25.10.2015, PMK, Innsbruck

DEW SCENTED + ANGELUS APATRIDA

Text: Thomas Patsch | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 28.10.2015

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Die im Vorfeld veröffentlichte Split von DEW-SCENTED und ANGELUS APATRIDA kündete schon von dem Tourtross, der Europa im Herbst überrollen sollte. Die „Thrash Mercenaries“ sollten durch acht europäische Länder marschieren und kurzzeitig auch in Innsbruck ihr Lager aufschlagen, um der Tiroler Landeshauptstadt kräftig einzuschenken. Trotzdem dass aktuell Gig auf Gig folgt, dreht sich der Musikzirkus munter und unaufhaltsam weiter. Heute sollte nach den Konzerten von RAVEN (Livereport) und MASTER (Livereport) sowie dem ANNIHILATOR-Gig in Wörgl (Livereport) ein weiteres Klassekonzert mit arrivierten Thrashern sprichwörtlich "über die Bühne" gehen.

HEBOÏDOPHRENIE
Den Franzosen war die Rolle des Openers auf dieser Thrash-Tour zugedacht, wenngleich sie mit ihrem "Brutal/Thrash/Deathcore" beim thrashig orientierten Publikum eher für staunende Gesichter denn für Begeisterung sorgten. Zwar sägte die Axtfraktion amtlich, Fronter Loic growlte, quiekte und grunzte wie das Hausschwein von nebenan und auch sonst wütete der Sound zwischen Breaks, wüstem Gehacke und psychotischen Slow-Parts. Die personifizierte erste Reihe (hallo Urban!) unterstützte den Fünfer zwar standhaft, ansonsten war aber nicht viel mehr als verhalten-anerkennender Applaus für die Jungspunde aus dem Publikum herauszuholen. Für´s Kennenlernen des harten Musiker- und Tourlebens sollte das Unterfangen „Touropener“ allerdings bestens geeignet sein, allein schon der Bandnamen ist ein Hindernis, sich diese Combo zu merken.

NO RETURN
Meine anfängliche Vermutung wurde durch die Recherche bestätigt, nämlich dass ich die Franzosen bereits 2002 auf einem der legendären "Skeleton Bash"-Festivals in Innsbruck gesehen hatte. An Details kann man sich naturgemäß nicht mehr erinnern, aber negativ war die Performance auch nicht im Gedächtnis geblieben. So gut, dass man sich in der Folge mit der Diskografie näher auseinandersetzte, aber nicht. So wird es wohl auch nach dem heutigen Auftritt bleiben. Zwar legte sich vor allem Neo-Fronter Mick mächtig ins Zeug, nicht einmal ein Mikroausfall brachte ihn großartig aus dem Konzept. Geklatscht und mitgewippt wurde ebenfalls, allerdings dürften wohl eher wenige der Anwesenden mit dem Songmaterial von NO RETURN vertraut gewesen sein. Dennoch vermochte der rund 40minütige Auftritt dank des kernigen Gitarrensounds und dem gefällig-trockenen Soundbild zu gefallen. Das Feuer loderte nach all der Zeit (die Bandgründung datiert immerhin mit 1989) noch immer im Franzosenfünfer, respektive Gitarrist Alain, der eine neue Truppe um sich geschart hatte, das war deutlich merkbar, auch wenn es mit dem Durchbruch in diesem Metallerleben wohl nichts mehr werden wird, siehe auch das Review zum neuen Album.

ANGELUS APATRIDA
Vorhersagungen bewahrheiten sich ja grundsätzlich eher selten. Anders sollte es sich mit dem Ibero-Quartett ANGELUS APATRIDA verhalten, das heute wieder - wie gewohnt und erhofft - abräumte. Vor leider eher spärlicherer Kulisse machte das Quartett aber derart Alarm, dass schon nach kurzer Zeit die Matten im Publikum flogen. Die kompakte, rund 45minütige Setlist verhieß das Beste aus dem Songfundus von ANGELUS APATRIDA. Mit spanisch eingefärbtem Englisch unterhielt Frontmann und Mattenkönig Guillermo das Publikum zwischen den Thrash-Granaten, die einem um die Ohren flogen. Egal ob Alt-Titel wie „Vomitive“ oder Songs vom letzten, geilen Album "Hidden Evolution" wie etwa der melodiöse Opener „Immortal“, „End Man“ oder der Genickbrecher „Serpents On Parade“, die Anwesenden waren rock- und thrashwillig und die – zumindest für mich - beste neue europäische Thrash Metal-Band hatte mit ihrem kompromißlosen Spiel und dem zündenden Songmaterial leichtes Spiel. Die abtrünnigen Engel entfachten ein Thrash-Fest Deluxe, das vor Dynamik und Spritzigkeit nur so sprühte. Neben dem gewohnt sympathischen und professionellen Sänger legte sich vor allem Basser José bang- und actiontechnisch amtlich ins Zeug, sodass der Funke auch auf´s Publikum übersprang. Wie schon beim letzten Auftritt in Innsbruck (Livereport) zogen die sympathischen und energetisch aufspielenden Spanier trotz nicht ganz fein ausbalanciertem und lautem Sound alle Register und räumten mit dem Brüller "You Are Next" die Bühne für den Headliner.

Setlist:
- Immortal
- Violent Dawn
- End Man
- Vomitive
- Of Men And Tyrants
- First World Of Terror
- Give'Em War
- Serpents On Parade
- You Are Next

DEW-SCENTED
Auch die deutsch-holländische Freundschaft machte im Rahmen der 17 Dates umfassenden "Thrash Mercenaries"-Tour Halt in Innsbruck. Nach dem Konzert von ANNIHILATOR vor wenigen Tagen schien die Thrash-Meute doch ein wenig in Mitleidenschaft gezogen zu sein. Sowohl finanziell als auch antriebstechnisch, gastierten doch auch MOONSPELL und in Bälde W.A.S.P. in hiesigen Breiten. Von den etwas ausgedünnten Fanreihen unbeirrt legten sich DEW-SCENTED von Beginn an mächtig ins Zeug. Mit "Haare-fliegen-lassen" war zwar aufgrund der fehlenden Haarpracht der Saitenfraktion Rory und Joost (Gitarrist Marvin ausgenommen) heute nicht viel her, dies wurde allerdings durch beherztes Aufspielen mehr als wettgemacht. Dreh- und Angelpunkt der Show war Sympathikus Leif Jensen, der inmitten des Thrash-Gewitters mit seinen Ansagen für gute Laune sorgte und sich ansonsten die Seele aus dem Leib brüllte. Die Band präsentierte sich in vitaler Verfassung, der Sound knallte amtlich und brachte die anwesenden Häupter zum Bangen.

Die neuen Titel vom "Intermination"-Album "Scars Of Creation" oder "On A Collision Coursee" paßten sich geschmeidig ins Set ein, während Bandklassiker wie "Soul Poison" und "Turn To Ash" ohnehin abräumten. DEW-SCENTED hämmerten und drückten ohne Unterlaß auf´s Gas, vor allem die von der Band gern und packend eingesetzten Rhythmuswechsel begeisterten auch in der Livesituation. Respekt kommt den Jungs - und hier vor allem Sänger Leif - für den Durchhaltewillen und die Fähigkeit zu, auch nach vielen Jahren im Business den Unwirren desselben zu trotzen und zudem hochqualitative Alben zu veröffentlichen.

Natürlich fand auch das neu eingespielte "New Found Pain" von der die Tour begleitend veröffentlichten Split mit ihren Tourkollegen ANGELUS APATRIDA seinen Weg ins Set. Damit bog die gelungene Darbietung der Band in die Zielgerade. "Thrown To The Lions" und "Acts Of Rage" föhnten voller Brachialität und durchschlagender Wucht ins Publikum, bevor das REPULSION-Cover "Radiation Sickness" das Setende markierte. Zumindest fast. Der Song wurde nämlich zu Ehren des heute Geburtstag feiernden Merchandisers gleich noch einmal gezockt, dieses Mal mit dem Geburtstagskind am Mikro. Nette Geste, nach der aber endgültig Schicht im Schacht war, da der Tourtross nach Budapest weiterzureisen hatte.

Setlist:
- Declaration Of Intent
- On A Collision Course
- Turn To Ash
- Soul Poison
- Scars Of Creation
- Means To An End
- Sworn To Obey
- Never To Return
- Affect Gravity
- New Found Pain
- Thrown To The Lions
- Acts Of Rage
- Radiation Sickness (REPULSION-Cover)


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