22-02-2016, Rockhouse, Salzburg

SOULFLY & KING PARROT & INCITE & LODY KONG

Text: Anthalerero | Fotos: manfred
Veröffentlicht am 28.02.2016

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Es ist Montag Abend in Salzburg und für Stormbringer West gibt es (in wechselnder Besetzung) wieder einmal Kontrastprogramm. Seelenfliegen und Königspapageien hatten sich angesagt im Rockhouse Salzburg - wem das jetzt zu abstrakt war, dem sei erklärt, dass sich SOULFLY in der Mozartstadt eingefunden hatten und mit ihnen KING PARROT, INCITE und LODY KONG im Gefolge. Überraschend die Tatsache dass sich das Rockhouse restlos ausverkauft präsentierte - und das an einem Montag! Respekt Salzburg, da scheint ja doch noch ein Herz für härtere Musik zu schlagen! Einen guten Anteil daran hatten bestimmt auch so einige, vermutlich in kompletter Besetzung anwesende Motorradclubs - generell präsentierte sich das Publikum so ziemlich bunt durchmischt. Eine Familien-Freakshow quasi - wobei der Cavalera-Clan für La Familia zuständig war und KING PARROT für den freakigen Part des Abends sorgten. Doch dazu später mehr.

LODY KONG waren  der Anheizer des Abends - die Sludge-Formation rund um die beiden Cavalera-Söhne legte ein ordentliches Brett hin, doch das Publikum blieb im Verlaufe des Auftritts noch ein wenig zögerlich. Doch gegen Ende hin ließ sich das Publikum dann doch überzeugen und spendete artigen Applaus. Da zunächst trotz ausverkauftem Haus noch relativ wenige Leute anwesend waren, drückte das natürlich auch die Stimmung - mitgewirkt dürfte hier auch haben, dass LODY KONG, obwohl dank der Familienbande logischer Support, nicht wirklich angekündigt waren. Zumindest konnte man kaum wo davon lesen...

Der nächste Teil aus La Familia wurde mit INCITE serviert, bei denen ein (Überraschung!) Cavalera dem Mikrofon die Leviten las. Die groovige Thrash-Breitseite kam beim Publikum gleich deutlich besser an und es bildete sich schon nach kurzer Zeit der erste Circlepit des Abends. Die Mähnen der Besucher im inzwischen fast proppenvollen Rockhouse flogen durch die Gegend und auch die ersten Bierbecher erhoben sich in die Luft - gelegentlich auch mit Inhalt, was einigen Zuschauern eine Gratisdusche mit Hopfenblütenextrakt bescherte. Soll ja angeblich gut sein für´s Haar. Den Applaus, den sich INCITE für ihren energischen Auftritt, der vor Spielfreude nur so strotzte, abholten, konnte man bereits als donnernd bezeichnen.

Danach wurde es mit KING PARROT ziemlich schräg. Zumindest für den Kollegen Manfred, der im Fotograben im wahrsten Sinne des Wortes hautnah am Geschehen war - ob man die halb entblößten Luxuskörper (oder eher Bierplauzen) der Australier nun wirklich sehen wollte, das war nicht so sicher... Fest stand jedenfalls, dass die Truppe auf der Bühne ganz ordentlich wütete. Technisch zwar einwandfrei, war die Mixtur - irgendwo zwischen Grindcore, Thrash und Hardcore - für das zum Großteil überfordert wirkende Publikum aber eher schwer zu verdauen. Waren die fliegenden Rastalocken des Drummers noch unter "normales Stageacting" einzuordnen, so waren die manisch-psychotischen Grimassen des kurzen, aber breiten (und ebenfalls oberkörperfreien...) Bassisten schon eher auf der schrägen Seite. Den Vogel (nomen est omen!) schoss aber der Sänger ab, der auf der Bühne komplett abdrehte, sich wahlweise Wasser vorne oder hinten in die Hose goss, die Zuseher mit Wasser bespritzte, die zerdrückten Plastikflaschen anschließend ins Publikum warf und den Besuchern zum Ende des Gigs noch mit seinem blanken Hintern einen Abschiedsgruß zu senden. Gnädigerweise quittierte der Lichttechniker des Rockhouse diesen krönenden Abschluss eines wirklich schrägen Auftritts mit einem Totalblackout - danke, Robert! Der Berichterstatter stellte indes fest - Porngrind-Bands sind definitiv erheiternder als ein Königspapagei. Für Kollegen Thanner war KING PARROT jedenfalls "das Grusligste, das er in den letzten Jahren gesehen hatte". Amen.

Nach diesem höchst interessanten, für einige möglicherweise verstörenden Intermezzo, war es dann endlich an der Zeit für SOULFLY die Bude zu zerlegen. Pflichtschuldigst lieferte die Truppe rund um Max Cavalera den erwarteten Abriss - von der ersten Minute an ging das Publikum steil und Bierbecher flogen im Sekundentakt quer durch die Halle. Auch andere tieffliegende Objekte wurden gesichtet - so probierte ein Zuseher mit mäßigem Erfolg und wahrscheinlich schmerzhaftem Absturz Crowdsurfing aus, irgendwo blitzte ein Handy auf, das bestimmt am nächsten Tag mit einem Displayschaden zum Handydoc gebracht wurde und sogar ein verirrtes Hemd schaffte es auf die Bühne. Dort wurde Sänger Cavalera zielgerecht am Kopf getroffen, was ihn zunächst sichtlich irritierte, doch er riss sich den Fetzen dann einfach vom Gesicht, pfefferte ihn hinter sich auf die Bühne und spielte weiter. Das Publikum goutierte die thrashig-groovige Darbietung von SOULFLY mit sichtlichem Enthusiasmus - überspitzt formuliert konnte man durchaus sagen dass die Leute komplett abdrehten. Da wurde gebangt und gemosht was das Zeug hielt und das ehrwürdige Gemäuer des Rockhouse musste so einige wirklich derbe Circlepits aushalten.

In der Halle ging indes nichts mehr - selten hatte man das Rockhouse so voll gesehen! Die Zuschauer standen bis hinten dicht an dicht und waren sich auch in den hintersten Reihen nicht zu schade, mitzuklatschen und zu grölen, was das Zeug hielt. Entsprechend Cavaleras früherem Engagement bei SEPULTURA fanden sich auch einige Cover der Brasilianer im Set, so konnte sich das Publikum unter anderem über "Refuse/Resist" freuen und "Roots, Bloody Roots" beklatschen, das als Kick vor dem Zugabenblock so richtig derbe abgefeiert wurde. Aber natürlich bot auch das eigene Material von SOULFLY (wie zB "Prophecy") ordentlich Stoff, sich am Montag Abend so richtig zu zerstören. Apropos zerstören: so wild wie sich das - außer Rand und Band und von der Bühne herab immer wieder angefeuerte - Publikum gebärdete, musste man Angst haben, dass das Rockhouse auch zerstört wird, oder zumindest Teile der Inneneinrichtung...

Aber glücklicherweise hielt das Gemäuer dem Abriss von SOULFLY stand, so konnten sich die Zuschauer noch über einen formidablen Zugabenblock freuen, bei dem unter Anderem auch dem vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Lemmy gehuldigt wurde. Das unvermeidliche "Ace Of Spades" (covert eigentlich irgend jemand auch nur IRGEND etwas anderes von MOTÖRHEAD, als diesen Song?) brach über das Publikum herein, das dazu ähnlich abdrehte wie die Band selbst - die Mannschaft von KING PARROT stürmte die Bühne und übernahm Teile der Instrumentaldarbietung, und während die beiden Sänger gemeinsam grölten, warfen sich der ansonsten am Drumkit fuhrwerkende Cavalera-Sohn und der Rest der Königspapageien stagedivenderweise mitten ins Publikum! Zum Schlusspunkt "Eye For An Eye" wurde sowohl von der Band als auch vom Publikum noch einmal wirklich alles gegeben. Der ohrenbetäubende und lang anhaltende Schlussapplaus entbehrte schließlich nicht einmal ansatzweise einer Grundlage, hatten doch SOULFLY gerade im noch jungen 2016 den bisher derbsten Abriss des Jahres hingelegt! Da Capo! Nochmal! Scheiß auf die Schmerzen am nächsten Tag! Mehr davon! Sofort!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • We Sold Our Souls To Metal
  • Archangel
  • Ishtar Rising
  • Blood Fire War Hate
  • Carved Inside
  • Refuse/Resist (SEPULTURA Cover)
  • Sodomites
  • Prophecy
  • Seek 'N' Strike
  • Shamash
  • Bethlehem's Blood
  • Titans
  • Tribe
  • No Hope = No Fear
  • Arise / Dead Embryonic Cells (SEPULTURA Cover)
  • Frontlines
  • Roots Bloody Roots (SEPULTURA Cover)
  • Back To The Primitive
  • Ace Of Spades (MOTÖRHEAD Cover)
  • Jumpdafuckup / Eye For An Eye

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