26-10-2015, Backstage (Werk), München

CRADLE OF FILTH + NE OBLIVISCARIS + DARKEST HORIZON

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 30.10.2015

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26. Oktober - Nationalfeiertag in Österreich und deswegen arbeitsfrei. Grund genug, sich Entertainmentprogramm für diesen Tag zu suchen, welches dann in Form von CRADLE OF FILTH und deren Supportacts NE OBLIVISCARIS und DARKEST HORIZON im Backstage München auch gefunden wurde. Dieses Mal weitestgehend ohne Anfahrtsprobleme und rundherum entspannt, gab es bei dem Konzert sogar ein Mini-Crewtreffen, als gleich deren vier Stormbringer-Mitglieder - teils auch privat - dort aufschlugen. Leider präsentierte sich das Werk an diesem Abend besuchertechnisch recht überschaubar - gerade einmal 170 Vorverkaufskarten gingen über den Ladentisch und auch an der Abendkasse setzte kein großer Auflauf mehr ein. Enorm konzertstarke Wochen, Montag und zum Drüberstreuen noch das nahende Monatsende sorgten dafür, dass die Zuschauerausbeute vergleichsweise mager blieb.


Entsprechend trist sah es bei DARKEST HORIZON noch aus, die zu Beginn des Konzertes gerade einmal auf zwei magere Reihen vor der Bühne hernieder blicken konnten. Aber die schmächtige Zuschauerkulisse tat der guten Stimmung auf der Bühne absolut keinen Abbruch, die sechs Musiker gaben dafür umso mehr Gas. Und was da abgeliefert wurde, war auch durchwegs beeindruckend - eine Mischung aus epischem Filmsoundtrack und schwarzmetallischen Einschüben auf einem Bett aus bleischwerem Todesmetall. Mit stimmungsvoller Perfektion zelebriert blieben da keine Wünsche offen und ein jeder, der mit der Verbindung aus orchestraler Epik, knackigen Gitarren und harschen Vocals gut zurecht kommt, konnte sich bei DARKEST HORIZON in wunderbare Klangwelten hineinträumen. Im sich mehrenden Publikum (und auch beim Stormbringer-Schreiberling, der sich direkt mit der aktuellen Publikation "The Grand Continuum" eindeckte) fielen die langen, ausladenden Kompositionen entsprechend auf fruchtbaren Boden und die Sechs konnten sich starken Applaus vom etwa halb vollen Innenraum des Werkes abholen.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • A Thousand Dreams
  • A Universe Reborn
  • Evolution's Downfall
  • Interdimensional
  • Ad Astra


"Musik für Musiker", wie es meine Wenigkeit gerne nennt - Extreme/Experimental/Progressive/Black-Metal könnte man es zusammengefasst bezeichnen - lieferten anschließend NE OBLIVISCARIS. Wer dachte, dass DARKEST HORIZON schon progressiv zu nennen waren, der bekam mit NE OBLIVISCARIS die volle Breitseite an Komplexität ab. Ginge man rein vom musikalischen Können aus, hätten die sechs Australier an diesem Abend alles in Grund und Boden gestampft. Doch wie das leider in der Live-Situation nun einmal ist, erwiesen sich die enorm komplexen, von Tempowechseln und Stilnuancen durchzogenen Songs bei so einigen Leuten als anstrengend und auch etwas ermüdend. Ein Blick auf die Setlist erwies: drei Songs in 45 Minuten. Respekt, das nennt man ausladend! Von akzentuiertem Drumming über wahnwitzige Licks am Bass bis hin zu Fingerverrenkungen an den siebensaitigen Gitarren ließen NE OBLIVISCARIS wirklich nichts aus. Vor allem der Geiger, der auch mit opernhaften Clean-Vocals aufhorchen ließ (klassische Gesangsausbildung?), erwies sich neben dem eigentlichen, für das harsche Gekeife zuständigen Sänger als der eigentliche Fronter - mit vollem Einsatz, immer am vordersten Bühnenrand auf Tuchfühlung mit dem Publikum, übernahm er für den augenscheinlich etwas kamerascheuen Schreihals auch die Ansagen. Faszinierend in dem komplexen Songgefüge der Australier der hohe Stellenwert der Geige, die stellenweise als Lead fungierte, sozusagen musikalische Wichserei vom Feinsten und - komplett konträr zu der Posing-Orgie, die POWERWOLF zwei Tage zuvor im ausverkauften Werk lieferten - von allen Musikern eine Performance, die das reine musikalische Können in den Vordergrund rückte. Augenscheinlich befanden sich auch gar nicht wenige Fans der Australier im Publikum, die fasziniert dem Treiben auf der Bühne folgten und starken, ausdauernden Applaus spendeten.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Devour Me, Colossus (Part I): Blackholes
  • Pyrrhic
  • And Plague Flowers The Kaleidoscope

 

Das Licht geht aus, wir geh'n nach Haus...  nein, das kommt erst zu Martini. Erst einmal ging das Licht wieder an und CRADLE OF FILTH enterten die Bühne, pardon, sie kamen nicht einfach, sie erschienen. Mit fantasievollen Outfits, kunstvollen Corpsepaints, Hörnchen und Krönchen. Im Verein mit der aufgeräumten, minimalistischen Bühnendeko, die zwei große Kreuze mit gekreuzigten Skeletten an beiden Seiten der Bühne richtig schön zur Geltung brachte und einer Leinwand für Videoprojektionen, die die Stellung eines Backdrops einnahm, sollte das wohl düster-gefährlich wirken. Eigentlich - man traut es sich kaum zu sagen - wirkte das ganze Setup eher niedlich. So wie ein Jugendlicher, der gerade mit Vehemenz versucht gegen seine Eltern zu rebellieren und sich zu diesem Zwecke in einen drolligen, gehörnten Wohnzimmerdämon verwandelt, der sich mit unerschütterlicher Beharrlichkeit durch ausrangierte Teile aus Muttis Porzellansammlung wütet. So in ungefähr könnte man dann den Auftritt von Dani Filth und seinem in der Vergangenheit häufig wechselnden Reigen an Mitmusikern beschreiben. Ob es an dem generell mittelmäßig eingestellten Sound lag konnte man nicht sagen, doch es machte sich mit Fortdauer des Konzerts, zumindest bei der Stormbringer-Fraktion, ein wenig Monotonie breit. Dem anwesenden Publikum war das aber egal, es goutierte das herzig-satanische Treiben auf der Bühne, wo Fronter Dani durch das Ablegen seiner Hörnchen gleich zehn Zentimeter an Körpergröße einbüßte, was er durch häufiges Benutzen des extra aufgebauten Podiums zwischen Schlagzeug und Keyboard kompensierte, mit amtlichem Applaus. Die routinierten Musiker leisteten sich eine fehlerfreie Performance (für die einfachen Gemüter: sie spielten erwartungsgemäß gut), aber das war es dann irgendwie auch schon wieder. Der letzte Zacken zur wirklichen Begeisterung fehlte irgendwie, sowohl beim Publikum als auch auf der Bühne. Was von dem Konzert blieb war die bitterliche Erkenntnis, dass CRADLE OF FILTH ihren Zenit überschritten und sich konstant aber beharrlich im Mittelfeld positioniert haben. Schocken vermögen die Briten schon lange nicht mehr, aber die fast kindlich anmutende Beharrlichkeit in Sachen böser Gesten zaubert einem unwillkürlich doch ein Lächeln aufs Gesicht.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Heaven Torn Asunder
  • Cruelty Brought Thee Orchids
  • Blackest Magick In Practice
  • Lord Abortion
  • Right Wing Of The Garden Triptych
  • Malice Through The Looking Glass
  • Deflowering The Maidenhead, Displeasuring The Goddess
  • Queen Of Winter, Throned
  • Yours Immortally…
  • Nymphetamine (Fix)
  • The Twisted Nails Of Faith
  • Her Ghost In The Fog
  • Blooding The Hounds Of Hell

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