15.02.2016, Music Hall, Innsbruck

SABATON, ALESTORM, BLOODBOUND (Innsbruck)

Veröffentlicht am 17.02.2016

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Der Rückkehr in den bislang eher aufgrund medial negativer Schlagzeilen ins Licht der Öffentlichkeit gedrungenen Veranstaltungskomplex in der Innsbrucker Peripherie sah so Mancher mit gemischten Gefühlen entgegen. Nicht ganz unberechtigt, nach dem kurzfristig abgesagten WANDA-Konzert lagen nun allerdings alle Genehmigungen vor und einem (nach dem VOLBEAT-Konzert vor ziemlich genau sechs Jahren) weiteren tollen Konzertabend mit einer der angesagtesten Metal-Combos stand nichts mehr im Wege. Wäre da nicht die zickende Bierzapfanlage gewesen, die dem Lokalveranstalter wahrscheinlich saftige Mindereinnahmen einbrockte, präsentierte sich die Halle allerdings perfekt für Events der Größenklasse des heutigen Abends. Ansprechend großräumig, mit Empore ausgestattet und wohl mit grob geschätzten 700 Besuchern gut gefüllt, machte die Halle Lust auf mehr, einzig der schon bei der Vorband BLOODBOUND arg fönende, aber transparente Sound war dann doch ein wenig zu viel des Guten, aber davon wird euch nun unser wie immer äußerst bissiger Redaktions-Aggro-Terrier Laichster, der seinen Körper im Schützen-, äh, Fotograben im Kampf um die beste, äh, Position an jenem unserer Fototante Tina rieb und später auch über den Einfall des von Cpt. Broden angeführten Panzerbattalions SABATON referiert, berichten.

BLOODBOUND:
Nach Einsteins Relativitätstheorie sind ja bekanntlich Raum und Zeit dehnbar, das lernt jeder schon in der Volksschule, zumindest wenn er im Sachunterricht nicht damit beschäftig ist, Ausmalbildchen anzufärben und auch BLOODBOUND sind heute zur Zeitreise angetreten. Statt wie angekündigt um 20:00 Uhr stehen die "lustig" angezogenen Powermetal-Eunuchen (wer hatte die Idee mit den Hörnchen oder ist das ein Product-Placement für die nächste AC/DC-Best-Of?) schon beim Einmarsch in die Music Hall, um 19:15 Tiroler Zeitrechnung auf der Bühne – Come on, bitte hält sich einmal irgendwer an den im Weltnetz (Internet ist ein freimaurerischer Illuminatenbegriff - Dr. Axel Stoll wäre stolz auf mich!) veröffentlichten Timetable! Verpassen tut man wenigstens nicht sonderlich viel, unser Festival-Gastautor "G." möge mich jetzt zur Strafe in den Bau werfen lassen – aber mehr als ein Anheizer sind BLOODBOUND leider nicht. Was keineswegs an der musikalischen Qualität der Schweden liegt, sondern vielmehr an der etwas lächerlich wirkenden Bühnenperformance und den Clown-Outfits – too much plastic! 

„In The Name Of Metal“, „Moria“ oder „Nosferatu“ sind nicht nur auf Platte fette Power-Nummern, sie geben auch auf der Bühne ordentlich Druck ins Publikum, vorausgesetzt man steht auf Eierklemmkreischgesang (Yes I do… Sometimes!). Heute geht die eigentliche Klasse der Blutsbrüder aber leider im Sumpf von Wacken-Flair, kreischenden Girlies (heute spielt ja nirgendwo SERENITY), Faschingskostümen und überdimensionierten Enten (oder Schwänen, whatever – fragt unsere Tina) auf dem schon zu erblickenden ALESTORM-Banner unter, zu welchen ich mich mit unserem Tinchen auch gleich an die Front verabschiede und die Berichterstattung an den Kollegen Patschhausen übergebe, der das Piraten-Ensemble über sich ergehen ließ, während ich nach getaner Ablichtungspflicht in die augenklappenfreie Zone unter freien Himmel flüchtete und über eine trigonometrische Berechnung mit Fixpunkt Nordstern zu ergründen versuchte, wie das Schiff Metal nur so auf Grund laufen konnte, dass Piraten mit Base-Caps cool sind… wann wurde aus RUNNING WILD (ORDEN OGAN klingen übrigens immer noch nicht wie die Kulttruppe!) und Kanonendonner eigentlich Schwimmflügel, Plastikenten und Kinder mit Rumvollrausch? [- Laichster -] 

Setlist:
- Iron Throne
- In The Name Of Metal
- Metalheads Unite
- Moria
- Stormborn
- When All Lights Fail
- Nosferatu


ALESTORM - Christopher Bowes

ALESTORM:
Wenn es eine wirkliche Klamauk-Band gibt, dann wurde sie auf den Namen ALESTORM getauft. Wie die unseligen SWASHBUCKLE, die auch vor Hai-Kostümen und Ähnlichem auf der Bühne nicht Halt machten, hatte man die Spaß-Engländer bereits des Öfteren auf den diversen "Rock The Nation-Tourneen" (Heiden-, Paganfest etc.) gesehen, genossen, verlacht oder gefeiert. Doch eines machte auch der heutige Support-Gig für den immer mehr zum Klischee mutierenden, aber wiederum famosen Headliner wieder klar. Es gibt noch immer ein Publikum für die affig anmutenden Gigs des Fünfers, das jede Show zu einem Triumphzug für ihren Piraten-Metal macht. So auch am heutigen Tage. Hatten schon die Schweden BLOODBOUND den wohlbekannten Melodic Metal-Bogen über Gebühr strapaziert und die Klischees ausgereizt, so erzeugte die nachfolgende Show der Schotten zwar noch mächtigere Stimmung im Publikum als zuvor, raubte allerdings jedem "gestandenen Metaller" den letzten Nerv. Basecap gepaart mit Schottenkilt, Tiermotiv-Shirt und Umhängekeyboard mag für Jung-Wackinger akzeptabel sein, jedem ernsthaften Metaller zieht es angesichts dieser Gimmicks, spätestens beim kräftig abgefeierten TAIO CRUZ-Cover "Hangover" sprichwörtlich die Schuhe aus.


ALESTORM - Keytardingsbums 

Während der Rest der Band, augenscheinlich zumindest im Ansatz um Ernsthaftigkeit bemüht, mit evil-anmutender Augenschminke und Normalklamotten angetreten war, mimte Fronter Christopher Bowes den Gaudimax, der sich durch ein hektisch anmutendes Suff & Spelunken-Schunkelsoundgebräu a la "Keelhauled", "Shipwrecked" oder "Nancy The Tavern Wench" kämpfte. Dass es die Band noch immer gibt, ist ein Wunder und sie darf sich als Sieger fühlen, schließlich hat sie, auf einer ähnlichen Welle segelnd, den Pagan-Boom vergangener Tage überlebt. Dass es immer noch eine nachrückende Garde an spaß- und feierwütigen Fans und Bandbefürwortern gibt, noch mehr. Doch eines muß man dem Fünfer abseits aller Kritik und einem absolut dämlichen, quietschbunten Nils-Holgersson-Enten-Backdrop dennoch attestieren...für Erheiterung sorgte der akustische und optische Klamauk auch nach x-Jahren Bühnenpräsenz immer noch, der alkoholschwangere Polka-Beat fährt auch 2016 noch immer in jedes Holzbein! In diesem Sinne: "Ho-Ho-Ho"! [- Thomas Patsch -]

Setlist:
- Keelhauled
- Over The Seas
- Magnetic North
- Drink
- Captain Morgan´s Revenge
- Midget Saw
- Nancy The Tavern Wench
- Hangover / TAIO CRUZ Cover
- Rum
- Shipwrecked
- The Sunk´n Norwegian
- Walk The Plank

SABATON:
„42“ ist bekanntlich die Antwort auf alle Fragen, geht man zumindest nach Douglas Adam´s „The Hitchhiker´s Guide To The Galaxy“ (Anekdote am Rande: Adams hatte die Idee für seine wahnwitzige Kultstory, als er sich in Innsbruck die Birne wegsoff, restfett in einem Feld nahe Völs erwachte und verkatert zum Himmel blickte – hoffentlich hatte er auch sein Handtuch dabei!) – SABATON sehen dies ein wenig anders und der Verfasser stimmt hier mehr als nur zu, denn die Antwort und Lösung aller Fragen und Probleme ist eindeutig ein Panzer! Es gibt sie in jeder Ausführung und für jede Anforderung – Sherman, Churchill, STUG, T34 und der Tiger – wer braucht da schon noch eine Frau, wenn es so viel stählerne Romantik gibt? Wobei für den guten Joakim, wie auch für meine Terrierexistenz, eine Runde Panzerrodeo mit dem typischen SABATON-Fanweibchen eher beim Staatsanwalt enden würde, als in der Ruhmeshalle, obwohl angemerkt sei: die Tank-Girls haben, im Gegensatz zu den rudimentären SERENITY-Adipositasprinzessinnen, in der Regel eine ansprechende Optik und jene mit den bunten Peckerln auf der Haut können es doch schon fast mit der erotischen Austrahlung eines Panzerkampfwagens aufnehmen  – in der Fachsprache bezeichnet man diesen Fetisch übrigens als „panzersexuell“, zumindest behauptet dies mein Therapeut…


SABATON - Joakim wants you for the Ghost Division

Junges Publikum wohin das Auge sieht und man fragt sich: Wo verstecken sich diese Typen nur immer, wenn es Underground-Kult hagelt? Eh klar, zuhause und man hört sich brav die Musikempfehlungen eines deutschen Versandhauses an – denn dann ist man wirklich Metal! Richtig Metal bist du auch nur, wenn du so oft wie möglich hirnbefreit „Noch ein Bier!“ brüllst und selber nach dem dritten Gerstensaft vor der Türe deiner Freundin ins, gerade im Heranwachsen befindliche, Dekolleté kotzt - außerdem solltest du dabei dein Wacken-Shirt tragen, unbedingt und keinesfalls irgendwelchen Underground-Rotz supporten! Immer wieder putzig auf so einem SABATON-Fantreffen, dem Sammelbecken des Proto-Poser-Milieus, eine Ansammlung der Schlacke, die auf dem Hochofen der Metalszene treibt, aber irgendwo bleibt festzustellen: Ja, wir brauchen auch diese Art von Metalfans, sonst würden wir wieder, wie in den 90ern, tief in der Versenkung verschwinden – auch wenn es dem elitären Arm der Szene nicht gefällt! SABATON deswegen ihre musikalischen Qualitäten abzusprechen, ist eine seit Jahren betriebene Unart, oder um den Mad Patscher zu zitieren: „Diese Band lasse ich mir von niemanden schlechtreden!“  Solches wäre auch absolut fadenscheinig und von eigener Engstirnigkeit getrieben, denn die Schweden sind vielleicht nicht die kompositorisch anspruchsvollste Truppe dieses Planeten, verstehen es aber, Ohrwürmer am laufenden Band zu produzieren und garantieren immer für eine, nach besten Möglichkeiten und Kräften gezockte Show – SABATON geben nicht klein bei, auch nicht, wenn Drummer Hannes van Dahl mit verbundenem Arm am Geschütz sitzt – die Truppe gibt immer alles für ihre Fans, der Erfolg basiert auf harter Arbeit und deswegen verdienen SABATON ihren hart erarbeitet Status, mehr als alle Elitaristen, die über sie herziehen! 


SABATON - Pär Sundström

Auch heute untermauern Pär, Joakim und ihre Kameraden diesen Status, wenn auch nicht mit einer ihrer besten Shows - wer SABATON in den letzten Jahren weniger als fünf Mal gesehen hat, der lebt sowieso hinterm Mond und frisst mit den dort ansässigen Reichsbürgern jeden Tag Krautsalat – dennoch rollt der Panzer ordnungsgemäß durch die Tiroler Alpen und zerquetscht das Fanfleisch vor dem Propagandapult, auf dem sich Joakim seinen üblichen Spielereien hingibt. BH steht ihm übrigens ausgezeichnet und „Bist a Tiroler, bist a Mensch!“ klingt schon fast wie von einem Ureinwohner Krkistans artikuliert – noch ein Bi…, eh schon wissen... rollen wir lieber auf Kruppstahl durch die Setlist. „The Final Countdown Intro“, das ist der beste Marketinggag seit der Erfindung von so etwas wie einer Einlaufmusik (wahrscheinlich damals im römischen Kolosseum – Tötötötöööö Spartacus Tötötötöööö ein Tiger, kein Panzer, sondern einer mit Fell),  „Ghost Division“ und das Publikum liegt den Panzergrenadieren zu Füßen – alles andere ist nur mehr eine Frage des Durchhaltevermögens, um den Schlachtzug zu gewinnen. Man sieht den Protagonisten an, dass sie den Spaß an der Sache immer noch nicht verloren haben, auch wenn Tourleben bei SABATON weit vor Privatleben zu kommen scheint – eine volle Halle an einem Montagabend, in einer Region, in der Metal jetzt nicht mehr gerade das Zugpferd Nummer Eins ist (wahrscheinlich war gerade keine Konkurrenzveranstaltung von Helene Fischer und so entschieden sich so manche Rock-Bauern auch zu erscheinen – erkennbar am karierten Hemd oder „Tirol-Is-Lei-Oans-Polo“), tragen wohl ihr Übriges dazu bei, dass sich SABATON mit vollem Körpereinsatz in die Schlacht werfen.


SABATON - Chris Rörland

„Uprising“ - Hitler kaputt! Pazifikkrieg bei den „Midway“-Inseln und „Gott Mit Uns“, die Schlacht brennt, „Resist And Bite“ – die Wehrmacht stößt vor, Panzergott Erwin steht an vorderster Front… the boar against the eagle, gloria fortis miles, adversor et admorsus! Einzig „Swedish Pagans“ kommt dann leider doch etwas ohne Druck über den Soldatensender herein – „The Art Of War“ reißt es wieder raus, das „Wind Of Change“-Kurzcover bringt auch Frontschweine zum Schmachten, aber wer nicht kämpft, der verreckt im MG42-Feuer an den Stränden der Normandie… „Primo Victoria“ – Jump Jump Jump! Mit „Metal Crüe“ verabschiedet sich eines der besten Live-Eisen, das sich momentan auf den Bühnen der Welt tummelt. Mitgrölen können den Song alle, auch wenn man sich nicht sicher ist, ob jeder genau weiß, welche Bands hier zu Ehren kommen… put some VENOM and ACCEPT, you were born a MOTÖRHEAD! Und wo zum Geier ist jetzt die QUEEN, die sich zu den Klängen von CRIMSON GLORY abknutschen lässt – klopf an meinen Panzer Baby! Bis es soweit ist, lässt sich folgendes Resümee ziehen: SABATON sind sogar an schwächeren Tagen eine Live-Wucht, hier weiß jeder, was er für sein Geld bekommt, Unterhaltung auf hohem Niveau – keine Ausfälle und schon gar keine launische Band. SABATON leben für ihre Fans und genau deswegen sind sie auch beim dröflzigsten Konzert immer wieder eine Augenweide im Zielfernrohr. Jede Panzerschlacht ein Sieg, da kann sogar Erwin noch was lernen! [- Laichster -]


SABATON - Posen ist der halbe Sieg

Setlist:
- Final Countdown Intro
- The March To War
- Ghost Division
- Far From The Fame
- Uprising
- Midway
- Gott Mit Uns
- Resist And Bite
- Wolfpack
- Lion From The North
- Carolus Rex
- Soldier Of Three Armies
- Attero Dominatus
- The Art Of War
- To Hell And Back Again
----------------------------------------------
- Night Witches
- Primo Victoria
- Metal Crüe

Innsbruck wurde beim ersten Einmarsch des Panzerkommandos in die Tiroler Landesahauptstadt amtlich plattgemacht und man darf sich auf das nächste Treffen mit den sympathischen Schweden freuen! Die Music Hall präsentierte sich - abgesehen vom Bierzapfproblem - als ideale Location für Konzerte dieser Größenklasse, von denen man in Zukunft hoffentlich noch mehr in Innsbruck erleben wird...wer hat hier MANOWAR, SLAYER, NIGHTWISH und JUDAS PRIEST gerufen?


Für euch am Start....die Stormbringer West-Crew


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