14.10.2015, Rockhouse, Salzburg

THE KYLE GASS BAND - Our Job To Rock Europe...Again-Tour

Text: mat
Veröffentlicht am 21.10.2015

Kyle Gass ist, man kann es getrost so sagen, ein Hollywood-Star. Seit Anfang der 90er Jahre ist die pummeligere Hälfte von TENACIOUS D in zahlreichen amerikanischen Filmproduktionen aufgetreten und hat gemeinsam mit Jack Black auch ein klein wenig Rock-Geschichte geschrieben. Mit dem großen D hat der kleine Mann schon alle möglichen Festivalbühnen Europas gerockt und wer schon einmal ein TENACIOUS D-Konzert gesehen hat, weiß, was einen erwartet - humorige Slapstick-Elemente gepaart mit treibend-eingängigen Melodien. Und nun ist der Typ also solo unterwegs. Quasi zumindest, denn unter dem Banner THE KYLE GASS BAND hat er vier gleich tickende Musiker um sich geschart, die sein stilistisches Gespür für klassischen Hard Rock perfekt teilen. Also raus aus dem "schwarzen Schatten" des Jack Black und ab an die Front.

Dementsprechend geht der einzige Österreich-Gig der Band, der lässigerweise im Salzburger Rockhouse vonstatten geht, gleich gehörig los. Ohne Support und mit einem Kyle Gass, der im ironischen Werbeshirt und mit seiner obligatorischen Halbglatze und irrem Blick die Bühne entert. Sympathisch, praktisch, gut - so könnte man den Auftritt dieses Herrn wahrscheinlich am besten zusammenfassen, denn Gass überzeugt mit seiner Tollpatschigkeit und musikalischen Raffinesse zugleich. Für launige Ansagen und debile Gespräche mit seinen Bandkollegen ist er natürlich ebenso offen wie für ausufernde Gitarrensoli, während derer er die Luftgitarre mimt. Selbst zumeist mit Mikrofon, Akustikgitarre und Blockflöte (!) bewaffnet, wirkt er die meiste Zeit wie ein verrückter Fan, der sich unerkannterweise zur Band auf die Bühne geschlichen hat. Mit seinem Pyjama-Outfit samt Haltung (seine linke Hand liegt verblüffend oft auf seinem Bauch auf) wirkt er so sonderbar deplatziert, dass es schon wieder passt. Und genauso passend ist auch der musikalische Unterhaltungswert dieses Abends, denn bei der THE KYLE GASS BAND steht die Musik viel mehr im Vordergrund als es beispielsweise bei TENACIOUS D der Fall ist.

Die Jungs spielen sich durch ein unglaublich kurzweiliges und mitreißendes Programm, das natürlich fast alle Songs des einzigen, selbstbetitelten Studioalbums beinhaltet, was eine stilistische Mischung aus Hard, Alternative und Country Rock mit sich bringt. Dabei bleiben die Songs aber zu jeder Zeit eingängig und mitsingtauglich und funktionieren live fast noch besser als auf Konserve. Das liegt einerseits an den gut aufgelegten und handwerklich richtig starken Musikern und andererseits auch wieder am perfekt abgemischten Sound im Rockhouse. Egal ob die hauseigenen "Manchild" oder "Questionable" oder bärenstarke Cover-Versionen bekannter Titel - KGB rocken. Vor allem auch durch einen bärenstarken Mike Bray, der den eigentlichen Leadsänger darstellt. Der liebe Kyle ist nämlich zwar an allen Ecken und Enden beteiligt und steht auch inmitten der Bühne, aber das ist nur so, weil er - wie er selbst sagt - der Berühmte von ihnen ist. Deshalb überlässt er Bray passenderweise bei vielen Songs den Löwenanteil der Arbeit und zockt sich selbst durch irre Flötensoli, die sich wirklich hören lassen können und sich perfekt in die rockenden Gitarrenwände integrieren. Dass Bray und Drummer Tim Spier für ein kurzes Intermezzo auch noch die Rollen tauschen und Spier sich durch ein fetziges Medley singt, bei dem er Will Smith und Michael Jackson covert, darf dabei nicht unerwähnt bleiben.

Denn genau das macht die Stärke dieser Band aus - irgendwie kann jeder alles und genau so locker-flockig wirkt auch der rund 80-minütige Gesamtauftritt der Band. Witzig, kurzweilig und vor allem musikalisch interessant - wer auf klassischen Rock mit humoresken Einlagen steht, ist bei der THE KYLE GASS BAND auf alle Fälle richtig. Die fünf Jungs haben im nicht ganz ausverkauften Rockhouse mehr Unterhaltungswert geboten, als ich es mir erwartet hätte. Und dass der Kyle gleich direkt nach seinem Auftritt (ohne jegliche Wartezeit) nach draußen kommt, um unermüdlich Autogramme zu schreiben und für Selfies zur Verfügung zu stellen, muss man ihm ebenso hoch anrechnen. Ein Hollywood-Star zum Anfassen eben...

 


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