26.03.2016, Viper Room, Wien

ORDEN OGAN & ALMANAC & MANIMAL

Veröffentlicht am 13.04.2016

Ein kleines aber feines Melodic Metal-Package gab sich am Osterwochenende 2016 in Wien die Ehre: die deutschen Powermetal-Hoffnungsträger ORDEN OGAN beehrten am Karsamstag den Viper Room in Wien und mit dabei hatten sie noch MANIMAL aus Schweden und - überraschenderweise - auch ALMANAC, das neue Bandprojekt von Viktor Smolski (ex-RAGE), das für MYSTIC PROPHECY eingesprungen war, welche die Teilnahme an der Tour kurzfristig absagen mussten.

Klar, solch ein melodiegeschwängertes Package hat's im leidgeprüften Wien nicht leicht, dennoch fanden sich knapp über hundert partywillige Schwermetaller im Viper Room ein, und auch beim Opener MANIMAL gab's auch schon die ersten emporgestreckten Pommesgabeln. Das lag vor allem am beeindruckenden Gesang von Frontmann Samuel Nyman, der seine Stimme in beeindruckende Regionen hochschwingt und mehr als einmal an einen jungen Rob Halford gemahnt. Nicht zuletzt ob dieses deutlichen NWoBHM-Einschlags werden MANIMAL ja auch als die "JUDAS PRIEST Schwedens" bezeichnet, und davon legen auch knackige Tracks wie "Shadows", "The Dark" oder "Invincible" beredtes Zeugnis ab. Nirgendwo wird dieser Eindruck jedoch deutlicher unterstrichen als beim abschließenden "Irresistible", bei dem ganz klar der legendäre "Painkiller" Pate gestanden hat. MANIMAL können bei ihrem ersten Wien-Gastspiel damit beim Publikum aber jedenfalls punkten, und werden auch trotz des teilweise etwas schwierigen Sounds entsprechend abgefeiert.

In ganz anderer, weil deutlich melodiereicherer Manier, geht's dann mit ALMANAC weiter. Die kurzfristig eingesprungene Truppe musste allerdings ohne Sänger Andy B. Franck auskommen, da dieser gerade selbst mit seiner anderen Band BRAINSTORM unterwegs war. Immerhin waren aber doch noch die beiden anderen Frontleute, namentlich David Readman (PINK CREAM 69) und Jeanette Marchewka (LINGUA MORTIS ORCHESTRA), mit von der Partie. Und wo Viktor Smolksi drauf (bzw. an der Gitarre) steht, da ist auch Qualität drin: So auch beim aktuellen Album der Band, "Tsar", das natürlich auch in der Livesituation präsentiert werden wollte. So gab's neben der ersten Single "Self-Blinded Eyes" auch weitere Melodiekracher wie "Children Of The Future" und "Nevermore" zu hören, und besonders die präzisen Gesangsduelle von David und Jeanette machten die Performance von ALMANAC zu einem besonderen Gustostückchen; über die Fingerfertigkeiten eines Viktor Smolksi braucht man ohnedies keine Worte mehr zu verlieren. Die Routiniers von ALMANAC liefern somit die sicherlich professionellste und musikalisch stärkste Performance des Abends ab, und die beiden RAGE-Gassenhauer "Innocent" und "Empty Hollow" zum Abschluss setzen einem gelungenen Gig natürlich die Krone auf.

ORDEN OGAN hatten somit nach zwei stark aufspielenden Supportacts keinen leichten Stand; und die Deutschen rund um Frontmann und Mastermind Seeb waren für mich immer schon ein zweischneidiges Schwert: Zwar schätze ich die Studio-Outputs der Band sehr, in der Livesituation - zuletzt etwa als Support für HAMMERFALL - konnten mich die Jungs aber bislang noch nicht wirklich überzeugen.

Daran sollte sich dann - leider - auch an diesem Karsamstag nichts ändern. Zwar werden ORDEN OGAN bereits ab den ersten Klängen des Intros von der versammelten Fanschaft brav abgefeiert, und auch das Opener-Doppel aus "Ravenhead" und "Land Of The Dead" macht gleich mal Laune. Leider kränkelt das Liveprogramm der Deutschen aber für mich noch immer an denselben Krankenheiten, die mir schon die bisherigen Auftritte von ORDEN OGAN etwas madig gemacht haben: Fronter Seeb ist durch die Doppelbelastung an Gitarre und Gesang offensichtlich sehr eingespannt, was sich in sehr statischer Bühnenpräsenz (leider der gesamten Band) äußert, und durch eben den geteilten Fokus auf Gitarre und Gesang kann er auch leider in der Livesituation die starken Gesangsleistungen der Studioproduktionen so gar nicht abrufen.

So verkommt auch diese ORDEN OGAN-Performance für mich zu einem Metal-Stillleben mit viel Gefrickel und Hochgeschwindigkeits-Metal, das aber immer ein wenig blutleer bleibt. Klar, Spaß machen Songs wie "We Are Pirates", "The Ice Kings", das famose "F.E.V.E.R." oder "The Things We Believe In" auch so, aber das ganz große augenöffnende Erlebnis der Studioalben können ORDEN OGAN für mich live (noch) nicht replizieren. Vielleicht sollte Mastermind Seeb wirklich mal andenken, entweder die Gitarrenarbeit oder den Gesang bei den Liveshows abzugeben, um so die Dynamik und den Spannungsfaktor auf der Bühne etwas nach oben schrauben zu können.

Aber nichtsdestotrotz werden ORDEN OGAN auch in Wien von ihren treuen Fans abgefeiert, und auch wenn performancetechnisch noch Luft nach oben ist, so stellen die Deutschen doch klar, dass sie längst in der oberen Liga des internationalen Powermetal angekommen sind. Es bleibt spannend im Hause OGAN; harren wir also der Dinge, die da noch kommen mögen.

 


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