29.11.2015, Arena, Wien

FEAR FACTORY & ONCE HUMAN & DEAD LABEL!

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 03.12.2015

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FEAR FACTORY kehren 2015 mit ihrem Referenzwerk „Demanufacture“ in die Arena Wien zurück. Bereits 1993 waren sie zum ersten Mal in der kultigsten Location Wiens, 1996 gab es dann dort die Tour zum nun 20 Jahre alten Album. 2004 waren sie nach ihrer Reunion Teil des „Mind Over Matter“-Festival-Line-Ups, 2006 wurde das Planet Music beackert und 2010 spielten FEAR FACTORY in der ((szene)) und in der Arena. So behält man auch seine Fans. Das letzte Arena-Konzert 2012 mit dem DEVIN TOWNSEND PROJECT bot ein fettes Metalpaket. Da lässt man sich 2015 nicht lumpen und lädt zwei zwar noch unbekannte, dafür umso überraschendere Acts wie ONCE HUMAN und DEAD LABEL! ein.

Die Opener DEAD LABEL! traten als Three-Piece-Band aus Irland ordentlich Ärsche. Die groovenden Riffs von Gitarrist Danny Hall, das Geknüppel am Schlagzeug von Blondine Claire Percival und der Gesang von Frontmann Dan O'Grady am Bass kam schön räudig daher. Stimmungstechnisch erinnerte die reduzierte Show ein wenig an die Ausnahmeband SYLOSIS, was nur als Kompliment gelten kann. So einen fetten Sound hätte ich als Opening Act nicht erwartet und auch das (zwar noch nicht zahlreich erschienene) Publikum rotierte bei Stampfern des neuen Albums „Throne Of Bones“ bereits seine Schädel.

Dan O' Grady - DEAD LABEL (Foto by Kaltenböck Christoph)
Dan O' Grady - DEAD LABEL (Foto by Kaltenböck Christoph)

Ein episches Intro eröffnete die Show von ONCE HUMAN, deren Aushängeschilder ex-MACHINE HEAD-Gitarrist Logan Mader und die Frontfrau Lauren Hart sind. Auch showtechnisch sind diese zwei Musiker Dreh- und Angelpunkt der Band, wobei die anderen, technisch sicher versierten Mitglieder leider chancenlos verblassen. Die Musik als Gesamtpaket ist auch sehr packend, deshalb ist das Debütalbum „The Life I Remember“ durchaus zu empfehlen.

ONCE HUMAN(Foto by Kaltenböck Christoph)
Logan Mader (links) und Lauren Hart - beide ONCE HUMAN (Foto by Kaltenböck Christoph)

Wenn man hingegen nur die Show bewertet, muss man zuerst das Erscheinungsbild des 45-Jährigen Logan Mader lobend erwähnen, da dieser durchtrainierte Typ mit seinen Dreads eine Mischung aus Greg Mackintosh von PARADSE LOST und Doyle von Frankenstein von den MISFITS darstellt (wahrlich perfekter Vergleich! - Anm. Fröwein). Und wenn wir schon bei Doyle sind, ist der Weg zu dessen Partnerin Alissa White-Gluz von ARCH ENEMY nicht weit, die der sympathischen 27-jährigen Frontfrau Lauren Hart sicher als Vorbild dient. Geil sind sie jedenfalls beide (auch gesanglich)!

Erwähnenswert bei der kurzweiligen Show war noch das MACHINE HEAD-Cover "Davidian", das – ich zitiere Kollege Robert Fröwein – „…einmal nicht von Sauprolet Robb Flynn, sondern von dieser eleganten Grazie“ interpretiert wurde. Das Publikum ging bei diesem Song natürlich steil, aber auch jeder eigene Song wie „The Life I Remember“ oder der finale Rausschmeißer „Time Of The Disease“ wussten zu überzeugen.

Viele treue Fans von FEAR FACTORY warteten aber schon sehnsüchtig auf ihre 90er-Jahre-Helden. „Demanufacture“ hatte sicher einige Anwesende durch ihre Jugend begleitet, was das lautstarke Mitsingen der Lyrics bewies. Die Songs des Modern-Metal-Referenzwerks waren immer schon der Kern einer FEAR FACTORY-Show, aber den Klassiker in einem Stück gab es noch nie und der wurde dann auch ordentlich abgefeiert. Schon vom ersten Song an bildete sich in der Mitte ein Moshpit, der kaum verebbte, da durchgehend Stoff gegeben wurde.

Der perfekte Arena-Sound in Kombination mit dem Ambiente und dem „Demanufacture“-Backdrop bildete eine Einheit, wie es sie in der Arena nur selten zuvor gegeben hatte. Die rege Publikumsbeteiligung heizte die Band zur Höchstform an. Auch der aufgrund seiner gesanglichen Schwächen bei Livekonzerten oft gedisste Frontmann Burton C. Bell hatte einen besonders guten Tag erwischt und bemühte sich sichtlich, immer den richtigen Ton zu erwischen.

FEAR FACTORY (Foto by Kaltenböck Christoph)
Burton C. Bell (links) und Tony Campos - beide FEAR FACTORY (Foto by Kaltenböck Christoph)

Ohne darüber urteilen zu wollen, sah man dem wohl dicksten Metal-Gitarristen der Welt Dino Cazares seine Freude in Wien zu spielen sichtlich an. Kollege Fröwein hatte die Ehre, mit dem Koloss vor der Show über seine Band zu sprechen und erfuhr nach dem Interview auch noch einige private Geschichten über Cazares‘ Leben in Los Angeles. Mehr davon in Kürze. (die Privatgeschichten bleiben aber natürlich privat! - Anm. Fröwein) Der Gitarrensound war an jenem Abend jedenfalls der Hammer, aber das muss bei FEAR FACTORY auch so sein, ist dieser spezielle Sound ja auch deren Markenzeichen.

Einen großen Anteil am gelungenen Auftritt hatte sicher auch Neo-Bassist Tony Campos, der ohne seinen langen Bart sicher nicht die „samsonschen“ Kräfte hätte, sein Instrument in Hochgeschwindigkeit zu bedienen. Vom Drummer Mike Heller gab es fette Doublebass-Attacken und dieser setzte auch seinen iMac für besonders fiese Bassounds ein, fast so als würde Sauron höchstpersönlich auf der Bühne eine Schar von Mittelerde-Kriegern hinwegfegen.

Zu beurteilen, wie geil jeder einzelne Song von „Demanufacture“ dargeboten wurde, überlasse ich den Hardcore-Fans, die während der Performance unermüdlich ausrasteten und Burton zu Ansagen wie „That’s The Spirit“ (oder so ähnlich) hinrissen. Vom titelgebenden Album-Opener über die Singles „Replica“ und dem HEAD OF DAVID-Cover „Dog Day Sunrise“ bis zum letzten Metal-Brocken „Pisschrist“ wurde das Gaspedal permanent durchgedrückt. Der überlange und im Vergleich zu den anderen extrem ruhige Song „A Therapy For Pain“ diente zum Runterkommen und zur fast meditativen Überleitung in die Zugabe. Denn ein Ende war zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne.

Nach der Präsentation des nun schon zig Mal erwähnten Albums gab es mit „Shock“ und „Edgecrusher“ als Zugaben noch obligatorisches „Obsolete“-Material. Was wäre nun marketingtechnisch der beste Schachzug, wenn einem die Fans gerade aus den Händen fressen? Natürlich das neue Album „Genexus“ mit gleich drei Songs zu promoten, welches mein geschätzter Kollege Reini sogar zu den besten seit einer gefühlten Ewigkeit zählt.

Zum glorreichen Abschluss fehlte dann nur noch eines: Ein Song vom Debütwerk „Soul Of A New Machine“. Bei „Martyr“ mobilisierten FEAR FACTORY und auch die Moshpit-Fanatiker ihre letzten Kraftreserven, um sich danach an eines ihrer wahrscheinlich besten Konzerterlebnisse noch lebhaft erinnern zu können. Im Jahr 2015 waren FEAR FACTORY definitiv ein Metalkonzert-Highlight, das uns in dieser Form gerne noch öfter begegnen darf.

FEAR FACTORY (Foto by Kaltenböck Christoph)
FEAR FACTORY (Foto by Kaltenböck Christoph)

 

Setlist FEAR FACTORY:

  • Demanufacture
  • Self Bias Resistor
  • Zero Signal
  • Replica
  • New Breed
  • Dog Day Sunrise (HEAD OF DAVID-Cover)
  • Body Hammer
  • Flashpoint
  • H-K (Hunter-Killer)
  • Pisschrist
  • A Therapy For Pain

Encore:

  • Shock
  • Edgecrusher
  • Soul Hacker
  • Dielectric
  • Regenerate
  • Martyr

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