16-12-2015, Backstage (Club), München

SWALLOW THE SUN + WOLFHEART + ADIMIRON

Veröffentlicht am 25.12.2015

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Nur einen Tag nach melodisch-progressivem Rock in Salzburg, gab es in München gleich wieder Kontrastprogramm auf die Öhrchen. Stormbringer West, hier vertreten von Anthalerero und Fotografin Tina Burgstaller, fand sich zu düster-melancholischem Finnensound im Backstage Club ein, der von SWALLOW THE SUN und WOLFHEART mit erdrückend dichter Atmosphäre erfüllt wurde. Erdrückend an diesem Abend auch der Nebel, der beim Headliner in so dichten Schwaden durch den Club zog, dass man schier keine Luft mehr bekam (*hust*, *keuch*) - ihr könnt euch in der Fotogalerie davon überzeugen. Zudem wurde das Konzert, nachdem es schon vom 15. auf den 16. Dezember verschoben wurde, wegen schleppenden Vorverkaufs (gerade einmal ca. 130 Tickets wurden abgesetzt) von der größeren Halle in den kleinen Club verlegt.


Vom Opener ADIMIRON, einer Thrash/Death-Combo aus Italien, muss an dieser Stelle zugegeben werden, bekam Stormbringer leider kaum etwas mit. Gehetzte, kaum fünf Minuten waren lediglich drin, in denen zumindest der fotografischen Pflicht nachgekommen werden konnte, denn der Zeitplan war ausnehmend dicht. Was in diesen Minuten vernommen werden konnte tönte aber alles andere als schlecht - die auch schon gut 15 Jahre dienenden Italiener, die bereits vier Alben im Gepäck haben (und sich zudem kürzlich mit einer Dame am Bass verstärkt haben), präsentierten sich musikalisch grundsolide und professionell. Wirkliche Reaktionen konnten die Fünf allerdings aus dem Publikum nicht herauskitzeln, es wurde zwar artig mitgenickt und Applaus spendiert, aber Begeisterung sieht dann doch anders aus. Vermutlich lag es an dem eher progressiv orientierten Todesmetall der, garniert mit thrashigen Einschüben, auf das Publikum einprasselte und sich als handwerklich ausgezeichnet, aber wenig eingängig erwies.

Apropos Zeitplan: die Verlegung des Konzertes in den Club sorgte dafür, dass der Schreiberling und Teilzeit-Fotograf auf dem Weg zwischen Zuschauerbereich und Backstageareal (Backstage-Backstage, alles klar?) den langen Weg außen rum nehmen musste - im strömenden Regen höchst erheiternd. Wirklich. Während des Auftritts von ADIMIRON wollte nämlich auch noch ein Interview mit SWALLOW THE SUN geführt sein (demnächst zu lesen hier auf Stormbringer) und überdies stand noch eine Horde Finnen bereit gequält zu werden. Soviel zum straffen Zeitplan. Sinn und Zweck, sowie Endergebnis dieser "Pain & Pleasure"-Aktion, findet ihr ebenfalls demnächst hier auf Stormbringer - mit eurem Kopfkino lassen wir euch aber jetzt bewusst alleine. Hehe.


Weiter im Text mit WOLFHEART, von denen Stormbringer - nach abgewickelter Pflicht und erheiternder Kür - zumindest noch etwas mehr als die Hälfte des Auftrittes zu sehen bekam. Die finnischen Melo-Death-Senkrechtstarter (deren Sänger Tuomas auf dieser Tour überdies auch als Tourmanager fungiert - das nur am Rande!) konnten das Publikum mit ihren melodischen Todesblei-Hymnen schon deutlich besser mobilisieren und man konnte nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum die ersten Haarpropeller ausmachen. Mit deutlich mehr Struktur und besseren Hooklines als ADIMIRON konnten WOLFHEART schnell auf die Unterstützung der Zuschauer bauen, die ihre Fäuste und Pommesgabeln in die Höhe reckten und starken Applaus spendeten. Gerade Titel wie das epische "Ghosts Of Karelia" wurden von Teilen der anwesenden Meute, die den Club immerhin ziemlich gut füllte, ganz ordentlich abgefeiert.

Dafür, dass WOLFHEART erst seit relativ kurzer Zeit als vollwertige Band unterwegs sind (wenn ich richtig unterrichtet bin, seit dem Vorjahr?), da es sich ursprünglich lediglich um ein Soloprojekt von Sänger und Gitarrist Tuomas Saukkonen handelte, präsentierte sich die Truppe äußerst gut eingespielt und dermaßen routiniert, dass man vermeinen könnte, sie würden schon ähnlich lange gemeinsam auf der Bühne stehen wie der italienische Opener. Mit ihrem neuen Album "Shadow World" im Gepäck und entsprechend ausgerichteter Setlist machten WOLFHEART so richtig Spaß und konnten beim Publikum ordentliche Pluspunkte sammeln. Dass Tuomas seine anderen Projekte (BEFORE THE DAWN, BLACK SUN AEON) weitestgehend auf Eis legte, um sich vollständig WOLFHEART zu widmen, kann man somit nur als goldrichtige Entscheidung bezeichnen! Und man kann sich sicher sein, dass von den Wolfsherzen in den nächsten Jahren bestimmt noch so manches Schmankerl drin ist - live sind sie jedenfalls schon einmal eine Macht! Den starken Applaus vom Münchner Publikum gab es hochverdient!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • The Hunt
  • Strength And Valor
  • Aeon Of Cold
  • Ghosts Of Karelia
  • I
  • Zero Gravity
  • Veri
  • Routa Pt. 2

 

Düsternis und ein auf Hochtouren laufende Nebelwerfer kündigten die Ankunft von SWALLOW THE SUN an. Und gleich wurde es musikalisch wieder ein gutes Stück sperriger - doch das dürfte dem Großteil der Anwesenden bewusst gewesen sein, denn wiewohl augenscheinlich eine Menge Leute wegen WOLFHEART ins Backstage gepilgert waren, durften sich auch die zweiten Finnen des Abends über lauten Jubel freuen. Auch über Zuschauerschwund konnte man sich nicht beklagen, so konnten sich Zipfelmützenträger Mikko und seine Mannen (wahlweise mit Fleischmützchen oder langer Mähne - muss wohl so eine Art ungeschriebene Bandregel sein) quasi ins gemachte Nest setzen - Pommesgabel gen Hallendecke gereckt und ab geht's!

Einen deutlichen Überhang in der Setlist konnte man natürlich zugunsten des neuen Streichs, dem Triple-Album "Songs From The North I, II & III", verorten. So wie die Finnen mit ihrem ausufernden Albumprojekt Mut bewiesen, zogen sie selbiges Konzept auch live konsequent durch. Das bescherte den Fans erstmals ein Akustik-Set von SWALLOW THE SUN, in dem zwei Titel von "Songs From The North II" zum Besten gegeben wurden. Nicht nur im Zuge dieses Akustikteils untermauerte Sänger Mikko (mit Ausnahme eines kleinen Aussetzers bei "Pray For The Winds To Come") die Variabilität seiner Stimme - von markerschütternden Screams über derbe Growls bis hin zu sanftem Klargesang hat dieser Kerl einfach alles drauf! Und das alles in fast mühelos wirkendem Wechsel, beinahe ohne Abstriche. Beeindruckend.

Nicht minder die Instrumentalfraktion, die mit finnischer Detailverliebtheit und Präzision selbst durch Zeitlupentempo-Songs wie dem Funeral-Doom-Brocken "Abandonded By The Light" mühelos navigierte. Einen schweren Stand bei den Fans hatte noch immer Drummer Juuso, der im Vorjahr nach dem NIGHTWISH-Engagement von Kai Hahto als neues fixes Bandmitglied aufgenommen wurde. Vielleicht kennt man SWALLOW THE SUN hauptsächlich mit Kai, doch Juuso steht seinem großen Vorgänger kaum um etwas nach.
    
Zum Ende gab es noch zwei ältere Songs auf die Rübe, als kleine "Wiedergutmachung" für die Leute, die mit dem Ausflug in den Funeral Doom und dem Akustikteil nicht so gut leben konnten - was aber glücklicherweise nur ein verschwindend geringer Teil des Publikums war. Denn sowohl Funeral-Doom-Walze als auch Akustikset wurden von den Zuschauern laut beklatscht - und zum Schluss hieß es dann eben noch einmal, sich zu gewohnter Kost der Finnen gepflegt den Schädel abzuschrauben. Einziger Wermutstropfen des Abends war, neben einem streckenweise nicht ganz optimalem Sound, der Nebel. Zeitweise war es dann doch schon ein wenig zu viel des Guten und zumindest der Berichterstatter hatte am nächsten Tag eine ordentliche Matschbirne davon - aber egal! Hochwertige Auftritte aller drei Bands - auch wenn ADIMIRON nicht so wirklich zünden wollten - sorgten für einen kurzweiligen Konzertabend, bei dem das Herz des Musikfans voll auf seine Kosten kam. Und der zusätzliche Spaß rund um das Konzert sorgte dafür, dass sich die Fahrt nach München einmal mehr voll auszahlte!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • 10 Silver Bullets
  • Rooms And Shadows
  • Hate, Lead The Way!
  • Cathedral Walls
  • Hope
  • New Moon
  • Lost & Catatonic
  • Abandoned By The Light
  • The Heart Of A Cold White Land
  • Pray For The Winds To Come
  • Descending Winters
  • Swallow (Horror Pt. 1)

 

P.S.: Besucher des Konzerts werden sich wundern, weshalb das Geburtstagskind des Abends nicht erwähnt wurde? Keyboarder Aleksi bekam auf der Bühne einen funkenspuckenden Riesenmuffin sowie eine Flasche Whisky überreicht - da Stormbringer an der Aktion, die den seltenen Anblick eines auf der Bühne herzlich lachenden Aleksi hervorbrachte, nicht ganz unschuldig war, gibt es weiterführende Informationen zu dieser Causa in einem in Kürze folgenden Artikel... ja, ich kann euer Kopfkino bis hierher sehen! Grübelt mal schön weiter... hehe...


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