29.04.2016, B72, Wien

KARMA TO BURN & SONS OF MORPHEUS

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 03.05.2016

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Als eine der coolsten Bands der Welt sind KARMA TO BURN ein Pflichttermin für mich, leider aber nicht für viele andere. (Fotograf Kalti verpflichtete sich dafür allerdings gerne). So spielte das Mountain-Rock-Trio - der Begriff „Stoner-Rock“ ist spätestens seit der aktuellen EP „Mountain Czar“ bei Mastermind William Mecum verpönt - trotz der Anwesenheit einiger Szenebekannten, wie „Doom Over Vienna“-Veranstalter Jürgen oder Rudi-"Konzertbesucher Nr. 2" (nach „Metal-Roli“), vor nicht mal 100 Leuten im B72 in Wien.

Diese Location - meiner Meinung nach die bessere Alternative zum „Chelsea“ am Gürtel - ist dem legendären „Dreiraum“ in der Arena fast ebenbürtig. Viel zu wenig kleinere, lässige - also etwas anderes als Indie-Rock - Underground-Konzerte bis zu 150 Personen finden dort statt. Zumindest statten im Herbst (am 28. September) die genialen Musiker von ZODIAC dem B72 einen Besuch ab, wo dann sicher mehr als bei ihrem letzten Gig im „Reigen“ vorbeisehen werden. (Parallel spielten am selben Tag halt auch BOLTTHROWER in der Arena).

Das B72 ist wahrscheinlich auch die einzige Location in der es auch nicht komisch aussieht, wenn die Band vor wenigen Leuten spielt, so wie es zu Beginn der Support-Show von den Schweizer Psychedelic Blues Rockern SONS OF MORPHEUS der Fall war. Um 21 Uhr startete das ca. 45 minütige Set. Fotograf Kalti war natürlich schon pflichtbewusst überpünktlich vor Ort. Aber auch ich schaffte es fast pünktlich zum Start der Band. (Obwohl mich ein paar Vorglüh-Gin-Tonics im Kreise meines Lieblings-Musikkritikers Cpt. Zwirbelbart aufhielten, die sich aber als äußerst gute Investition in Sachen intensivere Konzerterfahrung bezahlt machten).

SONS OF MORPHEUS

So genoss ich die Musik von SONS OF MORPHEUS als Hommage an den guten alten Jimi Hendix vorerst mal ohne Bier in der Hand. Die Besucher, die im Laufe des Konzerts eintrudelten, zeigten sich begeistert ob der leidenschaftlichen Performance der Huldigungsband. Eine Dame vor der Bühne zeigte sich sogar besonders euphorisch und tanzte wie eine Hippie-Braut zu den guten alten Woodstock-Zeiten.

Gitarrist und Sänger Manuel Bissig machte nicht nur mit seinen Dreadlocks, die unter einem „Slash-Zylinder“ hervorlugten, optisch eine gute Figuar als Vollblutmusiker, sondern zeigte auch, dass man als Rechtshänder wie Jimi höchstpersönlich spielen kann. Songs wie "Eye Of The Storm", wo auch der groovende Bassist Lukas Kurmann mit „Hugh“-Rufen fleißig Backing Vocals beisteuerte, oder "Sugar Boogie" und "Psilocybin" zeigten die geschickten Songwriting-Künste von SONS OF MORPHEUS. Die Spielzeit verging wie im Flug und artete stellenweise in coole Jams aus, wo auch Drummer Rudy Kink seine Schlagzeug-Künste zum Besten geben konnte. Definitiv ein passender Support!

Was ich bei KARMA TO BURN generell besonders schätze ist ein spannendes Songwriting ohne Sänger - wie etwa bei meinen Favoriten LONG DISTANCE CALLING - womit sie sich im Vergleich zu Genre-Aushängeschildern wie KYUSS, MONSTER MAGNET oder FU MANCHU deutlich abgrenzen, wenn leider auch mit kleinerem kommerziellen Erfolg. Diese Scheiß-Drauf Attitüde, die sich auch darin zeigt, dass KARMA TO BURN eine der wenigen Bands ist, die keine Facebook-Seite hat, ist für mich noch ein weiterer Grund diese Band abzufeiern. Und das tat ich dann auch mit den Gleichgesinnten, die dieses Mal an einem Freitag den Weg auf sich nahmen um ins B72 zu pilgern.

Denn KARMA TO BURN ist grundsätzlich in Österreich eine Band die gerne an Sonntagen spielt (siehe die Stormbringer-Konzertberichte im Jahr 2013: im "PMK"-Innsbruck, im "Viper Room" Wien oder in der "Arena - kleine Halle"). Mein erstes KARMA TO BURN Konzert war eben jenees im "Viper Room" im Frühjahr 2013, welches ich noch als ein ganz besonderes in Erinnerung habe. Im Herbst darauf, als Support beim ersten AUDREY-HORNE-Konzert in Österreich, in der kleinen Halle der Arena, ging ich wieder ziemlich alleine - die Zuseherzahl war ein Trauerspiel - ordentlich ab. (Zumindest machte ich damals die Bekannschaft mit einem gewissen Herrn Kogler, der schon seit den 90er Jahren sein Unwesen auf Konzerten treibt und darüber ohne Aufforderung gerne berichtet).

Eric von Clutter (KARMA TO BURN), Crowd

Leider konnte ich 2014 dem Konzert zur Tour des genialen „Arch Stanton“-Albums nicht beiwohnen. Die Vorfreude war dieses Mal also groß und auch dieses Mal sollten KARMA TO BURN nicht enttäuschen. Gemeinsam mit seinen Kumpels Eric von Clutter am Bass und Evan Devine an den Drums betrat William Mecum - der einzig legitime „Kapperlträger“ (ich finde das sonst furchtbar) - völlig bodenständig die Bühne und absolvierte das vorletzte Konzert einer fast zweitmonatigen Europa-Tour (mit 40 Terminen!) mit einer Lässigkeit, die kaum zu überbieten ist.

Mit großen Ansagen vor, während oder zum Schluss der Show hält sich ein William Mecum nicht auf. Da wird dem Publikum einfach ein Song nach dem Anderen vor dem Latz geknallt, dass einem die Spucke weg bleibt. Das Eröffnungstriple der Songs von den ersten drei Alben (vor der vorübergehenden Bandtrennung) „Eight“ von „Wild, Wonderful… Purgatory", „Thirty-Six“ vom selbstbetitelten Debüt und „Nineteen“ von „Almost Heathen“ hatte es in sich.

Genauso granatenstark ging es weiter: Nur noch schnell „Thirty-Four“ in bester Wüstenrock-Manier gezockt, bevor  mit dem Track „Fifty-Five“ endlich „Arch Stanton“, dem noch aktuellen Album - ein Meisterwerk in Sachen Instrumental-Rock - die Ehre zu Teil wurde. Einfach geil, dieser Scheiß, und ich wusste schon in diesem Moment, dass wohl einen Tag danach durch Dauerheadbangen Nackenschmerzen die Folge sein würden. Mit „Sixty-One“ von der aktuellen EP „Mountain Czar“ wurde fett nachgelegt. Einfach erstaunlich, dieser Abwechslungsreichtum an Sounds und Riffs und das bei dem eher spartanischen Equipment mit wenig Gitarren-Effeken.

KARMA TO BURN

Einzigartig auch die Gestiken des Frontmanns, der seine rechte Rhymtusgitarren-Hand immer wieder nach vorne schleuderte, als würde er dem Publikum seine Riffs anstelle von Gitarren-Picks schenken. Die kann man zwar nicht in seine Sammlung legen, blieben aber als Bild in meiner Erinnerung hängen. Genauso der Rollstuhlfahrer der sich in der ersten Reihe einen abbangte, dass es nur so eine Freude war. Unterstützt wurde er von der bereits erwähnten Dame, die ab dem Zeitpunkt komplett durchdrehte und sich in Posen warf, dass ich gerne wissen wollte von wo sie ihr „gutes Zeug“ herhatte.

Wie gesagt,  Ansagen waren Mangelware und durch die Tatsache, dass ein Song nach dem anderen durchgeholzt wurde, verging die knappe Stunde Spielzeit schneller als einem lieb war. Mit dem Klassiker „Twenty“ beendete William mit seinen Spielgefährten, die ihm während der Show tatkräftig und engagiert zur Seite standen, die Show so kommentarlos wie sie begonnen hatte. Ein weiteres Konzerthighlight in meiner Laufbahn als Berichterstatter fand damit sein Ende und ich hoffe, dass die Band weiter unermüdlich tourt und dass mal mehr Leute ihren Arsch hochkriegen, um solche Bands zu unterstützen. Verdient hätten sie es allemal!


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