16.01.2016, Altes Kino Landeck, Landeck

LORD VICAR & ANGEL OF DAMNATION & SPIRITUAL VOID & HELLMASTERS

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 19.01.2016

„Hast du deine Alte schon mal ins andere Loch gefickt? Spinnst du, ich will doch nicht, dass sie schwanger wird!“ – über just solchen „Stay-Anal-Humor“ könnte sich jetzt doch die Fachpresse der pseudointellektuellen Hochkultur echauffieren und gleichzeitig davon träumen, doch die Cello-Tante ebenso zu verräumen – die bevorzugt dann doch aber eher den Bad Boy in der Lederjacke, als den verweichlichten Milchbubi, mit Hang zu Streichorchester und einer Schwäche für GHOST, die auf der falsch interpretierter Weltsicht einer Popmetalband von Marketingsatanisten basiert. So muss sich die vermeintlich geistige Elite an nicht vorhandenen literarischen Motiven erhängen, Vergleiche zu Thomas Mann und seinem Degenerationsmodell suchen, wo gar keine bestehen und in allerletzter Aussicht zur Rettung des eigenen verqueren Weltbilds, bestehend aus einer Mischung abgehobener Selbstüberschätzung und dem Drang Mama zu gefallen, Provinzialität orten, um eine emotionsgeladene Reaktion zu erhoffen, mit welcher das eigene Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ein wenig gelindert wird – arme Kreatur! Apropos Provinzialität, in eben jene führt uns der heutige Weg durch Stürme aus Eis und Schnee – passendes Wetter für den ABBATH-Release – wieder einmal in die Metalcity LA, wo heute der „grim-and-frostbittene Meister“ nur die Temperaturen beisteuert, den kredenzt wird heute nicht der übelste Black aus den Bergen Norwegens, sondern mit LORD VICAR, das Zäheste und gleichzeitig Wertvollste, was der finnische Doom zu bieten hat. Abgerundet wird die Weltuntergangsmesse durch ANGEL OF DAMNATION, den Jungdoomern SPIRITUAL VOID und wem das dann doch alles zu depressiv war, der darf sich mit den Hellmasters wieder aufpäppeln lassen – und das alles in der Provinz, aber ohne deren musikalischen Zwänge!


SPIRITUAL VOID - Fronter Rob

SPIRITUAL VOID:
Woher die Inspiration für die seit 2013 aktive Band kommt bleibt keinem verborgen, der auch nur im geringsten eine Ahnung vom schwermetallisch-langsamen Volk hat – SAINT VITUS, REVEREND BIZARRE und alte BLACK SABBATH klingen sofort durch den abgespacten und trotzdem düster okkulten Mix der süddeutschen Schlaghosenritter. Atmosphärisch überzeugend, hinterlässt man walzend und hämmernd den Eindruck eines starken Openers, was einerseits am eindeutig hervorragend eingespielten Triple liegt, das auf ein wohl durchdachtes Songwriting setzt, das sich live authentisch mit dem gewissen Kiffer-Feeling umsetzen lässt und anderseits wohl auch an Fronter Rob, der da krächzt wie Wino – Doom braucht einfach eine abgefuckte Stimmen, dieses gewisse Etwas, das dem Psychedelischen die Stimme gibt, während die Drums schwer und behäbig durch den Äther wummern und der Riff ausklingt bis die Zeit zu gefrieren scheint. Starke Show der jungen SAINT VITUS vom Lake Constance – einzig ein paar ausdrucksstarke Gitarrensolos würden dem Sound noch eine gewisse Schärfe, zwischen all der zähen Masse geben… You Planet Bastards!


SACRED STEE... sorry ANGEL OF DAMNATION

ANGEL OF DAMNATION:
Ja hallo, dich kennen wir ja – Gerrit von SACRED STEEL steht da auf der Bühne und fabuliert in seinen herzigen Ansagen davon, dass der Doom uns braucht… ich warte die nächste gute Stunde darauf, dass hier irgendeine „touch the holy sword of Heavy-Doom-Metal Einlage“ mit Gummischwert aufgeführt wird und werde bitter entäuscht, alles was ich sehe ist das Handy des Doomcult Messiah (Pseudonym XP +3000 Herr Mutz) in der um die Hüften wohl zu engen Ledernen – vorbei die Zeiten, als man sich Socken in die Hosen stopfte, um seine Männlichkeit zu beweisen, heute ist es das nagelneue Smartphone. Oder man läuft gnadenlos bei finsterster Nacht mit Sonnenbrille durch den Schneesturm – eventuell kuriert Gitarrist Avenger auch nur seinen Rausch vom Vortag aus, so genau wissen wir es nicht. ANGEL OF DAMNATION sehen nicht nur aus wie SACRED STEEL, dem unverkennbaren Organ des Steelcu… ähm, Doomcult Messiah sei es verdankt, dass der „Stormhammer“ der Begleiter im Hinterkopf ist, auch wenn wir es musikalisch mit einem komplett anderen Genre zu tun haben, obwohl der Engel der Verdammten ja schon so etwas wie die Hochgeschwindigkeitsversion des klassischen Magmametallers ist – Speed Doom, mit 30 anstatt nur 25 beats per minute. „Und nur weil SACRED STEEL, geil ist, muss das da kein guter Doom sein“, meint unser auf Happy-Schnulzen spezialisierter Kollege Patschhausen. Im Gegensatz zu der kostverachtenden Lebensform unterhält die Combo das Publikum dann aber doch auf hohem Niveau, mit spielerischer Qualität und die geht bekanntlich gerade im Doom vor jeder Quantität… Bow before the goat! 

Setlist:
- Doomed Forevermore
- Bow Before The Goat
- Into The Coven Of The Damned
- Warning From The Sky
- I´ll Drink From The Chalice Of Blood
- Cleansed By The Fires Of Satan
- Dragon Time 


ANGEL OF DAMNATION - Doom braucht kein Licht!

LORD VICAR:
Das, was da gleich die Bühne betritt, hat mehr als nur Legendenstatus – sieht man sich nur den Back-Katalog der Protagonisten an… Fronter Chritus Linderson hat nicht nur „Storm Warning“ mit COUNT RAVEN aufgenommen, nein, der Mann zeichnet sich auch als Stimme auf dem ultimativen SAINT VITUS-Überalbum „Children Of Doom“ aus – der liebenswerte, etwas verwirrt aussehende Vogel kann getrost als einer der Gottväter des Dooms betrachtet werden. Gitarrist Kimi Kärki und der momentane Live-Bassist Sami Albert Hynninen werkten einst gemeinsam als Peter Vicar und Albert Witchfinder bei REVEREND BIZARRE – „Doom Over The World“ ist also heute nicht nur ein sprichwörtliches Motto und manch einer fantasiert da schon von so etwas wie einer Reunion, was da doch zu schön um wahr zu sein scheint. Doch LORD VICAR stehen den eigenen Wurzeln um nichts nach, mit nur zwei Longplayern auf dem Buckel kann man sich der verdienten Verehrung der Fans gewiss sein, denn sowohl „Fear No Pain“ als auch „Sign Of Osiris“ (zum Review) zählen zu den besten Doom-Releases des neuen Jahrtausends – da kommt relativ wenig, bis gar nichts dran! Dass das auch in jeder Machtdemonstration so dargeboten wird, weiß jeder, der das Zeitlupen-Geschoß schon einmal wahrhaftig erlebt hat, LORD VICAR ziehen dich in die Tiefe der Tristesse und emotionaler Abgründe, um dich langsam zu zerquetschen, wie eine Nussschale zwischen zwei stählernen Schiffskörpern aufgerieben wird.


LORD VICAR - Chritus Linderson

„Das ist so tief, da muss ich normal in den Keller gehen – auf das Doom-Niveau kommst du nur wenn du in Japan einen Gründungspfahl auf erdbebensichere Tiefe treibst!“, vermeldet Ing. Dark Lord und fordert gleichzeitig, der lustig tänzelnde Mann dort vorne, unter welchem Einfluss er auch immer stehen möge, solle doch etwas Fröhliches intonieren. Happy ist heute aber ausverkauft, ohne große Szene, nur mit musikalischer Wucht reißen LORD VICAR das Publikum in ihre von Trägheit dominierte Welt, zwischen Schmerz, Spiritualität und Tod – eine Parallelwelt, die einen nicht mehr loslässt und in bedrückender Atmosphäre gefangen nimmt. Chritus lebt das auf der Bühne und wird begleitet von einem stoischen Orchester, dass da seine Klangmuster wie glühend-heiße Lava durch das alte Kino drückt – seine Opfer nicht verbrennend sondern an Asphyxie niederschmetternd. „Down The Nails“, „Sinking City“ oder „Born Of A Jackal“ – mehr geht nicht, LORD VICAR gehören zur Speerspitze im Doom und auch wenn die Show vor drei Jahren in der p.m.k. aufgrund ihrer Beengtheit noch mehr die intonierten existenziellen Zwänge auf den Zuhörer niederhämmern ließ, so stellt die heutige Darbietung einen mehr als würdigen Einstieg in das Konzertjahr 2016 dar – nein, LORD VICAR entäuschen einen nicht und lassen einen nach einer knappen Stunde gehirngefickt und durchgewalzt zurück… If I would die in this sinking city, please bury me to the island of death!


LORD VICAR - Sami Albrecht Hynninen

Hellmasters:
Wer sich jetzt noch im Stande sieht sich weiterem musikalischen Genuss hinzugeben, oder wieder etwas sucht, den Untiefen zu entkommen, der kann sich jetzt noch von den HELLMASTERS eins auf die Zwölf geben lassen. Cooler, grooviger Stoner-Crossover-Whatever… sorry Jungs, ich kann euch bis heute noch nicht klassifizieren, was aber nichts daran ändert, dass der Ride im V8 schon ziemlich cool ist – egal ob man jetzt Rapper mag oder nicht. Aber irgendwie ist jetzt beim Publikum die Luft draußen, irgendwie schade und anderseits verständlich – die HELLMASTERS passen halt nicht wirklich zum heutigen Doom-Overkill, zeigen aber trotzdem, dass sie mit ihrem eigenwilligen Mix nicht zu unterschätzen sind. 

Das war sie also, die Doom-Messe zum Jahresauftakt – mit ambitionierten und über Potential verfügenden SPIRITUAL VOID, einem kultigen SACRED STEEL-… sorry ANGEL OF DAMNATION-Auftritt und einer unbamherzigen Machtdemonstration, der wohl bald von Legenden zu Göttern beförderten LORD VICAR – Doom ist zwar langsam, aber auf keinen Fall anspruchslos, wie der heutige Abend wieder einmal bewiesen hat. Bewiesen hat auch Rock Inn wieder einmal, dass die Metalcity Landeck jedesmal eine Reise wert ist. Wir freuen uns schon auf die nächste Metal-Fete mit unseren Brüdern im tiefsten Westen!


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