02-07-2016, Rockhouse, Salzburg

Dome Of Rock - Tag 2

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 08.07.2016

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Hoffte man Tags zuvor noch auf etwas mehr Besucher, so sollte sich der Wunsch am Samstag erfüllen. Trübes Wetter und so einige kräftige Regenschauer trieben ein erkleckliches Häufchen an Zusehern ins Rockhouse, sodass der zweite Tag des Dome Of Rock als sehr erfolgreich zu bezeichnen war. Auch das ewig-hungrige Bäuchlein des Berichterstatters erfuhr seine Befüllung mit der Rockhouse-Hauspizza (Schinken-Champignon-Salami-Kalorienbombe) bereits während der ersten Bands – also war auch hier ein Erfolgserlebnis zu verbuchen.

Die Eröffnung des Samstages oblag SWANMAY aus Linz. Da wurde gleich einmal gestoned was das Zeug hielt und auch die ersten Besucher (heute tatsächlich schon vergleichsweise zahlreich!) hatten gleich ihren Spaß. Nicht nur, dass der engagierte Drummer der Linzer so einige Tricks mit seinen Sticks aufführte, gesellte sich auch noch ein bloßfüßiger Bassist auf die Bühne, der augenscheinlich mit zwei gebrochenen Fingern auftrat. Konnte man zumindest vermuten, da seine Rechte fein säuberlich eingegipst war – Respekt, damit noch so groovige Basslinien rauszuhauen! Der Sympathiepokal des Tages geht eindeutig an SWANMAY, die auch gleich einmal ordentlichen Applaus absahnen konnten.


GREY CZAR

GREY CZAR in der Halle, erwiesen sich dann als handfeste Überraschung. Die Halleiner punkten nicht nur mit der ausdrucksstarken Stimme ihres Sängers, sondern auch mit punktgenau abgestimmtem dreistimmigen (!) Gesang der wohl so einige im Publikum beeindruckte. Die verflucht starke Darbietung aus funkigem Rock, der abwechselnd progressiv und dann wieder Stoner-lastig einher kam, und der von der, im Vergleich zum Vortag zurückgeschraubten Lautstärke profitierte, entpuppte sich als frühes Highlight des Tages. Zwar konnten GREY CZAR ihren letzten Song aufgrund von Zeitmangel nicht mehr spielen, doch fest steht, dass sie an diesem Tag bestimmt einige Fans dazugewonnen hatten – den Berichterstatter eingeschlossen. Und nein, das lag nicht nur an dem rotschöpfigen Gitarristen, der unheimlich an SUBWAY TO SALLY-Drummer Simon Michael erinnerte – auch wenn das ein deutlicher Bonus war... *räusper*

Die folgenden SAHARA SURFERS in der Bar, mit ihrem starken Stonerrock mit Damenstimme, fielen nach Erfüllung der Fotografenpflicht, während der das Publikum schon ordentlich zu den starken Klängen der Tiroler abging, sodann dem obligatorischen Pizzaexzess, sowie einem längeren Gespräch mit Kollegen Rosenberger zum Opfer. Der kleine Schreiberling entschuldigt sich an dieser Stelle aufrichtig dafür, sagten ihm doch die SAHARA SURFERS bereits bei ihrem Auftritt Anfang des Jahres, bei der CD-Releaseshow von SERENITY, äußerst gut zu. Dem Jubel des Publikums nach zu urteilen, dürften diese auch in Salzburg auf fruchtbaren Boden gefallen sein.


MOTHER'S CAKE

Weiter ging es mit MOTHER'S CAKE in der Halle, bei denen ausnahmsweise einmal keine flachwitzelnden Wortspiele getrieben werden. Die brauchte es auch gar nicht, sorgte doch Sänger/Gitarrist Yves bereits mit seinen sympathisch-verpeilten Ansagen schon für genügend Erheiterung. Was hatte man dem bloß gegeben, der Junge war ja wie aufgezogen – die Ausflüge in humorige Gefilde, wohl getrieben von der Überraschung dass zu so früher Stunde schon so viele Leute anwesend waren, wirkten sich aber zum Glück nicht nachteilig auf die Performance aus – eher im Gegenteil! Die Tiroler sprühten nur so vor Energie, lieferten punktgenau und ohne Ausfälle ihren starken, progressiven Rock und holten sich damit kräftigen Szenenapplaus vom amtlich mitgehenden Publikum ab. Zum Schluss gab es dann mit „The Sun“ auch noch einen neuen Song, O-Ton „direkt aus dem Proberaum“, für die Zuschauer.

Die zweite Überraschung kletterte, zeitgleich mit den letzten Takten in der Halle, auf die Bühne der Bar – HYPNOS aus Schweden. Schlaghosen, 80's-Style und versucht-laszive Verrenkungen des Sängers – dazu feinster Heavy-Rock mit einer gelegentlichen THIN LIZZY-Schlagseite. Das könnten direkt die kleinen Brüder von DEAD LORD sein, immerhin entspringen sie dem gleichen nordischen Land. Die zunächst nur wenigen Zuseher wurden durch die flotten, einfach herrlich mitreißenden Klänge von HYPNOS so richtig mitgezogen, und der laute Jubel sorgte dafür dass sich das Publikum der Schweden stetig mehrte. Klar, wirklich Neues fand man hier eigentlich nicht, aber bei so einer einnehmenden Performance konnte man die Füße kaum stillhalten und es blieb einem gar nichts anderes übrig als mitzumachen! Als die Schweden dann auch noch eine Querflöte (ja, ihr hört richtig!) auspackten und ihre arschcoole Partymucke damit noch ein wenig aufmotzten, war es um viele Leute in der Bar geschehen. Das hätte schon der Auftritt des Tages sein können – doch durch die starke Konkurrenz im Lineup, mussten sich HYPNOS mit „nur“ dem zweiten Platz zufrieden geben


HYPNOS

In die Riege der durchwegs hochklassigen Auftritte des zweiten Festivaltages reihten sich anschließend auch THE SHRINE ein. Nach dem Abriss in der Bar, ging es in der Halle nahtlos weiter, wo nach einem Westernintro zu den stonenden Amis kollektiv eskaliert wurde. Das groovige Songmaterial von THE SHRINE schlug nach der perfekten Vorbereitung von HYPNOS ebenfalls voll ein – in den vorderen Reihen wurde gebangt was das Zeug hielt und selbst ein bißchen Pogo war drin. Die etwas assige Attitude der Amis und die leichte MOTÖRHEAD-Schlagseite konnten punkten und so konnten sich auch THE SHRINE über kräftige Lebenszeichen der Anwesenden im Rockhouse freuen.

Hernach in der Bar, standen LES LEKIN etwas auf verlorenem Posten. Eingekeilt zwischen Partymucke und übermächtigen Genre-Kollegen, tat sich der Dreier äußerst schwer Stimmung zu kreieren. In zu krassem Gegensatz stand das meditativ-psychedelische Material der Salzburger zu den vorangegangenen fröhlich-flotten Klängen. Trotzdem konnten die Lokalmatadore (Schlagzeugerin Kerstins Drumkit war übrigens als Leihkit in der Bar das komplette Festival über präsent) ordentlich Besucher mobilisieren, die der von Projektionen unterstützten Musik auch ordentlich Applaus spendeten – doch unterm Strich wollte es heute, zumindest beim Berichterstatter, leider so gar nicht zünden.


MY SLEEPING KARMA

Warum, das zeigte sich wenig später in der Halle, als MY SLEEPING KARMA loslegten. Hypnotisch und repetitiv – und doch ungleich mitreißender und eindringlicher, ging hier auch das Publikum von der ersten Sekunde an mit. Die Halle war überraschend gut gefüllt (hoppla, da hat der Regen ja einige Leute hereingespült!) und überall wurde mitgewippt und sich zu den Takten der Musik gewiegt. Selbst wenn die Deutschen heute nur als Trio auf der Bühne standen, da der Keyboarder wegen Krankheit w.o. geben musste, büßten MY SLEEPING KARMA kein Bißchen Atmosphäre dadurch ein, dass ein Teil vom Band eingespielt wurde. Statt einer simplen Leinwand, setzte man hier auch auf moderne Technik – die psychedelischen Visualisierungen der meditativen Musik wurden gleich per Videowall eingespielt.
Die Zeit verging während des einstündigen Auftrittes wie im Flug – nicht einmal eine spontan auf die Bühne hüpfende junge Dame, die nur mit Müh und Not von den Securitys wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt werden konnte, konnte die von den Deutschen kreierte Atmosphäre stören. Und selbst der zeitgleich stattfindende Elferkrimi gegen Italien, den Techniker und Band per Laptop bzw Smartphone verfolgten (man ist eben vernetzt und im Bilde!), wirkte sich negativ aus. Im Gegenteil – kaum einer der in der musikalischen Traumwelt gefangenen Besucher bemerkte die kurz in die Luft gereckte Faust auf der Bühne, als das entscheidende Tor zum Weiterkommen Deutschlands gefallen war. Die Magie des Momentes, die MY SLEEPING KARMA im Rockhouse kreierten, wirkte auch noch weit über den Auftritt hinweg auf das Publikum – mangels eines Merchandisers, baute die Band ihre Verkaufsbuddel kurzerhand nach der Show auf der Bühne auf, und verkaufte fannah Face to Face. Respekt! Selten so eine dichte Atmosphäre bei einem Konzert erlebt!


Der Beweis: MY SLEEPING KARMA verkauften im Anschluss der Show von der Bühne

Die „Leidtragenden“ dieser Über-Band des Abends, waren die Schlusslichter des Abends, BLACK RAINBOWS. Die sympathischen Italiener, die schon den ganzen Tag im Rockhouse gesichtet wurden, wie sie zu den Klängen ihrer Kollegen ganz ordentlich abgingen, mussten mit einem deutlich zusammengeschmolzenen Häufchen an Zusehern auskommen. Der an und für sich starke 70's-psychedelic-Sound konnte sich so leider nicht wirklich entwickeln, da viele Leute, noch ganz im Banne des Erlebnisses in der Halle, und wohl auch aufgrund der vorgerückten Stunde, abzuwandern begannen. Auch der Berichterstatter schloss sich den Ruhesuchenden an, warteten doch am nächsten Tag noch weitere Bands darauf entdeckt zu werden. So ging ein perfekter zweiter Festivaltag mit vielen sehr starken und einem Über-Auftritt geruhsam zu Ende.


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