09-07-2016, Bäckerberg, Scharnstein

Sick Midsummer 2016

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 14.07.2016

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Zu einem alljährlichen Fixpunkt im Konzertprogramm von Stormbringer hat sich inzwischen das am oberösterreichischen Bäckerberg stattfindende Sick Midsummer gemausert. Das kleine, gemütliche Festival lockt alle Jahre wieder mit einem feinen Krawall-Lineup, sowie einer großartigen Kulisse die ihresgleichen sucht. Ein alter Bauernhof mitten im Nirgendwo, rundherum nur Natur und Weiden, auf denen Rotwild, Ziegen und Ponys grasen. Ein kleines Paradies für geerdete Festivalgeher, die statt der Partymeile auf Massenveranstaltungen lieber ein bißchen Persönlichkeit möchten. So gibt es, statt den üblichen Fressbuden, Chili und Indisches Dal aus dem Kessel überm offenen Feuer und eine Auswahl an selbstgemachten Kuchen – darunter auch wieder der bereits legendäre Schoko-Blechkuchen mit Festivallogo. Und zusätzlich kann man, als wiederkehrender Besucher, wunderbar den Fortschritt der Baumaßnahmen am Hof verfolgen – war der Innenhof im Vorjahr noch geschottert, so gib es dieses Jahr nun nobles Kopfsteinpflaster mit Sternmuster.

Auch Besuchertechnisch präsentiert sich das Sick Midsummer übersichtlich und hat irgendwie den Charakter eines Familientreffens. Viele bekannte Gesichter laufen einem über den Weg (darunter zur Überraschung des Berichterstatters auch der aus Tirol angereiste Captain Critical!) und trotz des „AUSVERKAUFT!“-Schildes, das sich die Veranstalter dieses Jahr zum ersten Mal an den Eingang hängen können, hat man nie das Gefühl, dass das Gelände überlaufen wäre. Man kann sich zu jeder Zeit gut bewegen und wählen, ob man im Innenhof vor der Bühne abrocken, im Merchzelt shoppen, in der Chillout-Area in der Scheune abhängen, oder im Obstgarten unter den Bäumen die Seele baumeln lassen möchte. Der Berichterstatter behauptet hier einfach einmal ganz dreist, dass das Sick Midsummer zu den schönsten Festivals Österreichs gehört – zum persönlichen Lieblingsfestival ist es ohnehin bereits seit Längerem aufgestiegen.

Doch so viel Ambiente will auch verdient sein – als Ausgleich für die chillige Location, ist die Anfahrt dann doch etwas knifflig. Wie jedes Jahr verfranzte sich der kleine Stormbringer-Schreiberling gnadenlos – jaja, der Stolz, dass man unbedingt ohne Navi hin finden möchte. Also liebe Leute, lasst es euch gesagt sein: wenn ihr nächstes Jahr auch einmal vorbeischauen wollt – niemals ohne Navi. Tut es nicht. Selbst wenn die Beschilderung vorbildlich ist - nach kilometerweiten Güterwegen hat man einfach einen Knopf im Hirn.


GROTESKH

Dass der Berichterstatter dann aber sowohl PREDICTION als auch NECROTIC FLESH, von deren sich gerade einmal die letzten Takte ausgingen, verpasste, lag weder an Navigationsinkompetenz noch an überraschend in den Weg gepflanzten Baustellen – der Job wars, der für das verspätete Auftauchen sorgte. Eine große Entschuldigung an dieser Stelle an die beiden Bands, die sowohl Foto- als auch Berichtmäßig leider ausfallen müssen. Neben dem Hobby gibt es eben auch einen Brotberuf, der manchmal beherzt in den Konzert-Zeitplan pfuscht...

Mit GROTESKH konnte dann endlich eine komplette Show verfolgt werden – und es zeigte sich wieder einmal, dass Black Metal und heller Sonnenschein einfach nicht zusammenpassen wollen. Nihilistische, abgrundtief böse Musik braucht einfach ein angemessen düsteres Setting – Sonne ruiniert da immer ein wenig unfreiwillig die Atmosphäre. Dabei kamen GROTESKH mit ordentlich breitem Sound einher, bei dem man bereits am frühen Nachmittag gewaltig eines auf den Deckel bekam. Musikalisch konnte man absolut kein schlechtes Zeugnis ausstellen, auch wenn es hie und da, trotz hochwertiger Schwarzwurzel-Kost, noch ein wenig an wirklichem Wiedererkennungswert mangelte. Dafür gab es optische Pluspunkte – hübsch gecorpsepainted, mit coolen Klamotten und stimmiger Deko, fühlte sich auch das kleine Stormbringer-Schreiberlein mit Vorliebe für Halsbänder an Männern (*hust*) gut unterhalten. [Anm. d. Lekt.: Das war ja wieder klar.] Einzig der Suicidal-Black-Metal-Anfall in Form von „ich ritze mich mal mit einem stumpfen Messer und warte obs blutet“ hätte nun nicht sein müssten. Ja, es saftete dann doch ein wenig – aber nächstes Mal nehmt bitte lieber gleich Schweineblut, macht einfach mehr her.


MAAT

Auch bei MAAT gab es was fürs Auge – auffallend-aufwändige Gewandung, und der Griff in den Schminktopf inkludierte eine Gratis-Moorpackung für die Bandmitglieder. Das sah schon einmal ziemlich gut aus, genau wie der propellerbangende, rastabelockte Sänger, der mit ziemlicher Hingabe ins Mikrofon hustete – auch musikalisch schoben MAAT ganz gewaltig nach vorne, mit ihrem kräftigen Death Metal, der dem bereits sehr zahlreichen Publikum einen anständigen Arschtritt verpasste. Bei den Berlinern, die ihren todesmetallischen Walzen mit ägyptischer Thematik verbrämen, ließen sich schon viele Besucher dazu hinreißen ordentlich die Matten zu schwingen. Mit druckvollem, richtig gut abgemischtem Sound machte das am späten Nachmittag ganz ordentlich Laune!

Der nächste Vorschlaghammer ins Cerebrum ließ nicht lange auf sich warten – fein hymnischer, alles niederholzender Black Metal von STORMNATT stand als Nächstes auf dem Plan. Endlich kam auch eine ansprechende Menge an Blut auf der Bühne zum Einsatz! Dadurch dass schön langsam zu dämmern begann, kam bei STORMNATT auch diese gewisse schwarzmetallische Atmosphäre auf, die Mischung aus Mystik und Misantrophie, mit einem Schuss apokalyptischem Feeling. Tropfende Kerzenleuchter und Totenschädel auf der Bühne komplettierten das Setting, in dem sich die Wiener Truppe nach Gutdünken austobte (die zurückgerollten Augen des Sängers, die fast nur noch das Weiße sehen ließen, sahen schon extra-gruslig aus!) und auch auf tolle Unterstützung des amtlich abgehenden Publikums bauen konnten. Auch der Sound präsentierte sich erneut sehr gut abgemischt, und sorgte dafür dass sich die Songs von STORMNATT wie ein stumpfes Messer in die Eingeweiden bohrten, wo sie sich noch einmal genüsslich um die eigene Achse drehten. An das was die folgende Truppe abziehen sollte, kamen sie aber dann trotz souverän gezocktem Set nicht heran...


STORMNATT

Der Slot der drittletzten Band des Abends gebührte nämlich den Berufswahnsinnigen von PSYCHONAUT 4, zu denen das Publikum im rappelvollen Innenhof abging, als gäbe es kein Morgen. „Post-Soviet Suicidal Black Metal“ nannte sich das Ganze laut Eigenbeschreibung der Band – der Berichterstatter bezeichnet es einfach einmal als „Gelebten Wahnsinn“. Was auch immer der Sänger der Truppe eingeworfen hatte, in welcher Welt er sich auch befand – in dieser jedenfalls ziemlich sicher nicht. Auch einige Besucher kappten augenscheinlich im Verlaufe des Abrisses, den PSYCHONAUT 4 lieferten, die Strippen zur Wirklichkeit. Da kam es schon einmal vor, dass ein Besucher das Mikrofon okkupierte, oder mehrmals auf die Bühne hüpfte, von wo er von den Securitys wieder herunter geholt werden musste.
Während der vorletzten Nummer sprang der Sänger von der Bühne herab ins Publikum und zettelte, fortwährend ins Mikrofon kreischend, einen Moshpit an (okej, es war schon eher der Versuch eine handfeste Keilerei vom Zaun zu brechen), um sich anschließend auf die zwischenzeitlich von den Scherben zerdepperter Bierflaschen übersäte Bühne fallen zu lassen, in denen er sich zuckend und kreischend wälzte. Während der hartnäckig geforderten Zugabe stöpselte der Gitarrist sein Instrument aus und verabschiedete sich ins Publikum - und auch der Sänger nahm, nach getanem Zerstörungswerk auf der inzwischen einem Schlachtfeld gleichenden Bühne, den Abgang durchs Publikum. Bei dem was hier gerade auf der Bühne veranstaltet wurde, verkam die Musik beinahe schon zur Nebensache – wenngleich die Performance, trotz gewaltigem Irrsinnspotanzial, wohl im Vergleich zu dem was man sonst von PSYCHONAUT 4 so zu Ohren bekommt, noch relativ zahm gewesen sein dürfte.


PSYCHONAUT 4

Da war es direkt eine Erholung, als hernach stumpfer Schwedentod vom Feinsten auf die Zuschauer einhämmerte. Als kleines Detail zum Schmunzeln am Rande, konnte man später auch noch erfahren, dass die kurze Verzögerung vor Beginn von CENTINEX dem Gitarristen der Gruppe geschuldet war, der auf der Anreise im Stau stecken geblieben war und quasi direkt vom Auto auf die Bühne ging. Respekt, DAS ist Metal! Tödlichen Schwermetall direkt aus dem Entstehungsland kredenzend, brauchten CENTINEX den Sack nach PSYCHONAUT 4 nur noch zuzumachen. Angestachelt von der abgedrehten Performance zuvor, ging das Publikum auf die fetten Todesblei-Walzen ab wie Schmidt's Katze – das schloss nicht nur eine Wand aus wirbelnden Haaren ein, sondern auch einen todesverachtenden Circlepit über den gesamten Innenhof. „Stumpf ist Trumpf!“ würde unser Terrier Laichster verlautbaren, den Panzer starten und den letzten Rest Anstand unter den ratternden Ketten des Gefährts zermantschen. Ja, hier ist Stumpf tatsächlich Trumpf, denn der hämmernde Death Metal bohrte sich direkt ins Stammhirn und ließ die Besucher kollektiv zucken – Berichterstatter und Kapitänsanhang eingeschlossen. Höhepunkt des Abends war aber, als die Besucher eine Polonaise (!) formierten, die sich kreuz und quer durch den Innenhof schlängelte und schließlich, zum Gaudium von CENTINEX, auch über die Bühne führte. Nur Wahnsinnige, hier oben auf dem Berg!


CENTINEX

Solcherart akustisch durchgewalkt, harrte man gespannt dem noch Kommenden. Als krönenden Abschluss hatte man dieses Jahr die Okkult-Truppe SECRETS OF THE MOON gewählt – aber leider schlug der Headliner-Fluch des Sick Midsummer erneut zu. Zwar musste, wie in den letzten Jahren, kein kurzfristiger Ersatz organisiert werden, doch der Auftritt der Deutschen stand leider unter keinem guten Stern. War der Sound den ganzen Tag über gut bis richtig stark gewesen, so setzte leider ausgerechnet bei SECRETS OF THE MOON eine Veränderung zum Schlechten ein. Extrem matschig und viel zu laut (und VIEL ist hier leider auch noch wirklich wörtlich zu nehmen!), ruinierte das Soundgebräu die ansonsten magische Atmosphäre komplett. So mancher Besucher zuckte angesichts des infernalischen Krachs, der den Innenhof füllte, nur ratlos mit den Schultern.
Was war hier passiert? Zwar brachten SECRETS OF THE MOON ihren eigenen Mischer mit, doch dürfte es sich bei diesem nicht um den Stammtechniker der Band gehandelt haben, und der gute Mann kam wohl überdies mit den Verhältnissen vor Ort überhaupt nicht klar. Einzig auf der Bühne, was man seitlich daneben stehend von den Monitoren mitbekommen konnte, durfte der Sound in Ordnung gewesen sein, und auch außerhalb des Hofes konnte man das Ganze noch als akzeptabel bezeichnen. Da sich gar nicht Wenige sehr auf genau diese Band gefreut hatten, war es natürlich doppelt schade, dass ein so perfektes Festival mit einem solchen soundtechnischen Untergang enden musste. Im Verlaufe des Auftrittes, bei dem leider so gar nichts von den Feinheiten der Musik ankam, wanderten gar nicht wenige Besucher aus dem Hof ab, und zogen es vor den Rest der Show von außerhalb mit halbem Ohr zu verfolgen.


SECRETS OF THE MOON

Trotz des Headlinerfluchs, konnte man das erstmalig ausverkaufte Sick Midsummer 2016 unterm Strich als das bisher beste und erfolgreichste bezeichnen. Eine super-gemütliche Atmosphäre, ein Haufen liebenswürdig-schräger Leute und dazu perfektes Wetter – trocken, etwas bedeckt, nicht zu heiß und auch in der Nacht noch warm – kein Vergleich zur Hitzehölle des Vorjahres. Ein rundum gelungenes, quasi perfektes Festival, bei dem Stormbringer auch im nächsten Jahr wieder fix am Start sein wird! Chapeau!


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