29.1.2016, Red Box, Mödling

DRESCHER

Text: Mike Seidinger | Fotos: Daniel Ensfelder
Veröffentlicht am 02.02.2016

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Der rustikale Bekleidungsstil der fünf Burschen aus dem Steinfeld hat sich teilweise auch bereits etabliert, und so sieht man zwar noch keine Dirndln, aber hier und da mal ein kariertes Trachtenhemd oder eine knackige Krachlederne. Die sympathische Red Box in Mödling ist von Meidling aus in etwa genauso schnell zu erreichen wie die Wiener Arena, zumindest für mich. Schade eigentlich, dass das Rock-Segment hier bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde, die Location ist nämlich pipifein, der Saal nicht zu groß, die Akustik gut, die Getränke haben Jungendzentrums-Preise und der Bahnhof ist zehn Gehminuten entfernt.

Als Support fungiert heute DA BRONIZ, und ich bin ehrlich gesagt etwas zwiegespalten über den jungen Mann. Zu Klängen vom Band (bzw. vom Mac) gebart sich ein etwas unscheinbar wirkender Bub mit Mikro auf der Bühne. Meine anfängliche Befürchtung, der aus dem nahen Baden stammende Szilard - so sein Name - würde zu rappen beginnen, bewahrheitet sich gottlob nicht. Dafür gibt's was in der Schnittmenge aus Metalcore und New Metal um die Ohren. Der Gitarrist, der den Performer normalerweise noch begleiten würde, ist leider krank, und so zieht DA BRONIZ sein Programm trotz einiger achselzuckender Anwesender relativ stoisch durch. Dafür mal Respekt. Wo der gute Junge mit seinem Stil hinmöchte, man weiß es jedoch nicht. Aber ich würde ihm eine echte Band als Begleitung empfehlen, denn in der heutigen Darbietung hat das eher was von Karaoke als von Performance.

Natürlich sind die Leute heute fast ausschließlich für die DRESCHER gekommen, und scheinbar hat sich auch schon ein kleiner Fanclub etabliert, wenn man nach den Shirts geht: die ersten drei Reihen sind von Beginn an auch bei jeder Zeile textsicher mit dabei und haben schön Party. Trotz anfänglicher Soundprobleme (alles klingt die ersten drei Songs lang ein wenig verwaschen) spielen die fünf Rustikalmetaller einen souveränen, fast eineinhalbstündigen Gig. Dabei sind es auch immer wieder die schrulligen Ansagen von Bernd Wograndl und den Engel-Brüdern, die gute Laune machen: "Wer war am Dienstag bei SCHLIPPKNOTT? Die haben uns nämlich gefragt, ob sie unsere Masken ausborgen können. Aber dann sind sie draufgekommen: das sind gar keine Masken. Wir sind wirklich so schirch"! Jössas, da werden die Oberschenkel wund!

Neben dem regulären "Erntezeit"-Programm, zur Gänze ausgereizt, sind es vor allem die drei Coverversionen, die die Stimmung fast bis zum oberen Totpunkt raufschrauben: sowohl das bereits von der CD bekannte IRON MAIDEN-Gebet "Geheiligt Werde Dein Name", als auch der MOTÖRHEAD-Standard  "Ass In Pik" sind in der rustikalen Dresch-Version einfach nur göttlich, da kommt  dann FALCO's "Amadeus" zum drüberstreuen gerade auch noch gelegen. Apropos: freudig tut die Band kund, auch heuer wieder für gleichnamigen Musikpreis nominiert zu sein. Relevant oder nicht, wir freuen uns natürlich mit den Fünfen. Und zum Schluss wird uns auch noch ein neues DRESCHER-Album in Aussicht gestellt, 2016 dürfte also auch wieder ein sehr ereignisreiches Jahr für die Kapelle werden.

Das Gute nämlich ist: "Erntezeit" funktioniert. Und zwar deswegen, weil sich die Band gut verkauft, und nicht engstirnigen Provinz-Mief á la FREI.WILD verbreitet. Und dass Mundart-Texte auch grenzüberschreitend wirken, beweisen die Verkaufszahlen und Fans in Deutschland, wo die Band bereits in schöner Regelmäßigkeit vor größerem Publikum aufgeigen darf, auch auf Mega-Festen wie Wacken oder Summer Breeze. Musikalisch bestens umgesetzt, erweist sich auch der heutige Gig als sehr unterhaltsam, schweißtreibend und einfach nur klasse: Bernd Wograndl ist der perfekte Frontmann, schrullig, selbstsicher, optisch wertvoll. Gernot Engel mausert sich zu einem beachtlichen Solo-Gitarristen, sein Bruder Roland zimmert auf dem Langholz zusammen mit Sigi Meier am Drumkit ein solides Rhythmusgerüst (aus Holz natürlich, ganz der DRESCHER-Corporate Identity entsprechend), und Filip Rado mit seiner "Quetschn" ist sowieso das Herz der Combo, denn ohne seine typischen Ziehharmonika-Attacken wären DRESCHER eben nicht DRESCHER.

Die Red Box wird in Zukunft auch hoffentlich regelmäßig von härteren Klängen beschallt, denn es wäre eigentlich schade um diese Location, die kaum (noch) jemand kennt, obwohl sie recht nahe an der Großstadt liegt. Die nächste Möglichkeit, seine Matte zu knarzenden Gitarren kreisen zu lassen ist übrigens am 27.2.2016. Dann werden die isländischen Spaßkanonen von THE VINTAGE CARAVAN zusammen mit DEAD LORD die Bühne in der verschlafenen Provinzstadt fachgerecht zerlegen. Be there or be square!

Setlist DRESCHER
Dresch Quetschn
Der Gscheitling
Olles Wos Mir Fehlt
Rock Me Amadeus (FALCO Cover)
Zeit Zum Gehen
5 Minuten Ruhm
Bled Grennt
Geheiligt Werde Dein Name (IRON MAIDEN Cover)
Zeitung Von Morgen
Ass In Pik (MOTÖRHEAD Cover)
First Blood
Danke Fia Nix

 

Die Bilder wurden uns freundlicherweise von Daniel Ensfelder (https://www.facebook.com/enzigraphie)
zur Verfügung gestellt.


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