9.6.2016, Pannonia Fields II, Nickelsdorf

Nova Rock 2016 Warm Up Day

Text: bender, Kalti | Fotos: Stefan Kuback, Kalti
Veröffentlicht am 16.06.2016

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Zum zwölften Mal fand heuer das größte österreichische Rockfestival im Burgenland statt. Dieses Jahr waren rund 180000 Zuschauer an vier Tagen zu Gast auf den Pannonia Fields. Von TOM ODELL – der so gar nicht hierher passte – bis BEHEMOTH - die wohl härteste Band des Festivals -  war für jedermann was dabei.

Kollege Bender und ich haben uns bemüht, das Festival für Sie literarisch festzuhalten:
Schon donnerstags gab es eine geballte Ladung Rock und Metal auf die Ohren. Der Anreisetag wurde auch in den letzten Jahren oft verwendet, um kleinere Acts am „Red Bull Brandwagen“ spielen zu lassen. Dieses Mal wurde die Blue Stage geöffnet, um die erfolgreich angereisten Festivalgäste mit größeren Bands zu bespaßen.

Aufgrund von Zelt- und Caravanaufbau und den darauffolgenden Belohnungsbieren kam ich leider zu spät, um die österreichische Rockcore-Truppe A CAUSTIC FATE auf der Bühne zu sehen. Dies müssen Sie mir verzeihen, haben sie mir am „Two Days A Week Festival 2015“ zwar gut gefallen, fallen aber eindeutig nicht in mein Beuteschema.

SKILLET
Die Band aus Memphis – Tennessee ist eine Ausgeburt des Nu Metal-Hypes um die Zweitausender Wende, hat sich dadurch einiges an Bekanntheit erspielt und landete dann mit dem Album „Awake“ 2009 ihren Durchbruch und somit auch den Weg in meinen CD- Player. Songs wie „Hero“ oder „Monster“ teilten sich dort den Platz mit den im Anschluss folgenden BREAKING BENJAMIN - naja, wir waren alle mal jung.


SKILLET

Sänger, Bassist und Mastermind John Cooper und seine blauhaarige Frau Korey an Keyboard und Rhythmusgitarre (17 Jahre Bandkollegen und Eheleute – Hut ab) bildeten den Mittelpunkt der ganzen Performance. Diese war energiegeladen, der Sound der blauen Bühne zeigte sich von einer guten Seite und so boxte man sich durch ein Set voller Klassiker. Zwei neue Songs, „Back From The Dead“ und „Feel Invincible“, waren bekömmlich anzuhören, lösten aber bei mir keine Reaktionen aus. Dafür ist mir die Musikrichtung mittlerweile einfach zu platt. Beim Hit „Hero“ ging dann das immerwährende Tröpfeln in stärkeren Regen über, was einige Besucher veranlasste, die Stage schon sehr bald Richtung Bier zu verlassen. Schade, damit verpassten sie den coolen Wechsel am Schlagzeug, wo sich Drummerin Jen Ledger kurzerhand hinters Mikro schwang und die weiblichen Parts performte - in Summe ein gelungener Festivalauftakt. [Kalti]

BREAKING BENJAMIN
Mit ihrem letzten Album „Dark Before Dawn“ sind BREAKING BENJAMIN auf dem ersten Platz der amerikanischen Charts gelandet, und im Soge dieses Erfolges haben sie sich erstmals in ihrer knapp 20 jährigen Bandgeschichte nach Europa gewagt. Da der Sänger Benjamin Burnley unter Flugangst leidet, waren Überseereisen bislang nicht möglich, doch der ist diesmal halt etwas umständlich mehrere Tage lang per Schiff angereist. Beim Publikum kam die Band dann auch ziemlich gut an, obwohl ihr typischer 2000er Jahre Alternative-Rock nicht gerade vor Originalität strotzt. Waren die ersten Songs noch recht nett anzuhören, stellte sich dann allerdings doch recht schnell Langeweile ein, da die Nummern allesamt keinen besonderen Wiedererkennungswert besitzen. Eine Tatsache, die ihnen vielleicht sogar selbst bewusst ist, denn zur Auflockerung hat man in der Mitte des Sets ein etwas deplaziertes Medley aus METALLICA, NIRVANA und PANTERA-Hits eingebaut.


PUSCIFER

PUSCIFER
PUSCIFER waren ebenfalls das erste Mal in Europa auf Tour, aber das war dann auch schon die einzige Gemeinsamkeit, die das dritte Projekt von Maynard James Keenan neben TOOL und A PERFECT CIRCLE mit der Vorgängerband hatte. Die verschroben elektronische Musik mit gelegentlich rockigen Exzessen war nur bedingt festivaltauglich, weshalb man beim Publikum leider auch keinen besonderen Anklang fand, und es vor der Bühne mit der Zeit doch relativ leer wurde. Dabei stellten PUSCIFER an diesem sehr rockorientierten Eröffnungstag nicht nur musikalisch eine spannende Alternative dar, auch optisch wurde so Einiges geboten. Die Bühne wurde zu einer mexikanischen Wrestling-Arena umgebaut und ab dem zweiten Song gesellten sich Wrestling-Teams zur Band, die anfangs nur tanzten und danach auch noch mehrere Kämpfe im Ring abhielten. Das Konzert wurde dabei in mehrere Akte unterteilt deren Höhepunkt ein skurriler Hahnenkampf zwischen Maynard und seiner Gesangsgegenspielerin Carina Round war. Bei all diesen Darbietungen gingen die Musiker schon beinahe ein wenig unter (kaum jemand wird den ehemaligen MINISTRY Bassisten Paul Barker erkannt haben), die sich souverän durch die starken Songs der letzten beiden Alben plus „Vagina Mine“ vom Debüt spielten. Für 98% der Besucher mögen PUSCIFER wohl nur eine kuriose Randnotiz gewesen sein, für die restlichen 2% war es jedoch das frühe Highlight des gesamten Festivals.  

Setlist(Angaben ohne Gewähr):

  1. Telling Ghosts 
  2. Galileo 
  3. Vagina Mine 
  4. Horizons 
  5. The Arsonist 
  6. The Remedy 
  7. Grand Canyon 
  8. Breathe 
  9. Toma 
  10. Conditions Of My Parole 
  11. Money Shot 
  12. Man Overboard

AMON AMARTH
Nach der schrägen, progressiven Show von Maynard James Keenan ging es mit AMON AMARTH wieder hart zur Sache. Die mit Bierbauch und Schmiedehänden ausgestatteten Schweden zeigten gleich zu Beginn, wo der Bartel den Most, oder doch den Met, herholt. Flankiert mit zwei riesigen, besteigbaren Drachenköpfen auf der Bühne, preschten sie mit „The Pursuit Of Vikings“ hervor und animierten die ersten Gäste zum Moshen. Schlag auf Schlag kämpfte man sich durch das Set. Mal begab sich der immer freundlich wirkende Johann Hegg auf einen der Drachen, manchmal einer oder gar beide Gitarristen, um weit oberhalb der Bühne zu spielen. Damit kam man, ähnlich wie bei PUSCIFER, vom Schauen nicht mehr heraus. Bis auf ein paar kleine Verwirrungen über die Spielreihenfolge eines Songs – „Fuck It, That’s Metal“ – lief alles wie geschmiert. Die drahtseildicken Reibeisen-Stimmbänder Hegg’s hielten (wieder einmal und immer wieder zur Verwunderung) die hohen Belastungen aus. Bei „Raise Your Horns“ vom neuen Album „Jomsviking“ streckte man in Trance die Bierbecher in die Höhe und grölte mit – „Raise Your Horns, Raise Them Up To The Sky – We Will Drink To Glory Tonight“ – welch toller Text für ein Livekonzert auf einem Festival.


AMON AMARTH

Im Herbst gibt es dann eine Europatournee mit Aufenthalt in Wien, vielleicht kann man hier mehr Songs vom neuen Album genießen. Möglicherweise graben sie aber auch endlich die gottlosen Lieder vom „Avenger“ und/oder „Crusher“ Album aus – man darf gespannt sein.

BILLY TALENT
Vom hohen Norden Europas zum hohen Norden Amerikas. Die Kanadier BILLY TALENT sind wohl DER Fixpunkt der österreichischen und europäischen Festivalsaison. Zig Male schon konnte man die Mannen um Sänger Benjamin Kowalewicz hierzulande genießen. Dieses Mal hatten sie als Gastschlagzeuger Jordan Hastings mit im Gepäck, da Aaron Solowoniuk an Multipler Sklerose erkrankt ist und es zur Zeit nicht sicher ist, ob er je wieder eine Tour wird mitspielen können. BILLY TALENT, die sich seit Jahren ein Stammpublikum erspielt haben, haben wohl ihren Horizont schon erreicht. Lieder wie „Red Flag“, „Fallen Leaves“ oder auch „Try Honestly“ gehörten zum Stammrepertoire jeder vernünftigen MP3-CD im Discman und waren somit auch beim Konzert Höhepunkte des Sets. Vom neuen Album „Afraid Of Heights“ kamen der Titelsong und „Louder Than the DJ“ zum Einsatz. Diese wirkten aber, im Gegensatz zu altbekanntem Material, eher mau und kamen auch beim Auditorium nicht wirklich an. Nach dem Motto: „Das, was sie können, können sie gut und das machen sie gut“, ging es von Song zu Song. Im Wavebreaker bewegten sich die Menschenmassen und himmelten die Kanadier an – zurecht, denn zum ersten Mal stimmte wirklich alles zusammen. Die Stimme Ben’s traf so gut wie jeden Ton, die - zugegebenermaßen nicht wirklich schwierigen - Instrumentalparts saßen perfekt. Da kann man getrost mal wieder die alten CDs auspacken, das neue Album wird trotzdem nicht gekauft.


BILLY TALENT

KORN
KORN erwiesen sich schlussendlich als ein recht würdiger Headliner des Warm-Up Tages. Die Nu Metal Pioniere haben ihre Sinnsuche mit Ausflügen in Richtung Industrial und Dubstep hinter sich gelassen (weshalb die Songs dieser Alben auch gleich völlig ignoriert wurden) und lieferten dem Publikum an diesem Abend einen gelungenen Querschnitt ihres restlichen Schaffens. Beinahe wieder in Originalbesetzung und auch optisch kaum verändert zogen sie ihr Ding konsequent durch und das Publikum nahm Hits wie „Here To Stay“ oder „Falling Away From Me“ und vor allem die ganz alten Nummern „Shoots And Ladders“ (mit der obligatorischen Dudelsackeinlage und dem Anspielen von METALLICAs „One“) sowie „Blind“ entsprechend begeistert auf. Gelegentliche technische Pannen, ein unspektakuläres Drum-Solo und das feuchte Wetter konnten die Stimmung auch nicht wirklich trüben und so ging der Eröffnungstag mit den beiden Krachern „Got The Life“ und „Freak On A Leash“ beinahe schon etwas zu früh zu Ende.


KORN

Setlist (ohne Gewähr):

  1. Right Now 
  2. Here to Stay 
  3. Somebody Someone 
  4. Falling Away From Me 
  5. Coming Undone 
  6. Shoots and Ladders (inkl. One)
  7. Hater 
  8. Blind 
  9. Twist 
  10. Did My Time 
  11. Y'All Want a Single 

Zugaben:

  1. Got the Life 
  2. Freak on a Leash

 


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