26.05.2016, Viper Room, Wien

AGRYPNIE & TODTGELICHTER & ANOMALIE

Text: Lee
Veröffentlicht am 30.05.2016

Es gibt ja wenig Schöneres, als bei derart sommerlichen Temperaturen nach einem wunderschönen Tag den Abend bei einem Konzert ausklingen zu lassen. Hin und wieder (und immer öfter) muss man sich dafür in die Kellergefilde im 3. Bezirk wagen, die steilen Treppen nach unten ins Herz des Viper Room - vom grellen Tageslicht kommend die Dämmerung zu betreten, macht es noch herausfordernder, nicht über die Stiegen zu stolpern.
Konzerte während der (Arbeits-)Woche haben übrigens noch einen Vorteil: exklusiveres Publikum - nur wer wirklich motiviert ist und die Bands gern sehen will geht nach der Arbeit noch zu einem Konzert, somit hat man tendenziell weniger in-die-Luft-Schauer und während-dem-Konzert-über-Belanglosigkeiten-Debattierende.

ANOMALIE sind mir ja, nach dem Gig im Dezember im Viper Room, immer im Kopf geblieben - und auf dem mp3-Player - somit war klar, dass trotz der frühen Stunde die erste Band angesehen wird. Scheinbar war ich mit dieser Sicht der Dinge nicht allein, denn gleich von Beginn an versammelten sich einige Leute vor der Bühne - und es wurden immer mehr, die von sanftem Applaus gen Ende der Show zu begeisterten Rufen wechselten. ANOMALIE machen es richtig, wie man hören kann. Wir alle lieben ja funktionierende Pläne und stimmige Konzepte - ANOMALIE sind ein solches Konzept, eine erfrischende Abwechslung in einer Szene die viel zu oft nur neu verpackte Wiederholungen präsentiert.
Das mystische Intro, geprägt von krächzendem Vogelgeschrei, ging nahtlos über in die ersten Klänge von „In Fear Of Tomorrow“ - Just My Two Cents, aber das ist echt einer der genialsten Opener-Songs überhaupt.
Ähnlich stilvoll und gekonnt geht es weiter, abgerundet von der Bühnendekoration mit Kerzen und Räucherschalen - aber dabei nicht überladen, sodass man nie das Gefühl bekommt sie würden etwas darstellen wollen, das sie schlichtweg nicht sind.
Wunderschön übrigens auch wenn man einen Seitenblick gen Tontechniker-Pult wirft - der wieder mal einen äußerst feinen Job gemacht hat - und der steht dort, und geht ab zur Musik.
Eine rundum gelungene Show, gerne wieder.

 

TODTGELICHTER haben beim Soundcheck schon mal etwas schräge Blicke geerntet, was man auf die weißen Outfits oder das Geträller der Sängerin schieben kann. Vielleicht war der Kontrast zu den anderen Bands zu groß, vielleicht haben einfach zu wenige ein Verständnis für deren Kunst, aber die Menge vor der Bühne wurde wieder etwas weniger. Bei manchen Bands springt der Funke nicht über und so schien es an diesem Abend bei der TODTGELICHTER Show zu sein - obwohl die Hamburger Band technisch versiert und bühnenerprobt ist, fanden sich nur wenige, die die Musik direkt vor der Bühne genossen.
Das neue Album „Rooms“ ist im Februar 2016 erschienen, wer dem Sound von TODTGELICHTER und der prägnanten Stimme von Marta in einem weiteren Zusammenspiel lauschen möchte: kaufet und höret.

 

AGRYPNIE - die letzte Band des Abends und ein weiterer Beweis, dass es doch eine Menge gute Bands gibt die im deutschsprachigen Raum ihre Wurzeln haben.
Klingen wie NOCTE OBDUCTA? Jein. Eine schöne Gemeinsamkeit haben die zwei Bands und zwar: Torsten. Ansonsten bleibt zu sagen: nicht alles, was schmetternde Drums impliziert, ist automatisch ‚die gleiche‘ Musik.
Die Drums liegen bei AGRYPNIE wie ein wummernder Herzschlag über der Melodie und der fein artikulierten, scharfen Stimme von Torsten.
Ich selbst bin eher Fan der jüngeren Stunde, erst seit „Aetas Cineris“ (2013) haben sich AGRYPNIE auf meine Favoritenliste gespielt - nicht nur wegen des wunderbaren Albencovers .. wobei ich mich in das jeden Tag neu verliebe!
Prinzipiell ist es immer ein Pluspunkt, wenn man eine Band nicht mehr verwechseln kann - und das schaffen AGRYPNIE mit ihrem ganz eigenen Sound, den wohl niemand mehr als ‚normaler Black Metal halt‘ klassifizieren würde. Dem Publikum schien es auch zu gefallen, plötzlich waren alle wieder da, die zuvor heimlich und leise an die Bar verschwunden waren, und ließen sich von AGRYPNIE die Ohren verwöhnen.

Alles in Allem ein dunkelbunter Abend, an den man sich gern zurückerinnert - so sollte das Feierabend-Programm immer sein.
Credits übrigens auch an das Merch-Team: ein gut organisierter, aufgeräumter Merch-Stand und freundliche Betreuung sind leider oft nicht ganz so selbstverständlich wie man meinen sollte - Danke!


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