11.6.2016, Pannonia Fields II, Nickelsdorf

Nova Rock 2016 Tag 2

Text: bender, Kalti | Fotos: Stefan Kuback, Kalti
Veröffentlicht am 25.06.2016

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Die Berichte der letzten Tage gibt es hier (Warm Up Day) und hier (1. Tag).

Am Samstag war Kollege Bender wieder ebenso am Start wie meine Wenigkeit. ATTILA, die auf der Blue Stage starten durften, wurden von mir ausgelassen, konnte ich sie doch vor kurzem erst als Support von HOLLYWOOD UNDEAD im Gasometer bewundert (Galerie gibt es hier). Die Oberösterreicher KRAUTSCHÄDL zogen die Freundin und mich schon gegen 14:20 vor die rote Bühne. Zuvor traten VIECH auf, ich persönlich hätte mir ja ein anderes Viech, das „Rockodile“, als Vorband von KRAUTSCHÄDL gewünscht. Schon des Öfteren durfte die beste Band Österreichs, ROCKODILE, die Schädler auf diversen Konzerten supporten. ROCKODILES Mastermind und nebenberuflicher Redakteur bei Stormbringer, Florian Rosenberger, war allerdings damit beschäftigt, seine Eindrücke vom Rock in Vienna zu Papier (oder HTML) zu bringen (Tag 1, Tag 2, Tag 3) und konnte somit nicht auftreten.

KRAUTSCHÄDL
Die Alternative Rock Band aus der Stadt Wels gibt es schon seit dem Jahr 2003. Bekannt wurden sie unter anderem durch Lieder wie „s'Bäckerschupferl“ oder „da Hoizkopf“ und spielten sich immer mehr in die Herzen der Österreicher. Bei der Mischung aus Funk, Rock und Metaleinschlägen mit genialen Mundarttexten ist für jeden „Schädla“ was dabei. Am Nova Rock lieferten sie einen super Auftritt: perfektes Einbinden des Publikums im Stile von SKINDRED, das sich, je länger das Set dauerte, immer mehr drauf einließ. Beim Hit „Feiah faunga (So lang her)“ gab es dann kein Halten mehr – „Schädln“ bis der Arzt kommt. Kurze technische Probleme wurden mit Humor genommen – „Ohne Bass is Arsch“. Gesamt ein Super Einstieg in den Tag, da wird einem vor lauter „Schädln“ gleich mal sauheiß.


KRAUTSCHÄDL

BLACK INHALE
Nach einem kurzen Essensintermezzo war zum erste Mal der Red Bull Brandwagen angesagt. Die Entscheidung zwischen  PERIPHERY und den Österreichern BLACK INHALE war keine einfache. Das Wetter war definitiv mit entscheidend, dass man die Brandwagen Stage der weiter entfernten Blue Stage vorzog – „Da kummts gscheid schwarz umma“.

Die Thrash/Groove Metal Partie aus dem Burgenland wird gerade für ihr aktuelles Album „A Doctrine of Vultures“ (Review hier) hochgelobt und bekommt damit endlich die Anerkennung, die sie sich schon seit der Gründung 2009 verdient hat. Eingängige Riffs, harte Drums und eine groovige Stimme, von der sich Randy Blythe einiges abschauen kann. Der Auftritt an sich, wie er im Buche steht – die Perfektion sondergleichen auf der kleinen Brandwagen Stage. Obwohl definitiv zu wenig Publikum für solch eine Musikmacht anwesend war, merkte man den Musikern die Freude am Spielen an. [Kalti]

STEVE `N` SEAGULLS
STEVE `N` SEAGULLS sind eine finnische Country-Band, die allseits bekannte Rock und Metal Songs im Bluegrass Stil covert. Da sie sich aber wirklich nur die bereits millionenfach nachgespielten Standardnummern ausgesucht haben, wurde die ganze Sache dann doch recht schnell langweilig. Natürlich kann ein Festivalpublikum Gassenhauer wie „Thunderstruck“ und „Born To Be Wild“ auch mit vier Promille noch problemlos mitgrölen, aber solche Bands findet man wohl in jedem Dorf auf der ganzen Welt zuhauf. STEVE `N` SEAGULLS  hatten halt das Glück über YouTube einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen, aber wenn es schon eine Coverband aus Finnland sein soll, dann das nächste Mal bitte die LENINGRAD COWBOYS. [Bender]

AUGUST BURNS RED
Die Deutschen Mannen CALIBAN wurden dieses Mal ausgelassen. Manche behaupten zwar, man könne sie nicht oft genug sehen, mittlerweile hab ich mich aber persönlich abgehört davon - und in einem Jahr mehr als drei Mal zu sehen, wie Dörners Stimme gegen Ende eines jeden Sets versagt, brauch ich eigentlich auch nicht. Ganz anders wirken hier AUGUST BURNS RED, die Sunnyboys aus den Staaten können so gut wie bei jedem Auftritt überzeugen. Der eigenwillige Stil der Metalcore Band, die auf ausgeklügelte und rhythmische Riffs zurückgreift und sich damit vom Metalcore Sumpf abhebt, ist wohl der Hauptgrund, warum ich sie schon seit einigen Jahren verfolge und neues Material zumeist für gut befinde. 

Auch dieses Mal war die Darbietung vom Allerfeinsten, vom neuesten Album „Found in Far Away Place“ wurden gleich fünf Lieder präsentiert, wobei bei „Everlasting Ending“ Dustin und JB ihre Instrumente (Bass und Gitarre) tauschten. JB hatte den Song geschrieben und sollte somit auch die komplizierteren Gitarren Parts übernehmen. Leider hatten die fünf neuen Songs den Nachteil, dass Klassiker wie „Internal Cannon“ oder „Carpe Diem“ vom „Empire“-Album nicht gespielt wurden – Beim nächsten Mal dann bitte wieder. Nachholbedarf gibt es definitiv bei den Klargesang Passagen, welche vermehrt am neuen Album vorkommen. Entweder wurde der Sound nicht dafür konzipiert oder es wird Zeit mehr Gesangsunterricht zu konsumieren. Nichtsdestotrotz ein starker Auftritt mit Mut zur Veränderung, wie auch bei PARKWAY DRIVE, der einzig wahren Metalcore Macht, die auch gewillt ist, sich weiter zu entwickeln.


AUGUST BURNS RED

ROMANO
Vom harten Metalcore zu einem ganz anderen Thema: ROMANO. Der Mann ist wohl als Institution anzusehen. Eigentlich eher dem deutschen Rap zugetan, hatte der Herr mit den Zöpfen mal eine Black Metal Phase (oder zumindest Freunde, die solch tiefschwarze Musik ihr eigen nennen durften). Aus dieser Phase und als Hommage an die Offenheit der Musik schrieb er das Lied „Metalkutte“ und löste damit gleichzeitig Freude und Unverständnis unter den Metallern aus. Die einen feierten ihn gleich vom ersten Moment an ab (ich inklusive), den anderen musste er erst in diversen Interviews erklären, dass er keinenfalls die Metalgemeinde und Musik aufs Korn nehmen würde (zumindest nicht mehr als alles andere).

Lange Rede kurzer Sinn, er durfte nach einem Auftritt in der Arena Wien auch am diesjährigen Nova Rock auftreten und mitsamt DJ die Menge vor dem Brandwagen begeistern. Manch einer der Besucher hatte sich sogar als Romano „verkleidet“ (siehe Fotos), der Rest fraß dem Entertainer auch so aus der Hand. Ob ärgster Thrash/Black Metaller, Emo/Metalcore Typ oder „Normalo“, keiner konnte widerstehen und machte alle Aufforderungen ROMANOs mit: Von „Köpenick“ über „Der schöne General“ bis zum Hit „Klapps auf den Po“ war alles dabei. Zwischenzeitlich wurden Geldscheine ins Publikum geworfen, eine „Julia“ auf die Bühne gebeten und Sekt getrunken. Absoluter Höhepunkt allerdings war dann doch das Lied über die „Metalkutte“. Schön anzusehen wenn Fans, die GORGOROTH und BURZUM auf der Kutte picken haben, zu ROMANO abshaken. Definitiv die beste Unterhaltung des gesamten Nova Rock 2016. [Kalti]


ROMANO

ALLIGATOAH
ALLIGATOAH ist ein erfolgreicher Vertreter der neuen deutschen Hip Hop Generation, auch wenn er bis auf den gelegentlichen Sprechgesang mittlerweile kaum mehr etwas mit Hip Hop zu tun hat. Stattdessen bleibt die Musik stets bieder und radiotauglich, wobei  manchmal sogar die Grenze zum deutschen Schlager überschritten wird („Du bist schön“ oder das passende REINHARD MEY-Cover „Über den Wolken“). Der Aufbau der Show (großer Heißluftballon, Musiker mit Engelsflügeln und Sprengstoffgürteln) war einigermaßen aufwendig, aber die Performance von ALLIGATOAH, mit seinen die einzelnen Songs verbindenden Geschichten, war nahezu unerträglich. Wie ein dauergrinsender OTTO WAALKES-Verschnitt hampelte er über die Bühne und schmetterte dazu ständig dümmliche Zoten in die Menge. Dass man es mit dieser Art von Humor in Deutschland weit bringt ist ja nicht neu, aber wieso er beim hiesigen Festivalpublikum dermaßen gut ankommen konnte, wird wohl auf ewig ein ungelöstes Rätsel bleiben. 

ALICE COOPER
Mit seinen 68 Jahren war ALICE COOPER der älteste Künstler des diesjährigen Festivals, und im Vergleich zu den meisten restlichen Bands des Tages wirkte sein Auftritt ein wenig antiquiert, aber gerade deswegen war er auch durchaus charmant und stets unterhaltsam. Es ist schon beeindruckend, wie konsequent er seine Show seit gut 40 Jahren durchzieht, als sei die Zeit für ihn seit seinem Auftritt bei der Muppet Show 1978 völlig stehen geblieben. So wurden auch an diesem Abend fast nur Songs aus den 70ern gespielt, obwohl sein Comeback Hit „Poison“ sowie „Feed My Frankenstein“ natürlich nicht fehlen durften. Mit „Woman Of Mass Distraction“ war immerhin sogar eine neuere Nummer vom 2005er Album „Dirty Diamonds“ dabei, aber damit waren seine Ausflüge in die Moderne auch schon beendet. Dazu gab es die üblichen kleinen Gimmicks (der riesige Frankenstein auf der Bühne, ALICE COOPERS Enthauptung), die heutzutage natürlich mehr amüsieren als schockieren. Gegen Ende des Konzerts gab es einen aktualisierten Block von Coverversionen verstorbener Musiker, in dem diesmal neben THE WHO und JIMI HENDRIX auch DAVID BOWIE („Suffragette City“) und MOTÖRHEAD („Ace Of Spades“, sehr authentisch vom Bassisten Chuck Garric gesungen) gewürdigt wurden. Nach dem unsterblichen Gassenhauer „School’s Out“ und der Zugabe „Elected“ (Anm. Kalti: Zwei fightende Präsidentschaftskandidaten auf der Bühne sind auch nett anzusehen) war die unterhaltsame Zeitreise dann aber auch leider schon wieder viel zu früh vorbei.


ALICE COOPER

Setlist (ohne Gewähr):

  1. The Black Widow
  2. Public Animal #9
  3. No More Mr. Nice Guy
  4. Under My Wheels
  5. Billion Dollar Babies
  6. Long Way to Go
  7. Woman of Mass Distraction
  8. Poison
  9. Halo of Flies
  10. Feed My Frankenstein
  11. Cold Ethyl
  12. Only Women Bleed
  13. Guilty
  14. Ballad of Dwight Fry
  15. Killer
  16. I Love The Dead
  17. Pinball Wizard
  18. Fire
  19. Suffragette City
  20. Ace of Spades
  21. I'm Eighteen
  22. School's Out
  23. Elected

CYPRESS HILL
2012 sind CYPRESS HILL das letzte Mal in Österreich ebenfalls am Nova Rock aufgetreten, und auch dieses Jahr sollten sie den absoluten Höhepunkt des Festivals für jeden Hip Hop Anhänger darstellen. Im Gegensatz zu den diesjährigen deutschen Vertretern ALLIGATOAH und K.I.Z. verzichteten sie völlig auf eine übertriebene Bühnenshow und ließen stattdessen einfach ihre Songs für sich sprechen. Trotz des mittlerweile durchgehend strömenden Regens hatten sie das Publikum immer auf ihrer Seite, welches die zahlreichen Hits wie „Insane In The Brain“, „How I Could Just Kill A Man“, „Hits From The Bong“ und „Throw Your Set In The Air“ auch gebührend abfeierte. Zur Auflockerung gab es dazwischen auch mal einen Latin-Rap Teil, ein DJ/Percussion Solo und natürlich permanente Spielereien mit ihrem omnipräsenten Kiffer-Image. Nach dem grandiosen „(Rock) Superstar“ war das Konzert leider ohne eine weitere Zugabe auch schon wieder zu Ende, aber CYPRESS HILL haben erneut bewiesen, dass sie definitiv zu den wichtigsten und auch einzigartigsten Hip Hop Acts überhaupt gehören. [Bender]


CYPRESS HILL

Setlist (ohne Gewähr):

  1. Checkmate
  2. Real Estate
  3. The Phuncky Feel One
  4. Rockweiler Beat
  5. Hand On The Pump
  6. How I Could Just Kill A Man
  7. When The Shit Goes Down
  8. Weed Medley
  9. Sugar Hill Break
  10. Insane In The Brain
  11. Latin Thugs
  12. Tequila Sunrise
  13. DJ / Percussion Solo
  14. Throw Your Set In The Air
  15. Cock The Hammer
  16. Everybody Must Get Stoned
  17. Illusions
  18. It Ain`t Goin`Out Like That
  19. (Rock) Superstar

VOLBEAT
Letztes Jahr schien es mir noch ein Ding der Unmöglichkeit, dass ALICE COOPER vor VOLBEAT spielen und VOLBEAT als Tagesheadliner die Bühne entern würden. Dieses Jahr wurde ich eines besseren belehrt, auch wenn ich bis jetzt der Meinung bin, das COOPER der würdigere Headliner gewesen wäre, zuviel Konjunktiv ist aber auch nicht gesund.

Als VOLBEAT-Hörer der “ersten” Stunde überzeugte mich das damalige zweite Album “Rock The Rebel/Metal The Devil” vom ersten Ton an. Neuer Stil, geniale Stimme, JOHNNY CASH-Einschläge, harte Riffs, einfach genial. Prinzipiell finde ich Veränderungen von Bands gut und notwendig, auch als KORN ihre Experimentierphase hatten, oder LINKIN PARK mit “A Thousand Suns” ein Album herausbrachten, mit dem wenige etwas anfangen konnten, konnte ich dem etwas abgewinnen. Bei VOLBEAT war der Verfall schleichender, sie selbst sind langsam kommerziell bekannt geworden (was sehr gut für sie war und ich dementsprechend achte), ihre Musik hat sich aber auch dementsprechend verflacht, aus einem reißenden Strom ist ein fast stehender See geworden. Jegliche Ecken und Kanten waren abgewetzt, selbst für Popsongs hat es zu wenig Schmackes. Gut für VOLBEAT, dass die Fans trotzdem mehr geworden sind.

Genug der Suderei: So ein Headlinerauftritt hat auch den Vorteil showtechnisch einiges anbieten zu können: Nach dem MOTÖRHEAD-Intro “Born to Raise Hell” (Lemmy rotiert schon im Grab ob der vielen MOTÖRHEAD-Darbietungen dieses Wochenendes) und dem neuen “The Devil's Bleeding Crown” (Quasi eine Reinkarnation und Mischung früherer Songs mit dem Schnitzelklopfer platt gedrückt) kam dann ein Reigen aus Klassikern: “Heaven Nor Hell”, “A Warrior’s Call”, “Radio Girl” und die Hommage an JOHNNY CASH: “Sad Man’s Tongue”. Das Fanherz pocht, die Kehle schmerzt, aber mitsingen geht immer. Sieht man sich dann doch einmal um, merkt man, wie wenig sich im Publikum regt. WARUM KENNT KEINER DIESE LIEDER? Als dann “Let It Burn” angespielt wird, kennt das Publikum schon nach den ersten Riffs den Song und ich stehe da wie ein begossener Pudel und kenne nicht mal das Lied. Apropos begossen: Es beginnt  immer heftiger zu regnen. Nachdem ich mich genug aufgeregt habe darüber, dass das Publikum nur die neuen Songs kennt und die guten Alten verschmäht, ich trotz Ö3-Regenponcho (welch Zufall) komplett durchnässt bin und Michael Poulsen nach der anfänglichen Euphorie doch eine relative schlechte Gesangsperformance hinlegte, beschlossen wir irgendwo nach “Guitar Gangsters & Cadillac Blood” zu gehen.

Von Weitem hörte man dann doch noch den einen, meinen, wunderbaren Hit – Counting All The Assholes In The Room, You Are Definitely Not Alone – Tja, das war mal VOLBEAT, das WAR VOLBEAT! [Kalti]


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