30.04.2015, Weekender, Innsbruck

UFOMAMMUT

Text: Laichster
Veröffentlicht am 05.05.2015

Eigentlich wollte man sich nach dem Gemetzel auf den Ebenen Mordors mit BLIND GUARDIAN (zum Livereport) einen gemütlichen Donnerstagabend auf der Couch gönnen und so gechillt in den Feiertag rutschen. Doch wie immer kommt es anders, denn Kollege Hellblaster und Professor Possessor blasen zur Hipster/Poser-Jagd im Innsbrucker Weekender und die prognostizierte Abschussrate ist vielversprechend. Versprechen doch die Italiener UFOMAMMUT und ihr Support KRPL diese zahlreich vor die Bühne zu locken. Kumpane Schrotti kündigt sich auch noch zur Treibjagd an und erscheint heute als stilechter Ozzy-Verschnitt und so bleibt dem Verfasser nichts anderes übrig als die Couch gegen das Weekender zu tauschen… Fliegerbrille aufgesetzt und mit full speed or no speed in die Nacht! Die Ausbeute an Hornbrillen-Schlachtvieh ist dann doch relativ gering, die Location füllt sich heute nur spärlich, was vielleicht auch am momentanen Konzert-Overload in der Tiroler Landschaft liegen mag und der heutige Headliner wohl wirklich nur etwas für Kenner ist. Sich davon demotivieren zu lassen widerstrebt dem anwesenden Metaller-Pack aber extrem und so feiert man niveauelastisch an der Bar bis der Opener den Abend um 21 Uhr eröffnet.

KRPL:
Die Grazer KRPL gastieren nicht zum ersten Mal in der Alpenhauptstadt, durften sie doch schon letztes Jahr für TONER LOW in der p.m.k. eröffnen und präsentierten sich damals schon als intensive Instrumentalkombo, der man doch im weiteren Verlauf ihres Bestehens gerne seine Aufmerksamkeit schenken könnte. Am Rande sei noch bemerkt, dass es zum damaligen TONER LOW-Gig aus Zeitgründen des Verfassers keine Berichterstattung gab. Im Gegensatz zu den Kiffer-Urgesteinen TONER LOW klangen KRPL in der p.m.k. wie eine wohltuende Opernaufführung, verwandelten doch die Holländer an jenem besagten Abend die kleine Location in eine Schwerindustriehalle… das durchgehende Störgeräusch lässt grüßen. Soweit die Vorschusslorbeeren für KRPL, seitdem ist doch wieder ein halbes Jahr vergangen und es gilt zu begutachten, was sich in der Zwischenzeit an der Live-Performance getan hat.

Man walzt also mit Wüsten-Riffs und schweren Drumsound dahin, während die spärlichen Lyrics wieder vom Drummer ohne Mikro gegrölt werden. Gewöhnungsbedürftig aber irgendwie passt das doch zum Desert-Style. Man muss zugutehalten, seit dem letzten Gastspiel in der Alpenhauptstadt hat man sich doch wirklich positiv weiterentwickelt. Das ganze Set wird tight runtergezockt und Unsicherheiten merkt man den Musikern keine mehr an. Das durchgehend rote Bühnenlicht kotzt den Hobby-Fotografen, der heute selbst für die Bebilderung sorgt, zwar extrem an, setzt die Show aber auch ins stimmungsvolle Licht. Ohne Sarkasmus geht’s dann aber sicher nicht, der Gitarrist präsentiert sich mit seinem mittlerweile noch mächtigeren Bart als optischer Großmufti des örtlichen Salafistenvereins, man vermutet deswegen die Zugehörigkeit zu Stoner-Szene. Steinigung jeden Freitag um 12 Uhr mit Songs wie „Liquid Meat“. KRPL beweisen heute jedenfalls, dass sie sich nicht verstecken müssen und ohne sich in die künstlerische Freiheit einmischen zu wollen fragt man sich doch, wie der KYUSS-lastige Sound mit einem richtigen Vocalisten klingen würde… Level up or level down?

UFOMAMMUT:
UFOMAMMUT sind eigentlich keine Unbekannten in der Stoner/Doom-Szene und die Italiener feiern dieses Jahr ihr 15-Jahre-Bandjubiläum mit einer ausgedehnten Tour und dem neuen Album „Ecate“. Der Weg führt also auch über das Innsbrucker Weekender und neben den komplexen Endlosbrechern präsentiert sich Band heute als äußerst sympathischer Haufen, dem es egal zu sein scheint, ob sie nun vor tausenden Zuschauern oder eben wie heute nur vor einer Handvoll auftritt. Die optische Umsetzung der Show kann sich auch sehen lassen, so die sowieso schon drückende Schwere der Kompositionen durch verstörende Visuals auf der Leinwand hinter Drummer Vita unterstrichen. „Das flasht ganz ordentlich…“, stellt Kumpane Esphemer fest und der Schreiber kann sich da nur anschließen.

So wird man mit einem überaus gut abgemischten Sound von den abgespacten Riffs über die malmende Bassline durch den Abend getragen, welcher im Fall von UFOMAMMUT tatsächlich viel zu schnell vergeht. Live entwickeln die sonst eher träge vor sich dahinschleichend wirkenden Nummern ihre ganz spezielle Eigendynamik, die den Zuhörer nach ein paar gekonnten Riffs komplett in seinen Bann ziehen. Gitarrist Poia und Bassist Urlo leben ihre Kompositionen mit jeder Note und die A3-Bedienungsanleitung für die Schaltwippen, welche für jeden Song neu adjustiert werden fasziniert immer noch. Fronter Urlo grölt zudem ziemlich schmerzverzehrt durchs Mikro, sodass die spärlichen Vocals auch zu einem Highlight jeder einzelnen Komposition verkommen. Conclusio: starke Performance einer von der Masse viel zu wenig beachteten Band!

Wieder einmal ein gelungener Abend im Weekender Innsbruck und gleichzeitig der Auftakt zu den Metal-Days der Location. Weiter geht es mit SKULL FIST am 02.06.2015 und danach werden uns noch die Doom-Legenden SAINT VITUS am 04.06.2015 und die vergleichsweise jungen ORCHID am 12.06.2015 präsentiert. Stormbringer wird wie gewohnt supporten und der Leserschaft berichten!


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