18.03.2016, Weekender, Innsbruck

THE SKULL

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 21.03.2016

Eric Wagner war ja bekanntlicher Weise kurze Zeit das Double von Ozzy Osbourne, als dieser wegen zu vielen Lines und Ameisen im Riechapperat von BLACK SABBATH vor die Tür gesetzt wurde – danach spendete der Doom-Meister seine Stimme bei SAINT VITUS auf der Überscheibe „Children Of Doom“ und ganz nebenbei schrieb er, gemeinsam mit dem Witchfinder „Doom Over The World“, als sie gemeinsam für TROUBLE die Speed-Death-Granate „The Skull“ produzierten. Ihr seht, ich kenne mich wirklich fundiert aus und darf mich selbst endlich vom Semi-Musikexperten zum Nachwuchs-Musikexperten erheben – nein, jetzt mit vollem Ernst! TROUBLE sind an mir irgendwie spurlos vorbeigegangen - ja „Psalm 9“ kennt man natürlich, aber irgendwie ist dieses Doom-Urgestein an mir vorbeigezogen und ganz ehrlich: Ich darf das ruhigen Gewissens zugeben, ohne als Poser verhauen zu werden. Ich bin eigentlich noch ziemlich nass hinter den Ohren, mit meinen Mitte-Zwanzig und muss nicht jede Band, die Jahre vor meiner Geburt ihren Höhepunkt hatte, in und auswendig kennen, dafür gibt es unsere jung gebliebenen Altherren, von denen die meisten immer noch mehr Haare am Kopf haben als ich selbst – mal ausgenommen mein Heisenberg-Connection-Zwilling (Zitat: „Je weniger Haare, desto mehr Eier! Du hast lange Haare, was sagt dir das?“ – Höhö!).
 


THE SKULL - Viersaiter Ron Holzer

Ich sehe mich nicht verpflichtet, alles was einen Kultstatus hat, bis ins letzte Detail zu studieren, oder gar anzubeten, nur weil es der Usus der Szene verlangt – wozu ich mich jedoch sehr wohl verpflichtet fühle, ist es mich dafür zu interessieren, wenn sich die Legenden in heimischen Locations die Ehre geben und auch wenn ich nicht jedes Demo in Originalpressung vorliegen habe und jeden Text auswendig im komatösen Tiefschlaf rezitieren kann, auch dann werde ich mich vor die Bühnen unserer Veranstalter begeben und mich auf das Experiment „Kult und seine Resonanz in der Gegenwart im subkulturellen Kontext“ einlassen und das macht wohl den Unterschied zwischen einem echten (Semi-) Musikliebhaber und einem Szene-Hipster der Hochkultur (Weil Metal ist generell tot! SLAYER ist Post-Hardcore und GHOST-Plagiatssongwriting ist die Innovationserleuchtung! SOPHIE HUNGER ist die Geilste! Wann werde ich endlich entjungfert?) aus. Deswegen pilgere ich heute auch ins Innsbrucker Weekender, um zwar nicht mit Fachwissen zu prahlen und ganz ehrlich, die halben Songs der heutigen Setlist (die nirgends zum Durchschlagen zu finden war – man höre und staune: Die Dope geschwängerten, auch nicht mehr jüngsten Hirne der Musikanten merken sich das wirklich noch alles im Kopf!) waren für mich nicht betitelbar – die Frage, ob das wichtig ist, sollen andere beantworten. Ich werde versuchen, das wiederzugeben – wie üblich im gewohnt ernsten und bestimmt nicht sarkastischen Stil – was sich dort zugetragen hat, als THE SKULL sich in der Alpenhauptstadt die Ehre gaben, um Old-School-Doom zu predigen…
 


THE SKULL - Doom-Master Eric Wagner

So erwartet man, wenn sich die alte TROUBLE-Crew, bestehend aus Herrn Wagner, Bassist Ron Holzer und Drummer Jeff „Oly“ Olson, die Ehre geben, doch ein knackvolles Haus, doch weit gefehlt, die Anhänger der Weltuntergangsektenmusik (Hat hier jemand Apfelmus mit C21H22N2O2-Zusatz? Ein Löffel für die Mama, einen Löffel für den Papa… ) zieren sich heute, ins Weekender zu pilgern. Nur eine Handvoll versammelt sich vor der Bühne und zusätzlich fällt auch die Vorband – STEPFATHER FRED – aus, da sich der Fred wohl eine Erkältung zugezogen hat… Wick-Zuckerl lutschen, dann wird’s schon wieder! Als Wiedergutmachung gibt’s vom Veranstalter ein Freibier für jeden spendiert – Prost! So lässt sich wenigstens schon mal ein Anfangspegel erreichen, um THE SKULL mit halbwegs ebenbürtigem Pegel (waren eh nur drölf Bier und ein oder zwei Ofen!) entgegenzutreten. Gehuldigt wird trotz Ausfall zur regulären Spielzeit – ab 22:00 Uhr wird zurückgedoomt – so vertreibt man sich die Zeit beim offline facebooken, stupst sich gegenseitig an und liked das Erscheinen bekannter Gesichter (Bitte „Like, Love, Haha, Wow oder Traurig-Schildchen“ in die Höhe heben – zur Not tut´s auch der Mittelfinger und das Bussi links und rechts für die ganz guten Kumpels- und Innen. Yes, Gendern Bitch!). Irgendwo dazwischen stolpert die Band auch durch die Location und Eric zeigt sich auch gesprächig und zuvorkommend – endet doch heute die Tour aus traurigem Anlass, verstarb doch der Vater des Doom-Lords vor ein paar Tagen und wir sprechen an dieser Stelle noch einmal unsere Anteilnahme aus! 


THE SKULL - Run To The Light! 

Trotz des Anlasses zeigt sich Wagner dann auch auf der Bühne, trotz anfänglicher soundtechnischer Probleme (Stimme zu leise, Bass zu penetrant, Gitarren unter dem Wummern der Drums untergehend), ambitioniert und drückt das Set professionell durch, ohne sich etwas anmerken zu lassen – dezent verpeilte Ansagen und Handshakes für die „erste“ Reihe inklusive. THE SKULL-Nummern vom 2014er „For Those Which Are Asleep“-Longplayer mischen sich unter heiß ersehnte TROUBLE-Klassiker – „Psalm 9“, „The Skull“, „Revelation (Life Or Death)“ – welche vom durchgehend als Altfans zu klassifizierenden Publikum dankend abgefeiert werden. Das Soundproblem bekommt man jedoch den restlichen Abend nicht mehr richtig unter Kontrolle, auch wenn man zum bitteren Ende hin noch einmal die Regler in die richtige Richtung schiebt, gegen die erst vor kurzer Zeit aufspielenden SAINT VITUS (zum Trip mit Dave „Who has got some dope?“ Chandler) stellen THE SKULL leider in Sachen Mächtigkeit keinen Vergleich dar – SAINT VITUS entpuppten sich doch als der beste Doom-Sex des Lebens, wenn auch nur als Quickie. Wagner und Co legen trotz der Schwächen eine amtliche Show hin und geben sich von Anfang bis Ende als sympathischer Haufen, der auch vor wenig Zuschauern und trotz aller Umstände versucht das Beste zu geben – das gehört honoriert und im Gegensatz zu der Masse an dahergelaufenen Doom-Nachwuchs-Kasperln dröhnen THE SKULL heute ordentlich im Old-School-Style durch die Boxen und enttäuschen ihre Fans nicht mit einer unmotivierten Show – so muss Doom, auch an schlechteren Tagen… Come on people, let me hear you say, you Bastards, you're gonna pay!  


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