14.04.2016, Backstage (Werk), München

SUBWAY TO SALLY - NEON Ekustik-Tour

Text: mat
Veröffentlicht am 18.04.2016

SUBWAY TO SALLY. Das ist auch so eine Band, die polarisiert, die aufregt, die gefällt, die enttäuscht und die einfach immer weitermacht, egal, was passiert. Da fährt sozusagen der Zug drüber. Und das ist auch gut so. Seit je her ein großer Fan des musikalisch vielfältigen Schaffens (das sehen manche zwar anders, aber sei's wie's sei) des Potsdamer Siebeners, hat es sich bis dato leider noch nie ergeben, dass ich die Jungs samt Frau Schmidt an der Geige endlich mal live erleben konnte. Aufgrund glücklicher Umstände verschlug es die deutschen Fast-Hauptstädter im Zuge der aktuellen "NEON Ekustik"-Tour auch wieder einmal in den Süden Deutschlands und zwar nach München. Österreich-Gig stand dieses Mal leider keiner an, somit musste das ehrwürdige Backstage-Werk nahe der Oktoberfest-Theresienwiese als Veranstaltungsort herhalten. Wieder einmal eine gute Wahl, wie ich finde, ist das Backstage-Areal einfach eine perfekte Location für solche Art von Auftritten. Denn während im kleinen Club nebenan ebenfalls heftig gerockt wurde, nahmen die SUBWAYs die Werkhalle ein. Eine wirklich außerordentlich sympathische Location, die einen erhöhten Rückbereich samt abgestuften Seitenbereichen beinhaltet, wo man als Fan auch mal gasthaus-mäßig auf klapprigen Holzstühlen Platz nehmen kann. Muss man nicht, kann man aber und so ein frenetisch auf und ab springendes Mittelalter-Publikum mit sitzenden Kopfnickern zu verbinden, das hat schon was. Für den Rezensenten und seine Begleitung fand sich - trotz minutiös gelungener Ankunft, kurz vorm ersten Takt - ebenfalls noch ein guter Stehplatz im perfekten Sichtbereich und somit konnte es eigentlich gleich losgehen.

Und das tat es auch, denn SUBWAY TO SALLY absolvieren ihre gesamte "NEON"-Tour komplett ohne Supports. Das mag auch am komplizierteren Bühnensetting liegen, dessen Aufbau sicher einiges an Zeit in Anspruch nimmt, führt aber auch dazu, dass das Ding bereits um 20.00 Uhr mit dem Hauptact losgeht, was mich persönlich an diesem Abend absolut nicht störte. Pünktlich wie eine Schweizer Taschenuhr betraten die SALLYs dann die puristische Bühne, die mit großen, verschiedenfarbigen Neon-Leuchten und toll gestalteten Accessoires - wie einem "Fisch-Spazierstock" für Gesangsdompteur Eric Fish - und käfigartigen Aufbauten samt Sitzgelegenheit für alle beteiligten Musiker aufwartete. Ein bühnesker Augenschmaus, der sich sehen lassen kann, ebenso wie die unglaublich gut aufgelegten Musiker, die mit ihrem neuesten Baby sichtliche Freude haben. Nachdem das letzte Album "MitGift" auch schon wieder zwei Jahre auf dem Buckel hat, haben sich SUBWAY TO SALLY nämlich etwas ganz Besonderes überlegt. Waren Bodenski, Fish und Co in den letzten Jahren ja immer wieder mit akustischen Programmen wie "Nackt", "Nackt II" und den "Eisheiligen Nächten" unterwegs, haben sie dieses Mal noch eine Schippe draufgelegt und sich für eine noch spannendere akustische Umsetzung Verstärkung in Form eines vermummten, mit schwarzem Mantel und dazugehöriger Maske auftretenden Elektronik-Künstlers geholt, was dazu führt, dass die Mittelalter-Rock-Songs im akustischen Gewand noch mit jeder Menge elektronischer Spielerei und Bass unterlegt werden. Funktioniert das? Und ob! Der in der Mitte der Bühne (direkt hinter dem Drummer und den beiden Hauptprotagonisten Eric Fish und Gitarrist/Mastermind Ingo Hampf) agierende Vermummte sorgt für richtig viel Stimmung in der Halle mit seinen Elektro-Keys samt Teremin und blau leuchtender Bass-Kugel, wo er nur durch die Bewegung seiner Hände richtig viel Dampf macht. Die Unterlegung der teils doch sehr folkigen SUBWAY-Songs funktioniert dabei hervorragend und holt aus den bekannten Songs noch eine komplett andere Komponente hervor.

Obwohl auch ich zuerst noch etwas skeptisch ob dieser Umsetzungsidee war, ist mir nach den ersten fünf Songs bereits klar: Das rockt richtig! Und auch das restliche Publikum merkt spätestens beim Evergreen "Eisblumen", dass Mittelalter-Rock, folkloristische Instrumente, Elektro-Bass und akustische Gitarre sich absolut nicht gegenseitig ausschließen. SUBWAY TO SALLY entwickeln von Song zu Song mehr Spielfreude und obwohl mir persönlich der erste Teil der Setlist mehr zusagt, geht die Stimmung in der Halle vor allem im zweiten Teil so richtig nach oben. Fish unterhält mit sympathischen Zwischendurchsagen und die Band verbringt den Großteil des Konzerts auf Hockern sitzend. Das tut der Atmosphäre aber keinerlei Abbruch. Ganz im Gegenteil: SUBWAY TO SALLY fackeln nämlich ein Best Of-Programm ab, das sich sehen und hören lassen kann. Zwar mit einem klaren Fokus auf dem Karriere-Highlight-Album "Hochzeit", dessen Songmaterial sich akustisch einfach am besten umsetzen lässt, kommen Songs aus jeder Schaffensperiode zum Zug. Egal, ob aus der Nackenbrecher-"Engelskrieger"-Phase mit "Falscher Heiland" und "Unsterblich", ob mit neueren Krachern wie "Grausame Schwester" und "Schwarze Seide" oder Nostalgie-Folkern wie "Julia und die Räuber" und der treibenden "Henkersbraut". Hier wird einfach jeder Titel mit unglaublich viel Präzision und Freude umgesetzt. Sogar wenn Ingo Hampf alleine auf der Bühne steht und die ersten Takte von "Maria" zupft geht das zuvor noch etwas verhaltenere Publikum mit und trägt den gesamten Song alleine durch. Da braucht es gar keinen Fish mehr, das ist schon Fleisch.

Songs wie "Sieben" gehen sowieso ab wie Frau Schmidts Katze, die zwar in diesem Setting nur eine zurückhaltende Rolle einnimmt, mit ihrem Geigenspiel aber trotzdem wieder den perfekten Kontrapunkt zu den Gitarren setzt... Und ich könnte an dieser Stelle jetzt noch ewig so weiterphilosophieren und mich in Lob ergehen (die SUBWAY- und Fish-Hater wetzen schon mit den Messern), aber für mich war dieser Abend einfach sehr stimmungsvoll und äußerst gelungen. Dass dieses ungewohnte Konzept so packend wird, hätte ich mir einfach nicht erwartet und umso mehr überzeugt das an diesem Abend Dargebotene. Da stimmt einfach jedes Detail: Der Sound ist nach den ersten beiden Songs perfekt abgemischt, Fish singt wie auf CD (das kann man mögen oder nicht...) und instrumental sind SUBWAY TO SALLY sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Setlist stellt eine perfekte Mischung dar, der Elektronik-Mönch fackelt eine mitreißende Beat-Show ab und mit rund 130-minütiger Konzert-Dauer und insgesamt 24 Songs samt 2 Zugabenblöcken lassen sich Bodenski und Co. absolut nicht lumpen. Für die "NEON-Ekustik"-Tour gibt es wirklich eine absolute Besuchsempfehlung von mir. Wer mit einer treibenden Folk-Show mit akustischen Instrumenten und ebenso vielen ruhigen Momenten etwas anfangen kann und dazu noch "open-minded" genug für eine LINKIN PARK-eske Elektronik-Untermalung ist, der ist bei SUBWAY TO SALLY genau richtig. Wer den Fish nach wie vor stimmlich nicht aushalten kann, der sollte natürlich auch hier einen großen Bogen um die jeweiligen Locations machen. Ich bin nach diesem Gig auf alle Fälle zu einem noch größeren Fan mutiert und freue mich schon sehr auf den neuesten Streich dieses sympathischen Siebeners. Bestenfalls samt begleitender Tour, die die Band auch wieder mal nach Österreich führt - ich bin auf alle Fälle dabei...

Setlist (ohne Gewähr):

01. Wenn Engel hassen
02. Die Rose im Wasser
03. Verloren
04. Böses Erwachen
05. Mitgift
06. Schwarze Seide
07. Ins Dunkel
08. Eisblumen
09. Henkersbraut
10. Traum vom Tod II
11. Krähenfraß
12. Maria
13. Kleid aus Rosen
14. Unsterblich
15. Falscher Heiland
16. Das Rätsel II
17. Sieben
18. Tanz auf dem Vulkan
19. Veitstanz

Zugabe 1:
20. Grausame Schwester
21. Sag dem Teufel
22. Ohne Liebe

Zugabe 2:
23. Minne
24. Julia und die Räuber


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