24.06.2015, Arena, Wien

ALICE COOPER + BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE

Veröffentlicht am 30.06.2015

ALICE COOPER bescherte uns an jenem Abend ein unvergessliches Konzert in der Wiener Arena, der besten urbanen Open-Air-Location Österreichs! Eine solch großartige Show habe ich seit dem MANOWAR-Konzert Anfang Jänner dieses Jahres (zum Bericht) nicht mehr erlebt (und in der Zwischenzeit hatte ich 50 mehr oder weniger coole Konzerte besucht …).

Ein Arena-Open-Air ist ja immer ein besonderes Event, für Fans von Rockkonzerten ist die Ausbeute in den letzten Jahren aber aufgrund der hohen Gagenforderungen der Bands, die wegen der konkurrierenden Festivalgroßevents immer mehr in die Höhe getrieben wurden, leider gering ausgefallen. Umso mehr hätte sich der geneigte Musikliebhaber der härteren Gangart nach ALICE COOPER auf das Arena Open Air MIND OVER MATTER-Festival mit DREAM THEATER als Headliner freuen können. Nach Bekanntgabe der Locationänderung ins Gasometer bin ich aber gespannt, wie dieses Festival, welches mit den szenebekannten ROADTRIP TO OUTTA SPACE-Events verknüpft wurde und mit Undergroundperlen wie KADAVAR und PALLBEARER beworben werden kann, vonstatten gehen wird.

Nach all den coolen RTTOS-Events in diesem Jahr – mit COLOUR HAZE, RUSSIAN CIRCLES oder PENTAGRAM in der großen Halle und den Events in der kleinen Halle oder im Dreiraum – ist die Arena für mich schon wie ein zweites Zuhause geworden. Und genau diese Atmosphäre trug am Abend des ALICE COOPER-Konzerts dazu bei, dass mir dieses Event lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Viele Konzertbesucher kamen erst zur Beginnzeit der Supportband BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE um 19:45 Uhr vor der Arena am Ende einer langen Warteschlange an und versäumten damit eine engagierte und kurzweilige Show der „Horrorbilly“-Punk-Rocker. Ich war fast rechtzeitig zu Showbeginn angekommen und ließ mich von den „ZOMBIES“, deren Konzept ziemlich einzigartig ist und deren Musik äußerst professionell vorgetragen wurde, gut unterhalten. Neben den zwei Gitarristen stach der in einer Rockband unübliche Kontrabass und vor allem der singende Stehschlagzeuger in bester BELA B.-Manier heraus.

Man kann zu den ZOMBIES stehen wie man will, ich bin nicht so der Fan von Punk-Rock, auch wenn dieser originell mit Elementen des Rockabilly verwoben ist. Der Show-Höhepunkt für mich war das in einem riesigen Freddy-Krüger-Kostüm umher wandelnde Ungetüm nach Art des IRON MAIDEN-“Eddie“.

Dem anwesenden Publikum wurde eingeheizt mit Songs wie „Kids of the Apocalypse“ oder dem finalen „Monster Mutant Boogie“, in dem ungeniert kurz die bekannten Hits „Where is my mind?“ und „Teenage Dirtbag“ verwurstet werden. Der laute Abschlussapplaus bewies jedenfalls den effektiven Unterhaltungswert der blutsaugenden ZOMBIES. Der kurze, fast obligatorische Open-Air-Regen während der Show der ZOMBIES (welcher mich an den legendären Gewitterregen während des WOLFMOTHER-Konzerts im Jahr 2012 erinnerte) zauberte einen fetten Regenbogen über den Himmel der Arena. Ein nahezu magischer Moment!

Da sich der Zeremonienmeister ALICE COOPER nicht lange bitten ließ, geriet ich während der halben Stunde Umbaupause regelrecht unter Stress, um unter vielen anderen Bekannten auch sämtliche Stormbringer-Kollegen zu grüßen und außerdem den besten Standplatz mit optimaler Bierversorgung zu finden.

Überpünktlich um 20:45 Uhr, noch bei Tageslicht, startete ALICE COOPER mit seiner ausgezeichneten Backing Band nach dem Intro „The Underture“ mit einem fulminanten „Hello Hooray“ als Begrüßung in den ersten Teil seiner Show und zeigte sich überraschend agil und fit wie ein Turnschuh. Sein Lieblingshobby Golfen scheint erstaunlich gute Wirkung auf seine Gesundheit auszuüben – auf der Bühne bewegte er sich geradezu wie ein Tiger Woods.

Mit „House Of Fire“ vom Erfolgsalbum „Trash“ legte die Rocklegende extrem lässig nach. Schade, dass von diesem geilen Album außer dem obligatorischen „Poison“ zum Schluss nicht mehr Hits geboten wurden. Das war anscheinend nur Besuchern der Tour im Jahr 1989 vorbehalten, denn so oft war ALICE COOPER seit seinem ersten Stadthallenkonzert 1975 gar nicht in Österreich.

Und in die 70er Jahre wurden die Besucher jetzt mit dem Klassiker „No More Mr. Nice Guy“ vom Durchbruchsalbum „Billion Dollar Babies“ versetzt, dessen Titeltrack inklusive Spielgeld am Degen und Verteilen von Plastikperlenketten ins Publikum zwei Songs später zelebriert wurde. Dazwischen gab‘s dann noch den Uralt-Song „Under My Wheels“ vom 1971er Werk „Killers“, bei dem die Gitarrenfraktion inklusive fescher Blondine ordentlich Gas gab. Danach kam „I'll Bite Your Face Off“ als einziger Beitrag vom aktuellen Album „Welcome 2 My Nightmare“.

Fans alter ALICE COOPER-Songs kamen im ersten Teil voll auf Ihre Kosten, denn auch „Be My lover“ wurde geboten. Das Publikum war auch dementsprechend älteren Semesters und die Arena dadurch nicht zuletzt aufgrund des Bierbauchumfanges einiger Besucher gut gefüllt. Die 90er wurden dann mit „Lost In America“ vom „The Last Temptation“-Album gewürdigt. Da merkte man dann auch die Änderung im Bandsound, der übrigens wie immer in der Open-Air-Arena nichts zu wünschen übrigließ. Egal wo man sich befand, die Show war ein Augen- und Ohrenschmaus! Aus der erfolgreichsten Zeit ALICE COOPERs durfte natürlich „Hey Stoopid“ nicht fehlen, und nicht erst dann sang das Publikum euphorisch die Refrains mit.

Den Übergang in den zweiten Teil der Show markierte der 2005er Song „Dirty Diamonds“ vom gleichnamigen Album, der äußerst cool mit Stoner Rock-Riffs daherkam. Dieser Song weckte Erinnerung an mein erstes richtiges Rockkonzert in eben diesem Jahr auf der Burgbrauereibühne der Burg Clam, die sich ja im letzten Jahrzehnt zu einer der coolsten Open-Air-Locations Österreichs gemausert hat. Damals spielte der Kultrocker vor nicht mal 1000 Leuten auf einer kleinen Bühne einen Mini-Gig. Die Show-Einlagen blieben trotzdem gut in Erinnerung, die ich dann 2008 beim MANOWAR-Festival auf einer riesigen Bühne noch einmal erleben durfte.

Die „Theater of Death“-Tour im Jahr 2010 ließ ich aus, weil ich mir nicht nochmal dieselbe Show ansehen wollte, und habe bei der kurzen Setlist anscheinend nichts Großartiges verpasst. Deshalb war ich auch im Jahr 2015 ein wenig skeptisch, ob die immer wiederkehrende Show nicht eventuell auch etwas langweilig werden könnte. ALICE COOPER zum ersten Mal zu sehen ist natürlich ein besonderes, nicht reproduzierbares Erlebnis, aber auch an diesem Abend schaffte es der Großmeister, seine „alten“ Showeffekte mit einem gewissen Charme gekonnt zu inszenieren.

Der theatralische Horrorshow-Teil wurde – nomen est omen – mit „Welcome To My Nightmare" eingeleitet, dem Titelsong des neuen Albums, auf dem die legendäre Show ALICE COOPERs aufbaut. Dazu kam der Maestro mit einer Schlange auf den Schultern auf die Bühne. Mit dem coolen „Go To Hell“ wurde das Publikum regelrecht in die Hölle hinuntergezogen. Das Tageslicht ward mittlerweile verschwunden, die Bühne verfinsterte sich. Zum Song „Wicked Young Man“ vom 1999er Werk „Brutal Planet“ gab der Schock-Rocker den finsteren Diktator und bei „Feed My Frankenstein“ wurde ein riesiges Monster erschaffen, das dann über die Bühne wankte.

Die großartigen Ballade „Ballad Of Dwight Fry“ performte ALICE in einer Zwangsjacke. Bei „Killer“ wurde er dann beim Versuch der Strangulierung einer Krankenschwester geschnappt und zum Schafott geführt, um geköpft zu werden. ALICE COOPERs Kopf wurde dann vom Henkermeister dem Publikum vorgeführt und sein Tod mit dem Song „I Love The Dead“ zelebriert. Soweit nichts Neues.

Der Clou der „Raise the Dead“-Show war danach aber die Inszenierung von vier Coversongs bereits verstorbener Rocklegenden, showtechnisch durch Grabsteine visualisiert. Jim Morrison wurde mit „Break On Through“, John Lennon mit „Revolution“, Jimi Hendrix mit „Foxy Lady“ gehuldigt und der Kreis wurde mit „My Generation“ - Keith Moon von THE WHO geschlossen.

Die eigenen großen Hits behielt man sich als Ass im Ärmel und somit konnte zum Schluss mit „I'm Eighteen“ und „Poison“ noch einmal aus dem Vollen geschöpft werden. Das Show-Finale markierte dann „School's Out“, bei dem mit ins Publikum geworfenen Bällen und Seifenblasen auf der Bühne ein Spektakel der Sonderklasse veranstaltet wurde. In dieser Top-Form darf uns ALICE COOPER hoffentlich noch lange erhalten bleiben.


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