12.01.2015, ČEZ ARÉNA Ostrava, Ostrava - Zábřeh

MANOWAR

Veröffentlicht am 14.01.2015

Endlich ist es soweit: Einer der Gründe überhaupt bei stormbringer Konzertberichte zu schreiben, war das MANOWAR-Konzert 2012 in Zlin. Über dieses hätte ich vor über zwei Jahren gerne berichtet, war es doch eine Metalparty wie ich es in meiner Konzertlaufbahn selten erlebt habe, obwohl das größte Konzerterlebnis am MAGIC CIRCLE FESTIAL 2008 ewig unerreicht bleiben wird. Eine bessere Fanbedienung hat noch keine Band zustande gebracht, denn wer es schafft alle sechs Alben der 80er Jahre so professionell an zwei Abenden mit einer überwältigenden Bühnenshow zu präsentieren, dem gebührt höchster Respekt. Und da MANOWAR in den 80er Jahren eigentlich keinen einzigen schlechten Song geschrieben haben, war das natürlich eine Offenbarung sondergleichen.

Eine Hallenshow kann da mit dieser Superlative nicht mithalten, auch wenn MANOWAR es 2007 bereits mit ihrer überambitionierten GODS OF WAR – Show in der Münchner Olympiahalle versucht hätten. Was Joey DeMaio mit seiner großen Klappe immer ankündigt und verspricht, ist natürlich immer relativ zu sehen. Man kann ihm aber nicht vorwerfen, dass er nicht alles in seiner Macht (und seinen Finanzen) stehende versucht, um diese Versprechungen zu halten. Die ersten sechs Alben am MCF 2008 durchzuspielen war für mich aber eine Reinwaschung alter Schulden. Die Show in München war ja nicht schlecht, viele alte Songs wurden damals gespielt aber eben auch die damals umstrittene GODS OF WAR. Veröffentlichungspolitik oder Hörspielbuch hin oder her, ich finde die Platte ein eigenständig gelungenes Werk, das nicht mit den Kultscheiben der 80er Jahre verglichen werden sollte.

Meine Sichtweise zu verstehen bedarf vielleicht auch der Erklärung, dass ich erst relativ spät MANOWAR-Fan wurde. Ich kannte zwar bereits in meiner Jugend die Klassikeralben, konnte mir aber nie eine Liveshow vorstellen, bis ich mir eine der vielen „Hell on Earth“-DVD Veröffentlichungen reinzog. Ab dem Zeitpunkt war es um mich geschehen, ich konnte nicht glauben was ich da sah: Eine Band wie aus „Conan der Barbar“, die vollen Ernstes genau den Heavy Metal spielt, der mir am meisten Spaß macht. Und den Spaß mit MANOWAR, den viele Fans nach den „Warriors of the World“-Shows verloren hatten, wurde bei mir zu diesem Zeitpunkt erst entfacht. Deshalb fehlen mir auch die Vergleiche mit Live-Konzerten vor 2007.

Den Konzertabbruch wegen eines Becherwurfs in der Libro Music Hall in Wien haben noch viele Österreicher als traurigsten Tag der MANOWAR - oder wenn ich in diesem Zusammenhang in Superlativen sprechen muss, der „Menschheitsgeschichte“ - in Erinnerung. Absolut jeder, dem ich erzähle, dass ich von den aktuellen Live-Konzerten immer begeistert war, erzählt mir diese Geschichte. MANOWAR in Österreich wird es auch weiterhin nicht geben. In Deutschland funktioniert die Sache trotz horrenden Ticketpreisen irgendwie recht gut.

Mein Empfehlung an alle ist aber in Nachbarländer zu fahren, wo man bei Ticketpreisen um 35€ und Bierpreisen um 1,5€ ein richtig gutes Preis-Leistungsverhältnis erleben kann, da die Produktionskosten dort um einiges niedriger sind. Die Show 2007 in der Olympiahalle München bei moderaten 50€ war für die Veranstalter sicherlich ein finanzieller Abbrenner, wie auch die MAGIC CIRCLE FESTIVALs, die von MANOWAR selbst veranstaltet wurden. MANOWAR werden für einige wohl immer Abzocker bleiben, keine andere Band (seien es die ROLLING STONES oder AC/DC) muss sich für hohe Ticketpreise so rechtfertigen wie MANOWAR.

Doch nun zum Abend des 12. Jänners in OSTRAVA, von dem ich - wie es sich für MANOWAR Verhältnisse gehört - in der Superlative berichten kann. Eine Supportband haben MANOWAR natürlich nicht nötig, auch schon zwei Jahre zuvor in Zlin startete die lauteste Band der Welt ziemlich pünktlich kurz nach 20:00 Uhr.

Das epische Intro „The Miracle and Finale“ von Miklos Rozsa alleine ließ die Vorfreude bei mir ins Unermessliche wachsen. Wenn man so wie ich in der Kindheit mit Sandalenfilmen aufgewachsen ist, muss man dies einfach lieben. Die Freudentränen konnte ich kaum noch unterdrücken, als mit dem Song „Manowar“ die Anspannung endlich gelöst wurde und die P.A.-Anlage bei diesem Song auf Mark und Niere geprüft wurde. Einen besseren Sound gibt es echt bei keiner anderen Band, man fühlt sich mitten in einem Film, da können alle Kinos mit ihren neuesten Surround-Systemen einpacken. MANOWAR hört man, MANOWAR spürt man, MANOWAR sieht man.

Der Bühnenaufbau und die wechselnden Projektionen ist ganz großes Entertainment. Mit „Call to Arms“ wird nachgelegt, den besten Song vom „Warriors Of The World“-Album kennt natürlich auch ein jeder im Publikum und es wird lautstark mitgesungen. Bei keiner anderen Band sind die Texte so einprägsam (kein Wunder, sind ja immer die gleichen), aber Joey DeMaio schafft es immer wieder, neue abwechslungsreiche Songs daraus zu basteln. Gefolgt wird die „Bundesheer-Hymne“ von einem starken „Kill With Power“ vom meiner Meinung nach besten Album überhaupt. Ein wenig schade, dass nicht mehr von „Hail to England“ gespielt wurde, vor allem „Blood Of My Enemies“ oder epische Meisterwerke wie „Bridge of Death“ wären schön gewesen. Stattdessen geht’s kurz und knackig mit einem grandiosen „Sign Of The Hammer“ weiter, um das Publikum zum Fäusterecken zu motivieren.

Sänger Eric Adams war in bestechender Form und sang den gesamten Abend wie ein junger Gott. Seine Vocalleistung ist nicht von dieser Welt und auch die Präsenz in der männlichsten Lederrüstung, die man sich nur vorstellen kann, sucht seinesgleichen. Joey DeMaio verzog keine Miene, für ihn ist die Sache zu Ernst, was er ja auch in jedem Interview immer wieder (aufs Äußerste, da versteht er keinen Spaß) betont. Dass es 2012 auch ein neues Album von MANOWAR gegeben hat, wird kurz mit dem Titelsong „The Lord Of Steel“ abgehandelt, denn das neue Material wurde auf der letzten Tour ausgiebig vorgestellt (die Setlist in Zlin umfasste da aber auch insgesamt 23 Songs). Also gab es mit „The Dawn Of Battle“ noch mehr aus der kommerziell erfolgreichsten Zeit im Jahre 2002. Das schnelle Stück pulverisierte alles was sich ihm in den Weg stellte. Zu den gelungenen Artwork-Projektionen ließ es sich für „Spargeltarzan“ Karl Logan auch um eines leichter posen. Alt-Drummer Donnie Hamzik spielte souverän sein Schlagzeug-Kit mit ordentlichem Wumms und obwohl er die zentrale Position am Bühnenbild gab, hielt er sich eher im Hintergrund.

Eine knappe halbe Stunde war erst vergangen, bevor ein kurzes Video zu der neuen Version von „A Warrior’s Prayer“ bereits den Hauptteil des Abends, nämlich die Präsentation der überarbeiteten Version des Durchbruchsalbums „Kings Of Metal“, einleitete. Eine kurze Verschnaufpause also, bei der die berühmten gemeinsamen Schlussworte „karaokemäßig“ für die (hauptsächlich) tschechischen Besucher auf die Videowall projiziert wurden. Sicher nicht jeder im Publikum war damit vertraut, denn das eher ältere (das Durchschnittsalter betrug sicher über 40 Jahre) überwiegend männliche Publikum schleifte auch so manchen „Nicht-Fan“ oder auch die eigene Ehefrau mit.

Wie nach dem dazugehörigen Intro zu erwarten war, wurde mit „The Blood Of The Kings“ der Klassiker-Songreigen eröffnet. Die neue Version, mit den überlangen und eher nicht so songdienlichen Länderergänzungen, kommt aber naturgemäß bei der Erwähnung Tschechiens gut an. Schwungvoll geht’s mit „Kingdom Come“ weiter, einfach eine gemütlich rockende Nummer. Die einzelnen Songs wurden immer von kurzen Videos unterbrochen, was nicht weiter störte. Zu einer Bildercollage, zu Ehren verstorbener „Brüder“ MANOWARs wie Orson Welles, der bei den Songs „Dark Avenger“ und „Defender“ mitwirkte, spielte Karl Logan über die Pianomelodie von „Heart Of Steel“ ein emotionales Solo. Besonders ergreifend der Moment, in dem Bilder vom erst 2011 verstorbenen MANOWAR Schlagzeuger Scott Columbus erschienen. Dem Solo folgte dann auch die MANOWAR-Ballade schlechthin.

Ein Bassolo lässt sich ein Joey DeMaio natürlich nicht nehmen, ohne Rücksicht darauf, ob diese jemals jemanden interessiert hätten. Für mich wie bei jedem MANOWAR Konzert immer der perfekte Zeitpunkt, um für Biernachschub zu sorgen. Pünktlich zum Start von „Wheels Of Fire“ kam ich wieder in die Halle und konnte ohne große Probleme meine Kumpels aus der Steiermark finden, mit denen mich seit dem bereits erwähnten MCF 2008 eine langjährige Freundschaft verbindet. Die Stimmung im gut gefüllten Stehbereich war zumindest bei uns fünf großartig. Mit den Leuten auf den Sitzplätzen der umfunktionierten Eishockeyhalle wollte ich jedenfalls nicht tauschen, da war - obwohl voll besetzt - nicht recht viel los. Es kam mir eher so vor, also ob die Leute vorbeischauten, weil in ihrem Ort mal was passiert und nicht, weil diese Band große Begeisterung hervorruft.

Egal, meine Augen waren nach vorne gerichtet. Ein großes Highlight war definitiv „Hail And Kill“, bei dem sich die Projektion des Bühnenbilds im Laufe des Songs immer blutroter färbte. Einfach ein geiler Song, bei dem die Stimmung zumindest im vorderen Bereich kochte. „Kings Of Metal“ setzte dem partytechnisch noch etwas drauf. Dass Eric Adams uns aber fürs erste schon mal noch einen schönen Abend wünschte, trübte die Stimmung ein wenig. Es kann doch noch nicht so schnell vorbei sein. Als dann Joey DeMaio zu einer seiner „gefürchteten“ Reden ansetzte, wusste ich nicht recht was ich davon halten soll.

Nach den Danksagungen ans Publikum und einer äußert kurzen Ansprache kam dann aber ein Clou mit dem ich nicht gerechnet hatte. Joey kündigte nämlich gleich eine fixe Rückkehr in genau einem Jahr in die Halle in Ostrava an. Dem aber nicht genug, dürfte vor allem den Wienern ein weiterer Termin in Brünn am 15.01.2016 entgegenkommen. Ein kluger Schachzug, da quasi nach dem Konzert die Vorfreude zum nächsten die Enttäuschung eines doch eher kurzen Konzertes wett machte.

Ohne „Warriors Of The World“ ließen uns MANOWAR aber auch an diesem Abend nicht von dannen ziehen. Eine kleine Abwandlung, nämlich dass der Strophenbeginn von Eric A cappella interpretiert wurde, machte diesen abgedroschenen Song auch noch mal ein wenig spannender. Das obligatorische Finale mit „Black Wind, Fire and Steel“ zeigte dann aber nochmal, wie viel Power MANOWAR 2015 in bereits fortgeschrittenem Alter aber noch immer haben. Mit dem traditionellem Ende, einer Einspielung vom Band von „The Crown And The Ring“ ging somit ein großartiges Konzert- und Showerlebnis zu Ende.

Ein paar kleine Kritikpunkte, wie die etwas zu geringe Bühnenhöhe, was eingeschränkte Sichtverhältnisse nach sich zog oder ein paar Schnitzer bei Soundeffekten, seien MANOWAR beim ersten Konzert der Tour zu verzeihen. Generell sei jedem, der MANOWAR nach dem öffentlichkeitstechnisch oft sicher nicht ganz astreinen Verhalten des Bandbosses Joey DeMaio noch eine weitere Chance gibt versichert, dass MANOWAR noch immer ihre Daseinsberechtigung haben und keinen Fan bei einer ihrer Shows enttäuschen werden.


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