10.10.2015, Weekender, Innsbruck

RAVEN - ExtermiNation Europa Tour 2015

Veröffentlicht am 15.10.2015

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Tirol rockt! Nein, rocken ist für Anfänger-Pussies – heute ist Tirol Metal! Aber Old School und das kompromisslos, denn es gibt voll eines auf die ausgedünnte Haarpracht, oder wie es der Herr Fachkollege ausdrückte: „Musik von alten Männern für alte Männer… und junge Heißspunde“ und die Aussicht darauf, mit den Kult-Underground-Heroes RAVEN das Weekender in Schutt und Asche zu legen, zog heute auch eine gute Hundertschaft in die Location. Alte Kämpfer und junge Freaks vereinen sich zur Anbetung des Steel-Spirits, doch davor dürfen die Locals von INTO THE TEMPEST und unsere Lieblings-80er-Jünger LIQUID STEEL das Publikum auf Schmelztemperatur bringen… as hot as metal before it gets cold! Des Openers darf sich mein hochverehrter Herr Kollege von und zu Patschhausen annehmen, während sich meine Wenigkeit gemeinsam mit dem Thrash-Wookie den Argumenten unserer Mrs. Fist zuwendet – „Hallo ihr zwei, das Oberteil betont euch heute sehr gut – Happy Birthday!“

INTO THE TEMPEST:
Die Tiroler waren Vielen schon von der CD-Release-Party ihrer Buddies LIQUID STEEL im p.m.k. (Livereport) her ein Begriff. Wurde die Performance des Quartetts vom Kollegen Laichster seinerzeit recht wohlwollend eingestuft, so schafften es die Newcomer heute nicht, ihren Auftritt mit Leben zu füllen. Bei allen handwerklichen Fertigkeiten, welche die artigen wie berechenbaren Kompositionen retteten, wollte der Funke heute nicht so recht überspringen, was nach zahlreichen Rückfragen bei kampferprobten Metallern im Publikum bestätigt wurde. Trotz fetziger Abgehteile zwischen den ruhigeren Passagen war von Dynamik wenig spür- und hörbar. Die Stimme von Fronter Harald Widner kam in der Liveversion zwar um einiges besser als auf den Youtube-Clips rüber, dennoch konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er seine Stimme im rauchigen Rockbereich mehr zur Geltung bringen könnte, als im melodiösen Heavy Metal. Auch das SABATON-Cover „Metal Crüe“ vermochte das Ruder leider nicht herumzureißen, wenngleich Gitarrero Phil, den wir später noch als Aushilfsgitarrist bei LIQUID STEEL erleben konnten, zumindest amtlich poste, während der zweite Sixstringer, Fabio, mit Growls für modernen Hauch sorgte. Zwar wurde der rund dreiviertelstündige Auftritt der Youngsters artig beklatscht, aber INTO THE TEMPEST wären gut beraten, sich zukünftig tatsächlich in den namensgebenden Sturm hineinzuwagen und mehr Dampf und Drive zu erzeugen, um nicht als ewige Dauergäste der mittlerweile wie Pilze aus dem Boden schießenden Nachwuchsbewerbe (Local Heroes, Metalchamp, Tirol Rockt, Stromboli Newcomer Contest etc.)  zu enden. Diesem Status schon längst entwachsen sind LIQUID STEEL, die heute ein weiteres Mal abräumen konnten, damit zurück zu Daniel… [Thomas Patsch]


INTO THE TEMPEST

LIQUID STEEL:
LIQUID STEEL sollten spätestens seit dem Debüt „Fire In The Sky“ (zum Review) jedem ein Begriff sein, der auf ehrlichen 80er-Worship steht. Die Jungs transportieren die Hochzeiten der NWoBHM (obwohl die Herren keine echten Engländer sind) zeitgerecht ins Hier und Jetzt und auch live haben sich die Innsbrucker seit ihren ersten, zugegebenermaßen etwas holprigen Gehversuchen, zu einer der stärksten Bands Tirols entwickelt. Das sollte auch heute wieder eindrucksvoll untermauert werden – auch wenn das Soundbild beim Opener „Air Aces“ mehr würgt als standesamtlich rifft. Bei „Fire In The Sky“ hat der Mischer aber seinen Flow (die Jugendsprache kommt im verstaubten Plattenregal zwischen DIAMOND HEAD und RIOT an) gefunden. Auf in die letzte Schlacht gegen Skynet, doch wo zur Hölle ist die steirische Eiche, wenn man sie dringend benötigt… see the hatred in its eyes, you know its time to die!

Den eisernen Willen, für seine Mission in den Tod zu gehen, sieht man nicht nur dem T1000 im mechanischen Auge an, auch Fronter Fabio stirbt wie immer tausend Tode für den Heavy-Metal – LIQUID STEEL are back on stage! Auch wenn man heute nicht in ursprünglicher Konstellation antritt, denn Gitarrist Julle ist momentan krankheitsbedingt verhindert (Stormbringer West wünscht an dieser Stelle beste und schnelle Genesung – so schnell geht kein musikalischer Terminator auf den Schrottplatz!). So steht heute INTO THE TEMPEST-Gitarrist Phil seinen Mann und vernichtet in bester Atomkrieg-Manier – man kann ohne schlechten Gewissen zu sein behaupten, hier steht ein Virtuose auf der Bühne, denn wenn der Sechssaiter den ACCEPT-Gedenkriff intoniert, fährt es einem bis ins Titanskelett ein. 


LIQUID STEEL Fronter Fabio - Die for Metal! 

Apropos ACCEPT-Gedenken – das Posing des Duos Phil und Basser Monte erinnert stark an das deutsche Urgestein, auch wenn man sich mit dem schwermetallischen Gassenhauer „Samurai“ im tiefsten Japan aufhält. Kann mir eigentlich einer erklären, warum Kuttenträger so auf das Bushido-Thema (nein, nicht der Gangsta-Typ!) abfahren? Ah ja, Sake ballert wie Sau und die Rising-Sun-Fahne ist schön kultig! Die Crowd dankt es euphorisch und wieder einmal darf festgestellt werden – LIQUID STEEL stehen für Qualität, schlechte Shows gibt es beim Tiroler-Stahlgeschwader, wie beim nichtabzustreitenden Einfluss SAXON, nicht zu betrachten. Wen wundert es bei so viel Herzblut, das sich hier auf der Bühne vereinigt? „Midnight Chaser“ macht Hunger auf neues Material, „Speed Demon“ bricht Nacken und als Zugabe gibt es (eh klar) „Blitzkrieg“ aus der Panzerhaubitze geschossen… Inferno´s coming, can we survive the Blitzkrieg!  

Setlist:
- Air Aces
- Fire In The Sky
- Liquid Steel
- Samurai
- Fright Night
- Midgnight Chaser
- Speed Demon
-----------------------------------
- Blitzkrieg

RAVEN:
Yes, we have survived the Blitz - doch der nächste Schlag lässt nicht lange auf sich warten, mighty RAVEN have entered the building! Genau wie ELVIS leben Totgesagte länger (der King lebt - Stichwort „innere Hohlwelt“) und RAVEN haben mit „ExtermiNation“ (zum Review) bewiesen, dass sie – wie Kollege Reini es so treffend ausdrückte – unkaputtbar sind. Wahrlich, die Gallahger-Brüder sind nicht unterzukriegen, trotz des immer ausgebliebenen kommerziellen Erfolges und des mittlerweilen beträchtlichen Alters (John Gallhager ist zwar kein Hippie, darf sich aber trotzdem als 68er bezeichnen) lässt man seit 1974 die NWoBHM hochleben. Hochphasen gab es in den Veröffentlichungen des Trios gleichermaßen wie auch eher durchschnittliches Material, das man heute wohl als Overrated-Underground-Kult bezeichnen kann, zur Genüge. Und doch muss man RAVEN zugestehen, dass sie sich immer treu geblieben sind. Ehrlicher, bodenständiger Heavy-Metal - schon alleine darum zahlt es sich heute aus, den Engländern (jetzt wirklich echte Inselbewohner) Tribut zu zollen, man sollte auch mit einem Rifffeuerwerk und einer fetten Setlist belohnt werden.


RAVEN - Vollgas statt Metal-Pension

Wer hat immer noch Angst vor dem Monster im Schrank? RAVEN bestimmt nicht – „Destroy All Monsters“ von der „ExtermiNation“-Langrille heult los und verwandelt das Weekender zu einem Kuttenträger-Tempel. Die Gallahgers schwitzen zwar wie die Schweine und man sieht ihnen die Anstrengung auch sofort an, was sie aber nicht davon abhält, mit vollem Einsatz eine qualitätsbewusste und energiegeladene Show zu präsentieren – Sport im Alter soll ja besonders wichtig sein. Ex-PENTAGRAM Drummer Joe Hasselvander würde wahrscheinlich selbst dann noch weiter die Schießbude bearbeiten, wenn er knapp vor dem sprichwörtlichen Herzkasperl stehen würde, und so muss man die drei schrulligen Herren doch einfach lieben. Wen man heute jedoch so ganz und gar nicht positiv in Erinnerung behalten wird, das sind die Vollpfosten im Pit, die durch absolut niveauloses Verhalten auffallen. Ihr könnt saufen, bis ihr euren eigenen Namen nicht mehr wisst, ihr könnt euren Spaß haben und euch die Köpfe blutig schlagen. Was ihr nicht dürft, ist zu versuchen, Zuseher in den Moshpit zu ziehen, die nicht beteiligt sind – schon gar nicht, wenn diese eure Väter sein könnten. „Das ist halt Metal“ zählt nicht als Argument, ihr habt von Metal genau so viel Plan wie ich von Raumfahrt – gar keine! Geht aufs Oktoberfest, da könnt ihr euch mit geistig gleichgestellten Vollrausch-Einzellern prügeln… F.O.A.D.! 


RAVEN - Sechsaiter Mark Gallahger

Immer wenn ich solche Absätze verfassen muss, kommt mir ein zweites mal der Brechreiz, aber nichtsdestotrotz lässt man sich die Laune an den großartig aufspielenden RAVEN nicht durchs Neandertalervolk verderben und „Rock Until You Drop“ reißt zum ersten musikalischen Highlight an… you´ve gotta rock, rock until you drop! Wie die Lämmer zur Schlachtbank geführt und vom ausgiebigen, von Mark intonierten und mimisch untermalten, Solo in Stücke zersägt, geht es „Into The Jaws Of Death“. Das Set nähert sich dann „Faster Than The Speed Of Light“ dem Ende zu – wenn auch nur in der subjektiven Zeitwahrnehmung, bekommt man doch 90 Minuten Vollbedienung geliefert, aber Zeit ist ja bekanntlich relativ (#WasFürEinHipsterSpruch). Als Überbrückung zur Zugabe gibt es ein Bass-Solo – ja, richtig gehört, ein fuckin Bass-Solo. Meine bessere Stormbringer-West-Hälfte (behauptet übrigens meinem musikalischen Leben noch so etwas wie Stabilität und Normalität zu verleihen – Bussi Baby, mehr Porngrind!) findet es ziemlich cool, meine Wenigkeit langweilt das dann doch eher, das Publikum zeigt sich ähnlich gespalten. „On And On“ und „Break The Chain“ ballern dann noch mal ordentlich und werden durch exzessive Solo-Masturbation in die Länge gezogen, was auch den einzigen Abstrich der heutigen Show ausmacht. RAVEN verirren sich doch streckenweise zu sehr in One-Man-Shows, da hätte man stattdessen doch noch „Lay Down The Law“ draufpacken können.

Setlist:
(RAVEN sind zwar nicht mehr die Jüngsten, leiden aber noch nicht an Altersdemenz und brauchen keine Setlist auf der Bühne - ergo Gedächtnisrekonstruktion ohne Anspruch auf Gewähr)
- Destroy All Monsters
- Hard Ride
- Live At The Inferno
- All For One
- Rock Until You Drop
- Lambs To The Slaughter
- Speed Of The Reflex
- Mind Over Metal
- Into The Jaws Of Death
- It´s Not What You Got
- Tank Treads (The Blood Runs Red)
- Faster Than The Speed Of Light
--------------------------------------------------
- On And On
- Break The Chain


RAVEN und LIQUID STEEL - drei Generationen Metal

RAVEN können es also immer noch und stehen nach einer Verschnaufpause („We need some Oxygen!“) bereitwillig zum Signieren und Fotoposing bereit. Echte Legenden zum Anfassen, Metal wie er sein soll – von Fans für Fans! All for one, one for all, solid as a rock with swords in the air!


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