29-04-2016, MARK.freizeit.kultur, Salzburg

INFEST & DISTASTE & OUTLAWED & THE UNSHAVED TRUTH

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 06.05.2016

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An einem der letzten Tage im launischen April - und vorläufig auch das letzte Mal - begrüßte das Veranstalterkollegium "The Feast" seine Gäste im Mark in Salzburg. Für das letzte Konzert vor der Veranstaltungspause hat man sich noch einmal die verrückten Serben von INFEST, welche bereits vor etwa einem Jahr (damals allerdings mit einigen Soundproblemen) die Bude zerlegten, eingeladen. Hilfe bekamen sie dieses Mal von den heimischen Grindern DISTASTE sowie, nach einigem Hin und Her mit zusagenden und wieder absagenden Bands (Veranstalter kennen das Dilemma nur zu gut!), von OUTLAWED und THE UNSHAVED TRUTH.


Mit Letzteren bekamen die Zuseher gleich einmal eine amtliche Ladung aus Thrash und Metalcore um die Ohren geblasen, und man durfte sich gleich zu Anfang über transparenten, gut abgemischten Sound freuen. Optisch hielten sich THE UNSHAVED TRUTH ganz an ihren Bandnamen, denn der Vierer trug die Rasierverweigerung nicht nur im Bandnamen, sondern auch im Gesicht - es würde vermutlich auch etwas seltsam wirken, wenn da jetzt vier glattrasierte Jünglinge auf der Bühne stehen würden. Auf der Bühne ging es mit rollenden Thrash-Parts und Core-Geshredder mit gelegentlichen Breakdowns ordentlich zur Sache - alleine das spärliche, aber interessiert lauschende Publikum wollte noch nicht so recht in Schwung kommen. Da hüpfte schon einmal der Bassist von der Bühne, um die Zuschauer höchstpersönlich anzutreiben, die sich dann auch zum fleißigen Mitklatschen animieren ließen. Was da in höchst ordentlicher Soundqualität kredenzt wurde machte Lust auf mehr - passend dazu befinden sich THE UNSHAVED TRUTH derzeit auch an den Arbeiten an ihrem ersten Album. Man darf also gespannt sein!


OUTLAWED brachten das Wildwest-Feeling mit und beschallten die sich mehrenden Zuseher und -hörer mit amtlichem Melodic Death. Hymnisch - und heute mit wirklich wunderbar transparentem Sound - konnten die Fünf auf die Gunst des Publikums bauen, das fleißig Applaus spendete. Dass OUTLAWED ordentlich was drauf haben, haben sie dem Schreiberling bereits kürzlich live im Vorprogramm von MIDRIFF und mit ihrem aktuellen Album "A Wagonload Of Justice" bei einer Ausgabe der Underground-Reihe bewiesen. Bei der astreinen Vorstellung der Band und ihrer durchaus außergewöhnlichen thematischen Orientierung (Western), welche sich nicht nur in den Lyrics, sondern auch musikalisch durch den Einsatz einer Mundharmonika sowie der Aufmachung auf der Bühne widerspiegelt, stellt sich doch folgende Frage: Warum sind die Herren eigentlich noch nicht bekannter? Verdient hätten sie es allemal, denn das, was der Fünfer qualitativ abliefert, ist wirklich nicht von schlechten Eltern!


Frei nach dem Motto "Stumpf ist Trumpf" zerschroteten DISTASTE als nächstes die Bühne und die Soundanlage. Grob geschätzt zwischen KRISIUN und NAPALM DEATH angesiedelt, böllerte das Trio dermaßen drauflos, dass es eine Freude war zuzusehen. Zwar erreichte man streckenweise nicht ganz die Präzision, die man augenscheinlich zu erreichen suchte, aber dafür konnten DISTASTE nach ein, zwei, nennen wir es einmal "Gewöhnungsnummern" beim Publikum zünden und dieses zu so einigen Haarpropellern animieren. Zwar ist dieser kleine Schreiberling an und für sich nicht wirklich ein Freund von grindiger Musik, doch für die Dauer eines Auftrittes ist das gnadenlose Highspeed-Schlagzeug-Geböller mit wahnwitzigen Bassläufen, Gitarrengekreische und Geschrei wie aus der Hölle dann doch tatsächlich höchst erheiternd, weil es die Gehörgänge ordentlich durchschmirgelt. Der Tiroler Krawallterrier würde sich hier vermutlich mokieren, dass man sich nicht so anscheißen sollte - "hier fehlt das Porn im Grind"! Echt wahr? Nun, um es dann einmal mit unseren Lieblingen von GRUNT zu sagen: "Not Porn, just Grind". Amen.


Schlussendlich schritt man sodann zum finalen Abriss des Tages, welchen INFEST zu bestreiten hatten. Pflichtschuldig nahmen die Serben keine Gefangenen und lieferten ein Death/Thrash-Brett ab, dass sich wahrlich gewaschen hatte. Die, bei Licht besehen, leider doch wieder ziemlich spärlich anwesenden Leute (echt... was ist los mit euch Salzburgern? Wo seid ihr immer, wenn die Bude eingerissen wird?!) gingen gnadenlos steil. Etwas anderes konnte man aber auch gar nicht mehr machen, denn INFEST rissen mit ihrem Uptempo-Irrsinn einfach alles und jeden mit. Wunderbar anzusehen auf der Bühne: der Kontrast zwischen dem stoisch vor sich hinprügelnden Schlagzeuger und dem ADHS-Patienten am Mikro, der sich alle Mühe gab mit seinem witzigen Gehampel an den kultigen Abbath zu erinnern. Den Krebsgang hatte er dabei schon richtig gut drauf, an den Grimassen müssen wir allerdings noch ein bißchen arbeiten - den Zuschauern war's (Blut-)wurst, es fraß den Serben mit ihrem Zakk-Wylde-Lookalike an der zweiten Gitarre aus der Hand und goutierte den kompletten Wahnwitz mit lautem Applaus. Gut, die Ansagen des Fronters, die sich fast schon penetrant und irgendwie kindlich-überspitzt ausschließlich um die "Brothers in Metal" drehten, sind eigentlich schon einen Zacken over the top - aber sie passen einfach zu dem etwas irren Gesamtpaket der Serben. INFEST konnten zwar beim letzten Besuch in Salzburg noch nicht gänzlich überzeugen, doch holten sie die Überzeugungsarbeit an diesem Abend nach und legten das Mark in Schutt und Asche. So muss das! Also: nächstes Mal gefälligst hingehen, denn jeder, der nicht da war, hat definitiv etwas versäumt!

Setlist (ohne Gewähr):

  • Onward To Destroy
  • Deathrash Sodomy
  • Of Everlasting Hate
  • Kill Their Weakness
  • Slavery To No One
  • Back To The War
  • Addicted To The Flash
  • Cold Blood War
  • Terror Lord
  • Upon The Suffering
  • Among The Fallen Ones
  • Destroyer Of The Throne
  • Hate Is Cold

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