06.12.2009, Arena

PARADISE LOST, SAMAEL

Text: Reini | Fotos: caroline
Veröffentlicht am 11.12.2009

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PARADISE LOST und die Schweizer SAMAEL im Package, das Ganze an einem Sonntag, natürlich darf hier eine Spur an Skepsis angebracht sein, die erwies sich jedoch als völlig unnötig. Allein fast 900 Tickets konnten seitens der Veranstalter im Vorverkauf abgesetzt werden, was eines klar machte, die große Halle der Wiener Arena war an diesem Abend zum Bersten voll!

Was natürlich der Support Band zu Gute kam, SAMAEL das Schweizer Electronic / Industrial Metal Quartett ist ja bekannt für seine energetischen Bühnenshows, deren Songs on Stage um Klassen härter aus den Boxen donnern als auf Tonkonserve und die mit Mastermind Xy ein wahres Tier an den Keyboards und Percussions hat. So donnerte der gute Mann nach einem effektvollen Intro bei „Rain“ gleich ordentlich in die Vollen und der Opener des 96er „Passage“ Albums verfehlte seine Wirkung nicht. Etwas verhaltener wurden die Titeltracks der beiden Comeback Alben („Solar Soul“ und „Reign of Light“) aufgenommen, bevor die Schweizer mit „Baphomet's Throne“ noch weiter zurück in ihre eigene Vergangenheit gingen. Als bekennender Fan des letzten Trümmer Albums „Above“ hätte ich mir zwar mehr von dieser Abrissbirne gewunschen, ein herrlich trocken heraus geprügeltes „Black Hole“ hat aber zumindest diesen inneren Drang in mir befriedigt. Ebenso, dass die Mannen auch auf ihr „Worship Him“ Debütalbum aus dem Jahre 1991 nicht vergessen haben und mit dem mystisch, bedrohlichen „Into the Pentagram“ vollends überzeugen konnten.

Neben den (wie immer) hervorragenden Visuals kam Wien auch in den Genuss von etwas „mehr“ an SAMAEL. Da ein dritter Support auf dieser Etappe der PL Tour ausgespart wurde, hatten die Schweizer eine satte Dreiviertelstunde Zeit Überzeugungsarbeit zu leisten, was auch mit den beiden Rauskickern „Slavocracy“ und dem „Passage“ Kultling „The Ones Who Came Before“ vollends gelang. Wer konnte zu dieser Zeit schon ahnen, dass wir gerade den vermeintlichen Headliner des Abends lauschen durften… PARADISE LOST, ja was soll man sagen – auf CD hui on Stage pfui würde wahrscheinlich zu weit führen, aber die UK Herumdüsterer, bei denen Gitarrist Greg Mackintosh auf Grund eines inner familiären Krankheitsfall aussetzen musste, untermauerten wieder einmal die These, dass sie wohl eher für die Studioarbeit geboren wurden, denn für atemberaubende Live Action!

Ironischerweise war es dann neben dem kahl geschorenen Aaron Aedy Aushilfsgitarrist Milly Evans der für die meiste Stage Action zuständig war, aber auch für so manch ein leicht schief klingendes Gitarrensoli Verantwortung übernehmen musste. Holmes war (wie eh und je) zurückhaltend, ja geradezu schüchtern, aus dem doch eher reserviert rüber kommenden Briten wird wohl nie der extrovertierte, enthusiastische Frontmann. Nicht gerade hilfreich für einen Traumgig war auch die doch etwas zwiespältige Setlist, logisch, dass ein neues Album ordentlich promotet gehört, warum man aber mit „As Horizons End“ und dem eher flotteren „Universal Dream“ zwei potentielle Live Kracher zu Hause ließ und dafür so verzwickte Tracks wie „First Light“ oder „Frailty“ aufbot wird wohl nicht nur bei mir für Erstaunen gesorgt haben.

Der Rest war mehr oder weniger Standard. Nur die kühnsten hätten wohl erwartet, dass PL Stücke von Alben wie „Lost Paradise“, „Gothic“ oder „Icon“ bringen würden, obschon es cool gewesen wäre, wenn die Briten sich ihrer Anfangstage zumindest in Ansätzen erinnert hätten. Der Verzicht auf Tracks von „Paradise Lost“, „Host“ und „Believe in Nothing“ war dagegen ein nachvollziehbarer und guter. So waren es dann im Endeffekt die Klassiker, die immer ausgepackt werden (müssen), die für Stimmung sorgten: Ein gut runter gehendes „As I Die“, ein ziemlich geiles „Enchantment“, (Studio) Göttergaben wie „One Second“, „The Last Time“ und natürlich „Say Just Words“, ließen die Band zwar an einer kompletten livehaftigen Katastrophe vorbei schrammen, konnten aber weder in puncto Stageaction, Brachialität und Agilität SAMAEL stand Halten. Wird wohl auf ewig eine Studioband bleiben, was jedoch angesichts so manch einer Übernummer in der mittlerweile 21-jährigen Karriere der Briten äußerst schade ist… Setlist von Paradise Lost, Wien Arena 06.12.2009 Rise of Denial Pity the Sadness Erased I Remain As I Die The Enemy First Light Enchantment Frailty One Second No Celebration Requiem Encore: Faith Divides Us, Death Unites Us The Last Time Say Just Words


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