12.6.2016, Pannonia Fields II, Nickelsdorf

Nova Rock 2016 Tag 3

Veröffentlicht am 30.06.2016

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Der vierte und letzte Tag am Nova Rock 2016 sollte eigentlich für mich mit der „Einhorndarbietung“ von DRAGONY, der Band unseres hauseigenen Drachentöters, beginnen. Doch meinten meine lieben Zeltplatznachbarn, dass es wichtiger wäre, kühles Bier gegen die Hitze zu trinken. So entging mir diese Regenbogendarbietung leider. (Anm. d. Lekt.: Die Redaktionsdomina ist "not amused"! Bitte zum Rapport in den Keller!) Gut, dass DAVID HASSELHOFF für 2017 schon als Special Guest angekündigt wurde, hat doch DRAGONY eine wohl prächtige Coverversion des „True Survivor“ – man darf auf einen gemeinsamen Auftritt hoffen. Die Berichte vom Warm Up Day und den anderen zwei Tagen gibt es hier (Warm Up, 1. Tag, 2. Tag)

BEHEMOTH
Die polnische Black-Metal-Gruppe, sicher die härteste Band des Festivals, musste direkt nach der Metalcore Band WE CAME AS ROMANS starten. Die technisch ausgefeilte Musik mit harten und düsteren Growls von Sänger Nergal, war den meisten Metalcore Bubis und Mädis dann doch etwas zu viel. Die Crowd wurde immer weniger. Die perfekte, wuchtige Doublebass drückte sogar auf Höhe des Technikerturms noch in die Magengegend. Showtechnisch wurde – Black-Metal-like – nicht all zu viel geboten, auch muss man zugeben, dass Schwarzmetall am Sonntag Nachmittag seine Wirkung eindeutig verfehlt. Wenigstens die Wolken taten ihren Beitrag und man vermutete, dass sich durch die Beschwörungen Nergals ein Gewitter zusammenbrauen könnte – bis auf ein paar Tropfen tat sich aber erstaunlich wenig. Eine geniale Band, deren Sänger und Mastermind sich nicht scheut in andere Stilrichtungen ab zu driften, allerdings ähnlich fehl am Platz, wie die EDITORS am Freitag – schade eigentlich.

KILLSWITCH ENGAGE
Von BEHEMOTH geflüchtet, kommen die Horden von Spagetthileiberl tragenden Metalcorefans für die Amerikaner KILLSWITCH ENGAGE zurück vor die Red Stage. KILLSWITCH ENGAGE, die mit AS I LAY DYING und anderen zu den Begründern des Metalcore zählen und durch die Jahre immer solides Material lieferten, gehören auch nahezu zum Inventar des Nova Rock. Zig Male traten sie schon auf den Pannonia Fields auf und begeisterten die Massen. Mit dem Verlust von Howard Jones und Rückgewinn von Jesse Leach am Mikro, machte man eher einen Rückschritt im Gesangsbereich. Live sind sie dennoch eine Wucht. Howard Jones, der im Moment mit seinem neuen Projekt DEVIL YOU KNOW unterwegs ist, hatte definitiv das bessere Stimmvolumen, die bessere Stimme. Da kann Jesse auch bei diesem Gig nicht mithalten – die höheren Töne trifft er oft nicht und teilweise reißt die Stimme ab.

Drei Lieder wurden vom neuen Werk „Incarnate“ präsentiert, diese wirkten druckvoll und frisch. Teilweise ging das Ganze sogar in Richtung Death Metal. Definitiv überraschend für mich, haben doch Metalcore Bands oft das Problem, sich stilistisch nicht weiter zu entwickeln. Für Unterhaltung sorgte Bassist Mike D’Antonio, der in der Anzahl der „Fucks“ pro Satz definitiv Fred Durst Konkurrenz machte und somit für den ein oder anderen Schmunzler sorgte. Musikalisch nach BEHEMOTH definitiv ein Abstieg, aber die Stimmung im Auditorium machte das Ganze wett und die Zeit verging wie im Flug. Das neue Album ist auf jeden Fall einen Hörversuch wert. [Kalti]

NOFX
Nachdem MONO & NIKITAMAN ihren Beitrag für das moderne Hipster-Publikum geleistet hatten, stand mit NOFX eine Band auf der Bühne, deren Hochzeit doch schon knappe zwei Jahrzehnte zurückliegt. Die Skate-Punk-Ikonen konnten damals ein wenig vom Erfolg von GREEN DAY und THE OFFSPRING profitieren, da sie sich selbst aber stets treu blieben und auf die Angebote großer Labels verzichteten, sind sie zwischenzeitlich ein wenig in Vergessenheit geraten. Optisch wirken sie zwar nicht mehr ganz so jugendlich und frisch, aber ihren infantilen Charme haben sie deswegen noch lange nicht verloren. Die Bühnendekoration bestand nur aus einem winzigen maroden Schild mit dem Bandlogo, und ihre schlechten Witze zwischen den bunt zusammengewürfelten Songs sind auch nicht besser geworden (es werden mit Vorliebe vor allem die anderen Festivalbands veräppelt). Vom ersten Song „Kill All The White Man“ an, spielten sie sich munter durch ihre Discographie, streuten dazwischen kleine Jams und Coverversionen ein, und sorgten so auf alle Fälle für ordentlich gute Laune. 

K.I.Z.
Die Berliner Hip-Hop Formation K.I.Z. machte dann mächtig einen auf dicke Hose, monumentale Statuen der vier Musiker, sowie Panzer dominierten das Bühnenbild, und dazu gab es prolligen Stadion-Rap mit politisch inkorrekt sexistischen Texten. Die Band ist mit ihrem letzten Album „Hurra die Welt geht unter“ kommerziell gerade so richtig durchgestartet, und wie auch am Tag zuvor ALLIGATOAH, kam sie beim Nova Rock Publikum extrem gut an. Unsympathisches Gehabe und permanent dämliche Ansagen scheinen gerade „in“ zu sein, aber ihren Songs kann man eine beinahe schon penetrante Eingängigkeit definitiv nicht absprechen. Nummern wie „Ein Affe und ein Pferd“, „Boom Boom Boom“ oder „Hurensohn“ konnten auf alle Fälle für ordentliche Begeisterung sorgen, und am Ende wurden sie wohl selbst von einigen K.I.Z. Hassern noch längere Zeit unbeabsichtigt mitgesummt. [Bender]

HEAVEN SHALL BURN
Der Himmel soll brennen! Nein tut er nicht. Begann es kurz vor den Deutschen HEAVEN SHALL BURN schon zu regnen, endete der Spaß auch sogleich wieder, die Flammen vor der Bühne trockneten alsbald die Luft und ließen der Sonne Platz, einen Regenbogen am Abendhimmel zu zaubern – da wird sogar der härteste Metaller wunderlich. 
Zurück zu wichtigeren Dingen: Sänger Marcus Bischoff, wie immer mit rotem Hemd, führt durch die brutale Show. Von Beginn an, mit „Hunters Will Be Hunted“ bis zum Schluss, mit „Ov No Avail“ gibt es nur ein Gas: Vollgas. Dazwischen bleibt kaum Zeit um ein paar Ansagen zu tätigen, wie die kurze, aber wichtige Ankündigung eines neuen Albums und der folgenden Enttäuschung, dass an diesem Tag leider noch kein neues Lied gespielt werden kann. Ein Circle- Pit jagt den anderen und wird bei jedem Neuen immer größer. Bei „The Disease“ eskaliert dann der ganze Wavebreaker. Ein kollektiver Moshpit vom linken bis zum rechten Rand lässt nur mehr Platz für einige Ruderer, die es sich in der Mitte gemütlich machten – ein Bild für Götter. 

Performancetechnisch wie immer eine Wucht, Feuerflammen und Konfetti inklusive, muss man Marcus’ Stimme leider abermals kritisieren. Obwohl es, zumindest in meinem subjektiven Verständnis, schon viel besser geworden ist, kann diese leider die Wucht auf CD nicht direkt umsetzen. Den Leuten im Riesencircle war das gelinde gesagt „Wurscht“. Die Musik passt, die Stimmung auch und so brettert man durch ein gut gewähltes Set an alten Klassikern und neuerem Material vom Letztling „Veto“. Wie immer ein Wahnsinnsauftritt und eine tolle Festivalband. [Kalti]

DEFTONES
Nach soviel Tamtam bei K.I.Z taten sich die DEFTONES anfänglich noch etwas schwer, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, da der Unterschied zur Vorgängerband kaum größer hätte sein können. Die DEFTONES verzichteten völlig auf irgendwelchen Schnickschnack, und ließen stattdessen nur ihre wirklich starken Songs für sich sprechen. Der unermüdliche Einsatz des gut gelaunten Sängers, der auch immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte, machte sich schlussendlich dann aber doch noch bezahlt, und sorgte für eine zunehmend euphorischere Stimmung. Die Band spielte einen recht gelungenen Querschnitt ihres Schaffens, wenngleich die beiden Alben „Deftones“ und „Saturday Teenage Wrist“ diesmal leider völlig ignoriert wurden. Neben Klassikern wie „My Own Summer (Shove It)“ und „Change (In the House of Flies)“, war aber zumindest auch Platz für zwei Nummern ihres gelungenen neuen Albums „Gore“, und nach „Engine No.9“ (inklusive „How I Could Just Kill A Man“ von CYPRESS HILL), war ein vielleicht etwas zu unbeachtetes Festivalhighlight auch schon viel zu schnell wieder vorüber. [Bender]


Setlist DEFTONES (ohne Gewähr) :
1. Rocket Skates 
2. My Own Summer (Shove It) 
3. Be Quiet and Drive (Far Away) 
4. Swerve City 
5. Rosemary 
6. Diamond Eyes 
7. You've Seen the Butcher 
8. Prayers/Triangles 
9. Digital Bath 
10. Knife Prty 
11. Change (In the House of Flies) 
12. What Happened to You? 
13. Around the Fur 
14. Rubicon 
15. Engine No.9


TWISTED SISTER
Abschlusstouren von Bands sind immer so eine Sache: Die Einen ziehen nach der dritten Tour immer noch keinen Schlussstrich, die anderen werden gefeiert, obwohl sie halbtot auf der Bühne stehen – ist ja das letzte Mal - und dann gibt es noch TWISTED SISTER. Der Name war bekannt, damit endete aber auch der Wissensstand über die Band. Nicht einmal eine Assoziation mit den Superhits „We’re Not Gonna Take It“ und „I Wanna Rock“ konnte ich zuvor herstellen und erlebte somit während des Konzerts eine Überraschung nach der anderen.

Sieht man sich Rampensau und Sänger Dee Snider an, möchte man meinen, ähnlich wie IGGY POP, er wäre 150 Jahre alt und erleide in den nächsten Momenten seinen Bühnentod. Doch dieser Mann kann singen und er kann sich bewegen, wie ein Jungspund in den 20ern. Es  gehören diverse Sprünge genauso dazu, wie extremes „Fotografenposing“ alla am Rücken liegend und den Kopf vom Bühnenrand hängend. Die anderen Musiker sind quasi nur mehr Zugabe. Der aufmerksame Beobachter in den vorderen Reihen konnte aber bald schon erkennen, welch Prominenz sich da hinter seinem Schlagzeug versteckte und des Öfteren Sticks herumjonglierte, als wenn es Bälle wären: Kein Geringerer als Mike Portnoy wurde für den Posten des Schlagzeugers für die Abschiedstour engagiert. Er ersetzt dabei original Schlagwerker A.J. Pero, der leider 2015 in die ewigen Jagdgründe einging und machte das, wie zu erwarten war, ausgezeichnet.

Obwohl die DEFTONES auf der Blue Stage wohl vom Zielpublikum besser aufs Nova Rock passten, war die Stimmung grandios. So gut es konnte ging das Auditorium mit und sang die, zugegebenermaßen relativ einfachen, Texte. Zwischendrin schwang Dee Snider große Reden: Er lobte die Metalcommunity und Bands wie BLACK SABBATH und JUDAS PRIEST, die den Urmetal am Leben erhalten. Ebenso dankte er den Festivals, die die Industrie am Laufen halten und allen Menschen die auf Konzerte gehen -  wahre Worte eines weisen alten Mannes.

Ich wusste nicht einmal, dass „We Are Not Gonna Take It“ von TWISTED SISTER stammt (Schande über mich) (Anm. d. Lekt.: Zweiter Termin im Keller ist bereits fixiert!), dementsprechend überrascht war ich und dementsprechend stimmte ich in den Gesang des restlichen Publikums ein. Das Lied wurde dann zurecht ausgedehnt und ausgeschlachtet – naja, wer kann, der kann. Als Abschluss gab es noch „I Wanna Rock“, danach machten wir uns auf den Weg um bei den CHILI PEPPERS noch einen vernünftigen Platz zu finden. TWISTED SISTER war für mich definitiv DIE Überraschung auf diesem Festival und bewiesen wieder einmal, dass Alter keine Ausrede darstellt. Weder für musikalisches Können, noch für das dementsprechende Auftreten. Hut ab! [Kalti]

RED HOT CHILI PEPPERS
Die RED HOT CHILI PEPPERS markierten dann den Schlusspunkt des diesjährigen NOVA ROCK Festivals, und setzten dabei etwas zu sehr auf Nummer sicher. Die Band spulte ihr Programm (von manch soundtechnischen Unstimmigkeiten sowie leichten Textproblemen bei Anthony Kiedis einmal abgesehen) souverän und stets routiniert herunter, aber besondere Höhepunkte blieben diesmal dafür beinahe völlig aus. Das Publikum schien zwar restlos zufrieden gewesen zu sein, und es ist immer wieder erstaunlich wie viele Hits diese Bands eigentlich mittlerweile geschrieben hat, aber die ein oder andere Überraschung mehr bei der Songauswahl, hätte dem Auftritt durchaus gut getan. Mit Ausnahme des quirligen „Nobody Weird Like Me“ wurde die Frühphase der Band leider völlig ignoriert (sofern man die unvermeidlichen Zugaben „Under The Bridge“ und „Give It Away“ nicht dazuzählt), und ansonsten wurde nur mehr Material von „Californication“ bis „The Getaway“ gespielt. Die drei Nummern vom neuen Album waren eigentlich recht nett (vor allem „Dark Necessities“), aber sie dienten, wie auch die beiden kurzen vom Gitarristen Josh Klinghoffer gesungenen Coversongs („Rain“ und „Tonight“), nur zur Auflockerung eines gefälligen „Best Of“-Sets. Alles in Allem erwiesen sich die RED HOT CHILI PEPPERS zwar schon allein aufgrund der immensen Hitdichte als würdige Headliner, aber man hat in der Vergangenheit halt schon deutlich spannendere Auftritte von ihnen gesehen. [Bender]

Setlist RED HOT CHILI PEPPERS (ohne Gewähr):
1. Intro Jam 
2. Can't Stop 
3. Dani California 
4. Scar Tissue 
5. We Turn Red 
6. Snow ((Hey Oh)) 
7. Ethiopia 
8. Nobody Weird Like Me 
9. Rain 
10. Dark Necessities 
11. She's Only 18 
12. Tell Me Baby 
13. The Getaway 
14. Californication 
15. By the Way
Zugaben:
16. Tonight 
17. Under the Bridge 
18. Give It Away 


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