21.10.2015, ((szene)) Wien, Wien

ANNIHILATOR + ARCHER + HARLOTT (Wien)

Veröffentlicht am 25.10.2015

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Alle paar Jahre wieder...
...machen ANNIHILATOR Stop in Österreich, um ein neues Album zu präsentieren und uns mit den alten Thrash-Hits zu begeistern, für die sie seit Ende der 80er in regelmäßigen Abständen sorgen.

Auf der aktuellen Europa-Tour werden sie von zwei jungen Bands begleitet: ARCHER aus den USA und HARLOTT aus Australien.

Den Beginn machen - entgegen der Ankündigung - die Kalifornier ARCHER. Das Power-Trio zockt von Sekunde Null weg elektrifizierenden Turbo-Rock, erinnert zuweilen an ARMORED SAINT, bei den Gitarrensoli ein wenig an THIN LIZZY, und durch das Organ von Sänger/Gitarrist Dylan Rosenberg (hat übrigens die Haare schön, Kollege Fröwein hat sich fast verliebt!) auch des Öfteren an MEGADETH. Passend dazu covern die drei auch gleich mal "Tornado Of Souls" und diese Version lässt Mega-Dave ganz schön alt aussehen. Das Triumvirat aus dem sonnigen Santa Cruz emittiert eine Energie, die eben gerade den sogenannten "Three-Pieces" zu eigen ist: Der Bass ist dann auch gleich halb die zweite Gitarre und jeder muss um ein Drittel mehr arbeiten. Mit bereits zwei Alben im Gepäck rocken die Jungspunde als gäbe es kein Morgen. Rosenberg erinnert vehement an Zakk Wylde, als dieser noch wie ein Mensch aussah und wenn er sich dann noch die Klampfe in die Grätsche klemmt, glaubt man echt eine Zeitreise zu einer OZZY-Show in den 90ern gemacht zu haben. Basser Dave DeSilva besteht meistens nur aus seinem Fünfsaiter und einem breiten Zahnpastagrinsen, und Alex Rivas an der Schießbude geriert sich wie Animal aus der Muppet-Show - alles nur Drumsticks und Haare. Das Publikum ist neugierig geworden und strömt vom Foyer in den Saal und am Ende sind etwa doppelt so viele Menschen anwesend wie am Beginn, um ARCHER gebührend zu beklatschen. Musik für den Bauch ist das, und durch sympathische Ansagen und ihre unkomplizierte Voll-nach-vorne-Mucke können die Bogenschützen heute sicherlich ein paar neue Fans dazugewinnen. Hut ab!
[Mike Seidinger]

Setlist ARCHER

Hell In A Handbag
King For A Day
Culling The Weak
Day That Never Came
Tornado Of Souls (MEGADETH-Cover)
Dawn Of Dilution

 

Dass das Billing heute mit Amerika, Kanada und Australien quasi weltumspannend ist, ist nicht nur spannend, sondern auch irgendwie erfrischend. HARLOTT aus Melbourne haben gerade ihr zweites Album "Proliferation" auf die Menschheit losgelassen und entfesseln heute hier einen richtigen Thrash-Orkan. Diese Energie, diese Professionalität, dieser Spielwitz - du meine Güte! Das geht direkt ins Genick und die Menge ist nach der ersten Nummer auch schon schön am Bangen, wenn auch teilweise schon die Haare dafür fehlen. Der wahnwitzige Mischmasch irgendwo in der Schnittmenge aus NUCLEAR ASSAULT, KREATOR, EXODUS und ONSLAUGHT greift sofort, das Quartett aus dem Outback steht den Kollegen aus der kalifornischen Sonne in punkto Vehemenz um nichts nach. Sänger und Axeman Andrew Hudson kann nicht nur wunderschön keifen, sondern glänzt auch durch knackige, witzige Ansagen und quittiert kritische Zurufe aus dem Publikum auch mal eben mit einem lächelnden "Go fuck yourself!". Schön. Die Setlist besteht ausgewogen aus Songs der beiden Longplayer und nicht nur ich scheine mir zu denken, dass ANNIHILATOR nach diesen beiden Acts einen schweren Stand haben werden. Weit gefehlt, wie man zwei Stunden später mit Gewissheit sagen wird können. Diese Band wird aber noch groß rauskommen und in all dem Retro-Thrash-Dschungel können sich die Aussies mit Sicherheit durchsetzen, sie haben das gewisse Etwas, dieses Naive gepaart mit einer enormen Routine und Spielfreude. Diese Jungs wissen: der Metal ist ein Hundsbusiness, und sie haben wenigstens Spaß dabei. Ich geh mich dann mal frisieren - hier gibt es auch das Interview von Kollege Fröwein mit Hobby-Comedian Hudson nachzulesen.
[Mike Seidinger]

Setlist HARLOTT

Proliferation
Denature
Origin 
Heretic 
None
Terror
Means To An End

 

Gegen 21:45 Uhr warten dann alle sehr gespannt auf das Highlight des Abends. Wir vom Stormbringer-Team auch, jedoch ein wenig mit fragenden Gesichtern. Warum? Seit dem neuen Album steht Jeff Waters wieder am Mikro. Besagter Jeff hat unseren Interview-Termin am Nachmittag gecancelt, weil er heiser war und fast kein Wort rausbrachte. Erholen, Stimme schonen, Tee trinken hieß es - mit diesem Backgroundwissen und der Kenntnis der sehr langen Setlist waren wir nun gespannt, ob dieses umfangreiche Package für Jeff machbar wäre.

Antwort: Ja. Und WIE! Er ist halt ein echter Profi und hat im Fall des Falles (Auftritt) seine Stimme und das Publikum im Griff.

"Rock You Like A Hurricane" von den SCORPIONS holte die Band auf die Bühne und dann wurde gleich mit dem ersten Song ein Mega-Hit in die Menge geschossen. "King Of The Kill" kam hammermäßig gut an. Absolute Begeisterung in der fast vollen Halle, es wurde mitgesungen, mitgegrölt und die Köpfe geschüttelt. Dass Jeff noch vor Stunden Stimmprobleme gehabt hatte, bemerkte fast keiner, denn von dieser ersten Nummer bis ganz zum Schluss hatte er gesanglich fast alles super im Griff, bis auf ein paar Kleinigkeiten, wo es darum ging ganz hoch zu singen ("Alice In Hell") und er das Publikum bat, den Refrain laut mitzusingen, weil er nicht in der Lage sei. Was natürlich mit johlender Begeisterung aufgenommen wurde. All die eingefleischten Fans hätten mit Sicherheit das ganze Set an seiner Stelle singen können und taten dies auch während der folgenden Stunden zumindest im Publikum.


Jeff Waters feuerte die Menge immer wieder an bzw. suchte er gerne Kontakt zu seinen Fans. Er ist ein sympathischer Kerl, riss schnell mal ein Witzchen und hinterließ auf diese Weise den Eindruck, dass er der Typ von nebenan ist, ohne große Starallüren. Gelegentlich hatte man den Eindruck, dass er am liebsten von den Boxen runter in die ersten Reihen gesprungen wäre, um noch mehr Kontakt mit den Fans zu haben. Machte er natürlich nicht, weil sonst wäre eventuell seiner heißgeliebten Flying V etwas zugestoßen. Von den Dingern stehen abseits der Front mehrere für ihn und den zweiten Gitarristen Aaron zur Auswahl, mal in rot, mal in rot/schwarz oder nur in schwarz. Mit diesem Arbeitsmaterial bewaffnet, jagten die beiden ein fetzig-thrashiges Riff nach dem anderen los, die Soli kamen aber auch nicht zu kurz.

Das sehr lange Set mit fast 20 Songs dauerte beinahe zwei Stunden und die Band gab alles - die Fans natürlich auch. Man gewann den Eindruck, dass Jeff Waters auch nach 30 Jahren auf der Bühne und ANNIHILATOR davon nicht genug bekommen kann und jetzt mit den Jahren sogar wieder besser wird - oder hat ihm einfach nur das Singen auf der Bühne gefehlt? Ich kann es nicht sagen. Seine Band war ebenfalls gut drauf, was man an den strahlenden Gesichtern, dem hingebungsvollen Headbangen und der fast schon unheimlichen Spielfreude hören konnte.
Nach dem Opener gab es gleich drei Stücke vom neuen Album: "Snap", das eher ruhiger ist, "Suicide Society" und "Creepin' Again". Beobachtete man das Publikum, wie es mitging, war klar, dass die meisten auch das neue Album kannten und nicht nur wegen der alten Hits gekommen waren. Apropos alte Hits - von denen gab es natürlich reichlich - andererseits jedoch nicht genug. Kein Wunder, in all den Jahrzehnten kommen doch eine Menge Songs zusammen, die das Publikum besonders liebt und immer wieder hören will. Insofern ist sogar eine 20-Stück-Setlist zu kurz, aber naja. Um dem ein wenig entgegenzukommen, wurde gegen Schluss sogar noch ein Medley gespielt, gefolgt von der abschließenden Krönung & ANNIHILATOR-Hymne "Alice In Hell".
Wenn Jeff geglaubt hatte, damit seine Ruhe zu haben, so hatte er sich getäuscht. Die Zugabe-Rufe wurden nicht weniger, also gab es als Draufgabe noch "Human Insecticide", bevor endgültig die Lichter wieder angingen.

23.40 Uhr... ein wahrlich guter Abend! Ich werde wieder dabei sein, wenn ANNIHILATOR das nächste Mal kommen. Diese Stimmung lasse ich mir nicht entgehen.
Wer noch mehr über ANNIHILATOR wissen möchte: hier geht's zum Review des neuen Albums bzw. zum Interview, das wir im Sommer mit ihm gemacht haben.
[Lady Cat]

Setlist:

- Rock You Like A Hurricane (SCORPIONS-Cover)
- King Of The Kill
- Snap
- Suicide Society
- Creepin´ Again
- No Way Out
- Set The World On Fire
- W.T.Y.D.
- Never, Neverland
- Tricks And Traps
- Bliss
- Second To None
- Refresh The Demon
- Drum Solo
- City Of Ice
- Ultraparanoia
- Brain Dance
- Phantasmagoria
- Chicken And Corn
- Medley
- Alison Hell


Zugabe: 
- Human Insecticide


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