23.05.2015, Gasometer

BLIND GUARDIAN - Beyond the Red Mirror

Text: Lady Cat
Veröffentlicht am 30.05.2015

Die deutschen Power Metaller BLIND GUARDIAN und ihr Wiener Support DRAGONY hatten an diesem Samstagabend eine besondere Aufgabe zu erfüllen, sie fungierten nämlich als akustische Gegenveranstaltung zum Eurovision Song Contest (ESC), der gleichzeitig am Wiener Rathausplatz (stimmt nicht ganz - es war die Wiener Stadthalle - Anm. d. Red.) stattfand. 20 Minuten vor Konzertbeginn sah es noch so aus als würde so mancher Rocker den ESC vorziehen, da erst recht wenige Personen anwesend waren. Dann jedoch, pünktlich zum Start von DRAGONY um 20 Uhr füllte sich die Halle und man bekam diese richtig angenehm-gute Dichte im Publikum, die perfekt für ein Konzert-Feeling ist, bei der man sich jedoch trotzdem noch mit Bier in der Hand hin und her bewegen kann, ohne jeden dritten anzuschütten. Wie gesagt, als erstes enterten DRAGONY die Bühne, unter dem Jubel der Fans in den vorderen Reihen. Schließlich sind die Jungs keine Unbekannten in der heimischen Szene. Ansteigende Begeisterung als Sieg Fried herein… ja, wie sag ich‘s jetzt… schwebte? Wegen Pferdeverbot auf Bühnen geht Hereinreiten ja nicht. Wobei das viel besser zum Drachentöter gepasst hätte, aber naja, man kann nicht alles haben.

Der Auftritt von DRAGONY war, wie für Supports üblich, recht kurz. Es wurden sechs Songs geboten, darunter Neuheiten vom im Herbst auf den Markt kommenden Album, um einen ersten Vorgeschmack auf die neuen Sachen zu liefern. Leider hatten sie nicht den besten Sound, aber das war kein Hindernis, weder für die Fans, noch für die Band. Sieg Fried war im Rampenlicht wie gewohnt in seinem Element und warf sich gekonnt in Pose. So gesehen – viel zu wenig weibliches Publikum, um dies gustieren zu können. Dabei darf man den Bassisten nicht unerwähnt lassen, der war genauso oft an der Front und hat ebenfalls optisch was zu bieten. Die anderen Drachenritter möchte ich natürlich nicht unerwähnt lassen. Insofern… schade, dass in der Halle keine Drachen waren, die Prinzessinnen bedrohten, weil an diesem Abend hätte es viele rettende Prinzen gegeben. Nach ihren sechs Stücken und einem kurzen Bühnenabgang gab es noch eine lauthals mitgegrölte, jedermann bekannte JUDAS PRIEST-Hymne als Zugabe: „Living After Midnight“. Wär ich jetzt Mirjam Weichselbraun, dann würd ich zur Vergabe einer hohen Punktezahl aufrufen. Null Punkte für Österreich waren das nämlich sicher nicht.

Set List:

Setlist DRAGONY:

Burning Skies Shadow Runners Kiln Of The First Flame The Longest Night Wolves Of The North Alcador Zugabe Living After Midnight (JUDAS PRIEST-Cover) Nach nicht ganz einer halben Stunde Umbau wird die Bühne in blaues Licht getaucht und unter tosendem Applaus kommen die einzelnen BLIND GUARDIAN-Mitglieder anmarschiert. Voran und intensiv beklatscht Schlagzeuger Frederik, dann die Männer an den Saiteninstrumenten und Tasten, zu guter letzt The Master Himself – Hansi Kürsch. Es wird nicht lange mit Begrüßung rumgefackelt, sondern rasch ins neue Album eingestiegen. „The Ninth Wave“ eröffnet den langen Reigen an alten und neuen BLIND GUARDIAN-Songs, die Stück für Stück vom Publikum frenetisch aufgenommen werden. An dieser Stelle viel über die Band zu sagen, ist eigentlich nicht erforderlich. Der BLIND GUARDIAN-Liebhaber weiß womit er es zu tun hat und welche Songs ihn erwarten. Schließlich liefern die Krefelder schon seit dem letzten Jahrtausend regelmäßig Alben und Shows, die – und das kann man heute mit gutem Gewissen sagen – nicht nachlassen. Naja, natürlich hat sich über die Jahre einiges verändert. Mit Kurzhaarschnitt und schwarzem Hemd mag Hansi heute vielleicht wie ein Versicherungsvertreter aussehen, aber sobald er zu singen anfängt, weiß man, dass er einem keine schwindligen Verträge andrehen will, sondern ein Metal-Sänger mit Erfahrung ist.

Die BLIND GUARDIAN-Show dauerte lange: Zwölf Songs im Hauptteil und zwei Zugabeblöcke zu je drei Stücken. Insgesamt also 18 Songs, von denen drei vom neuen Album stammten, alle anderen jedoch waren ein Querschnitt durch die Schaffensperiode der vergangenen Jahrzehnte. Riesen-Hits á la „Valhalla“, „The Bard’s Song“, oder „Mirror Mirror“ fehlten natürlich nicht und wurden – wie nicht anders zu erwarten war – in die Zugaben gepackt, um vor Schluss dem Publikum noch einmal so richtig einzuheizen. Am Anfang wusste noch niemand, dass dieser Abend eine Überraschung für die treuen Fans bringen würde. Aber als nach den ersten Songs verkündet wurde, dass man doch bitte recht eifrig mitmachen solle, weil das Konzert für einen Live-Mitschnitt aufgezeichnet werde, brach tosender Jubel aus. Die Halle erbebte förmlich, und ab diesem Moment gab es kein Halten mehr. Als „außenstehende Beobachterin“ muss ich sagen, solche Begeisterung von Anfang bis zum Ende sieht man nicht oft und es war eine wahre Freude, dies live mitzuerleben. Insofern war natürlich der Sound ausgezeichnet, die Band legte sich ins Zeug, spielte ihre Power-Metal-Songs mit vollem Einsatz – soll heißen fetzende Doublebass, knackige Riffs und lautstarke Soli. Die wunderschönen, ruhigen, akustischen Balladen erfuhren aber die gleiche Hingabe. Und das muss man ihnen lassen, egal ob hart oder zart, sie verstehen es, die Stücke wirklich gut live rüber zu bringen. Da gibt es auch kein Nachlassen bei den ruhigen Sachen, sondern man bekommt viel mehr den Eindruck, dass ihnen das noch besser gefällt, als mit Speed und Power und unter bunter Lichtshow über die Bühne zu fetzen.

Im Endeffekt kann man sagen, dass es ein Abend voller Begeisterung war – sowohl seitens Fans als auch Band. Die zwischendurch immer wieder eingeworfenen „Drohungen“ von Hansi, dass es nun gleich vorbei sein würde, motivierte die Gemeinschaft nur noch mehr, die Fäuste in die Höhe zu recken und mitzusingen. Aufforderungen wie „Wollt ihr mehr?“ fanden jedes Mal grölende Zustimmung aus tausend Kehlen. Und ich bin mir sicher, dass so mancher Fan enttäuscht war, dass nach den 18 Stücken Ende war, die Band sich nur mehr am Bühnenrand verbeugte und wie üblich Erinnerungsstücke ins Publikum schoss. Gerne hätten viele mehr gehört. So bleibt zu hoffen, dass es bald ein nächstes Mal gibt und inzwischen wird uns das Live-Album vertrösten, dass hoffentlich noch heuer auf den Markt kommen wird.

Setlist BLIND GUARDIAN:

The Ninth Wave Banish From Sanctuary Nightfall Fly Tanelorn (Into The Void) Prophecies The Last Candle Miracle Machine A Past And Future Secret Traveler In Time Journey Through The Dark Imaginations From The Other Side Encore: Into The Storm Twilight Of The Gods Valhalla Encore 2: Sacred Worlds The Bard's Song - In The Forest Mirror Mirror


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