09-04-2016, Zenith, München

EISBRECHER & UNZUCHT - "Volle Kraft Voraus 2016"

Veröffentlicht am 14.04.2016

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Wir dachten es wäre wieder einmal an der Zeit für ein etwas größeres Konzert - also pilgerte das Power-Duo Tina und Anthalerero an einem Samstagabend einmal mehr nach München, um sich im Zenith bei EISBRECHER einzufinden. Durch den Wegfall der ersten Vorband ONE I CINEMA, deren Fronter Marco infolge einer hartnäckigen Erkrankung an schweren Stimmproblemen litt, sodass auch die Show in Frankfurt tags zuvor für sie ausfallen hatte müssen, präsentierte sich der Abend insgesamt schlanker und etwas kürzer - dafür wurde die zweite Vorband UNZUCHT mit einer längeren Spielzeit von einer guten Stunde belohnt. Erfreulicherweise wurde der Einlass trotz späterer Beginnzeit nicht nach hinten verlegt, sodass die lange Schlange am Eingang im nasskalten Wetter zügig abgefertigt werden konnte - viele etwas leichter bekleidete Besucher dankten das.

 

Somit war die Halle bereits ziemlich gut gefüllt, als UNZUCHT die Bühne enterten. Dem Schreiberling bereits bekannt, fielen die Düsterrocker rund um Fronter Daniel Schulz beim Publikum auf ziemlich fruchtbaren Boden - der Mitsing- und Mitklatschfaktor war bereits von Anfang an sehr hoch. Zu Beginn hatten UNZUCHT allerdings ein wenig mit dem Sound zu kämpfen, kam doch vom Gesang zunächst so ziemlich nichts im Zuschauerraum an, doch es trat bereits während des ersten Songs Besserung ein. Etwa ab dem dritten, vierten Song passte dann auch der Mix und der häufig schmeichelnde Gothic Rock kam kristallklar bei den Zuhörern an. Gar viele in die Luft gereckte Hände und nicht wenige textsichere Zuseher bewiesen, dass die Gruppe inzwischen schon eine ordentliche Fangemeinde um sich scharen konnte. Dennoch hatte das Set durchaus ein paar Längen, da sich durch die erhöhte Spielzeit und die noch nicht so umfangreiche Diskografie auch ein paar weniger starke Songs in die Setlist geschwindelt hatten. Dafür wurden aber Titel wie das überraschend harte "Kettenhund" oder der Ohrwurm "Engel der Vernichtung" umso mehr abgefeiert - ein starker Auftritt von UNZUCHT. (Anm. d. Lekt: So ganz ohne unzüchtige Anspielung heute...?)

Setlist:

  • Unendlich
  • Todsünde 8
  • Seelenblind
  • Schwarzes Blut
  • Meine Liebe
  • Deine Zeit läuft ab
  • Schweigen
  • Kettenhund
  • Der letzte Tanz
  • Unzucht
  • Nur die Ewigkeit
  • Engel der Vernichtung

 


Nach knackig-kurzer Umbaupause (oder kam es einem nur so vor, dass die Zeit im Flug verging?) standen dann auch schon EISBRECHER auf der Bühne. An seinem Rednerpult deklarierte Fronter Alex Wesselsky "Zum Glück sind wir verrückt" - passend dazu hatte es in der Umbaupause kurz zuvor noch CD's und Bananen fürs Publikum gegeben. Songs wie "Fehler machen Leute" oder das arschcoole "Himmel, Arsch und Zwirn" wurden vom Publikum, das von der ersten Sekunde an mitging, amtlich abgefeiert. Auch auf der Bühne regierte der pure Spaß, auch wenn das Bühnenbild dieses Mal noch minimalistischer war - EISBRECHER brauchen kein Backdrop, ein bißchen Nebel und eine ausufernde Lichtshow müssen reichen. An Letzterer gab es auch absolut nichts auszusetzen - als Freund schöner Lichtarrangements kam man wieder einmal voll auf seine Kosten!

Allerdings konnte man, im direkten Vergleich zur letzten Show hier im Zenith, bei der Performance ein paar Schwächen orten, denn irgendwie wollten die Jokes auf der Bühne an diesem Abend nicht alle funktionieren und passend dazu streikte auch schon mal die Technik, als z.B. die Folienstreifen-Kanone nicht losgehen wollte. Wenigstens tat die Schneekanone bei "Eiszeit" dann pflichtschuldig ihren Dienst und hüllte die Bühne in stimmiges Schneegestöber.

Gegen Mitte der Spielzeit wartete für die Band eine Überraschung auf der Bühne - denn unter tosendem Applaus des Publikums bekamen sie ihre goldenen Schallplatten für "Die Hölle muss warten" und "Schock" überreicht - natürlich stilecht kurz bevor der Titel "Wir Sind Gold" gezockt wurde, wie es sich gehört. Den Zuschauern gefiel's und sie feierten zu "So oder so" und dem Klassiker "Miststück" ordentlich weiter. Zwar konnte der Lautstärkepegel der ungefähr gleich großen Meute des letzten Zenith-Konzertes nicht erreicht werden, aber dafür konnte man durchwegs in hochzufriedene Gesichter blicken. Mit einem ausladenden Drumsolo verabschiedeten sich EISBRECHER schließlich vorläufig von der Bühne, nur um dann im Zugabenblock noch einmal "Volle Kraft voraus" zu gehen, und mit "1000 Narben", "This Is Deutsch" und dem abschließenden "Ohne Dich" ein ordentliches musikalisches Feuerwerk abzubrennen. Vielleicht sah man an diesem Abend nicht die beste EISBRECHER-Show (es kann auch nicht immer nur besser werden!), aber dennoch demonstrierten die Mannen rund um Alex Wesselsky erneut, dass sie live einfach eine Macht sind. Alles klar - beim nächsten Mal sehen wir uns bestimmt wieder! (Und vielleicht klappt es dann ja auch endlich mit dem versprochenen Interview, Alex...)

Setlist:

  • Verrückt
  • Willkommen im Nichts
  • Augen unter Null
  • Fehler machen Leute
  • Mein Blut
  • Leider
  • Amok
  • Prototyp
  • Himmel, Arsch und Zwirn
  • Herzdieb
  • Wir sind Gold
  • So oder so
  • Eiszeit
  • Die Engel
  • Vergissmeinnicht
  • Miststück 2012
  • Volle Kraft voraus
  • 1000 Narben
  • This Is Deutsch
  • Ohne Dich


Besonders hervorheben darf man an dieser Stelle auch die Fannähe von EISBRECHER, die, trotz der Unkenrufe wegen der stetig steigenden Ticketpreise (unter denen übrigens auch andere Bands leiden, just sayin'...), dafür sorgten, dass jeder Besucher der Tour am Eingang ein Exemplar der Single "Wir sind Gold" überreicht bekam. Zudem gab es auch für jeden Besucher im Kindesalter einen eigenen Umhängepass, sowie einen Plüsch-Eisbären. Leider ist der Stormbringer-Schreiberling diesem Alter schon relativ lange entwachsen, sonst hätte er das an ein Ticket gekoppelte Angebot eines Plüschtiers auch gerne angenommen...


Das Kinderpackage & eine junge Konzertbesucherin mit Eisbär


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