eher an eine Geisterbahn denn an ein Rockkonzert), aber spätestens als um etwa 19.45 der Meister höchstpersönlich gleich mit dem Song "Reckless" im Schlepptau die Bühne entert ist klar - wir haben es immer noch mit BRYAN ADAMS zu tun! Und die rauhe Stimme hat auch im fortgeschrittenen Alter noch immer nichts von ihrer Zauberkraft eingebüßt - und für ADAMS-Verhältnisse beinahe rockig begibt sich der gute Mann zu Beginn auf Zeitreise, legt mit "One Night Love Affair" und "Run To You" gleich mal amtlich los, und stellt auch schnell klar, dass tatsächlich die erste Hälfte der Show gänzlich dem Jubilaralbum "Reckless" gewidmet ist, und sogar auch einige Songs gespielt werden, die es 1984 gar nicht auf den ursprünglichen Release des Albums geschafft haben. Die Gründe dafür umschreibt BRYAN ADAMS auch durchaus amüsant mit charmanten Erzählungen über die Legenden des Vinyl; mit allzu viel Gerede hält man sich aber dann doch nicht auf - stattdessen gibt's mal mit seinem Billboard-Hit "Heaven" die erste Ballade. Und wenn er eins kann, der gute BRYAN, dann wohl Balladen schreiben. Eine großartige Nummer bleibt einfach eine großartige Nummer. Aber da die Kinder bekanntlich rocken wollen, hilft ihnen die personifizierte kanadische Gutmütigkeit mit dem entsprechenden Song "Kids Wanna Rock" sogleich weiter, "It's Only Love" (inklusive TINA TURNER-Danksagung) und "Somebody" sorgen ebenfalls für ordentlich Stimmung - aber unvermeidlich wird dann natürlich die Atmosphäre nochmal dichter, als der Über-Hit "Summer of '69" ausgepackt wird. Den kann der Meister wohl selber auch schon nicht mehr hören, aber dennoch zockt er sich mit seiner tighten Backing-Band amtlich durch den Ö3-Wecker-Welthit. Mit einem ROGER DALTREY-Cover ("Let Me Down Easy") in einer stimmungsvollen Akustik-Version dargeboten endet schließlich der "Themenabend" zu "Reckless", aber - wie Herr ADAMS selbst anmerkt - hat er ja noch zwölf weitere Alben geschrieben. Und von einem dieser, nämlich "Waking Up The Neighbours" aus 1991, kam auch sein vielleicht größter Hit - und zugleich größter Schmachtfetzen: "Everything I Do (I Do It For You)", auch diesem Rezensenten noch durch unendliche Wurlitzer-Replays ins kindliche Hirn gebrannt und dort unauslöschlich mit einem sich abseilenden Kevin Costner als Robin Hood assoziiert; und das ist halt dann schon eine Göttergabe vor dem Herrn. Und wie bereits erwähnt: Balladen schreiben, das kann er halt, der ADAMS. Aber auch damit ist der Welthit-Reigen noch lange nicht erschöpft: Bei "If Ya Wanna Be Bad, Ya Gotta Be Good" darf eine junge Dame im Publikum ein bisschen tänzerisches Geschick beweisen, "Cuts Like A Knife" , "Please Forgive Me" und "When You're Gone" sprechen sowieso für sich, und bei "Cloud #9" erreicht die Stimmung auch nochmal einen späten Höhepunkt. Nach "The Only Thing That Looks Good On Me Is You" ist aber trotzdem noch nicht Schluss, und BRYAN ADAMS und seine Mannen werfen sich nochmal für stolze vier (und ein bissl was) Zugaben zurück auf die Bühne. Dabei packt der Meister auch mal die Aufsetz-Mundharmonika aus und beschwört nicht zum ersten Mal sogar ein wenig den Spirit eines BRUCE SPRINGSTEEN; die heute äußerst singfreudige Wiener Stadthalle intoniert dann gelungen Songs wie "She Knows Me", "Straight From The Heart" und das famose "All For Love", ehe die Wiener mit einem Ausschnitt aus "Christmas Time" jahreszeitgemäß nach nicht ganz zweieinhalb Stunden voller Poprock-Klassiker und Weltballaden in den vorweihnachtlichen Feierabend entlassen werden. Eine rundum erstklassige Show eines der wirklich großen Songwriter unserer Zeit, im Kern minimalistisch reduziert und trotzdem mit ausreichend Effekt und Showmanship gewürzt; eine Setlist, die kaum Wünsche offen lässt und eine markante Reibeisenstimme, die auch nach über dreißig Jahren im Showbiz immer noch Frauenherzen reihenweise schmelzen lässt. Dazu noch ein schöner Beweis, dass der kanadische Schnulzenkönig auch durchaus anders (nämlich härter!) kann und Spaß dabei hat; letztlich also ein richtig gelungener Konzertabend der auch höchst stimmig in die saisonale Besinnlichkeit passt, die stressbedingt ohnehin oft zu kurz kommt.


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