31.01.2010, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

EUROPE

Text: mat
Veröffentlicht am 02.02.2010

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Nachdem sich die schwedischen Hard Rock-Helden von EUROPE mit neuem Album, betitelt mit "Last Look At Eden", gebührend in der modernen Rock-Welt zurückgemeldet haben, wurde es nun endlich erneut Zeit, dass sich die langsam alternden Jungs rund um Frontröhre Joey Tempest wieder einmal in Wien blicken lassen. Die Bank Austria-Halle (Planet.tt) im Gasometer wurde für den viel erwarteten Gig ausgewählt. Die zuvor als Support aufgeführten Österreicher von ECLIPTICA mussten leider krankheitsbedingt ihren Vorband-Auftritt absagen, doch gutklassiger Ersatz war hierfür schnell gefunden. Die Wiener Gruppierung SOLRIZE hat sich diese große Chance natürlich nicht nehmen lassen und sind als Vorheizer für die Schweden eingesprungen. Da wir leider etwas zu spät zur Location gekommen sind, konnten wir uns über die Qualitäten von SOLRIZE nicht mehr wirklich überzeugen, die Stimmung der wartenden EUROPE-Fans konnte man aber getrost als sehr gut bezeichnen. Somit müssen SOLRIZE einen guten Job gemacht haben!

Pünktlich um neun Uhr - wie angekündigt - geht es dann los. Die gut gefüllte Halle (ein paar mehr Fans hätten darin schon noch leicht Platz gefunden) freut sich, als endlich das mystische Intro des brandneuen Titelsongs "Last Look At Eden" einsetzt und die Band sich langsam aber sicher auf der Bühne postiert. Für mich gleich vorweg überraschend war, dass sich die Jungs optisch, außer der fehlenden Haarspray-Ergüsse, nicht wirklich verändert haben. Während die instrumentelle Fraktion mit Double-Keyboard-Poser Mic Michaeli aufgrund musikalischer Gegebenheiten nur bedingt bewegt, flitzt Fronter Joey Tempest wie ein Wirbelwind über die Bühne, agiert ab und zu mit den Fans und die meiste Zeit mit seinem blitzblank polierten weißen Mikrofonständer, der bei so manchem Song als verlängerter Jonglierstab herhalten muss. Vor allem die glasklare Stimme von Tempest verblüfft mich, hatte ich mir doch zu Beginn nicht dermaßen viel stimmliche Agilität erwartet.

Schon nach den ersten paar Songs bin ich mir sicher, dass man EUROPE unbedingt einmal im Leben gesehen haben sollte. Welche Band hat schon einen besseren Rausschmeißertitel für ein Konzert parat als "The Final Countdown"?! Da wir aber noch lange nicht am Ende sind, sprechen wir lieber über die überaus variable Songauswahl für die Setlist, bei der sich EUROPE eigentlich beinahe schon selbst übertroffen haben. Bei der "Last Look At Eden"-Tour ist wirklich für jeden etwas dabei. Von den Pop-Rock-Zeiten auf dem Hitalbum "The Final Countdown" (mit eben jenem Titeltrack, dem Live-Überhammer "Rock The Night" oder dem indianischen "Cherokee"), über die härtere Rock-Ära auf "Wings Of Tomorrow" (mit "Stormwind" und dem treibenden "Scream Of Anger") bis hin zu den neuesten, symphonisch angehauchten Rock-Kompositionen auf "Last Look At Eden", welches gleich mit fünf brandneuen Titeln präsentiert wurde. Dass auch das neue Material gut bei den Fans ankommt, zeigen die positiven Reaktionen auf Songs wie "Gonna Get Ready" und auch die Breitwand-Ballade "New Love In Town".

Da niemals alles Gold ist, was glänzt, hätte ich mir bei dem eigentlich rundum gelungenen Auftritt von EUROPE etwas mehr aktiven Austausch mit dem Publikum gewünscht. Ein paar erinnerte deutsche Worte presst der gut gelaunte Joey Tempest zwar hervor, ein paar verschwitzte Fan-Hände werden hier und da auch berührt, alles in allem reiht sich aber ein Song an den anderen, was ab und zu ein wenig lieblos wirkt. Dieses kleine Manko wird aber durch die durchwegs gelungene Präsentation guter Songs wettgemacht, wobei vor allem das akustisch beginnende "Prisoners In Paradise" für eine wohlige Rock-Gänsehaut sorgt. Weiterhin ist es schön zu sehen, dass die Herren EUROPE auch mit knappen fünfzig Lenzen noch problemlos in ihr enges Rocker-Outfit hineinpassen. Und dass man bei der Vorstellung der gesamten Band durch Joey Tempest ebendiesen einfach vergisst, darf man dem gitarrespielenden Flitzefinger John Norum wohl einfach einmal nachsehen.

Was bleibt uns zum Abschluss dieses EUROPE-Gigs also zu sagen? Dass man die Schweden nicht nur auf ihren Welthit "The Final Countdown" und ihre nicht mehr gegenwärtigen Frisuren reduzieren darf, dürfte jedem halbwegs anständigen Fan schon lange klar geworden sein. EUROPE stehen nämlich für erdigen Rock, der immer wieder mit dem Mainstream mitschwimmt, aber sich immer so viel Eigenständigkeit behält, dass es einfach gut und überzeugend klingt. An der Setlist der "Last Look At Eden"-Tour gibt es überhaupt nichts auszusetzen und die fünf Jungs haben mit ihrem Auftritt bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen zählen und mit dem neuen Material Songs abgelegt haben, die man in dieser Form schon lange nicht mehr von EUROPE gehört hat! Auf alle Fälle ist nach guten neunzig Minuten, siebzehn Songs und einem Gitarrensolo Schluss und jeder der Anwesenden geht mit einem breiten, zufriedenen Lächeln nachhause, nachdem der letzte Keyboardton des finalen Countdowns ausklingt. Fazit: EUROPE sind Breitwand-Rocker, die es verstehen, ihr Publikum zu unterhalten! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer sich die Mannen also live ansehen will, der sollte das jetzt tun, denn die "Last Look At Eden"-Tour ist auf jeden Fall einen rockigen Besuch wert! Nur weiter so... PS: Die statischen Video-Leinwände mit weiß-silbernen Stacheläpfeln könnten das nächste Mal aber etwas mehr visuelles Leben vertragen!! EUROPE-Setlist (ohne Gewähr): 1. Last Look At Eden 2. Love is Not The Enemy 3. Superstitious 4. Gonna Get Ready 5. Scream of Anger 6. No Stone Unturned 7. Prisoners in Paradise 8. Open Your Heart 9. Gitarren-Solo 10. Optimus 11. Seventh Sign 12. New Love in Town 13. Start From The Dark 14. Let The Good Times Rock 15. Cherokee 16. Rock The Night Zugabe: 17. The Beast 18. The Final Countdown


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