10.02.2015, Arena

HAMMERFALL

Veröffentlicht am 14.02.2015

Ein paar Dinge im Leben kommen wie der sprichwörtliche Amen im Gebet; eins davon ist ein Antreten dieses Rezensenten von HAMMERFALL-Shows, wenn die Schweden mal wieder die österreichische Hauptstadt heimsuchen. Und so auch der Fall im Jahre 2015: Aktuell befinden sich die Mannen rund um Bandchef Oscar Dronjak und Goldkehlchen Joacim Cans auf Europatour, um das jüngste Album "(r)Evolution" zu promoten, und spielten dabei nicht nur vor ausverkauftem Haus im PPC in Graz, sondern fielen am 10. Februar auch in der Arena in Wien ein. Bereits bei Einlass waren laut Veranstalter nur mehr 60 Karten für die Show in Wien verfügbar, und bald schon prangte auch am stylischen Abendkassa-Häuschen der Arena das "Sold Out"-Schild. Das freut natürlich Bands, Veranstalter und Fans gleichermaßen, und so ist es dann auch wenig verwunderlich, dass bereits die Opener

SERIOUS BLACK

vor vollem Haus aufgeigen dürfen. Diese Herren sind jedoch auch längst keine Anfänger mehr, handelt es sich doch um eine durchaus als solche bezeichenbare "All-Star-Truppe", die in ihrem Lineup so klangvolle Namen wie Roland Grapow (ex-HELLOWEEN, MASTERPLAN) und Thomen Stauch (ex-BLIND GUARDIAN) verzeichnen kann. Ironischerweise fielen aber leider gerade diese beiden Aushängeschilder für diese Tour krankheitsbedingt aus, und so sprangen kurzerhand Ramy Ali, sonst Trommler bei FREEDOM CALL, und FIREWIND-Zweitgitarrist sowie Tastenzauberer Bob Katsionis für die Daheimgebliebenen ein. Grund genug für die Band, sich darob nochmal extra ins Zeug zu legen, und so startet die Band fulminant mit "Temple of the Sun" in ihr kurzes, aber knackiges Set. Sofort fällt die multiple gesangliche Beteiligung (insbesondere durch Keyboarder Jan Vacik) im Background auf, die Fronter Urban Breed mehr als nur solide an den Vocals unterstützt, und damit nochmal für zusätzlich Harmonie und Wumms im Gesamtsound sorgt. Dieser geht übrigens auch bereits bei SERIOUS BLACK an diesem Abend sehr in Ordnung, und schnell hat sich die sympathische Truppe auch in die Herzen des Publikums gespielt. Mit vollstem Körpereinsatz agieren Bassist Mario Lochert (EMERGENCY GATE) sowie die beiden Gitarristen Bob Katsionis und Dominik Sebastian (EDENBRIDGE) auf der Bühne und legen dabei einige Kilometer zurück, und auch Sänger Urban Breed (übrigens ehemals in Diensten von BLOODBOUND) singt sich, stilsischer in Hemd und Weste gekleidet, souverän durch ein Set bestehend aus dem Material des druckfrichen Debütalbums wie "High And Low", "Older And Wiser" und dem fulminanten "I Seek No Other Life" zum Abschluss. Ein Kompliment für die unbändige Spielfreude darf dieser neuen Band aus "alten Hasen" jedenfalls gezollt werden; man spürte hier einfach, wie der Funke überspringt, und auch, dass die Truppe richtig hungrig ist. Es wird spannend zu sehen, wie es mit SERIOUS BLACK in den kommenden Jahren weitergeht! Etwas glückloser erschienen mir dann

ORDEN OGAN

: Die deutschen Power-Metaller haben zwar mit "Ravenhead" wieder ein erstklassiges Album am Start und konnten damit und der gelungenen zugehörigen Single "F.E.V.E.R." bei mir punkten; live will das Material der Jungs aber an diesem Abend nicht so wirklich zünden. Klar, es ist natürlich kein einfaches Unterfangen, das Bandchef Seeb hier in Angriff nimmt: Durchaus anspruchsvolle Gitarrenparts wollen von ihm zeitglich zur Leadgesangstätigkeit gespielt werden. Dass das einigermaßen schwierig wird und - wenn man nicht gerade James Hetfield ist - auch mal zu Abstrichen bei entweder Spiel oder Gesang führt, ist da leider vorprogrammiert. Und so kommen die Vocals in der Livesituation auch leider deutlich dünner und weniger sicher aus den Boxen als man das von den erstklassig produzierten Studioalben mittlerweile von ORDEN OGAN gewöhnt ist, und auch der beinahe konstant im Hochtempo-Bereich angesiedelte Power Metal der Truppe wird aud Dauer etwas ermüdend, zumal die Abwechslung fehlt. Ein paar dankbare Abnehmer findet die Band natürlich im genregeeichten Publikum an diesem Abend schon, aber unter den Supportbands hatten für mich heute die Routiniers von SERIOUS BLACK doch noch die Nase vorn.

HAMMERFALL

schließlich; und was soll man denn zu HAMMERFALL noch sagen? Dereinst gleichsam als Heilsgral und Untergang des Heavy Metal gefeiert und verdammt, haben sich die Schweden mit dem markigen Riffing von Oscar Dronjak und dem kristallklaren Gesang von Joacim Cans zu einer unumstrittenen Fixgröße im europäischen Metalzirkus gemausert. Zweifellos gab es dabei nicht immer nur Sternstunden in der Bandhistorie zu verbuchen, und so manche Einträge im Backkatalog muss man in Retrospektive jetzt nicht unbedingt glorifzieren, aber dennoch stehen HAMMERFALL auch anno 2015 für astreinen, stimmungsvollen True Metal, bei dem sich vor allem in der Setlist dieses Abends Hymne nahtlos an Hymne reiht, eine scheinbar wiedererstarkte Band mit viel Spielwitz und Motivation agiert, und der versammelten Fanschaft wieder einmal zeigt, wo der Hammer (sic!) hängt - respektive fällt. Und der fiel ganz eindeutig an diesem Februarabend auf die Arena Wien: Nach der Eröffnung durch "Hector's Hymn" und "Any Means Necessary" feuert man in der Folge Bandhit nach Bandhit in die hungrige Meute, die Songs wie "Renegade", "Blood Bound" und "Let The Hammer Fall" lautstark abfeiert. Von den eher schwächeren Alben "Threshold" und "Infected" fallen die Zitate spärlich aus, hier gibt's nur einmal den Titeltrack der erstgenannten Scheibe, und andererseits die rockige Spaßnummer "Bang Your Head" von der zweiten. Dafür hat man mit "Heeding The Call" einen absoluten Klassiker dabei, und auch das vom wiedergekehrten Stefan Elmgren (der diesmal aber primär für die Bass-Arbeit verantwortlich zeichnet) an der Gitarre geführte "400 Meter Medley", bestehend aus Riffs und Solos aus Stefans Zeiten als Primärgitarrist bei HAMMERFALL, fällt ausnehmend kurzweilig und unterhaltsam aus. Groovig wird's dann nochmal mit dem "Last Man Standing", und obligatorische Pflichtlektüre wie "Glory To The Brave" und die Bandhymne "Hammerfall" darf natürlich auch nicht fehlen. Als Zugabenblock packen HAMMERFALL schließlich wieder die "Templars Of Steel" ins Set, und schicken eine ausgelaugte, aber glückliche Fangemeinde mit "Bushido" und natürlich dem unvermeidlichen "Hearts On Fire" in den Feierabend. Am Ende des Tages bleibt also auch hier eine beeindruckende Tour de Force der Schweden, die mit einer straffen, gut durchorganisierten Show und viel Spielfreude alte Tugenden wieder hochleben lassen, und sich 2015 trotz Abgang von Langzeit-Drummer Anders Johansson in bestechender Form befinden. Eine der besten Shows, die ich bislang von HAMMERFALL erleben durfte - und dieser Rezensent hofft natürlich auf hochfrequente Wiederholung.


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