03.05.2015, Idalp

30 SECONDS TO MARS

Veröffentlicht am 07.05.2015

Kurz vor dem endgültigen Winter-Saisonschluss (tags darauf schlossen die letzten Skilifte) bot die Top-Winter-Destination Ischgl noch einmal alles auf und lud zum „Top Of The Mountains“-Konzert. Wo fast auf den Tag genau vor einem Jahr Superstar ROBBIE WILLIAMS gastierte (zum Livereport), durfte man sich heuer auf Stars aus Übersee freuen. Die Verantwortlichen präsentierten stolz 30 SECONDS TO MARS, welche schon einmal Tirol beehrten und 2011 in der Innsbrucker Olympiahalle Massen von kreischenden Fans begeisterten. Der Wettergott meinte es heute auch gut mit den tausenden anwesenden Fans und Skigästen. Viel besser als wettertechnisch prognostiziert harrten die meist noch in Skianzügen steckenden Zuschauer bei nur leicht bedecktem Himmel und annehmbaren Temperaturen dem Showbeginn, der mit leichter Verspätung folgte. Kurz zuvor lud das Erfolgstrio noch zu einem kurzen Fotoshooting vor der beeindruckenden Bergkulisse der Silvretta, sowie zu einer Pressekonferenz, die allerdings recht kurz und unspektakulär ausfiel. Umso eindrucksvoller ertönte um 13.15 Uhr das bombastische "Carmina Burana - O Fortuna"-Intro, das den Puls und Erregungszustand der zahlreichen weiblichen Fans noch mehr nach oben schnellen ließ. Der Adrenalinschub war für einige wohl auch notwendig, um auf dem schneebedeckten Boden die ganze Zeit in Stoffturnschuhen ausharren zu können - manche hatten sich offenbar im Vorfeld zu wenig über die hochalpinen Verhältnisse kundig gemacht.

Unter tosendem Applaus betraten die vier Protagonisten (samt des in der Folge recht unscheinbar bleibenden Live-Bassers Stevie Aiello) die 2.300 Meter hoch gelegene Showbühne. Man durfte seinen Augen kaum trauen, in welchem Outfit die Band einmarschierte. Fun-Tiermützen bedeckten die Häupter der Musiker, Paradiesvogel Jared Leto war gar mit einer spaßigen Gamsbock-Mütze geschmückt, unter der im Genick etwas Grünes aufblitzte. Dass es sich dabei um giftgrün gefärbtes Haar handelte, kann letztlich nicht vollends bestätigt werden. Klar ist jedenfalls, dass Oscar-Preisträger Leto im nächsten Batman-Blockbuster „Suicide Squad“ den Joker mimt. Mehr zu Filmthemen war heute leider nicht herauszufinden, waren doch Fragen rund um Filmthemen bei der Pressekonferenz explizit untersagt. Wundersamer Weise war das Haupt des Sängers auch während der PK von einer hermetisch dicht abschließenden, felligen Fliegermütze eingehüllt. Doch zurück zum Wesentlichen, nämlich zum Mega-Event inmitten der noch schneebedeckten Tiroler Berggipfel. Auf das grandiose Intro folgte "Up In The Air" (wie passend am heutigen Tag in der Höhe der Alpen!) und die Amerikaner zogen gleich zu Beginn des rund 80-minütigen Konzerts alle Register ihres Show-Könnens… imposantes Fahnenschwenken, Publikums-Niederknien-und-auf-Kommando-aufhüpfen, dazu die Trademark-mäßigen Chöre… es wurde gleich zu Beginn alles aufgefahren was der Fan über die Jahre liebgewonnen hat. Die Drei aus Los Angeles haben im Laufe der Jahre ohnehin Songs mit dem charakteristischen, hymnischen Charakter geschrieben, die vornehmlich direkt den Nerv der vornehmlich weiblichen Fanschar zu treffen scheinen. Die Band um den extravaganten Frontmann knallte gleich zu Beginn einige ihrer größten Hits hinaus. "Search And Destroy" und der Anti-Kriegs-Song "This Is War" fesselten sofort, bunte Riesenbälle wurden ins Publikum geworfen und mit Begeisterung weitergestupst. Das Bällewerfen stellte ebenso wie alle anderen Gimmicks perfekt einstudierte und oft gesehene, aber dennoch effektive Showeffekte dar, die für gute Laune unter der teilweise zwischen den Wolken herauslugenden Sonne sorgten.

Dann wurde es bei "Conquistador" ein wenig härter. Soundmäßig und jedenfalls outfittechnisch. Leto präsentierte sich in schwarzer, nietenbewehrter Punk-Lederjacke, welche natürlich ideal zur Fun-Mütze passte und dem Punk-Touch einen zusätzlichen Kick verlieh. Wobei natürlich zu bezweifeln war, dass die Anwesenden viel mit den auf die Lederjacke gepinselten GBH, EXPLOITED, DISCHARGE und den ENGLISH DOGS-Schriftzügen anzufangen wußten. Schlussendlich auch egal, die Zuschauer genossen jede Sekunde des mitreißenden Auftritts. Enthusiastisch folgten die Tausenden (die teils genannte Zahl von 13.000 scheint doch etwas zu hoch gegriffen zu sein) den Aufforderungen des Frontmans, mitzusingen und aktiv am Erlebnis zu partizipieren. Mitreißende Sing-A-Longs waren die Folge, die bandtypischen Chöre wurden dank tausender Kehlen wirkungsvoll in Szene gesetzt. Darin liegt auch die besondere Stärke der Band, die neben dem exaltierten Auftreten und dem Habitus von Multitalent Leto und seiner perfekten Entertainment-Performance auch davon profitiert, dass er das Publikum in die Show einbindet und ihm somit das Gefühl gibt, aktiv am Konzert teilzunehmen und es so auch mitgestalten zu können. Sympathisches Auftreten, Interaktion und Fannähe verstärken diesen Eindruck zudem und vermögen die Massen an sich zu binden. Vom lasziv-anzüglichen Lüpfen seines Oberteils bei gelichzeitiger Entblößung seines Bauches noch gar nicht zu reden, das bringt die weiblichen Fans endgültig um den Verstand!

Egal ob Jared Leto nun "Daniel aus dem Burgenland" auf die Bühne bat oder gar einen als "He-Man" kostümierten Besucher aus den Vereinigten Staaten - Berührungsängste sind etwas anderes - auch wenn sich sicher so manch weiblicher Fan nichts sehnlicher gewünscht hätte, als selber als Auserkorene neben ihrem Idol stehen zu dürfen. Auch die auf dem mitten ins Publikum reichenden Laufsteg performten Songs ("Hurricane") ermöglichten den zahlreichen "echten" Fans (die immerhin bis zu 85 Euro für das Ticket zu berappen hatten, für ein Meet & Greet wären noch einmal rund 300 Euro zu berappen gewesen), ihrem inmitten der Menge aufspielenden Star näherzukommen. Vom weitläufigen Ausflug ins Publikum beim großartigen „Kings & Queens“ noch gar nicht zu reden. Der Adrenalinspiegel der Securities und Bandbetreuer schnellte rapide nach oben als der Sänger mit einigen reichlich verblüfften Fans spontan auf Tuchfühlung ging. Alles übertragen auf den Großbildleinwänden und bejubelt von den Massen. Einem weiblichen Die Hard-Fan (Hallo Inge!) zufolge, die sich schon so manche Gigs angesehen hatte, schien es dem 43-Jährigen augenscheinlich Spaß gemacht zu haben, inmitten der verschneiten Alpen zu performen, auch wenn dem Sänger die Höhenluft etwas zu schaffen gemacht haben dürfte, was allerdings die Gesangsleistung kaum beeinträchtigte.

Vor dem riesigen Bandlogo erlebte die Ischgler Idalp ein weiteres lässiges Konzert in den luftigen Höhen der Tiroler Tourismusmetropole. Dank des Rückhalts seiner Band konnte der zierliche Mann, Jard Leto, auf der Bühne ganz groß aufgeigen. Performer dieser Klasse gibt es im Business ohnehin viel zu wenige. Hinten wuchtete Jared-Bruder Shannon amtliche Punches in sein Schlagzeug und auch Gitarrist Tomo Milicevic unterstützte die Performance seines Bühnenpartners und griff bei den angestimmten METALLICA-Krachern "Enter Sandman" und "Sad But True" ordentlich in die Saiten. Ein im Vergleich zur restlichen Tour leicht gekürztes Set schmälerte keineswegs das ganz große Entertainment, das inmitten der imposanten Alpenwelt zu genießen war. Einen fulminanten Schlusspunkt stellte schließlich der größte Hit der Band, "Closer To The Edge" dar, als die Bühne freigegeben wurde und unzählige Fans die Bühne entern durften, um mit der Band einen großartigen Abschluss des Konzerts zu feiern. So funktioniert Entertainment, das war großes Performance-Kino, Berührungsängste und Starallüren gehen anders, ein tolles Konzert ging um 14.35 Uhr viel zu früh zu Ende und machte bereits jetzt wieder neugierig, welche Stars die nächste Wintersaison beschließen dürfen. Eröffnet wird sie jedenfalls von SUPERTRAMP, soviel wurde schon jetzt bekannt.

Setlist:

- Carmina Burana - O Fortuna (Carl Orff) - Up In The Air - Search And Destroy - This Is War - Conquistador - Kings And Queens - Do Or Die - City Of Angels - End Of All Days - Hurricane (Acoustic) - The Kill (Bury Me) (Acoustic) --- - Bright Lights - Closer To The Edge Dank für zwei Fotos geht an Inge Reimsperger!

LIVEREPORTS und Bilder

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