25.04.2015, SUB (Wiener Neustadt)

FRUTH REVIVAL PART 4 - feat. SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH

Veröffentlicht am 30.04.2015

Für Außenstehende mag es vielleicht etwas seltsam erscheinen, wenn sich ein paar Metal-Heads der Generation 35+ zusammenfinden unter dem Namen eines ansonsten längst in Vergessenheit geratenen Lokals. Ende der 80er des vorigen Jahrhundert war's, als sich einige überzeugte Metaller im ersten Stock des "Cafe Fruth" im beschaulichen Neufeld - sonst vor allem bekannt durch seinen Badesee - einfanden, um ihrem in der Öffentlichkeit damals noch ziemlich verpönten Hobby zu frönen. Nach ein paar Jahren war der Spaß auch schon wieder vorbei, die Hauptakteure Thomas "Schabi" Schabel und Robert "Lu" Luzsicza (vor allem Letzterer ist in der hiesigen Metal-Szene sicherlich jedem schon einmal untergekommen) versuchten sich noch in einer Mattersburger Diskothek und veranstalteten in Wiener Neustadt das - inzwischen legendäre, weil nur einmal stattgefundene - "Hell On Earth"-Festival. Die Protagonisten aus dem Fruth wurden auch nicht jünger, man ging seiner Wege, viele verließen die Szene oder widmeten sich anderen Dingen wie Familienplanung oder Karriere. Umso erstaunlicher ist, wie viele der "Ehemaligen" sich auch fast 25 Jahre nach Ende des legendären Lokals immer noch einfinden, wenn zum "Fruth Revival" geblasen wird, das bereits in die vierte Runde geht.

Die Crew rund um Thomas Kaindl (hat selber mit INQUISITION ein Stückchen Metal-Geschichte im südlichen Niederösterreich geschrieben) und Thomas Schabel hat sich diesmal zusammengetan, um nicht nur in Erinnerungen zu schwelgen, sondern die "alte Partie" auch wieder ein wenig in die Metal-Gegenwart zu hieven. Und dazu hat man sich auch fette Gäste geladen: die Live-Macht SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH und TBC, die Band des ehemaligen DARKSIDE-Drummers Robert "Roach" Grögler. Und viele sind gekommen von denen, die sich rühmen dürfen, "dabei" gewesen zu sein. Aber auch der Nachwuchs ist angetreten, so sieht man eine Menge junge Gesichter, die einfach mal neugierig waren oder schlicht wegen den beiden Bands hier sind. TBC sind heute natürlich die Lokal-Matadoren und haben sich in den elf Jahren ihres Bestehens eine treue Fan-Schar erspielt. Live tritt man als Septett an und die musikalischen Vorlieben zeigen sich bereits nach den ersten paar Takten: Vor allem SAVATAGE und THERION kann man heraus hören, wenn die Band ihr stilistisch durchaus komplexes Liedgut zockt. Es kommt auch sofort Stimmung auf und der charismatische Sänger Steve kann nicht nur mit Top-Stimme überzeugen, sondern auch mit Entertainer-Qualitäten und Umhänge-Keyboard.

Zudem ist heute auch die Feuertaufe der neuen Sängerin Tanja Schneider (ex-DAWN OF DESTINY), die nach längerer Suche von der Band in Deutschland entdeckt und kurzerhand nach Wiener Neustadt entführt wurde. Im kongenialen Zusammenspiel von Band und insgesamt vier Gesangsstimmen (man hat auch noch zwei Background-Sängerinnen im Gepäck) entwickelt sich eine tolle Dynamik, die sich auch mal außerhalb des selbst auferlegten Genres "Gothic Symphonic Metal" entfalten kann. Die Band ist top eingespielt, der Sound ist fein und die rund 180 Anwesenden danken es mit lautem Applaus. Bevor man sich für die Aufnahmen zum dritten Langspieler im Studio verschanzt, werden TBC jedoch noch einige Gigs in der Umgebung bestreiten, also unbedingt mal anchecken! Pünktlich um halb elf dann der komplette Stilwechsel. Martin Schirenc und sein Geräuschtrupp fetzen von Sekunde Null an einen ziemlichen Hammergig runter, der selbst mittlerweile greise Fruth-Gänger wie mich nochmal aus der Reserve lockt (die Nackenmuskeln tun immer noch weh).

Mit einem bunten Best-Of aus der bewegten Historie kann man von Beginn an punkten. "El Cochino" macht sich natürlich wieder durch seine schrulligen Ansagen beliebt, Basser Danny Vacuum sieht immer noch aus, als hätte man ihn direkt von den MISFITS ausgeliehen und Mike Gröger verkloppt das Drumkit wie ein Uhrwerk. Eigentlich ist das, was die drei da heute ins SUB lärmen fast schon zu perfekt und auf den Punkt. Aber das fällt eh nur Idipferl-Reitern wie mir auf, dem Rest scheint's Wurst zu sein. Allen Streitigkeiten um irgendwelche Namensrechte zum Trotz präsentieren sich SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH als extrem motivierte Combo, die jeden der Klassiker wahrscheinlich schon um drei Uhr früh im Halbschlaf fehlerfrei spielen kann. Natürlich dürfen Hits wie "Shrunken And Mummified Bitch", "Blood, Pus And Gastric Juice" und "Splatterday Night Fever" da auch nicht fehlen, die Fruth-Crowd (und der Rest) ergeht sich in wildem Headbanging - für den obligatorischen Circlepit zu den teils doch sehr punkigen Songs fehlt uns schlichtweg schon die Energie. Erinnerungen werden wach, an Zeiten wo gerade die frisch erschienene "Been Caught Buttering" durch die knarzigen Fruth-Speaker schallte und mindestens die Hälfte der Protagonisten auch im dazugehörigen Shirt die heile Welt in Neufeld ins Wanken brachten.

Nach 90 Minuten ist's gut mit Reise in die Vergangenheit, SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH haben heute hier durchaus Eindruck hinterlassen und vielleicht sogar ein paar neue Fans dazu gewonnen. Die Mischung aus dem orchestralen Rock von TBC und dem kompromisslosen Haudrauf-Metal von SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH hat sich heute Abend auch als optimal erwiesen: Zwei Bands mit viel Abwechslung sind halt immer noch besser als fünf Metalcore-Combos am Stück, die alle gleich klingen. Und gleich aussehen. Für den Rest des Abends gibt's noch adäquate Beschallung von Dj Lu und Dj Schabi, die im Geiste der Veranstaltung ausschließlich "alte" Metal-Klassiker ins Partyvolk blasen. Da kommt dann doch wieder ein wenig Wehmut auf, denn zu Fruth-Zeiten war der Metal vor allem eines: Großteils Underground, unschuldig und noch nicht komplett von irgendwelchen Trends und Hypes eingenommen. Und auch wenn es wieder die Arroganz des gealterten Metal-Freundes in sich trägt: Früher war vieles besser, zumindest was die harte Musik betrifft. Für Nicht-Dabeigewesene wird sich der Fruth-Mythos vielleicht nie ganz erschließen. Wir waren jung, deppert und uns war vieles wurscht. Damals zu "Stench" den Kopf geschüttelt, und heute immer noch - nur mit weniger Haaren. Ein nachhaltiger Brückenschlag. Schön, wenn die Leute auch nach so langer Zeit immer noch ab und zu zusammen finden und ihre Geschichten und Anekdoten austauschen können, aus einer fernen Zeit, irgendwo in einem kleinen Cafe im Burgenland. Wir hoffen inständig auf eine fünfte Auflage!


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