19.06.2016, Mergener Hof, Trier

BEARTOOTH Clubshow

Veröffentlicht am 01.07.2016

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Es herrscht dichtes Gedränge bis auf die Straße. Obwohl nur knapp 200 Leute darauf warten, den Mergener Hof, einen kleinen abgeranzten Kellerclub mitten in der ältesten Stadt Deutschlands, betreten zu können, ist der Innenhof schon mehr als überfüllt. Die üblichen Gespräche darüber, wie die Show gleich ganz bestimmt werden wird, welche krassen Moves der Sänger in einem bestimmten Song immer abzieht, oder generell welche Songs man gleich zu erwarten habe, bleiben komplett aus – denn die wenigsten hier in der Menge konnten die Band des heutigen Abends bisher von ihrer Live-Hitliste abhaken. Wir alle warten auf BEARTOOTH, die erst seit Kurzem das europäische Festland regelmäßiger bespielen.

Ich persönlich hatte die Jungs aus Ohio schon zwei Mal zuvor als Support für die großartigen BRING ME THE HORIZON gesehen und war beide Male ein wenig enttäuscht: Zu wenig Abriss, zu schwache Songs in der Setlist, zu wenig Energie. Aber gut, einer Band, deren Platten ich täglich rauf und runter höre und deren neues Release „Aggressive“ mich endlos begeistert hat, wollte ich auch noch eine dritte Chance geben. Und das bereue ich im Nachhinein keine Sekunde!

Über den Supportact SHE SELLS SEA SHELLS, mit nur knappen 20 Minuten Spielzeit, braucht man nicht großartig sprechen: Eine Newcomer Trancecore Band aus einem Kaff irgendwo bei Trier, die gerade dabei sind, sich einen Ruf aufzubauen. Mir persönlich liegt Trancecore nun nicht unbedingt, aber wer weiß, vielleicht kommen SHE SELLS SEA SHELLS ja irgendwann auch groß raus.

Jetzt aber zum wichtigen Teil des Abends: BEARTOOTH! Eigentlich wollte ich den Abend mehr mit Zusehen und Zuhören als mit Moshpit und Rumspringen verbringen, und, nach meinen letzten BEARTOOTH-Erfahrungen zu urteilen, sollte das auch kein Problem sein. Dachte ich. Naja, was soll man sagen – falsch gedacht. Die Band hat mir wortwörtlich gar keine andere Wahl gelassen!

Die Gitarren werden angeschlagen, Frontmann Caleb Shomo betritt die Bühne und macht sofort klare Ansagen: Diese Band wird keinen einzigen Song spielen, bis nicht jeder einzelne auf dem Boden hockt, bereit auf Kommando zu springen. Gewagte Aktion, hat hier aber funktioniert. Nur Sekunden später hat man das Gefühl der Boden würde beben: Die gesamte Menge, von vorne bis hinten, springt im Takt zu „“The Lines – der perfekte Eisbrecher. BEARTOOTH, und allen voran Caleb Shomo, verbreiten eine unglaubliche Energie von der ersten Sekunde an. Die Stimmung schaukelt sich in den ersten drei Minuten soweit hoch, dass die ersten Crowdsurfer und Stagediver schon beim zweiten Song, „Aggressive“, zu verzeichnen sind. Dass es keine Absperrung zu Bühne gibt, feuert dieses Treiben nur noch weiter an.

BEARTOOTH schaffen es, die Hits ihres Debutalbums gut mit den neuen Songs zu verknüpfen und lassen so die Stimmung zu keiner Sekunde abreißen. Natürlich finden „Hated“, „Loser“, und „Always Dead“, die drei Single-Auskopplungen des neuen Albums, auch ihren Platz im Set. Aber auch Hits der letzten Platte, wie das zu Anfang erwähnte "The Lines", aber auch „In Between“, „I Have A Problem“, oder „Beaten In Lips“ sorgen dafür, dass am nächsten Tag mit Sicherheit niemand mehr klar sprechen, geschweige denn hören wird. Nach den knapp 60 Minuten nicht enden wollender Eskalation und einer Zugabe, die den Fans noch ein letztes Mal alles abverlangt, verabschieden sich BEARTOOTH mit High-Fives, sowie fliegenden Drumsticks und Gitarrenplektren.

Halbtaub, komplett durchgeschwitzt und immer noch etwas benommen stehe ich vor der Location und muss immer noch begreifen, was das gerade war: Eine der besten Shows seit langem. Im Nachhinein hätte ich mir noch ein paar mehr Songs von „Aggressive“ gewünscht, beispielsweise „Censored“ oder „Rock Is Dead“, aber man kann es ja auch nicht jedem recht machen.

Alles in allem war es ein großartiger Abend; wer jemals die Chance haben sollte, BEARTOOTH in einer kleinen Location zu sehen, sollte sie auf jeden Fall wahrnehmen.

Setlist (ohne Gewähr)

"The Lines"

"Aggressive"

"Relapsing"

"Hated"

"Beaten In Lips"

"I Have A Problem"

"Always Dead"

"Loser"

"Fair Weather Friend"

I"n Between"

"Body Bag" (Zugabe)

 

​Fotos: ©Ulle Media (https://www.facebook.com/UlleMedia/)


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