17.11.2015, Chelsea, Wien

BATTLE BEAST - ALPHA TIGER - THE ORDER OF CHAOS

Veröffentlicht am 19.11.2015

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Das Chelsea bei den Gürtelbögen ist nun nicht unbedingt als DIE Metal-Hütte Wiens verschrien, umso mehr verwunderte es diesen Rezensenten, dass die Finnen von BATTLE BEAST auf ihrer ersten Headliner-Tour ebendort halt machen würden. Doch auch ob der ungewöhnlichen Location wird nicht lange gezögert und gemeinsam mit Fotograf Norbert Wabnig machte sich meine Wenigkeit an diesem recht lauen Novemberdienstag auf, um den Kampfbiestern auf die Finger zu schauen.

Mit dabei hatten die Finnen zunächst als Opener die Kanadier von THE ORDER OF CHAOS (Anm.: mir persönlich fehlt da ja ein bisschen das "Void" im Bandnamen), die auf ein Metal-Gemisch setzen, das aktuell in den kanadischen Gegenden wohl sehr beliebt zu sein scheint: ähnlich wie ihre Landsleute von den CRIMSON SHADOWS und THE AGONIST etwa setzt man vor allem auf harten, aber doch leicht melodisch angehauchten Metal irgendwo in der Schnittmenge zwischen Thrash und Melo-Death. Dieser wird nicht nur ziemlich tight dargeboten (hier können vor allem die beiden Gitarristen mit Namen "John" punkten!), sondern durch Frontlady Amanda auch noch gut in Szene gesetzt. Dass Female-Fronted-Metal mit "böse" singender Frontfrau funktioniert, weiß man spätestens seit ARCH ENEMY - und ein Schelm, der nun Böses denkt; man könnte Kanada nun ja schon beinahe vorwerfen, dass das gesamte Land nun "Alissa Country" geworden sei.

Aber Alissa hin, ARCH ENEMY her; ganz an die fulminante Klasse der Oberliga kommen THE ORDER OF CHAOS heute zwar nicht heran, hinterlassen beim Wiener Publikum aber dennoch einen mehr als formidablen Eindruck - und auch der verschmitzten Aufforderung von Amanda, man möge doch näher an die Bühne herankommen - "because I will bite" - leistet die versammelte Seherschaft dann sehr gerne Folge. Songs wie "Apocalpyse Moon" und Band-Titeltrack "The Order Of Chaos" werden amtlich abgefeiert, die Band lässt sich auch durch kurze technische Schwierigkeiten mit den Drums nicht aus der Ruhe bringen, und Fronterin Amanda verschlägt es zwischendurch auch einfach mal vor die Bühne - denn allzuviel Spielraum wird einer Metal-Band ob der Chelsea-Infrastruktur ja leider wirklich nicht gelassen.

Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt der Kanadier, der bei dem doch eher genrefremden Publikum überraschend gut ankam, und auch Lust auf mehr machte. Gerne wieder!

Einen etwas schweren Stand hatten dann ALPHA TIGER aus Deutschland. Die werden zwar im Ausland schon durchaus abgefeiert, bei uns herrscht aber nach fulminanten Gastspielen diverser 80er-Retro-Bands der Marke SKULL FIST, ENFORCER und STEELWING gerade doch so etwas wie eine leichte Übersättigung an diesem Kult-Nachmach-Metal. Schlecht sind die Jungs ja nun nicht und auch Neo-Sänger Benjamin kämpft sich wacker durch das Set der Deutschen, allerdings schien das Dienstagspublikum nach den energetischer aufspielenden ORDER OF CHAOS etwas ausgepowert, und der Funke wollte bei ALPHA TIGER nicht ganz so überspringen.

Nach und nach bringen Songs der Marke "Lady Liberty" oder "From Outer Space" die Menge aber zum Auftauen und die doch etwa 60 Recken, die es an diesem Dienstag ins Chelsea verschlagen hat, bedanken sich mit emporgestreckten Pommesgabeln und am Ende doch mehr als nur Anstandsapplaus. Der ganz große Siegeszug war es nicht an diesem Abend; da haben THE ORDER OF CHAOS den Alphatigern doch ein bisschen den Schneid abkaufen können. Dennoch ein passend gewählter Support, der vielleicht nur einen etwas schwächeren Tag erwischte und bei dem man vermuten kann, dass es auch mal ganz anders knallen könnte. Dranbleiben!

Und dann schließlich durften die Fans jene Band abfeiern, wegen der sie schließlich auch gekommen waren: BATTLE BEAST, die einstmaligen Wacken Metal Battle-Sieger, haben sich in der zwischenzeit über drei Alben hinweg zu einem Fixpunkt der Power Metal-Szene gemausert, und nicht zuletzt durch den Zugang von Sängerin Noora Louhimo den letzten notwendigen Kick bekommen. Besonders das selbstbetitelte Album Nummer zwei konnte überzeugen, wenngleich man auf dieser Tour freilich den Drittling, "Unholy Saviour", promoten möchte und darob auch gleich mit einem Doppelpack aus "Far, Far Away" und der Scarface-Hymne "I Want The World (And Everything In It)" startet. Frontlady Noora macht dabei alles richtig: und zwar ist sie nicht nur eine großartige Sängerin vor dem Herrn, die sich nicht um schwierige und hohe Noten drückt und zu jedem Zeitpunkt 100 Prozent bei der Sache ist, sondern auch noch eine ausnehmend sympathische Bühnenpräsenz besitzt. Und so führt die "Cyndi Lauper des Metal" (Zitat Andy B. Barna von VALSANS) gekonnt durch ein buntes Set aus Songs aller drei BATTLE BEAST-Alben, wobei es sicherlich die Songs vom "Battle Beast"-Album auch sind, die beim Publikum am besten ankommen.

Sei es nun der "Neuromancer", das druckvolle "Let It Roar" oder auch "Out On The Streets" - bei BATTLE BEAST steht definitiv Party am Programm! Ebenfalls ihren Weg ins Set gefunden haben Titel wie "Into The Heart Of Danger" und "Iron Hand" vom Debütalbum und ein erstes Stimmungshoch gibt's dann bei der Single "Black Ninja", die fulminant abgefeiert wird.

Ein etwas zweischneidiges Schwert ist und bleibt allerdings der 80er-Tribute-Song "Touch In The Night" vom aktuellen Langeisen, der zwar der Idee nach großartig ist, in der Livesituation auf Grund des doch stark reduzierten Metal-Anteils - wie schon zuletzt auf der gemeinsamen Tour mit SABATON - aber performancetechnisch doch etwas abfällt. Es wird zu überlegen sein, ob BATTLE BEAST diese Nummer künftig auch weiterhin im Set behalten sollten.

Ausgemerzt wird dieser (allerdings nur kleine) Hänger dann rasch mit der letzten Single "Madness", und mit "Out Of Control" gibt's nochmal einen richtigen Kracher als Rausschmeißer.

BATTLE BEAST können also auf ihrer ersten Headliner-Show überzeugen; für größere Hallen wird es aber wohl noch einer oder zweier Support-Touren mit etablierteren Acts bedürfen. Dennoch liefern die Finnen und vor allem Frontlady Noora eine beeindruckende Performance ab, und speziell dank des Charismas der Sängerin kann damit gerechnet werden, dass man BATTLE BEAST wohl das letzte Mal in einem so intimen Ambiente wie dem Wiener Chelsea genießen konnte; dieser Rezensent vermutet, dass es stattdessen mit der Band bald kräftig bergauf gehen sollte. Das zu entscheiden wird jedoch Sache des nächsten Albums sein, das dann die Frage beantworten muss, ob man - nach dem sowohl in Songwriting als auch Produktion etwas mauen "Unholy Savior" - wieder zur großen Klasse des Zweitlings aufschwingen kann. In jedem Fall zählen BATTLE BEAST zu den unterhaltsamsten Metal-Bands dieser Tage, wobei aber natürlich vornehmlich eine Klientel bedient wird, die auch sonst gerne zu eher leichter Kost wie SABATON, POWERWOLF oder ALESTORM abrockt. Aber auch dafür gibt's ja bekanntlich einen Platz und das ist auch gut so.


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