06-04-2016, Rockhouse, Salzburg

KADAVAR & OUR SURVIVAL DEPENDS ON US & DEATH ALLEY

Text: mat | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 09.04.2016

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Wenn das Rockhouse ruft, dann kommen wir! Das haben sich an diesem Abend nicht nur unsere liebe Anthalerero samt Kameraequipment und meine Wenigkeit gedacht, sondern quasi auch die kollektive Metal- und Rock-Fan-Basis Salzburgs. Und das ist auch gut so, denn es kommt ja nicht alle Tage vor, dass der neueste heiße Scheiß aus Berlin in der ehrwürdigen Mozartstadt aufschlägt. An diesem Mittwochabend war es aber soweit und die drei haarigen deutschen Jungs von KADAVAR kündigten sich für einen klassischen Retro-Gig auf der kleinen, aber feinen Rockhouse-Bühne an. Mit im Gepäck: Die niederländischen Crossover-Rocker von DEATH ALLEY und einen zusätzlichen Lokal-Support in Form von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US. Ein hochexplosives Programm also, das uns an diesem Abend ins Haus stand.

Pünktlich um 20.00 Uhr ging's mit DEATH ALLEY los. Zu diesem Zeitpunkt war das Publikum noch spärlich gesät, wurde doch bereits vorab kommuniziert, dass der Hauptact erst nach 22.00 Uhr dran sein würde. Das hielt manche Interessierte wohl davon ab, sich schon allzu früh im Rockhouse-Gewölbe die Beine in den Bauch zu stehen. Nichtsdestotrotz gelten die Niederländer, die zu Teilen aus den denkwürdigen A DEVIL'S BLOOD bestehen, als starker Support-Act, der mit seinem musikalischen Stilmix aus MOTÖRHEAD, BLACK SABBATH und einer saftigen Portion an 70s-Rock zu gefallen weiß. Ein nach vorne gehender Auftritt, der als Anheizer seine Funktion perfekt erfüllt.

Setlist:

  • Over Under
  • Black Magick Boogieland
  • The Fever
  • Stalk Eyed
  • Dead Man's Bones
  • Supernatural Predator

Und genau das kann man auch vom rund 45-minütigen "Zwischen-Gig" von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US behaupten. Um die Salzburger Lokalhelden war es in den letzten Jahren ziemlich ruhig geworden, mit ihrem vor ein paar Monaten erschienenen dritten Album namens "Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual World" haben die Jungs aber wieder ein unglaublich kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben und gezeigt, dass die Homebase für sogenannten "Occult Doom Spiritual Metal" in Salzburg zu finden ist. Dieses verrückte Gespann beweist auf allerfeinste Art und Weise, dass sich ganz viele (extreme) Ausprägungen metallischer Musik irgendwie miteinander verbinden lassen, ohne dass das Ganze an Charme verliert. Ganz im Gegenteil - die sympathischen Salzburger, die sich vor (und nach) ihrem Gig noch plaudernd im Publikum wiederfinden, fackeln vor einem mehr als treuen, mittlerweile zahlreichen Publikum, eine vielfältige, interessante, laute und irgendwie auch schräge Show ab, die sich mehr als sehen (und hören) lassen kann. (Anm. Anthalerero: Und riechen! Das verwendete Räucherwerk war ziemlich gehaltvoll...) OUR SURVIVAL DEPENDS ON US ziehen einen in ihren Bann, drücken auf die Stellen wo's weh tut, driften hin und wieder in laute Baustellenlärm-Gefilde ab, um im nächsten Moment wieder mit einem eingängigen Hook die Hörer an sich zu ziehen. Hat was, kann was, ist total eigen(artig), funktioniert live aber richtig, richtig gut. Quasi ein Geheimtipp, der in Salzburg (und auch international - die Reaktionen auf ihr drittes Album sind überwältigend) eigentlich keiner mehr ist. Einen besseren Kontrastpunkt zum baldig startenden Hauptact gibt es fast nicht...


Und dann ist es soweit: Kurz nach 22.00 Uhr entern die Berliner Retro-Rock Helden von KADAVAR die kleine Bühne. Das Rockhouse ist mittlerweile pumpvoll und als Konzertbesucher ist man ziemlich froh, dass sich ein Teil der Meute im Außen- bzw. im Garderobenbereich aufhält, um nach bereits zweistündigem Konzerterlebnis etwas frische Luft zu schnappen. So hat man im Gewölbe zumindest ein wenig Platz, um mit den langhaarigen und -bärtigen Headbangern eine kleine Retro-Orgie abzufeiern. Mit ihrem dritten Album, das sie ihrer Lieblings-Heimatstadt "Berlin" gewidmet haben, haben sich die drei Jungs nun wiederum ins Herz einer größeren Fanbasis gespielt. Und das zurecht - der neueste Longplayer strotzt nur so vor starken Riffs, treibenden Rhythmuswechseln und eingängigen Hooks. LED ZEPPELIN anno 2016, wiederum zurückversetzt in die 70er. So (oder so ähnlich) klingt es, wenn KADAVAR, ganz unspektakulär vor ihrem eigenen Backdrop samt Logo, ein Hit-Programm, zusammengestellt aus den bisherigen drei Alben, zelebrieren. Dass das auf Konserve wunderbar funktioniert, war mir von vornherein klar. Dass das live aber noch besser ist, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Sobald das erste Riff aber angestimmt ist, wird mir klar: Das wird gut! Und das bewahrheitet sich auch, denn Lupus, Tiger und Dragon halten sich nicht mit allzu vielen Worten auf, zocken ihr Programm gekonnt herunter, ohne aber an Leidenschaft oder Liebe zur Musik einzubüßen. Gerade im manischen Drumming des zentriert auf der Bühne spielenden Tiger zeigt sich, wie sehr diese Jungs ihre Arbeit lieben. Da sitzt jede Snare, da treibt jeder Klopfer an. Und da zieht Bassist Dragon natürlich passend mit und präsentiert einen tighten Bass-Sound, der so richtig in den Bauch geht und den man ansonsten in dieser Dichte nur von IRON MAIDENs Steve Harris oder MANOWARs Joey DeMaio kennt.

Richtig geil ist das und dabei haben wir von der zurückhaltend-genialen Leistung eines Lupus noch gar nicht gesprochen, der gleichermaßen Leadgitarre wie Gesang übernimmt. Beides in einer Liga, in der man gerne wäre, wenn man nur einen der beiden Faktoren abdecken möchte. Während er zu Beginn des Konzerts noch relativ passiv (und versteckt hinter massenhaft Haaren) an seinem Mikro klebt, taut er nach und nach auf und zaubert in dem gut einstündigen Gig ein geniales Riff nach dem anderen aus seiner Gitarre. Da lebt man mit, das taugt dem Publikum, das versetzt einen zurück - in eine Zeit, die man sich nur vorstellen kann, da man selbst nicht dabei war, weil zu jung. Ein Woodstock-artiges Gefühl tut sich plötzlich auf, alles fühlt sich psychedelisch an und das getrunkene Bier hat noch eine straigthere Wirkung als sonst. Da spielt alles zusammen, da ist man plötzlich in Trance, blickt auf die Bühne, gebannt, ein bisschen paralysiert gar. Das passiert selten, mir zumindest. Dass der Kopf mitschüttelt, der Körper bewegt sich aber nicht und man lässt sich von diesem Retro-Sound berieseln. Schön ist das und so schnell wieder vorbei, wie es angefangen hat. Der Sound verstummt, die Gitarre wird ausgestöpselt, das volle Rockhouse löst sich langsam wieder auf. Plötzlich ist es fast Mitternacht und man trinkt noch ein Bier. Irgendwie ist es fast zu schnell gegangen, aber es war gut. Sehr gut sogar. Besser als erwartet. Und ich bin mir sicher: KADAVAR - wir sehen uns wieder. Danke für diesen psychedelischen Abend.

Setlist: (Ohne Gewähr)

  • Black Sun
  • All Our Thoughts
  • Doomsday Machine
  • Living In Your Head
  • Pale Blue Eyes
  • Stolen Dreams
  • Last Living Dinosaur
  • Goddess Of Dawn
  • Broken Wings
  • The Old Man
  • Forgotten Past
  • Creature Of The Demon
  • Purple Sage
  • Thousand Miles Away From Home
  • Come Back Life

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