16.03.2016, ((szene)) Wien, Wien

RECKLESS LOVE & SANTA CRUZ

Text: Dragonslayer | Fotos: Lady Cat
Veröffentlicht am 19.03.2016

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Nicht zuletzt durch den fulminanten Siegeszug der US-Comedy-Rocker von STEEL PANTHER katalysiert, feiert nun auch der Glam- und Sleaze-Rock wieder ein beeindruckendes Comeback. Doch nicht nur heimische Bands wie die famosen SERGEANT STEEL frönen den lasziv-rockigen Klängen, sondern auch internationale Truppen lassen wieder Haarspray, Eyeliner und Spandex hochleben. Eine der erfolgreicheren Bands dieser Gattung sind wohl die Finnen von RECKLESS LOVE, die nicht nur ihr neues Album "InVader" im Gepäck haben, sondern auch die Landsmänner und quasi-Genrekollegen von SANTA CRUZ sind. Grund genug also, an diesem Märzmittwoch in die Szene Wien zu pendeln, um sich das finnische Glamrock-Bataillon auch mal aus der Nähe anzusehen.

Unterstützt von Kollegin Cat am Auslöser trifft dieser Rezensent also pünktlich zum Einlass um 19:30 vor der Szene ein, und ist zunächst ob der langen Schlange vor dem Eingang erstaunt: Menschenmassen? In Wien? An einem Mittwoch? Für ein Rock-Konzert? Was geht denn hier grade ab?

Nun, es geht wohl der Deal mit Universal Music ab, den RECKLESS LOVE anno 2009 eingetütet haben, und der die Band seither stetig nach vorne antreibt. Das hat natürlich Licht- wie auch Schattenseiten: Einerseits können durch finanzkräftige Unterstützung viele feine Musikvideos gedreht werden, die die Band den Massen rasch näherbringen, andererseits klingt durch den Major-Einfluss die Musik doch ein wenig gar weichgespült; selbst für Glamrock-Verhältnisse. Ob sich diese Beschaulichkeit jedoch auch in die Livesituation übertragen würde, das blieb vorerst noch abzuwarten.

Denn zunächst starteten mal die Jungs von SANTA CRUZ in ihr energiegeladenes 45-Minuten-Set, und lassen hierbei nichts anbrennen. Denn auch die Burschen rund um Fronter Archie, längst keine Newcomer mehr, können bereits auf zwei Alben und reichlich Bühnenerfahrung zurückblicken, die sich auch an diesem Mittwoch in Wien bezahlt macht. Hochenergetisch, mit starker Bühnenpräsenz und auch technisch versiert bringen die Mannen ihren doch originellen Mix aus Punk, Rock und ja, auch Metalcore auf die Simmeringer Szenenstage. Und was absolut für die Jungs spricht, das sind wohl ihre Refrains mit Mitsing-Qualitäten: Auch wenn man kaum einen Song vorab kennt, kann der geneigte Fan sofort ab dem zweiten Chorus mitgrölen - und das sorgt natürlich für ordentlich Stimmung. Und mit Songs wie "66(6) Feet Under", "Let Them Burn" und "We Are The Ones To Fall" ziehen SANTA CRUZ die gut 300 versammelten Wiener Rocker rasch auf ihre Seite und, so muss man sagen, drohen sogar dem Headliner ein wenig die Schneid abzukaufen. Das ist vor allem der hohen Einsatz- und Bewegungsfreudigkeit der Band geschuldet, da sowohl Sänger/Gitarrist Archie als auch seine Co-Piloten Johnny und Middy an Gitarre und Bass hochfrequent von einer Bühnenseite zur anderen huschen, dabei amtliche Gitarrensoli aus den Handgelenken schleudern und auch ihre Backing-Vocals präzise abliefern. So macht das Laune, und SANTA CRUZ werden nach dem abschließenden "Wasted & Wounded" und "Aiming High"-Doppelpack mehr als amtlich abgefeiert. Ein mehr als nur solider Einstand!

Nach der obligatorischen Umbauphase enterten dann auch recht rasch die Herren von RECKLESS LOVE die Bühne, und hier merkt man sofort die noch größere Routine: Bereits 2001 gegründet, folgte dann 2010, also auch immerhin schon vor sechs Jahren, das erste Album, und der seither dem geneigten Fan bestens bekannte Siegeszug. Aushängeschild der Band ist dabei natürlich Frontmann Olli Kosunen (respektive "H. Olliver Twisted"), der nicht nur optisch vor allem beim weiblichen Publikum massiv punkten kann, sondern auch stimmlich wenig anbrennen lässt. Ihre Wurzeln als GUNS 'N ROSES - Tributeband können die Jungs allerdings nicht ganz verleugnen, und auch Sänger Olli hat mehr als nur ein bisschen beim großen (jungen!) Axl gelernt. Los geht's gleich mal mit der "Animal Attraction" (in dessen Videoausgabe Frontman Olli ja auch mit seiner damaligen Verlobten und nunmehrigen Gattin Noora zu sehen ist), gefolgt von "So Happy I Could Die" und dem "Monster", das als Eröffnungstriple gleich mal ordentlich für Stimmung sorgt. Und an dieser Stelle kann ich auch gleich Entwarnung geben: An den Härte- und Rotzigkeitsgrad von SANTA CRUZ kommen RECKLESS LOVE zwar auch livehaftig nicht heran, aber zumindest rockt man doch deutlich mehr als in den gar glattpolierten Studioproduktionen.

Und nach anfänglichen Startschwierigkeiten (SANTA CRUZ hatte das Publikum doch recht ausgelaugt) finden dann auch RECKLESS LOVE schnell ihren Groove, feuern stimmungsvolle Hits wie "Edge Of Our Dreams", "Rock It" und "Night On Fire" ins dankbare Publikum, und verabschieden sich dann (nachdem auch Fronter Olli - endlich! - sein Shirt abgelegt hat, sehr zur jauchzenden Freude der versammelten Damenschaft) mit "We Are The Weekend" (optimistisch an einem Mittwochabend) und schlicht und ergreifend "Hot" in den Feierabend.

Unterm Strich bleiben eine fulminante, überraschend starke Show des Openers SANTA CRUZ und eine routinierte, aber doch kurzweilige Performance von RECKLESS LOVE, die ihrem Status als einer der erfolgreicheren Glam-Rock Bands der Neuzeit an diesem Abend absolut gerecht werden. Die Zeiten von auftoupierten Haaren, Bandanas und makeuptragenden Männern sind also auch in Wien definitiv noch nicht vorbei!


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