01.02.2016, Gasometer, Wien

PARKWAY DRIVE (Support: THY ART IS MURDER & ARCHITECTS)

Text: Lora | Fotos: Norbert Wabnig
Veröffentlicht am 09.02.2016

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Es gibt Konzerte, die bleiben einem länger im Gedächtnis. Sei es, weil man neue Bekanntschaften gemacht hat, eine neue gute Band entdeckt hat, oder einem ein langhaariger Typ permanent die verschwitze Mähne in den Rücken geworfen hat bevor er mit dem Trinkhorn zugestochen hat. Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit für letzteres geht bei Metal- bzw. Deathcore-Shows gegen Null. Die Show von PARKWAY DRIVE, ARCHITECTS und THY ART IS MURDER wird mir persönlich länger im Gedächtnis bleiben, weil es einfach so überraschend überragend gut war.

 

 

THY ART IS MURDER machten im bereits gut gefüllten Gasometer den Anfang. Sie wurden direkt aus Australien von den Landsleuten und Headlinern PARKWAY DRIVE eingepackt und mit auf Tour genommen. Wer bei Australien an kuschelige, knuffige Beuteltiere denkt wird bei THY ART IS MURDER schon nach wenigen Takten eines Besseren belehrt. Denn das, was da durch die Halle rollt, hat abgesehen vom Gedränge vor der Bühne rein gar nichts mit kuschelig oder knuffig zu tun. Von Anfang an erobern die Australier mit brachialen Klängen das Publikum. Während auf einigen anderen Shows die erste Vorband nur als Warmup dient und sich die meisten abgesehen von einem leichten Wippen des Fußes und der Halswirbelsäule nicht bewegen, bringen THY ART IS MURDER ihre Fans schon beim zweiten Song ins Schwitzen und zu einem Moshpit von beachtlicher Größe. Innerhalb kürzester Zeit wird es warm in der Menge und die Band treibt das Publikum bis zum Ende ihres Auftritts stets weiter an mitzufeiern. Kurz vor Beginn der Tour ist der Band Sänger Chris McMahon aus privaten Gründen abhanden gekommen, weshalb ersatzweise Nick Arthur (MOLOTOV SOLUTION) zum Mikro greift, der aber eine wirklich solide Leistung abliefert. Düster, derb und dunkel geht es zu, die gutturalen Vocals sitzen perfekt und das Publikum ist sichtlich begeistert. Ich mag es, wenn Bands während der Show mit dem Publikum reden und auch zu Scherzen aufgelegt sind. Aber es gibt da immer wieder Witze, die man besser sein lassen sollte. So griff auch Sänger Nick Arthur ordentlich daneben, was ihn das Publikum direkt spüren ließ, denn nein, „Austria and Australia“ ist nicht fast das Gleiche. THY ART IS MURDER zeigen sich insgesamt von ihrer härtesten Seite und man kann anhand der Stimmung tatsächlich kaum glauben, dass das Konzert gerade erst begonnen hat. Abgeschlossen wird die erste Runde des Abends mit „Holy War“, worauf ich mich am meisten gefreut habe. Immerhin ist das Video meiner Meinung nach eines der Gewagtesten des letzten Jahres – und live geht der Song nochmal besser ab als auf der Platte.

 

 

Was ist los, wenn du ein Konzert von seitlich Außen beobachten möchtest und in dem Moment, in dem die Musik beginnt sofort wieder rückwärts von einer tanzenden Menge durch die Türe aus der Halle geschoben wirst? Richtig – die ARCHITECTS beginnen gerade mit ihrer Show. Wie auch THY ART IS MURDER spielen sie vor einem riesigen „IRE“-Transparent der Headliner des Abends und haben so ebenfalls nur die Hälfte der Fläche der Bühne zur Verfügung. Das hat sie aber absolut nicht gestört, auch von Anfang an Vollgas zu geben und ihr Publikum schon mit den ersten Tönen in Bewegung zu setzen. Hier trifft rohe Gewalt auf melodischere Elemente und es werden auch die höheren Tonlagen bedient, die bei THY ART IS MURDER nichts zu suchen hatten. Die vorherige dunkle, düstere Atmosphäre wird aber bei der Lichtshow der Engländer beibehalten. Instrumental und gesanglich liefern die ARCHITECTS eine überraschend gute Leistung ab, selbst wer durch einige Alben der letzten Jahre nicht wusste, was er von der Band halten sollte, wurde er vermutlich auch nach wenigen Songs in den Bann der Musik gezogen. Stillstehen konnte schließlich kaum noch jemand und viele Fans machten einen durchaus textsicheren Eindruck. Die Band, vor allem Sänger Sam Carter, geben mir das Gefühl, dass das nicht einfach eine 0815-Show von Vielen ist, sondern dass sie absolut von dem, was sie hier machen überzeugt sind und sich mit großer Freude präsentieren. Sam Carter quasselt zwischen den Songs munter mit dem Publikum und nutzt während den Songs, durch die nicht vorhandene Tiefe der Bühne, einfach deren Breite voll und ganz aus. Knapp 45 Minuten spielen die Engländer und testen schon mal die Ausdauer des Fans, denn es soll an diesem Abend noch einiges folgen.

 

Zeit für den Headliner: PARKWAY DRIVE, die derzeit wohl so überzeugend sind wie nie zuvor. Es gibt doch kaum romantischere Szenen als gedimmtes Licht, ein wallend von der Decke fallendes Transparent, glitzernd aus Konfettikanonen schießende Papierschnipsel, bunte Kreppbänder aus Kreppbandkanonen und herrlich - zugegeben, vielleicht nicht so ganz – „melodische“ Klänge. Exakt so beginnen PARKWAY DRIVE ihre Show. Dann war‘s das aber auch schon wieder mit der Romantik, denn was dann folgte war vollste Power, sowohl auf der Bühne als auch davor: mit „Destroyer“ starten sie in eine vermutlich legendäre Nacht. Also macht den Man Bun auf, rückt die Mützen zurecht und haltet die Jutebeutel fest - PARKWAY DRIVE legen schon ab der ersten Sekunde richtig los. Schon nach den ersten Takten gab es im Publikum kein Halten mehr, die komplette Halle verwandelte sich in einen Moshpit und es wurde durch das Gedränge enger getanzt als es in jeder Sardinenbüchse zugeht. Haare fliegen, der Moshpit in der Mitte wird stets größer und es ist gar nicht mehr daran zu denken das Handy zu zücken um Fotos zu machen. PARKWAY DRIVE spielten mit einem ungeheuren Druck und feuerten der Menge so ziemlich Alles entgegen was sie im Angebot haben – was bei fünf Studioalben nicht gerade wenig ist. Aber nicht nur musikalisch, auch mit richtigem Feuer in Form von aufsteigenden Feuerbällen und Feuerfontänen untermalen die Australier ihre Show. Der eigene Stil von PARKWAY DRIVE zieht die Fans in seinen Bann, musikalisch punktet die Band mit überzeugender Perfektion, begleitet von einer gigantischen Lichtshow. Und immer wenn man denkt es geht nicht mehr besser, legen die Australier nochmal nach und knallen ihren Fans sowohl ältere als auch neuere Songs um die Ohren. Sänger Winston McCall weiß was er da auf der Bühne macht und benötigt dementsprechend wenig Aufwand um seine Fans bei Laune zu halten – auch wenn er frisch blondiert aussieht, als hätte der Sänger von BILDERBUCH eine Zweitkarriere gestartet, was vielleicht nicht bei jedem (weiblichen) Fan auf den ersten Blick gut angekommen ist. Aber wir sind ja wegen der Musik da und durch das zügige Tempo, perfekt sitzende Breakdowns und harte Riffs benötigte Winston McCall eigentlich kaum Aufforderungen zum Mitfeiern, Moshen und Crowdsurfen. Die Tuchfühlung mit dem Publikum hat er sich aber dennoch nicht nehmen lassen und unterhielt sich zwischen den Songs immer wieder mit den Fans, die in diesen Verschnaufpausen beachtlich ruhig waren. Spätestens bei der Hälfte des Konzerts ist klar, dass PARKWAY DRIVE mit Metalcore in einer ganz anderen Liga unterwegs sind und es auch nach knapp 13 Jahren Bandgeschichte schaffen, sowohl die Neueren als auch die Fans der ersten Stunde zu begeistern. Zum Finale des knapp 75 Minuten dauernden Sets, nachdem sie bereits zum ersten Mal die Bühne verlassen hatten, ging die Band mit „Crushed“ und „Home Is For The Heartless“, untermalt mit nochmals mehr Feuer und einem riesigen Funkenregen, noch einmal in die Vollen. Zurück blieb eine Menge begeisterter Fans, völlig außer Atem, mitten in düsterem Rauch und dem Geruch von schwefelig Verbranntem, der den Schweißgeruch problemlos überdeckte.

 


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