01-12-2015, Zenith, München

NIGHTWISH + ARCH ENEMY + AMORPHIS

Veröffentlicht am 06.12.2015

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Abwechslungsreichtum wird bei Stormbringer groß geschrieben, so machte sich die Fraktion West - dieses Mal repräsentiert von Manfred Thanner und Anthalerero - nur einen Tag nach dem todesmetallischen Nackenexitus vor einer Hundertschaft an Besuchern in Salzburg wieder einmal auf in die bayrische Landeshauptstadt. Ein Dreierpaket an Skandinaviern hatte sich am Weißwurstäquator eingefunden und etwa 6.000 Besucher ins ausverkaufte Zenith gelockt. Death Metal vor 100 Besuchern vs. Symphonic Metal vor 6.000 Nasen, verrauchte Bar vs Riesenhalle, Gedärmpenetration vs. Zuckermelodien - wer trug bei dieser Konfrontation wohl den Sieg davon? Wir können es euch ruhig verraten: keiner, denn beide Konzerte waren für sich gesehen einfach geil und sowohl der kleine Club wie auch das Riesenevent hatten beide ihre Reize.

Über die Schockmomente der kurzweiligen Anfahrt im vollbesetzten Skoda-Kombi wird euch Kollege Thanner zu einem späteren Zeitpunkt noch unterrichten, wir steigen der Einfachheit halber, ohne lange um den heißen Brei herumzuschwurbeln, direkt an dem Punkt ein, als die Reisegruppe des Abends bereits am Zenith angelangt war. Dort sorgte gerade ein kurzfristiger Einlassstopp wegen der feuerpolizeilichen Abnahme für eine Verzögerung, die einigen mit T-Shirts in der Kälte stehenden Besuchern sichtliches Unbehagen bereitete. Die Schlange an Einlassbegierigen zog sich bereits die komplette Längsseite des Zeniths entlang, während so mancher noch auf der Suche nach einem Ticket für die ausverkaufte Show dem ekelig kalten Wind trotzte. Nun ja, es ist Dezember, was will man wettertechnisch sonst erwarten... Als schlussendlich am Einlass wieder Bewegung in die Sache kam, konnte auch Stormbringer die Halle entern und einer amtlichen Party mit den drei Bands des Abends NIGHTWISH, ARCH ENEMY und AMORPHIS - eigentlich jede für sich schon eine Headliner-Band! - stand nichts mehr im Wege!

 

Den Auftakt machten AMORPHIS, denen als erste Band gerade einmal etwa 30 Minuten vergönnt waren. Gerade bei den Finnen, die für ihre hypnotisch-mitreißenden Kompositionen bekannt sind, erwies sich das als fast tödlich für die Show. Durch die kurze Spielzeit, in der sich gerade einmal acht Songs ausgingen, fielen viele Klassiker der Band durch den Rost und auch die Performance an sich litt unter dem knappen Zeitfenster. Die für AMORPHIS typische Magie des Zusammenspiels aus Melodie und Härte, die die Finnen wie keine andere Band beherrschen, wollte sich nicht so wirklich einstellen. Dadurch, dass der Einlass noch immer in vollem Gange war, liehen noch vergleichsweise wenige Besucher den Finnen ihr Ohr - ungeteilte Aufmerksamkeit bekamen AMORPHIS hauptsächlich von den selbstverständlich bereits anwesenden Fans ihrer Musik gespendet, was dann glücklicherweise auch gar nicht so wenige Leute waren.

Trotz vieler in die Höhe gereckter Fäuste und Pommesgabeln und trotz klarem, für den Opener überraschend gut abgemischtem Sound, blieb die Stimmung irgendwie flach. Erst als sich Marco Hietala von NIGHTWISH zu seinen finnischen Landsleuten auf die Bühne gesellte und Teile des Gesangs der beiden vom 2009 veröffentlichten Album "Skyforger" stammenden Songs "The Sky Is Mine" und "Silver Bride" übernahm, wachte das Publikum auf. Das zauberte ein Lächeln aufs Gesicht des Berichterstatters - zählt doch erwähntes AMORPHIS-Album nebst dem Klassiker "Tales From A Thousend Lakes" (von dem es an diesem Abend leider nichts zu hören ab) zu den absoluten Lieblingsstückchen im heimischen Plattenschrank. Doch geschuldet der generellen Ausrichtung des Abends, die klarerweise vom Headliner NIGHTWISH vorgegeben wurde, setzten AMORPHIS entsprechend vermehrt auf die griffigeren Songs ihrer Diskografie, wie dem abschließenden "House Of Sleep" - und natürlich auch auf die Titel vom aktuellen Album "Under The Red Cloud", das mit vier Stücken die Hälfte der Setlist stellte.

Zwar konnten sich AMORPHIS starken Applaus für ihren wie immer sehr guten Auftritt abholen, aber die kurze Spielzeit und der damit verbundene Verzicht auf so viele Songs die man gerne noch gehört hätte, erstickte die Stimmung irgendwie im Keim. Doch irgendwie ein herber Schlag für eine der vermutlich besten und eigenständigsten Bands, die Finnland je hervorgebracht hat. Doch das tat der guten Stimmung in der Band, die mit sichtlicher Freude agierte, keinen Abbruch - wem die 30 Minuten zu wenig waren, der fand sich ohnehin andertags im tirolerischen Wörgl ein, wo sich die Finnen zum Ausgleich im Komma eine volle Headliner-Show gönnten, bei der die Tiroler Fraktion von Stormbringer leider krankheitsbedingt passen musste. Schade, denn es wäre interessant gewesen, den Unterschied herauszuarbeiten!

Setlist:

  • Death Of A King
  • Sacrifice
  • Hopeless Days
  • Bad Blood
  • The Sky Is Mine
  • Silver Bride
  • The Four Wise Ones
  • House Of Sleep

 

Während bei den Finnen ganz klar die Musik im Vordergrund stand, kam mit den folgenden ARCH ENEMY eine Band, bei der die optische Komponente etwas mehr in den Vordergrund gerückt wurde. Und zwar in Form der Frontdame Alissa White-Gluz, die seit neuestem ihre kriegerische Ader in Form einer verzierten Rüstung auf der Bühne auslebt - und den wenigen Leuten im Zenith, denen an diesem Abend noch immer nicht klar war, dass ARCH ENEMY keine "typische" Female-Fronted-Band ist, denen wurde von der blauhaarigen Amazone recht schnell verständlich gemacht, wo der Bartl den Most holt. Gleich mit dem Opener "Yesterday Is Dead And Gone" und dem fulminanten "War Eternal" bekamen die Zuschauer zwei ordentliche Bretter vorgelegt - leider blieb der Sound zu Anfang noch etwas flach, was sich aber im Laufe des Konzerts besserte. Eventuell war es auch nur ganz vorne etwas breiig - doch trotz der anfänglichen Soundschwächen dröhnte zumindest das Gebrüll der Kampfamazone unbeirrt kräftig aus den Boxen.

Beim Klassiker "Ravenous" lief Brüllwürfel Alissa dann zum ersten Mal so richtig zur Hochform auf - Kollege Laichster, unser allseits bekannter Redaktionsterrier, wäre bei der Dame bestimmt vom geifernden Schrecken aller Einhornbands zum braven Schoßhündchen mutiert, und hätte sich von Schlumpfine bereitwillig an die Leine legen lassen. Aus Furcht dass er, trotz erwiesener Tierliebe seines potenziellen Frauchens postwendend im Tierheim landen könnte, blieb der Terrier zur Sicherheit im heimatlichen Zwinger zurück, zumal seine Leinengängigkeit vom Berichterstatter noch nicht gänzlich ausgetestet wurde. Doch ihr könnt euch sicher sein, dass Laichster, sobald ARCH ENEMY sich das nächste Mal ins heilige Land Tirol vorwagen, wieder Auslauf erhalten wird. Derweilen versorgen wir ihn natürlich mit frischem Wasser, Reiswaffeln und neuem Bildmaterial seines Traumfrauchens - auch Stormbringer ist bedacht auf Schutz und artgerechte Haltung von seltenen Spezies! Doch damit genug von den geheimen Fantasien unseres Tiroler Kollegen - ganz so geheim dürften sie bei einigen im Zenith anwesenden Leuten nicht gewesen sein, so weit wie manche Zungen heraushingen oder gleich bis auf den Boden hinunter entrollt wurden...

Es sei ihnen gegönnt, denn Energiebündel Alissa fetzte über die Bühne, dass der Rest der Band fast zur reinen Dekoration verkam, obwohl auch diese optisch einiges zu bieten hatte - zumindest auf dem Kopf erwies sich die Instrumentalfraktion nämlich auch recht bunt - Rot, Blond, Schwarz, Braun - für jeden was dabei! Aber es hatte ja doch jeder nur Augen für Alissa, die sich bei Titeln wie "You Will Know My Name" oder "No Gods, No Masters" die Seele aus dem Leib brüllte. Oder, wie es ein konsternierter NIGHTWISH-Fan angesichts der stimmlich etwas härter ausgerichteten Vorbands beschrieb: "Also musikalisch ist das ja super, aber warum kann die nicht schön singen?" Mein lieber Herr, es heißt nicht umsonst Melodic-DEATH-Metal - auch wenn der Melodie-Anteil bei ARCH ENEMY relativ hoch ist und hauptsächlich die Gestalt gewordene, gänzlich undamenhaft klingende Schlumpfine für den tödlichen Einschlag zuständig ist. Wikipedia hilft hier weiter - allerdings sollte man auch dieser Plattform nicht immer vertrauen, so wie in Australien, wo sich kürzlich ein Fan als Familienmitglied eines Musikers in einen Wikipedia-Eintrag editierte, so die Securitys täuschte und hernach gemütlich ein Bierchen mit den über den Familienzuwachs überraschten Musikern zischen konnte.

Wo waren wir gerade? Ach ja, ARCH ENEMY... die Schweden holzten sich trotz einiger etwas gequälter Gesichter im Publikum mit Präzision durch ihr etwa 50-minütiges Set und ließen sich vom inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllten Zenith gebührend feiern. Mit "Nemesis" senkte sich die finale Abrissbirne auf das Publikum nieder, das die Schweden nach getanem Zerstörungswerk schließlich mit lautem Applaus verabschiedete. Erfrischend, so starke Bands die ohne weiteres selbst als Headliner Hallen füllen im Vorprogramm eines Kalibers wie NIGHTWISH zu sehen, anstatt mittelmäßiger Bands, die lediglich als Zeitüberbrückung bis zum Hauptact fungieren. Der Anteil an Eventtouristen hielt sich somit in annehmbaren Grenzen, dafür ließen eine ausreichende Anzahl von Metalheads die Matten zu AMORPHIS und ARCH ENEMY kreisen. So soll's sein!


Setlist:

  • Yesterday Is Dead And Gone
  • War Eternal
  • Ravenous
  • Stolen Life
  • You Will Know My Name
  • As The Pages Burn
  • Unter Black Flags We March
  • Avalanche
  • No Gods, No Masters
  • Nemesis

 

Innerlich stellte man sich schon aufgrund der noch relativ frühen Stunde auf eine etwas längere Umbaupause ein, ehe NIGHTWISH die Bühne entern sollten. Doch überraschenderweise hielt sich der hinter einem blickdichten Vorhang abgehaltene Umbau zeitlich in Grenzen, und die Finnen schickten sich alsbald an, die Bühne im Zenith in Beschlag zu nehmen. Unter lautem Jubel der 6.000 Besucher und flankiert von kräftigem Pyrotechnik-Wumms und bombastischer Lichtshow bretterten NIGHTWISH, ohne irgendwelche Zeit mit einem Intro zu vertrödeln, gleich mit "Shudder Before The Beautiful" los. Anschließend wurde mit einem der härtesten Tracks in der NIGHTWISH-Geschichte (wer erinnert sich noch an "Slaying The Dreamer"...?) mit dem Trällerelsen-Image, das melodisch-symphonisch ausgerichteten Bands ja gerne einmal zugeschrieben wird, ordentlich aufgeräumt - bei "Yours Is An Empty Hope" zeigte Floor Jansen, dass sie nicht nur auf CD ordentlich räudig klingen kann, sondern es auch verstand, selbiges live überzeugend rüberzubringen. Gut, die Derbheitsklasse einer Alissa White-Gluz erreicht sie natürlich nicht, aber mit dem finnischen Brüllwürfel Noora Louhimo von BATTLE BEAST kann sie sich allemal messen!

Aber Floor bot nicht nur stimmlich eine beeindruckende Erscheinung, auch optisch war die Dame aufgrund ihrer schieren Körpergröße Ehrfurcht gebietend - mit hohen Schuhen überragte sie selbst den ebenfalls nicht allzu klein gewachsenen Marco und von Gitarrist Emppu wollen wir gar nicht erst anfangen... 'Domina mit Gefolge' ist der gerne mal schmutzig denkende Berichterstatter versucht zu denken, wohingegen Kollege Thanner ähnliche, aber doch gänzlich andere Gedankengänge hegt: 'A Wahnsinn, die bringt dich beim Sex wahrscheinlich um!'. Kollege Laichster würde selbiges vermutlich eher der grunzenden Amazone von vorhin attestieren, doch jedem das seine. Interessante Gedanken habt ihr Jungs jedenfalls, ich glaube wir müssen da mal reden...

Vom Reden hielten NIGHTWISH allerdings nicht viel, und packten als nächstes gleich einmal die Klassiker-Keule aus, bei der der Mitsingfaktor im Publikum sofort stieg. Bei "Ever Dream" wurden die Feuerzeuge gezückt, die Zuschauer grölten sich erstmals an diesem Abend die Seele aus dem Leib und Floor durfte zeigen, dass sie sowohl Material aus der Tarja-Ära mit überzeugendem Stimmvolumen darbieten, als auch Songs aus dem Anette-Zeitalter ("Storytime") mit Gefühl interpretieren konnte. Für den Berichterstatter, der die Finnen sowohl mit dem Opern-Vibrato als auch mit der zerbrechlichen Mädchenstimme bereits gesehen hatte, war es die erste NIGHTWISH-Show mit Floor Jansen am Mikro und trotz Skepsis konnte die inzwischen nicht mehr so neue Frontfrau vollauf überzeugen. Natürlich wird es immer wieder Leute geben, die anderer Meinung sind, so wie ein ewiggestriger Tarja-Fan, der in der Operndiva die Erleuchtung schlechthin sah und vermeinte, dem Berichterstatter erklären zu müssen, weshalb ihr Weggang der Untergang von NIGHTWISH war. Warum selbiger dann allerdings zu diesem Konzert pilgerte, nur um sich darüber aufzuregen, bliebt dem Schreiberling allerdings verschlossen.

In einem einzigen Punkt hatte angesprochener Besucher allerdings recht - der Sound an diesem Abend war in der Tat ein wenig... komisch. Äußerst präsenter Bass, dominantes Keyboard (nein, das ist hier ausnahmsweise keine sexuelle Allegorie) und über weite Strecken extrem in den Hintergrund gemischte Gitarren ließen eher Discofeeling aufkommen, als dass man sich auf einer Metalshow fühlte. Dazu passend auch sehr seltsame Gestalten im Publikum, die selbiges wohl zum Anlass nahmen, das Geschehen auf der Bühne vollkommen zu ignorieren und sich eher dem modernen Ausdruckstanz hinzugeben. Oder wie auch immer man das nennt, wenn man im Takt der Musik bandscheibenverachtende Verrenkungen vollführt, die weder Tanzschritten noch spastischen Zuckungen zuzuordnen sind. Der Titel "Disco Queen" gebührte aber einer Besucherin, die sich ungeniert im freien Bereich bei den Notausgängen in eine Art Ekstase tanzte und wohl ihr Leben für ein Revival des Discofox gegeben hätte. In den 80ern und 90ern vermutlich die ungekrönte Königin des Dancefloors, wurde die hingebungsvolle Darbietung im Zenith allerdings sowohl von Besuchern als auch von der Security sehr skeptisch beäugt und wahlweise mit mildem Lächeln oder verständnislosem Kopfschütteln quittiert. Zumindest das war vermutlich nicht im Sinne des Tontechnikers...

Dafür regierte zumindest auf der Bühne noch das hartmetallische Posing, wo Floor Jansen und ihr Gefolge fleißig die Mähnen schüttelten. Immer noch ein wenig gewöhnungsbedürftig hier das "neueste" Bandmitglied Troy, dessen Instrumentenpotpourri (Flöten, Dudelsäcke...) aber tatsächlich eine Bereicherung der Band darstellt - speziell Songs wie "My Walden" von der aktuellen Scheibe gewannen so live eine größere Tiefe. Zudem nahm selbiger auch bisweilen noch die Akustikgitarre zur Hand, während Marco indes gelegentlich die zweite Gitarre auf seiner Double-Neck-Gitarren-Bass-Kombi gab, und nebenbei auch noch den ersten Teil von "The Islander" solo bestritt.

Für das Publikum in München gab es überdies noch eine Premiere - "Edema Ruh" vom aktuellen Album "Endless Forms Most Beautiful" (dessen Titeltrack übrigens überraschenderweise nicht gespielt wurde...) wurde zum ersten Mal überhaupt in voller Band-Besetzung live gespielt, was von den Zusehern auch fleißig beklatscht wurde. Im letzten Drittel der Show rüsteten NIGHTWISH dann noch einmal ordentlich auf - nebst Mitsing-Hymnen wie "Nemo" wurde auch pyrotechnisch noch einiges geboten! Gab es schon im Mittelteil zu "Weak Fantasy" und "7 Days To The Wolves" einiges an funkenspuckenden und flammenden Spielereien zu sehen, knallte es auch beim ältesten Song des Abends, dem flotten "Stargazers" vom 1998 erschienenen "Oceanborn" gehörig. Wer da keine Stöpsel in den Ohren hatte, der hatte wohl nachher zumindest einige Tage gehörigen Tinnitus.

Die Über-Hymne "Wishmaster" sorgte für den endgültigen Dammbruch bei so einigen langjährigen Fans der Finnen - ja, dieser Song gehört einfach zu einer NIGHTWISH-Show dazu! Punkt, aus! Egal ob er "uralt" ist, egal ob er meinetwegen auch schon "ausgelutscht" oder "zu Tode gespielt ist" - wenn dieser Song angespielt wird, dann grölst du gefälligst mit! Egal ob du den richtigen Text, die Misheard-Lyrics ("Fishmaster"!) oder irgendwelche verstümmelten Versionen mit Fantasietexten mit deinem Nebenmann in die Halle schmetterst - Hauptsache du machst Lärm! Und das machten die Zuschauer in München gehörig - so gehört sich das! Trotz fortschreitender Heiserkeit im Publikum lieferten die Finnen mit "Ghost Love Score" und "Last Ride Of The Day" noch zwei volle Breitseiten ab, ehe zum Abschluss nach frenetischem Applaus der Zuschauer noch der Longtrack des aktuellen Albums (mutige Entscheidung!) performt wurde. Nicht in kompletter Länge versteht sich - der letzte Teil des Tracks wurde Berichten zufolge vom Band eingespielt. Die Reisegruppe von Stormbringer West unter Leitung des hier berichtenden Schreiberlings (der bekanntlich kein Fan dieses ähm, epischen Stücks Musik ist, zugegeben...) entschied sich zugunsten staufreier Abreise aus dem Zenith-Gelände dafür, auf den Abschluss der Show zu verzichten - gar nicht wenige Zuseher hatten aber irgendwie die gleiche Idee... trotzdem schaffte es Stormbringer ohne Standzeiten aus dem beginnenden Verkehrsgewühl, und konnte sich entspannt auf den Heimweg machen in dem Gewissen, eine rundum gelungene, bombastische Show mit drei perfekt aufgelegten Bands gesehen zu haben, von denen jede einzelne locker auch für sich selbst die Massen begeistern konnte.

Setlist:
Shudder Before The Beautiful
Yours Is An Empty Hope
Ever Dream
Storytime
My Walden
The Islander
Élan
Weak Fantasy
7 Days To The Wolves
Edema Ruh
I Want My Tears Back
Nemo
Stargazers
Wishmaster
Ghost Love Score
Last Ride Of The Day
The Greatest Show On Earth
 

Und wie bereits eingangs erwähnt wurde, soll auch Kollege Manfred, der genau wie der eigentliche Berichterstatter Licht und Schatten des Fotografendaseins im Graben durchlitt, zu Wort kommen - von ihm kommt das abschließende Fazit des Abends, garniert mit einigen augenzwinkernden Anekdoten...

Natürlich möchte ich zum Konzert auch meinen Senf und ein paar Zeilen zum Besten geben!

AMORPHIS haben ja mit ihrem letzten Album ein äußerst komplexes und aggressives Werk erschaffen, das Liebhaber der gepflegten Dunkelheit und Melancholie in seinen Bann ziehen sollte. An diesem Abend jedoch konnte man die gewohnte Stärke wegen der viel zu kurzen Spielzeit überhaupt nicht ausspielen. Obwohl die gespielten Songs natürlich herausragend waren, blieb doch ein fader Beigeschmack.

ARCH ENEMY ließen im Anschluss tausende Fans brachialer Klänge mit dickem Grinsen im Gesicht zurück. Hammerauftritt und ein Frontbabe, das alle gerne zur Schwiegertochter haben möchten. Aber wenn dieser Brüllwürfel gesanglich mal so richtig loslegt, ist eine brunftige Milchkuh kein Vergleich dazu. Unglaublich, was diese zierliche Dame da für Töne von sich gab. 

Gottseidank wurde vor dem Gig von NIGHTWISH ein Schild aufgehängt, wo Pyros angekündigt wurden. Denn gleich beim Opener „Shudder Before The Beautiful“ wurde auf der Bühne eine Bombe mit einen dermaßen lauten Knall gezündet, dass sich nach den Vorfällen von Paris einige Leute vor Schreck sofort umgedreht haben. Sogar einer meiner Lieblingstracks, „Stargazers", wurde dargeboten und somit kann man den Finnen eine Topleistung bescheinigen, obwohl der Sound am Anfang doch schon etwas blutleer war. Witzigerweise ist ja bei manchen Metal-Fans das Hören von NIGHTWISH wegen des sehr hohen Kitschfaktors doch etwas verpönt ,aber ich sage, dass NIGHTWISHhören wie onanieren ist ,denn jeder tut es und keiner gibt es zu. Für unsere  unumstrittene Nummer-eins-Discofox-Tänzerin, von der Kollegin Anthalerero schon berichtet hat, gab es sofort nach den Gig ein lukratives Angebot bei den Dancing Stars - oder eventuell im Musikantenstadl.

Den größten Schockmoment erlebten aber die armen Kerle die mit den zwei Stormbringer-Mitarbeitern nach München mitdurften. Von meiner Kollegin bin ich ja schon einiges gewohnt, aber diesmal hat sie den Vogel komplett abgeschossen. Man lernt ja wirklich nicht aus, aber dass bei einer Pinkelpause auch eine Frau im Stehen einen Zaun bewässert, sorgte unter den anwesenden Zeugen für kollektives Kopfschütteln. Kollege Pirker vom Metallic Underground Radio schmiss sofort sein volles Bier in den Mistkübel, den das böse Zeugs hat ihm wohl seine Sinne so stark vernebelt, dass er glaubte, Halluzinationen zu haben.

Aber liebe Freunde der gepflegten Metalmusik - nach Rücksprache mit der Dame, kam sofort des Rätsels Lösung. Auch als Frau darf man solche Sachen tun, ohne sich gleich an die Schuhe zu pinkeln. Ausschlaggebend ist dennoch, dass es immer auf den richtigen Einsatz ankommt - was auch immer das sein mag, wir haben es an diesen Abend noch nicht eruieren können... [manfred]

Tja, Herr Kollege und liebe traumatisierten Mitfahrenden - jeder braucht seine kleinen Geheimnisse!


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