29.07.2015 - 01.08.2015, Wacken Festival Area, Wacken

WACKEN 2015 - Schlammschlacht des Grauens

Text: manfred
Veröffentlicht am 18.08.2015

Wacken Open Air 29.07.2015 – 01.08.2015
75.000 Metal-Fans aus aller Welt. Verteilt auf vier Tage, ca. 150 Bands auf acht Bühnen und eine Fläche von mehr als 240 Hektar. Das ist Wacken! Heuer jährte sich das Festival zum 26. Mal. Zum 25. Jubiläum gab es großen Unmut über das Line-Up. Man erwartete einen richtig großen Headliner und nicht „nur“ ACCEPT... Leider wird es für die Veranstalter nicht einfacher, denn gefühlt hat bereits jede Metal-Band der Welt ihren Auftritt beim Festival gehabt. Darum wurde über diverse Social-Media-Kanäle auch am heurigen Aufgebot einiges bemängelt. Leider erlebten wir bei der heurigen Ankündigung für die Bands 2016 auch keine wirklich überzeugende Stimmung (nur bei BLIND GUARDIAN war ein bisschen Jubel zu hören), daher antwortete Holger Hübner gleich, dass in den nächsten zwei Wochen noch ein Kracher kommen wird. Sind wir mal gespannt wer da auf uns zukommt. Denn wie es im Leben so ist, kann man es nicht immer allen recht machen und wer mit dem Line-Up nicht zufrieden ist, kann ja zuhause bleiben. Immerhin waren die Tickets für das diesjährige Wacken ohnehin innerhalb von zwölf Stunden ausverkauft und die Tickets für das nächste Wacken (2016) waren auch innerhalb von 24 Stunden weg. Über eine mangelnde Nachfrage können die Veranstalter des W:O:A somit nicht klagen. Einmal das Wacken besucht zu haben, gilt eigentlich als ein MUSS für jeden Metalhead. „Das sollte man mal gesehen haben“ hieß es schon damals als ich als Metal-Neuling in die Szene rutschte. Ich fuhr 2006 zu meinem ersten W:O:A. Die ganze Aufregung um dieses Festival konnte ich damals aber nicht verstehen, was wohl daran lag, dass ich schon andere große Festivals zu der Zeit besucht hatte (z.B. "Rock im Park"). Wacken hat mich daher nicht so umgehauen wie ich es erwartet hatte, weshalb ich die Akte Wacken schnell wieder ad acta gelegt habe. Dieses Jahr hatte ich aber wieder die Möglichkeit das Wacken zu besuchen und das wollte ich mir, nach so langer Zeit, auch nicht entgehen lassen. Bereits am Montag vor Festivalbeginn konnte man, wie jedes Jahr gegen eine Gebühr (Euro 30,-- und ab Dienstag Euro 20,--), auf das Campinggelände. Zu diesem Zeitpunkt tauchten im Internet auch schon die ersten Schlammfotos auf. Offensichtlich meinte es der Wettergott nicht gut mit uns. Am Dienstagabend, vor unserer Abfahrt, kam die erste Pressemitteilung raus, dass Traktoren benötigt werden um Hackschnitzel zu verteilen und dass die Wetteraussicht mehr schlecht als recht ist. Auch wurden Besucher aus der näheren Umgebung gebeten, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Nichtsdestotrotz waren wir weiter in positiver Stimmung. Immerhin lautet ein Motto von Wacken: See you in Wacken – rain or shine!

Dieses Motto passte heuer wie die Faust auf's Auge. Zwar hatten wir von beiden etwas, aber vom ersten definitiv zu viel und nicht im Sinne von „Weichei-Zuviel“, sondern extrem zu viel! Samstagnachmittag wurde uns bei der Pressekonferenz der Veranstalter mitgeteilt, dass leider ein Negativrekord mit der Niederschlagsmenge aufgestellt wurde. Insgesamt fielen in vier Tagen 145 Liter Regen pro Quadratmeter. Zehn Liter mehr als beim letztmaligen Rekord von 2007. Da bloße Zahlen jedoch nicht sonderlich aussagekräftig sind – kann an dieser Stelle auf diverse Bilder oder Videos auf YouTube (einfach googeln) verwiesen werden - für diejenigen, die wissen wollen wie das konkret ausgesehen hat. Positiv war jedoch die Resonanz der Polizei und Rettung. Anscheinend war auch den Langfingern der Regen zu viel, um auf Beutejagd zu gehen. Auch was die Zahl der Verletzten angeht, war heuer die niedrigste Zahl zu verzeichnen.

Tag 1 – Ankunftstag
Nach gut neun Stunden Fahrt kamen wir Mittwoch frühmorgens gegen 5 Uhr zu unserem Zeltplatz. Die ersten Meter waren schon derart voller Matsch, dass wir die Anweisung bekamen, mit Vollgas durchzufahren. Pünktlich zum Zeltaufbau fing der nette Regen an, um uns die Sache erheblich zu erschweren. Ab diesem Zeitpunkt sollte es auch nicht mehr aufhören zu regnen. Übermüdet und erschöpft tranken wir unser erstes alkoholisches Getränk, um auf die gute Fahrt anzustoßen und in Festivalstimmung zu kommen. Bandmäßig stand am ersten Tag nur GRAILKNIGHTS und natürlich EUROPE im Zelt auf der Headbangers Stage am Plan. Doch dann kam im Laufe des Tages eine weitere Pressemitteilung in der verkündet wurde, dass ein Starkregengebiet aufgezogen ist und es bis in die Nacht weiter schütten (im wahrsten Sinne des Wortes) wird. Wiederrum wurden die Metalheads gebeten, falls sie die Möglichkeit hätten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag anderweitig unterzukommen, nicht zum Gelände zu kommen bzw. wer noch nicht unterwegs ist, sollte die Abreise wenn möglich verschieben. Denn das Team könne nicht garantieren, dass alle auf das Gelände kommen. Daher wurde kurzerhand vom Veranstalter das Parkhaus in Itzehoe gemietet, indem die Besucher übernachten konnten und von dem auch, auf Kosten des Veranstalters, ein Shuttlebus zum Holy Ground fuhr. Bis zu diesem Zeitpunkt war in der Nähe von unserem Zeltplatz ein kleiner See entstanden, indem die Autos stecken blieben und auch unser Vorzelt wurde, durch immer mehr Regenmassen, zu einer heranwachsenden Kneippanlage. Darum entschieden wir uns einen Graben um unser Zelt auszuheben, was sich als sehr sinnvoll herausgestellt hat. Weshalb unserem Beispiel auch einige andere gefolgt sind. Leider, wie vorher erwähnt, wollte der Regen nicht aufhören. Da auch das Shuttle ausgefallen ist, was uns vom Presse-Campingplatz zum Gelände bringen sollte, entschieden wir uns, GRAILNIGHTS und EUROPE ausfallen zu lassen. Der restliche Tag ging daher feucht und fröhlich am Zeltplatz zu Ende.

Tag 2
Nach einer relativ kurzen Nacht und überraschten Gesichtern unsererseits, dass das Zelt nicht unter Wasser stand, konnten wir den Tag halbwegs gut gelaunt starten. Denn ab Donnerstag werden die beiden Hauptbühnen, die Black- und True-Metal-Stage, bespielt. Nur der Regen machte uns wieder einen Strich durch die Rechnung. Bis zum frühen Nachmittag regnete es durch. Doch eigentlich waren wir hier um Bands zu sehen. Somit war die erste Band des heutigen Tages:
 

IN EXTREMO
Die siebenköpfige Mittelaltertruppe aus Berlin startete gut gelaunt mit „Frei zu sein“. Trotz der ziemlich harten Tage zuvor, war das Infield gut gefüllt. Zwar sah man den Besuchern die Strapazen an, denn es kostete einiges an Kraft, um sich durch die Matschmassen zu kämpfen, doch die alten Hasen von IN EXTREMO schafften es von Anfang an eine gute Stimmung zu verbreiten. Weiter ging es mit Klassikern wie „Erdbeermund“, „Vollmond“, „Spielmannsfluch“ und „Küss mich“. Nach ihrem 20-jährigem Bestehen war das Konzert im Grunde eine Best-Of-Setlist durch die lange Bandgeschichte. Auch ein weiterer Klassiker durfte natürlich nicht fehlen, nämlich „Liam“, den sie in Gälisch präsentierten. Da wir heuer bereits zwei Mal die Möglichkeit hatten IN EXTREMO zu sehen, muss man ihnen einfach Tribut zollen. Sie liefern immer wieder eine solide Show ab und schaffen es die Leute glücklich zu machen. Wie auch hier in Wacken. Nach gut einer Stunde ist das Konzert vorbei und zufriedene Gesichter verließen die vorderen Reihen. Mehr braucht man für ein gelungenes Konzert nicht.

Setlist:
- Frei zu sein
- Zigeunerskat
- Erdbeermund
- Himmel und Hölle
- Vollmond
- Feuertaufe
- Spielmannsfluch
- Omnia Sol Temperat
- Liam
- Nur ihr allein
- Unsichtbar
- Sängerkrieg
- Ai Vis Lo Lop
- Küss mich
- Rasend Herz

Auch wir verließen zufrieden das Infield, um uns eigentlich auf den Weg zu den Stages im Zelt zu machen (DARK TRANQUILLITY). Doch die Kraft und Lust, uns erneut durch die riesigen Schlammsümpfe zu quälen, ging uns auf dem beschwerlichen Weg verloren. Auch setzte teilweise wieder Regen ein. Somit entschieden wir uns, uns kurz zurück zu ziehen, um Energie zu tanken und uns auf das seitens der Veranstalter groß angekündigte Spektakel vorzubereiten. Es handelte sich dabei um das Konzert von:

TSO & SAVATAGE
Mit großer Freude wurden diese beiden Bands bekannt gegeben. Einerseits weil SAVATAGE seit Ewigkeiten nicht mehr live gespielt haben und andererseits, weil das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA endlich mal wieder in Europa ein Konzert geben, da diese meistens nur in den USA stattfinden. Damit aber nicht genug, denn als die Running Order veröffentlicht wurde, glaubten viele auf den Social-Media-Seiten, es handle sich um einen Druckfehler. Denn TSO und SAVATAGE sollten zur gleichen Zeit auf der Black- und der True-Metal-Stage spielen. Einige Zeit vorm Festival wurde aber davon gesprochen, dass ein Stück Musik- bzw. Festivalgeschichte geschrieben wird. Somit wurde bald klar, dass etwas Besonderes auf uns zukommen wird. Mit Spannung wurde dieses Highlight erwartet. Dann war es endlich soweit. Zur Primetime kamen SAVATAGE auf die Bühne und es wurde so richtig laut. Denn dieses Konzert wollte sich keiner entgehen lassen und somit war das Gelände sehr gut gefüllt. Abwechselnd spielten beide Bands einzelne Songs aus ihrem Repertoire. Einfach nur klasse. Da das TSO nicht wirklich mein Fall ist und sich diese eher auf die klassischen Werke konzentrierten, sank meine Aufmerksamkeit während deren Auftritts. Nachdem beide Seiten jeweils acht Songs gespielt hatten, kam das, was in die Musikgeschichte eingehen sollte. Beide Bands performten zur gleichen Zeit auf beiden großen Bühnen des Wacken Open Air. Was für ein Anblick. Es passte einfach alles zusammen. Da mich aber dann die extremen Lichteffekte etwas störten und der Durst überhand gewann, beschloss ich, es mir nicht bis zum Ende anzusehen. Übrig bleibt ein grundsätzlich positiver Eindruck von SAVATAGE und dem gemeinsamen Zusammenspiel der Bands. Bleibt abzuwarten, wie es mit der legendären Band weitergehen wird.

Setlist Savatage:
- Gutter Ballet
- Madness of Men
- 24 Hrs. Ago
- Another Way
- You Can Die
- Edge of Thorns
- Night Conceives
- Jesus Saves
- Toccata – Carpimus Noctem
- The Storm
- The Hourglass
- Dead Winter
- Dead Beethoven
- Hall Of The Mountain King
- Promotheus
- The Hourglass (duet with ZAK STEVENS)
- A Last Illusion

Gleichzeitige Performance TSO und SAVATAGE:
- The Mountain (TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA-Cover)
- Carmina Burana (TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA-Cover)
- Turns to Me Another Way
- Mozart and Memories (TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA-Cover)
- Morphine Child
- King Rurick (TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA-Cover)
- Believe Chance
- Christmas Eve (Sarajevo 12/24)
- Requiem (The Fifth)

Tag 3
Was für ein Erwachen am dritten Tag. Endlich waren mal keine Regenwolken zu sehen und laut Wetterbericht sollte das Thermometer wirklich über die 20-Grad-Marke steigen. Doch der Kater vom Vortag war auch nicht von schlechten Eltern. Einziges Hilfsmittel war dagegen antrinken. Da die ersten Sonnenstrahlen auch schon kamen und es immer wärmer wurde, schmeckte alles umso besser. Aber wie so oft auf einem Festival, nimmt man sich vorab immer vor, so viele Bands wie möglich zu sehen. Die erfahrenen Festivalbesucher unter euch wissen genau, wie es dann meistens wirklich kommt. Man lernt irgendwelche Leute, meist Zeltnachbarn, kennen, und so schnell kann man gar nicht schauen ist es Nachmittag. Die ersten anvisierten Bands haben schon gespielt. Leider traf es diesmal ENSIFERUM, SEPULTURA, und AT THE GATES. Um noch halbwegs den Schaden einzugrenzen, machten wir uns auf den Weg zum Bühnengelände, um die nachfolgende Band zu sehen:

OPETH
Nun stand progressiver Metal von den schwedischen Masterminds rund um Mikael Åkerfeldt am Programm. Trotz deren musikalischer Ausrichtung war es gut gefüllt. Der progressive Stil hat bei Festivals sicher seine Tücken, da es schwerer ist die Besucher entsprechend in Stimmung zu bekommen, denn zu Wall Of Deaths oder Circle Pits wird es nicht kommen. Doch OPETH schafften es auch so die Leute gut zu unterhalten. Vor allem auch durch die meist humorvollen Aussagen zwischen den Songs von Frontman Mikael. Die Jungs aus Stockholm starteten mit den ersten beiden Songs, „Eternal Rains Will Come“ und „Cusp Of Eternity“, von ihrem letzten Silberling ("Pale Communion", 2014). Mittlerweile merkte man auch den meisten Besuchern die gute Stimmung durch die strahlende Sonne an. Weiter ging es mit einem live sehr selten vorgetragenen Song namens „The Drapery Falls“. Irgendwie hat man bei OPETH immer das Gefühl, als würden sie für ihre erhaltene Spielzeit nur zwei bis drei Songs spielen, doch es sollten noch einige Songs folgen. Darum ging es gleich mit „To Rid The Disease“ weiter, der wie der vorige Song auch zu den eher seltenen live performten gehört. Leider war für mich OPETH nach diesem Song schon vorbei, da zur gleichen Zeit ANNIHILATOR auf der Party Stage spielten.

Setlist:
- Eternal Rains
- Will Come
- Cusp Of Eternity
-The Drapery
- Falls To Rid The Disease
- The Devil's Orchard
- Heir Apparent
- The Grand
- Conjuration Deliverance

ANNIHILATOR
Schnellstmöglich, sofern man durch die Menschenmassen und den langsam weniger werdenden Matsch durchkam, machten wir uns auf den Weg zu den kanadischen Thrash-Metallern ANNIHILATOR. Leider standen schon derart viele Leute vor der Party Stage, dass es nur mehr die Möglichkeit gab, die Band aus weiterer Entfernung zu sehen. Wie immer gut gelaunt, bewegte sich Jeff Waters über die Bühne und schaffte es, auch durch seine sympathische Ausstrahlung, die Fans mitzureißen. Seit geraumer Zeit muss Jeff wieder selber das Mikro übernehmen, da sein ehemaliger Kollege Dave Padden (Sänger und Gitarrist) das Handtuch warf. Er machte es zwar gut, doch Dave konnte mich mit seinem Gesang doch mehr überzeugen. Da wir einige Zeit verloren um uns zur Party Stage zu kämpfen, konnten wir nur noch die letzten Lieder erleben. In meinen Augen ein gelungener Auftritt, obwohl ich ANNIHILATOR gerne auf einer der großen Bühne gesehen hätte, wie es auch beim Wacken 2013 war.

Setlist:
- Suicide Society
- No Way Out
- Creepin Again
- King Of The Kill
- Set The World On Fire
- W.T.Y.D.
- Refresh The Demon
- City Of Ice
- Phantasmagoria
- Second To None
- Alison Hell
- Human Insecticide

DREAM THEATER
Mit guter Laune warteten wir gespannt auf das Debüt der Prog-Meister auf dem Wacken. Ehrlich gesagt, flog DREAM THEATER immer an meinem Radar vorbei. Daher konnte ich mich beruhigt von der Band, die bereits seit 30 Jahren besteht, überraschen lassen. Das taten sie auch im positiven Sinne, denn sie fanden eine gute Mischung aus härteren Songs wie auch typisch progressive und eine Ballade durfte natürlich auch nicht fehlen. Soundtechnisch passte alles hervorragend und dass die Herren ihr Instrument beherrschen, muss auch nicht wirklich erwähnt werden. Nur der Sänger (James LaBrie) konnte live nicht hundertprozentig überzeugen. Er traf nicht alle Töne, aber irgendwie ist der Gesang in meinen Augen doch nur Nebensache, denn es machte viel mehr Spaß, den Fingerfertigkeiten des Gitarristen John Petrucci zuzusehen. Einfach nur genial. Für mich ein cooler Auftritt und definitiv ein guter Einstand für die Jungs am Wacken. Hoffentlich kommen die Herren aus New York öfters vorbei.

Setlist:
- Afterlife Metropolis
- Pt. 1: The Miracle And The Sleeper
- Burning My Soul
- The Spirit Carries On
- As I Am
- Panic Attack
- Constant Motion
- Bridges In The Sky
- Behind The Veil

IN FLAMES
Es wurde Zeit für den Headliner am Freitag. Die Legenden aus Schweden waren am Start. Trotz schönerem Wetter waren noch einige große Matschseen vor den Bühnen und wir standen genau in einer solchen. Machte uns aber nichts aus, denn als die Schweden den Klassiker „Only For The Weak“ anstimmten, war der Schlamm um uns vergessen. Die Setlist war sehr ausgewogen, somit war für die älteren und auch jüngeren Fans der Melodic-Death-Metal-Truppe etwas dabei. Des Weiteren war endlich mal mehr Bewegung in den vorderen Reihen zu sehen. Irgendwie schade, wenn man immer über den Sound sprechen muss, doch dieser war glücklicherweise einfach perfekt. Alle Instrumente hörte man klar und deutlich, plus der Stimme von Anders. Zu dessen Outfit kann man gerne diskutieren, aber warum nicht mal in ganz Weiß anstatt in Schwarz? Zwar kam die Stimme gut rüber, aber dass Anders sich Texthänger nach so langer Bandgeschichte erlaubt, ist nur bedingt zu dulden. Auch wirkte er bei den Zwischenansagen etwas verwirrt. Seine glasigen roten Augen und sein Blick lassen Spielraum für Spekulationen, was sich in seinem Körper befand. Die restlichen Jungs lieferten einen grandiosen Gig ab. Aufgrund der perfekten Abstimmung zwischen allen Elementen (Lichtshow und Sound), hatte man das Gefühl als würde die Zeit still stehen. So etwas erlebt man auch nicht alle Tage. Hut ab!

Setlist:
- Only For The Weak
- Everything's Gone
- Bullet Ride
- Where The Dead Ships Dwell
- Paralyzed Alias
- Deliver Us
- Cloud Connected
- Drifter The Chosen Pessimist
- The Quiet Place
- Delight And Angers
- Rusted Nail
- The Mirror's
- Truth
- Take This Life
- My Sweet Shadow

WITHIN TEMPTATION
Punkt Mitternacht war dann Zeit für den Auftritt der sympathischen Niederländer auf der Party Stage. Eingeleitet wurde der Wacken-Auftritt mit dem Song „Paradise“ und wie von anderen Auftritten gewohnt, kamen alle Musiker von Anfang an gut gelaunt und motiviert rüber. Sängerin Sharon den Adel dürfte beim Wirbeln über die Bühne einige Kilometer zurückgelegt haben und auch stimmlich konnte sie durchgehend bei allen Songs (sofern hörbar) wie z.B. „Faster“, „In The Middle Of The Night“ und „Our Solemn Hour“ überzeugen. Es gibt sicherlich nicht viele Sängerinnen, die live so einwandfrei performen können wie sie. Zur Location an sich – der Party Stage - kann gesagt werden, dass der Sound im Vergleich zu den anderen Bühnen doch zu wünschen übrig lässt. Sehr ärgerlich war, dass ebenfalls um Mitternacht der Gig von RUNNING WILD auf der Black Stage startete. Der Sound der Black Stage krachte dabei so in den der Party Stage rein, dass die ruhigeren Songs wie „Fire And Ice“ und „Angels“ schlicht kaum bis gar nicht zu hören waren, zumindest wenn man sich eher auf der linken Seite vor der Bühne befand. Sehr ärgerlich, da eine Band wie WITHIN TEMPTATION auf jeden Fall einen besseren Rahmen für ihren Auftritt verdient hätten. Bei einigen Fans war der Unmut darüber doch merkbar. Auch wir haben uns aufgrund des schlechten Sounds (trotz wirklich bemühter Performance seitens der Band) zirka bei der Hälfte des Sets dafür entschieden, noch zu MY DYING BRIDE zu schauen, welche im Zelt auf der WET-Stage ihren Gig hatten.

Setlist:
- Paradise
- Faster
- In the Middle Of The Night
- Fire And Ice
- The Cross
- Our Solemn Hour
- Stand My Ground
- Iron Angels
- Summertime Sadness (LANA DEL REY-Cover)
- And We Run
- The Heart Of Everything
- What Have You Done
- Ice Queen
- Sinéad (Acoustic)
- Covered By Roses
- Mother Earth

Leider war das Unterfangen nicht so einfach wie gedacht. Die Schlammseen machten das Weiterkommen nicht gerade einfach. Auf dem Weg zum Zelt wurde uns bald klar, dass es knapp werden könnte, die Band noch zu sehen. So kamen wir, zu unserer Enttäuschung, erst zum letzten Lied bei MY DYING BRIDE an und konnten dadurch keine großen Eindrücke gewinnen. Nur eines hat sich bewahrheitet, was von vielen schon kritisiert wurde, nämlich der Sound im Zelt (auf beiden Bühnen) ist meistens nicht gerade der Beste. Da es ein anstrengender Tag war und für uns keine Band mehr dabei war, beendeten wir den ereignisreichen Tag.

Tag 4
Dieser Morgen hatte es in sich. Er übertraf den Kater vom dritten Tag um einiges. Leider spielte der Magen nicht mehr mit und mir wurde schnell klar: KATAKLYSM gehen sich nicht mehr aus. Verdammt!!! Doch die restliche Gruppe intervenierte mit Nachdruck, dass sie zu POWERWOLF gehen möchten und bei den ansteigenden Temperaturen im Zelt wurde es auch nicht besser. Daher überwand ich mich mühevoll und folgte der Truppe mit angeschlagenem Magen zum Bühnengelände.

POWERWOLF
Die Jungs von POWERWOLF erleben seit geraumer Zeit einen Höhenflug. Derzeit sind sie mit ihrem neu erschienenen Album „Blessed & Possessed“ unterwegs und feierten damit schon hohe Charteinstiege im deutschsprachigen Raum. Ich hatte, wie bei IN EXTREMO, heuer das Vergnügen, die Band schon zweimal live zu erleben und muss einfach zugeben, obwohl nicht gerade mein typischer Musikgeschmack, diese Jungs haben es live einfach drauf. Von Anfang bis zum Schluss reißen sie das Publikum mit und animieren zu Gesangschören, sodass einem das Konzert sehr kurzweilig vorkommt. Die meisten Fans haben einfach nur ein Grinsen im Gesicht. Vor allem auch durch die immer witzigen Zwischenansagen von Attila. Zwar hören sich die meisten Songs gleich an, aber man weiß einfach, was man bekommt. Definitiv gute Laune und guten Power Metal. Obwohl POWERWOLF schon um 13.15 Uhr anfangen zu spielen, haben sich ziemlich viele Leute zur Bühne bewegt. Von der neuen Scheibe spielten sie drei Lieder, nämlich „Army Of The Night“, „Armata Strigoi“ und „Blessed & Possessed“. Diese kamen auch beim Publikum sehr gut an. Erwähnenswert ist vor allem die Leichtigkeit, mit der die Band auftritt. Auch die Bewegung auf der Bühne läuft perfekt, die Gitarristen wechseln sich punktgenau auf beiden Seiten ab und der Aktionsradius von Keyborder Falk Maria Schlegel ist beeindruckend. Immer wieder kommt er von seinem Platz nach vorne, um die Leute zu animieren. Das macht einfach nur Spaß zuzusehen. Wie bei den vorigen zwei Konzerten von den Power Metallern, kann ich nur sagen, diese Band hat die derzeitige Aufmerksamkeit verdient. Ein großartiger Auftritt. Wer sie noch heuer live erleben will, der hat noch eine Chance bei deren Europa-Tour im Herbst.

Setlist:
- Sanctified With Dynamite
- Coleus Sanctus
- Army Of The Night
- Amen & Attack
- Armata Strigoi
- Resurrection By Erection
- Werewolves Of Armenia
- Blessed & Possessed
- We Drink Your Blood
- In The Name Of God (Deus Vult)
- Lupus Die

Da die Temperaturen immer anstrengender wurden, musste ich mich für den restlichen Nachmittag zurückziehen. Leider konnte ich AMORPHIS und ROCK MEETS CLASSIC nur im Pressebereich auf einer Videoleinwand mitverfolgen. Halbwegs gestärkt ging es am frühen Abend aber weiter. Nämlich mit:

BLOODBATH
Los ging es mit der Super-Death-Metal-Group BLOODBATH. Neben Mikael Åkerfeldt, besser bekannt als Mastermind bei OPETH, waren auch Anders Nyström und Jonas Renkse, beide von KATATONIA, Mitbegründer dieser Combo. Mikael verließ die Band aber bereits 2012. Seit 2014 übernimmt Nick Holmes von PARADISE LOST das Mikro. Da die Musiker doch ihren Verpflichtungen von deren Hauptbands nachgehen, kommt es nicht oft vor, diese Männer live zu erleben. Mit blutverschmierten Gesichtern und Klamotten dreschen sie brachial ihre Songs runter. Endlich was für meinen Gehörgang! Zum Sound muss erwähnt werden, dass dieser meines Erachtens gesundheitsgefährdend war, denn wir standen ziemlich weit weg und doch konnten wir uns ohne gegenseitiges Anschreien nicht verständigen. Nichtsdestotrotz war es ein geiler Gig von den Musikern aus Schweden. Zum letzten Song kam überraschenderweise noch Gründungsmitglied Dan Swanö auf die Bühne, um zu singen. Die Truppe sollte, falls es die Zeit zulässt, definitiv öfter auftreten.

Setlist:
- Let The Stillborn Come To Me
- Mental Abortion
- So You Die
- Breeding Death Anne
- Cancer Of The Soul
- Weak Aside
- Soul Evisceration
- Unite In Pain
- Like Fire
- Mock The Cross
- Cry My Name Eaten

SABATON
Ein weiteres Highlight des Tages waren die schwedischen Power Metaller SABATON. Wer sich mit dieser Truppe aus Falun ein bisschen beschäftigt hat weiß, dass diese Band, eigentlich genau wie POWERWOLF, immer gute Laune verbreiten. Dementsprechend ist das Bühnenareal auch gut gefüllt. Die Band startete mit „Ghost Division“ von ihrem letzten Album „Heroes“. Auch die restliche Setlist war sehr „Heroes“-songlastig. Bei den Fans ist von Anfang an gute Stimmung aufgekommen. Was den Sound betrifft, gibt es hier leider einige Abzüge. Dieser war wirklich schlecht gemischt und um einiges zu leise. Die Besucher meinten es gut und schrien immer wieder: „Lauter, lauter!“. Doch die Band reagierte nicht darauf. Wahrscheinlich haben sie es nicht verstanden. Dennoch zieht sich der Sound bis zum letzten Song durch, obwohl es ab dem dritten Lied ein bisschen besser wurde. Schade, denn die Mannen verkündeten am Anfang, dass diese Show auf DVD aufgenommen wird. Dementsprechend agierten sie und waren irgendwie doch zu künstlich fröhlich und witzig. Im Klartext: Man merkte ihnen an, dass sie extra sympathisch rüberkommen wollten und dies führte dazu, dass sie weniger authentisch waren als sonst. Ein großes Plus bekommen sie aber für die aufwendige Bühnendeko. Ihren Lyrics über Kriege wurden sie gerecht, indem sie zwei Panzer auf die Stage gehievt haben und auf einem sogar der Schlagzeuger musizierte. Sehr beeindruckend. Gesamtkonzept stimmt bei den Jungs und insgesamt war der Auftritt sehr überzeugend und machte definitiv Spaß.

Setlist:
- Ghost Division
- To Hell And Back
- Carolus Rex
- No Bullets Fly
- Resist And Bite
- Far From The Fame
- Panzerkampf
- Gott mit uns (Noch ein Bier)
- The Art Of War
- Soldier Of 3 Armies
- Swedish Pagans
- Screaming Eagles
- Night Witches
- Primo Victoria
- Metal Crüe

JUDAS PRIEST
Als Headliner am Samstag präsentierte sich die britische Heavy-Metal-Legende JUDAS PRIEST. Irgendwie gehört die Band doch zu eine von jenen, die man auf seiner Liste abhaken sollte. Grundsätzlich kann man das bejahen aber, als zugegebener Nicht-Fan, sind fast zwei Stunden von Robert Halfords Stimme zu lange. Klar gehören „Painkiller“ und „Breaking The Law“ zu den Songs, die man kennen sollte, doch auf diese zu warten bis sie gespielt werden, hielten wir es nicht aus. Bis zu unserem Abzug wirkte die Band allgemein aber sehr agil und auch Robs Stimme machte Eindruck. Er traf jeden Ton und zeigte sich, trotz seines Alters, doch sehr rüstig. Der Sänger zog sich nach jedem gespielten Lied hinter einen Vorhang zurück, um sich neu zu kleiden und fing auch dahinter mit einigen Anfängen von den Liedern an. Der jüngste von ihnen, Richie Faulkner (Gitarrist), übernahm überraschenderweise alle Soli und ließ die alternde Band doch um einiges jünger wirken. Aber bereits nach „Halls Of Valhalla“ machten wir uns auf den Weg zurück. Der relativ kurze Eindruck war zwar positiv aber wie gesagt, man muss ein Fan von JUDAS PRIEST sein und der bin ich einfach nicht.

Setlist:
- Dragonaut
- Metal Gods
- Devil's Child
- Victim Of Changes
- Halls Of Valhalla
- Turbo Lover
- Redeemer Of Souls
- Beyond The Realms Of Death
- Jawbreaker
- Breaking The Law
- Hell Bent For Leather
- The Hellion
- Electric Eye
- You've Got Another Thing Comin'
- Painkiller
- Living After Midnight

Nachdem wir JUDAS PRIEST verließen und einige Songs noch beim Zurückgehen hörten, endete für uns das diesjährige Wacken Open Air. Es erwartete uns doch wieder eine halbe Weltreise um nach Hause zu kommen. Was kann man noch über das Festival sagen? Viele Besucher regen sich auf, dass es zu groß geworden ist und der Fan nur noch ausgenommen wird, wo bleibt der Fokus auf die Bands wie früher und so weiter. Klar kann man alles nachvollziehen und es stimmt auch. Es ist definitiv zu groß, aber wer nicht hin will, muss das auch nicht. In der heutigen Festivallandschaft in Deutschland hat man genügend Auswahl um auf kleinere Metal-Festivals auszuweichen. Auf die Preisdiskussion rund um das Essen/Trinken und die Tickets lasse ich mich nicht ein. Wenn ich dort bin, weiß ich, was mich erwartet und mit dem kann ich mich abfinden. Bezüglich der Essensauswahl - die ist mehr als ausreichend vorhanden. Das Rundum-Angebot wie das Wasteland, Biergarten, Metal-Market, Wackinger Village etc. wurde aufgrund des Wetters nicht genutzt. Daher hatte ich nicht wirklich die Möglichkeit, mir einen kompletten Gesamteindruck zu machen. Insgesamt hat mir das Festival aber sehr gut gefallen und ich würde es gerne nochmal besuchen, bei schönerem Wetter, um doch das restliche Areal erkunden zu können. Ein großes Lob muss noch an die Veranstalter gerichtet werden, denn bei solchen Regengüssen das Festival noch aufrecht zu erhalten ist logistisch und organisatorisch eine irre Leistung. Manch andere Festivals hätten sicher abbrechen müssen. Ein kleines Detail könnte für nächstes Jahr geändert werden, nämlich die Jägermeister Holzhütte. Diese stand vor den beiden großen Bühnen und nahm doch einiges an Platz weg und versperrte teilweise die Sicht. Sonst ist mir nicht wirklich etwas Negatives aufgefallen. Also bleibt nur noch zu sagen: See you in Wacken 2016!!!
(Diese Zusammenfassung spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und weder der Inhalt noch die angeführten Setlists erheben Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.)


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