28.05.2015, Rockhouse

ANTI-FLAG - AMERICAN SPRING-TOUR

Text: mat
Veröffentlicht am 30.05.2015

Wo die Pittsburgher Punk-Helden von ANTI-FLAG aufschlagen, bleibt kein Auge trocken. Dass die sympathischen Aktionisten-Jungs schon seit 22 Jahren im Namen der Gerechtigkeit unterwegs sind, sieht man den vier Mannen (na ja, bis auf Drummer Pat Thetic vielleicht :)) aber zu keiner Sekunde an. Und dass diese Heroen meiner Jugendzeit einerseits vor kurzem ein bärenstarkes neuntes Studioalbum mit dem klingenden Titel "American Spring" (das bei meinem Kollegen Reini sehr gut weggekommen ist) veröffentlicht haben und andererseits die ehrwürdige Location des Salzburger Rockhouses beehren, setzt dem Ganzen natürlich die Krone auf. Deshalb stilecht ab ins Rockhouse, natürlich zu spät, um den Berchtesgadener Punk Rock-Support FIRST CLASS TICKET noch zu erleben, aber akkurat pünktlich, um die ersten Töne des neuen Gassenhausers "Fabled World" mitzuerleben.

Und genau in dieser Tonart spielen sich ANTI-FLAG nun auf kleiner Bühne und damit marginalen Möglichkeiten, sich leibhaftig springend zu entfalten, durch ein unglaublich knackiges, kurzweiliges Programm, das eine Mischung aus ganz alten, noch aggressiveren Titeln (in Text und Melodie) und homogeneren, neueren Nummern darstellt. Justin Sane und Chris Head, die beiden Masterminds der Band, zeigen ein - wie gewohnt - perfekt harmonierendes Zusammenspiel, wechseln sich in den Vocals ab und schaffen es auch nach zwei Jahrzehnten des durchgehenden Grölens noch, den Spaß auf der Bühne nicht zu verlieren. Und das spürt man, das geht aufs Publikum über. Egal ob "Death Of A Nation", "Sky Is Falling" oder das poppige "The Press Corpse". Egal ob der Zugaben-Rausschmeißer "Die For The Government" oder das geniale, mitsingtaugliche "Brandenburg Gate", das sich ebenfalls auf der neuen Scheibe befindet - ANTI-FLAG wissen zu unterhalten.

Vom Mittelfinger zum Peace ist es nicht weit, der Pogo wird zelebriert und der Circle Pit bei jedem zweiten Song vehement von der Bühne aus gefordert. Dass der Circle von Minute zu Minute größer wird und innerhalb kürzester Zeit das gesamte Rockhouse ausfüllt, ist dabei selbsterklärend. Da fliegen Schuhe, Bierbecher und Wasserflaschen, da bangen drei stilechte Irokesen zusammen mit dem 08/15-Rocker von nebenan. Gediegener Punk, wie er leibt und lebt. Das ein oder andere politische Statement findet in diesem Rahmen natürlich auch noch Platz, ganz so aggressiv wie früher sind die "Motherfuckers" von ANTI-FLAG aber natürlich auch nicht mehr. Mit Ende dreißig fliegen die Verbalattacken halt auch nicht mehr so tief. Eines ist aber gewiss: ANTI-FLAG können es nach wie vor! Sie liefern eine tolle, aggressive, mitreißende und kurzweilige Show ab, die nach knappen 75 Minuten (inkl. Zugabe) schneller vorbei ist, als einem lieb ist. Aber so sind sie, die Amis - kurz und bündig, dafür umso zwingender. Um nach der Show in den "Hug"-Modus umzuschalten. Denn bevor die Lichter ausgehen, verteilt Justin Sane noch jede Menge Umarmungen an die Crowd in der ersten Reihe. Schön ist das und trotzdem irgendwie Punk... Bildcredits: Arne Müseler Fotografie


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