08.07.2016 - 10.07.2016, Eventzentrum Geiselwind, Geiselwind

Out & Loud Festival 2016

Veröffentlicht am 08.08.2016

Donnerstag

Die Festivalsaison 2016 wird defintiv als eines der wirtschaftlich desaströsesten Jahre für die Industrie in Erinnerung bleiben. Da stehen auf der Liste ganz oben die vorzeitigen Abbrüche von "Rock am Ring" und "Southside", aber auch die durchgeführten Festivals entpuppten sich als nahezu durchgängiges Schlam(m)assel. Die Abhängigkeit vom Wetter, das Verlassen auf durchgeplante Abläufe, auf die Fähigkeit von Mitarbeitern und Fremdpersonal, das Krisenmanagement, all das wird durch die Ereignisse diesen Jahres mehr und mehr in Frage gestellt und zukünftig an Bedeutung bei der Planung und Umsetzung von Festivals gewinnen. Der Ticketvorverkauf ist und bleibt nicht mehr das alleinige Messkriterium zur Bewertung von Erfolg und Misserfolg eines Festivals. Bestes Beispiel hierfür ist das zwar nicht ausverkaufte, aber nahezu perfekt organisierte "Out & Loud Festival" in Geiselwind, welches beim europäischen Festivalpublikum nach der diesjährigen Ausführung eigentlich nur Pluspunkte sammeln kann und im nächsten Jahr davon profitieren wird.

Und damit herzliches Willkommen zu unserem Rückblick auf das "Out & Loud Festival 2016". Kleine Anmerkung am Rande, da von unserem Magazin nur ein Redakteur anwesend war, müsst ihr auch mit dessen hochsubjektiver Bandauswahl leben.

Schlamm und Regen spielen in Geiselwind, so zeigt es schon die Wetterprognose, in diesem Jahr keine Rolle. Der eingepackte Regenponcho wird auch nur deshalb mitgeführt, weil man dann doch irgendwie ein ungutes Magengefühl hat, welches sich aber als völlig unbegründet herrausstellen wird. Und das liegt nicht nur an dem tatsächlich perfekten Wetter, sondern auch an der für alle Eventualitäten gerüsteten Festivallocation am Eventzentrum Strohhofer. Indoor- und Outdoor Bühnen mit großer Kapazität, geteerte Wege, keine Äcker auf dem Festivalgelände und eine perfekt funktionierende Infrastruktur. All das muss man dem "Out & Loud" schon beim ersten Rundgang attestieren. Als wir Donnerstag ankommen eine freudige Überraschung: Die Parkplätze wurden von unten im Tal nach oben auf den Berg verlegt. Das schwere Festivalgepäck muss nun also nicht mehr von unten hoch, sondern von oben nach unten zum Campen befördert werden. Eine sehr gute Entscheidung. Zwar meckert der eine oder andere, dass man ja auf dem Rückweg wieder bergauf schleppen müsse, allerdings wird der Mitdenkende am Schluss einfach das Auto vorab ins Tal zum Beladen gefahren haben. Alles möglich.

Auch positiv auf den ersten Blick ist der überschaubare, in den Hang verlagerte Campground mit praktisch keiner Acker-, aber viel Rasenfläche. So hätte man auch hier im Extremwetterfall zwar Matsch und Schlamm, allerdings keine Sumpflandschaften wie auf anderen Festivals. Und die Laufwege: Auf schnellem Fuße ist man vom Parkplatz ganz hinten bis zum Eingang des Festivalgeländes in fünf Minuten marschiert. Das ist purer Luxus auf dem deutschen Festivalmarkt mit gehobenem Uppercard-Lineup.

Im Gegensatz zu 2015 leicht rückschrittlich ist man dahingehend am Warm-Up Abend, welcher ein Jahr zuvor in der Eventhalle noch eine Labelnacht mit Bands wie MOONSPELL, AHAB, SERENITY und vielen weiteren in Petto hatte. Das wird vielen Dank des Fußball EM-Halbfinales, welches auf der Newcomer Stage live übertragen wird, allerdings tatsächlich egal sein. Jogis Jungs sind die Headliner des heutigen Donnerstags, welche am Einzug ins Finale vorbeigepfiffen werden und so die Stimmung ein wenig dämpfen. Leider müssen die spontan eingesprungenen INTESTINAL DAMAGE drunter leiden, so ist bei ihrem Warm Up Gig vor der Bühne in der Eventhalle leider so gut wie gar nichts los. Das ändert sich zum Glück nach dem Spiel, als JUSTICE zur großen Covernacht laden. Man möge es mir als Nicht-Franke verzeihen, dass ich JUSTICE bisher noch nicht live erlebt habe, aber meine Überraschung ist groß. Die meisten "Metal-Cover" Bands, die der wertende Schreiber bislang erleben durfte, hatten ein paar AC/DC, MANOWAR, ALICE COOPER und MAIDEN Songs auf Lager. Dass hier der Name Programm ist und gleich mit STEEL PANTHER, nem Doppelschlag PANTERA und KREATOR losgelegt wird, erwischt mich völligst kalt und treibt die Euphoriestürme in die Höhe. Auch die spätere Auswahl an Covers im Power Metal Bereich (u.A. BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN, SABATON, POWERWOLF) überzeugt auf voller Linie, und somit verabschiede ich mich mit einem Grinsen vom ersten Festival Abend. Was war da noch mit Fußball? Vergessen!

Freitag

Beginnen wir den Tag mal mit einer Runde Meckerei: So schön das Campareal genutzt wird, so einsichtig es mir erscheint, warum Campen neben dem Auto auf diesem Gelände einfach unmöglich ist, dennoch muss der Autoschläfer mit Nachteilen leben. Die nächtliche Kraxelei den doch recht hohen Anstieg hinauf sei Meckern auf höchstem Niveau und eher den faulen Beinen des Verfassers anzukreiden. Das morgentliche Aufwachen mit gefülltem Tiefgeschoss ohne Entleerungsmöglichkeit [Anm. d. Lekt.: Bonuspunkt für diese gelungene Umschreibung!] in Form von Dixi-Klos greift da aber schon eher. Mag ja sein, dass das Gros der Festivalbesucher nach wie vor auf dem Zeltplatz nächtigt, aber eine doch nicht als allzu gering zu bezeichnende Anzahl von Autoschläfern zählt das morgentliche Auge. Ein Dixi nahe der Bändchenkontrolle, und schon wäre auch dieses Problem gelöst.

Naja, morgens ist man halt immer etwas knickerich, daher gibt's erst einmal einen Kaffee und ein recht spärlich belegtes Käsebrötchen für € 2,50 das Stück. Dafür hat man mit dem Wachwerden eine ganze Menge Zeit, da die erste Band erst am späten Mittag aufspielt. Aber bevor wir uns in Richtung Infield bewegen, durchstöbern wir erst einmal die sozialen Netzwerke und checken die letzte Version der Running Order. Nicht nur die sehr kurzfristige Absage von LIFE OF AGONY gibt es heute nämlich zu verschmerzen, auch WALLS OF JERICHO haben Probleme mit ihrem Flug und stehen dann später sogar noch im Stau, sodass sie kurzerhand mit den Newcomern von INCORDIA den Slot tauschen müssen. Oh halt, und LEGION OF THE DAMNED müssen auch noch aus familiären Gründen absagen, dafür springen kurzerhand DUST BOLT ein. Also ganz ehrlich, was da an einem Festivaltag alles schief gehen kann... Daher einen großen Applaus an die Orga, die spontan wie selbstverständlich große Probleme umschifft und dem Besucher gleichwertigen Ersatz verschafft.

So ist es nun Zeit wieder zurück in Richtung Eventhalle zu marschieren, denn hier werden NERVOSA als erste offizielle Band das Festival eröffnen. Was die All-Female Thrash Band aus Brasilien schon zu dieser Uhrzeit an Publikum zieht ist mehr als beachtlich, die Hütte ist von Anfang an brechend voll. Ob das alleine an der Optik auf der Bühne liegt? Klares nein, denn der teutonisch angehauchte Thrash der drei Amazonen überzeugt im Live-Gewand auf voller Breitseite. Fast wie eine weibliche Version von SODOM prügeln sich Fernanda Lira und ihr Gefolge durch ein kurzes Set, welches mit "Into Mosh Pit" sein viel zu frühes Ende findet.

Die BEGGARS aus Griechenland sollten eigentlich den Warm Up Abend eröffnen. Durch die kurzfristigen Änderungen in Line Up und Running Order schaffen sie aber den Sprung auf die Main Stage. Ihren grundsoliden Rock'n'Roll spielen die Herrschaften wunderbar relaxt und erdig, allerdings will der Funke nicht so recht auf das Publikum überspringen. Beziehungsweise ginge das auch gar nicht, da so gut wie niemand da ist um den Gig mitzubekommen. Da kann auch kein gut gemeintes NEIL YOUNG Cover ("Rockin In The Free World") helfen.

Auch DAWN OF DISEASE haben Probleme, wenn auch anderer Art. Der Niedersächsische Death Metal Fünfer hat soeben mit "Worship The Grave" ein bockstarkes Album rausgebracht, auf dessen Livedarbietung man mehr als gespannt sein darf. Und, soviel vorweg, es soll nicht an der Band liegen, dass das heute nur bedingt funktionieren will. DAWN OF DISEASE sind nämlich die ersten von vielen, die unter recht gravierenden Soundproblemen in der Eventhalle zu leiden haben. Gerade am Anfang des Sets stellt sich dem Publikum einfach nur eine drückende Soundwand entgegen, die gar nicht zulassen will, dass man das nuancierte Spiel der Truppe vollends aufsaugen kann. Die Nuancen, die Soungaufbauten, der Wechsel zwischen Härte und Melodie ist nun aber genau das, was die Band ausmacht, und so flüchtet der eine oder andere nach dem anfänglichen Soundmatsch, ohne der Band eine wirkliche Chance zu lassen. Was schade ist, da man spätestens bei dem "Crypts Of The Unrotten"-Stück "Knive Vs. Flesh" die gröbsten Probleme wieder in den Griff bekommen hat und die Stücke endlich anfangen zu funktionieren. Noch einmal, die Band spielt sich wirklich den Allerwertesten ab und hat dazu wahnsinnig gute Songs in Petto, daher checkt sie bei der allernächsten Live Gelegenheit noch einmal an, es lohnt sich!

Völlig unbekannt sind dem Korrespondenten die Bayern ANTIPEEWEE. Und so überraschen die vier Jungs plus Lead Gitarristin um so mehr mit ihrem nicht ganz ernst gemeinten, aber absolut souverän vorgetragenen Thrash Metal. Okay, zugegebenermaßen bleibt eher die Show als das Songmaterial im Kopfe kleben, aber hey, dafür kurbelt die Band zur frühen Stunde schon ordentlich den Bierverkauf auf dem Infield an. Und spätestens, als im Finale die "Thrash Metal Fist" nicht nur als Song, sondern als waschechtes Gimmick mit ausgepackt wird, hat sich vor der Bühne eine ordentlich abfeiernde Crowd versammelt. Chapeau!

Nun ist es Zeit für ein ausgiebiges Mittagspäuschen inklusive Grill und Verletzungen durch viel zu heiße Käsewürstchen, sodass DEADLOCK und DVALIN leider übersprungen werden müssen. Zu GLORYHAMMER finden wir uns allerdings wieder in der Eventhalle ein und siehe da, der Laden ist brechend gefüllt. Eine kurze Ansage in Richtung (Melodic) Power Metal: Ohne Frage handelt es sich hier um die derzeit unbeliebteste Spielart im Schwermetall. Es sei denn, du hast ein Gimmick! Dann mag dich fast jeder! GLORYHAMMER beweisen eindrucksvoll, was "Style Over Substance" im Jahre 2016 zu bedeuten hat und treten mit quietschbunten Kostümen und kitschigen Ritterrüstungen auf, um sich weder On Stage noch in Ihren Songs ernst zu nehmen. Und siehe da? Die Masse, der Schreiber eingeschlossen, hat eine wunderbar kurzweilige Zeit. ALESTORM Fronter Christopher Bowes battelt sich da schonmal mit Sänger Thomas Winkler ganz nach Star Wars Art rein mit der Macht, während Basser James Cartwright alias "The Hootsman" unter "Noch ein Bier" Sprechchören zwei Flaschen hintereinander abdrückt und das Ganze mit einem lauten Rülpser quittiert. Spätestens hier sollte jedem klar sein, was man bei GLORYHAMMER zu erwarten hat und was nicht. Im Finale will Winkler dann sogar vorzeitig abbrechen und vergisst mal eben das vor neunziger Jahre Trash-Pop strotzende "Universe On Fire", während die Show mit "Unicorn Invasion Of Dundee" pompös zu Ende geht. [Anm. d. Lekt.: HOOTS!]

Elf Jahre lang war Peter Tätgren nicht mehr in Geiselwind. Damals fand das von MANOWAR ruinierte "Earthshaker Fest" statt, bei dem Tätgren mit HYPOCRISY einen gelungenen Gig hingelegt hat. Leider war die Party laut Aussage Tätgrens hinterher so wild, dass er selbst im Krankenhaus gelandet ist. Daher gibt's heute, trotzdem es nicht so ganz zur obligatorischen Zwangsjacke passt, auch ganz provokativ nur Cola auf der Bühne. Musikalisch sind PAIN heute eine Macht! Direkt beim Opener "Same Old Song" wird klar, dass man sich heute auf eine richtig gute Show einstellen darf. Setlist wie Sound treffen heute absolut den Nerv des Publikums, welches sehr zahlreich zur Industrial Metal Vollbedienung erschienen ist. So kommen die neuen "Rebirth" Stücke wie "End Of The Line", "On And On" oder "Suicide Machine" genauso gut an, wie Klassiker Marke "The Great Pretender", "Monkey Business" und dem obligatorischen "Shut Your Mouth", welches schon ab Mitte des Sets lautstark gefordert wird. Tätgren und Co. sind dabei so gut gelaunt wie lange nicht, am dauergrinsen und kaspern, auch wenn sie sich dabei gerne mal selbst im Weg stehen. Ganz starke Show!

Wieder wird es Zeit für ein kleines Essenspäuschen, stehen doch langsam aber sicher die ganz großen Shows des Tages auf dem Programm. Bevor es aber soweit ist, schauen wir kurz bei INCORDIA in der Halle vorbei, welche durch die Verspätung von WALLS OF JERICHO eine Bühne nach oben gerutscht sind. Die Südhessen präsentieren ihr Gemisch aus melodischem Todesblei und operettenhaftem Gesang (übrigens beides von Sängerin Kari vorgetragen) durchaus souverän. Leider hapert es zwischen den Songs noch ziemlich an der Publikumskommunikation, man konnte weder Kari noch ihre Mitstreiter während den Ansagen verstehen, obwohl die Mikros, so hört man es während der Songs, vollends aufgedreht sind. Deswegen verlaufen auch Mitmachspielchen wie das kollektive Rudern etwas im Sand.

Ein Auftritt von KATAKLYSM ist immer etwas besonders. Über all die Jahre und trotz nachlassender Albenqualität sind die Shows der Kanadischen Death Metal Formation nach wie vor legendär. Und da macht auch der heutige Stop auf dem Out & Loud keine Ausnahme. Mit "Breaching The Asylum" und dem nachfolgenden "If I Was God...I'd Burn It All" macht man direkt klar, dass es heute keine Gefangenen während der Show zu machen gibt. Und so läutet man direkt zum dritten Song, dem Klassiker "As I Slither" den "Famous KATAKLYSM Security Stress Test" ein, bei dem so viele Crowdsurfer wie möglich durch die Luft getragen werden sollen. Im späteren Verlauf präsentiert man einen schönen Querschnitt durch die Bandgeschichte, wobei vor allem "Crippled And Broken" und "Like Angels Weeping" vom legendären "Devastation" Album einschlagen. Aber auch Neueres wie "Thy Serpents Tounge" und "The Black Sheep" passen hervorragend ins Set. Als besonderes Schmankerl hat man heute "Prevail" seit langer Zeit wieder im Gepäck. Als Maurizio Iacono dann noch den Metalnachwuchs im Publikum lobt, hält er entgültig das Heft in der Hand und somit wird auch der heutige Gig wieder zum Volltreffer.

Danach kann man den restlichen Abend getrost in Glückseligkeit verbringen. In der Eventhalle poltern die für LEGION OF THE DAMNED eingesprungenen DUST BOLT alles kurz und klein, während vor der Newcomer Stage Massenandrang für WALLS OF JERICHO herrscht, die Ohren- und Augenzeugen zu Folge das Bühnengerüst gehörig zum Schwanken bringen. Unserereins schlendert derweil einfach ein wenig übers Gelände, verköstigt sich an den überschaubaren, aber durchaus gute Qualität liefernden Fressbuden und bereitet sich auf den Headliner POWERWOLF vor.

Ja, da sind wir wieder beim Thema Gimmick. Genau elf Jahre zuvor sah der Verfasser dieser Zeilen eine merkwürdige Band in so etwas ähnlichem wie Corpse Paint und Vampirumhängen, welche eine ganz eigene Version von Heavy bzw. Power Metal vortrug. Hauptact an diesem Abend waren die mächtigen GAMMA RAY, diese POWERWOLF wusste damals keiner wirklich einzuschätzen. Heutzutage hat sich das Blatt gewendet, da finden sich GAMMA RAY in der Midcard der Festivals wieder, während die Wölfe auf die Headlinerpositionen gerückt sind. Natürlich sind POWERWOLF eine hervorragende Live Band und arbeiten sich ihre "transsylvanischen" Hintern ab, aber was 2005 noch ein echtes Novum war, hat sich spätestens seit dem letzten Output "Blessed & Possessed" irgendwie festgefahren. So überfällt den Rezensenten direkt ab Intro trotz persönlicher zweijähriger POWERWOLF Livepause ein Déjà-Vú nach dem andren. Setlist, Showelemente, Auftreten und die Publikumskommunikation wirken inzwischen irgendwie schon zuuuu souverän. Ja, ich lache über die witzigen Ansagen von Attila Dorn, auch staune ich immer wieder über seinen Stimmumfang. Auch die Show ist von einer vergleichsweise kleinen und morbiden Produktion zum Großtheater mit Mengen an Schauwerten wie Flammen und Funkenfontänen mutiert. Und schlachtet mich, da gibt's wirklich eine Menge mitsingtauglicher Songs. "Blessed & Possessed", "Sanctified With Dynamite", "Resurrection By Errection", "Amen & Attack". Live, und das war ganz so zu erwarten, entwickelt sich vor allem das mächtige "Armata Strigoi" zu einem echten Gänsehautmoment. Nur gleicht da allerdings inzwischen ganz viel dem anderen, und irgendwann kann ich kein "Hallelujah Amen" und "Ave Maria" mehr hören. POWERWOLF sind ein würdiger Headliner am heutigen Abend, für mein subjektives Befinden ist es allerdings Zeit für Weiterentwicklung. Mal sehen, jetzt, da mit "The Metal Mass" ein wunderbares Live Dokument der Wölfe im Regal steht, was prima als Zeugnis der ersten Dekade POWERWOLF herhalten kann, wird es mit dem nächsten Album vielleicht tatsächlich ein 2.0 geben. Warten wirs ab!

Samstag

Wer es noch nicht gemerkt hat, es wird heiß. Die Temperaturen steigen gnadenlos über die 30er-Marke, der kurze Regenguss bei KATAKLYSM gestern Abend ist heute nur noch ein weit entfernter Wunschtraum. Eins ist klar: Dieses Festival wird zumindest nicht absaufen, auch wenn die sommerliche Hitze anstrengt. Da kommt es gelegen, dass FIRTAN direkt zu Beginn des Tages eine eiskalte Black Metal Dusche in der Eventhalle anbieten. Black Metal mit deutschen Texten und zusätzlichen Pagan Einflüssen mag in unserem Magazin nicht den leichtesten Stand haben, aber was die Lörracher da schon am frühen Morgen auf die Beine stellen, macht definitiv Spaß. Überraschenderweise kommt der Techniker auch mit dem Sound gut klar (Wer schon einmal Black Metal in großen Hallen erlebt hat, weiß was ich meine), sodass der erste Gig des Tages die eingeschlafenen Gliedmaßen gut in Schwung bringt.

Dass um 13:00 Uhr Nachmittags vor der Main Stage schon Großbetrieb herrscht, kann nur zwei Gründe haben. Entweder gibt es eine Riesenladung Freibier, oder die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS geben ein Stelldichein. Ja, letzteres ist dann auch tatsächlich der Fall und wird schon deutlich während des Line Checks - eine Grindfuckers Show beginnt nämlich nicht erst mit dem Intro. Heute vor dem Gig haben wir sogar eine wirkliche Besonderheit: Das Publikum, welches sich zur frühen Stunde bereits versammelt hat, soll ganz laut den Namen des kommenden Albums, der da wäre "Brandschatzen", brüllenderweise zum Besten geben. Das ganze wird aufgenommen, eventuell werden ein paar Takes hiervon prominent in der nächten Albumproduktion verwendet. Die Show an sich ist crazy, so wie man es von den Fuckers gewohnt ist. So ist die Setlist heute auch nur mit absoluten Klassikern gespickt. Ob Bandhymne, Hasselhoff-Cover, "Final Grindcore" bis hin zu "Is aber nich", schon zu früher Stunde bleiben keine Wünsche offen.

Die Schnurresträger STALLION genauso wie die Schaufensterpüppchen KISSIN' DYNAMITE fallen Zwecks Hitze und mangelndem Interesse aus, stattdessen wird sich dem allgemeinem Festivaltreiben hingegeben, welches uns aber pünktlich zu BLACK MESSIAH wieder in die Eventhalle treibt. Und wow, Meiner-Einer hätte nicht gedacht, dass die Gelsenkirchner Folk Metal Truppe so einen großen Draw ausübt. Zu "Windloni" vom "Last Journey" Album geht das muntere Treiben los, die Meute hat im weiteren Verlauf sichtlich Spaß an den folkig-Black-metalligen "Der Ring mit dem Kreuz" und dem Mitsingkracher "Söldnerschwein". Klar auch, dass das abschließende "Sauflied" noch einmal die Stimmung gewaltig in die Höhe schießen lässt, sodass der heutige Gig als Erfolg abgelegt werden kann.

Spannung kommt im Vorfeld zu RAGE auf. Wie werden sich Peavys neue Mitstreiter auf der großen Bühne präsentieren? Hat sich viel verändert, wie wird der neue Sound sein (wenn es einen gibt)? Und ob! Zum einen sieht man Peavy direkt beim Opener "The Devil Strikes Again" an, dass er wieder Lust auf die Materie hat. So dauergrinsend und gut gelaunt hat man ihn schon lange nicht erlebt. Eine weitere Überraschung: RAGE nutzen nun endlich einen prominenten Zweitgesang, da der neue Mann an den sechs Saiten, Marcos Rodríguez gleichzeitig ein fantastischer Sänger ist. Was er im abschließenden "Higher Than The Sky" mit kurzem DIO Crossover deutlich zu Beweis stellt. Das stellt auch für ältere Stücke wie "Black In Mind" einen deutlichen Mehrwert dar. So hören wir auch in erster Linie ältere, lange nicht gehörte Stücke wie "Days Of December" oder "End Of All Days", wobei Wagner die Smolski Ära ziemlich auffällig umschifft. So wird kein einziger Song von den beiden modernen Klassikern "Unity" oder "Soundchaser" gespielt. Egal, macht richtig Spaß in neuer Besetzung, wie schon das tolle Album belegt, und so freuen wir uns auf eine neue Ära RAGE.

EPICA laden ebenfalls zum ganz besonderen Tanz, schließlich handelt es sich beim diesjährigen Out & Loud Auftritt um den einzigen deutschen Festival Gig des gesamten Jahres. Nur scheinen sie auf dem diesjährigen Billing (trotz absolut fehlbesetztem Headliner, dazu später) bei mehrheitlich thrashig orientierten Bands ein wenig deplaziert. Zunächst herrscht daher auch etwas Leere vor der Main Stage, als es mit "The Second Stone" vom "Quantum Enigma" Album angemessen bretternd losgeht. Aber anders als es am folgenden Tag bei WITHIN TEMPTATION der Fall sein wird, kann EPICA durch eine nah am Death Metal liegende Grundhärte einige Hartwurstler für sich gewinnen. Die Band ist in absolut symphatischer Spiellaune, einzig Simone Simons wirkt distanziert, was allerdings keinen Ausnahmezustand darstellt. Wir erfreuen uns daher an der wirklich tollen Show, und wenn es dann bei den älteren Stücken Marke "Sensorium" oder "Cry For The Moon" etwas melodischer wird, dann singen die Massen begeistert mit.

Anders als bei EISREGEN. Zwar ist die Halle trotz stilistischem Sonderling auf diesem Billing amtlich gefüllt, dennoch schlägt hier der große Hammerfaktor "Sound" wieder zu. Nicht falsch verstehen, EISREGEN sind eine Band, die ich sehr schätze, dennoch kann ich dem heutigen Gig dank komplett übersteuertem Sound leider gar nichts abgewinnen. Viel zu höhenlastig, voll aufgerissener Hall, sodass Bass und Schlagzeug nicht am dadurch resultierenden Gitarrenmatsch vorbeikommt. Leidtragender Nummer eins ist aber immernoch Frontmann Michael Roth, dessen zynisch-fiese Texte, und damit die Essenz von EISREGEN, heute überhaupt nicht zu verstehen sind. Dennoch verbleiben wir in der Halle, auch während auf der Hauptbühne HATEBREED eine im vorbeigehen amtliche Show abliefern. Nein, wir freuen uns nämlich schon einheitlich auf den nächsten Act, der sich als unser Tagessieger herrausstellen wird.

Denn ANNIHILATOR schlagen bei lustigerweise perfektem Sound in der Halle alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt. Jeff Waters, der John Cena des Thrash Metals und nicht weniger polarisierend, ist heute in einer absoluten Bestlaune unterwegs. Er grinst, animiert, lacht und scheint heute mal wieder richtig Spaß an der Sache zu haben. Dazu singt und spielt der Kerl wie ein Gott. Es ist auch tatsächlich des Schreiberlings Premiere, alleinig Jeff Himself an den Vocals zu hören, beim letzten besuchten Gig zeichnete noch David Padden für die Shouts verantwortlich. Muss aber nicht, denn Waters blüht in seiner Rolle wirklich auf. Das Publikum geht gleich vom Opener und Klassiker "King Of The Kill" voll mit, aber auch bei anderen Reißern wie etwa "Creepin Again" von "Suicide Silence" oder "Set The World on Fire" steht die Halle Kopf. Beim unvermeidlichen "Alison Hell" dann die Ansage, dass Waters es eigentlich zutiefst hasst, dieses Stück zu spielen (wie so oft bei den größten Hits der Bands), es ihm aber jedes Mal eine Gänsehaut bereitet, wenn er sieht, wie happy er die Leute mit dem Song macht. Daher übernimmt die Halle dann auch gleich mal die Lead Vocals beim Refrain. Damit aber nicht genug, denn zum krönenden Abschluss gibt's noch das arschtight vorgetragene "Phantasmagoria"! Sensationell!

Und da wir grade so in Thrash Laune sind, da gibt es ja noch KREATOR! Ja klar, ANNIHILATOR Tagessieger und so, wurde gerade eben noch gesagt. Aber hat wer schon einmal eine wirklich schlechte KREATOR Show gesehen? Nein? Also meinethalber nicht. Und so ist auch der heutige Gig ein wahrhaft würdiger Abschluss des zweiten Festivaltages. Direkt mit "Enemy Of God" steigen die Thrasher um Frontkeifer Mille Petrozza in ihren Gig ein und liefern ein Brett nach dem anderen. "Phobia", "Endless Pain", "Warcurse" folgen, bevor "Mars Mantra" eine kleine Runde "Phantom Antichrist" gefolgt von dem absoluten Live-Übersong "From Flood Into Fire" einleitet, bei dem zum ersten mal die üppigen Pyroeffekte zum Einsatz kommen. Weiter geht es mit dem Klassiker "Extreme Agression", bevor wir mit "Suicide Terrorist" einen nicht allzu oft gespielten Song zu hören bekommen. Nach "Hordes Of Chaos" und "Civilisation Collapse" ist dann kurze Verschnaufpause angesagt. Mille offenbart uns, dass er es schon beim letzten Mal in Geiselwind klasse fand, als er mit den "Teutonic 13" auf der Bühne stand, und dass derweil fleißig am neuen Album gewerkelt wird. Und die kurze Pause von der Studiozeit als willkommene Abwechslung dient, denn am meisten Spaß macht es ihm auf der Bühne. Und damit läuten KREATOR das große Finale, bestehend aus "Violent Revolution", "Pleasure To Kill", "Flag Of Hate" und nein, nicht "Tormentor", sondern "Betrayer" ein, zu dem abschließend noch einmal Knallkonfetti aufs Publikum regnet. KREATOR sind berechtigt einer der wichtigsten und besten Bands im Thrash Metal, nicht nur lokal gesehen, das haben sie heute Abend wieder deutlich gemacht. So long KREATOR, Until Our Paths Cross Again!

Sonntag

Ja, so langsam reicht es mit Hitze. Heute wird der Korrespondent nicht durch das Zwitschern morgentlicher Vögel geweckt, sondern durch die Feueralarm-App seines iPhones. Diese schlägt an, weil sich die Fahrgastkabine seines PKWs auf ein gefährlich hohes Level überhitzt hat. Mit einem Riesenschreck und nassgeschwitzt fällt der Schreiber mit einem lauten Knall aus seinem Auto und stellt fest: Nach vier Tagen schwinden langsam die Kräfte. Auch beim morgentlichen Spaziergang über das Gelände merkt man es. Wurde Freitags noch an jeder Ecke schon früh morgens gegrölt und gefeiert (An dieser Stelle übrigens vielen Dank an diejenigen, die das "Äppelsche" von BADESALZ angestimmt haben und mir damit einen bis zum heutigen Tage andauernden Ohrwurm verpasst haben), so verkriecht sich der gemeine Metaller an sich stillschweigend in jedem sich auftuenden Schatteneckchen, was er finden kann. Auch bei uns geht es heute etwas lethargischer zu, sodass wir erst zu FINNTROLL vor der Main Stage aufschlagen.

Lustigerweise hat der Verfasser dieser Zeilen besagte FINNTROLL bislang nur ein einziges Mal live gesehen, nämlich im Jahre 2005 just an selbiger Stelle, damals nur in der Eventhalle am Vorabend des Earthshaker Fests, noch mit dem charismatischen Wilska am Mikro. Selbsterklärend, dass sich da viel getan hat in den letzten elf Jahren. Und so überrascht mich zunächst einmal das üppige Bühnenbild und die Kostümierung der Folk Todler, welche nichts mehr mit der geerdeten Bühnenperformance von anno Dazumal zu tun hat. Macht aber nichts, so ist eben etwas fürs Ohr und fürs Auge dabei. Songtechnisch bewandert ist meinereiner bei den Trollen leider nicht und auch verstehen kann ich nichts, dennoch erkenne ich an gespielten Songs das Titelstück des letzten Albums "Blodsvept", sowie einige Klassiker wie "Nattfödd", "Jaktens Tid" und natürlich das obligatorische "Trollhammaren". Entlassen in den Resttag werden wir mit "Under Bergets Rot", und so attestieren wir artig einen kurzweiligen Gig.

Langsam ist der Gang in die Halle keine Fluchtalternative vor der Sonne mehr, da diese sich inwzischen von innen so arg aufgeheizt hat, dass die Klimaanlage nicht mehr hinterherkommt. So genießen wir ein kühles Radler und einige Häppchen Fleisch auf einem kleinen Fleckchen Schatten hinter dem Merchstand am Eingang der Eventhalle, während PRIPJAT im Inneren ordentlich anheizen. Bei den Kölnern handelt es sich um vier junge Thrasher, deren Sound vor allem an KREATOR erinnert, und das auch gar nicht mal so schlecht. Das Debüt "Sons Of Tschernobyl" wird auf jeden Fall mal auf dem Einkaufszettel notiert.

Wie trotzt man der Hitze, wenn nicht mit kühlen Getränken? Na mit eiskaltem Black Metal von SECRETS OF THE MOON. Leider finden nicht viele den Weg ins Innere, verpassen aber eine wahrhaft hypnotische Show der vier Osnabrücker. Los geht's mit dem vergleichsweise flotten Opener der letzten Scheibe "Sun", namentlich "No More Colours", bevor zwei weitere Stücke von "Sun" in chronologischer Reihenfolge, "Dirty Black" und "Man Behind The Sun". Was allerdings ganz und gar nichts Verwerfliches ist, da wir es hier mit einer sehr starken Scheibe zu tun haben. Eine Sache aber verstehe ich nicht. Spoileralarm: BEHEMOTH werden die Tagesabräumer sein. Nun sind SECRETS OF THE MOON stilistisch sicher nicht mit den Polen gleichzusetzen, aber nah dran bewegt man sich immernoch. Wieso also BEHEMOTH das meiste Publikum ziehen, und die ähnlich gelagerten SECRETS nur einen Bruchteil davon, muss sich mir nicht eröffnen.

Komplett konträr geht es draußen weiter mit SONATA ARCTICA. Sagte ich nicht mal irgendwann in diesem Bericht, dass du heute im Melodic Power Metal ein Gimmick brauchst, um erfolgreich zu sein? Das bekommen Tony Kakko und seine Mannen nämlich in diesem Moment zu spüren. Von allen Midcard Bands des Festivals herrscht zu Beginn des Sets am wenigsten Andrang vor der Main Stage, was die Finnen aber nicht davon abhält, gleich mit guter Laune und "The Wolves Die Young" in ein außergewöhnliches Set zu steigen. Außergewöhnlich ist sowieso das Stichwort bei SONATA, von der Optik über die diversen Stilistika bis hin zu Tony's zutiefst sarkastischem Humor und Wortwitz, welcher nicht bei jedem anzukommen scheint. Egal, mit "My Land" geht es zurück zu "Ecliptica" und nostalgische Gefühle werden erweckt, bevor der "Fullmoon" am Himmel aufsteigt und die Anwesenden zum ersten Mal richtig in Extase versetzt. Danach gibt es große Emotionen mit "Tallulah", wohl der ersten Ballade des gesamten Festivals bislang. Zum Glück herrscht heute Sonnenbrillen-Pflicht! Mit "Kingdom For A Heart" wird das Tempo wieder angezogen, bevor "I Have A Right" vom missratenen "Stones Grow Her Name" Album wieder auf die Bremse tritt. Wenn das Publikum beim letzten Song etwas müde geworden ist, so wird es danach mit "The Cage", einer der großen Bandklassiker und lange nicht mehr live gespielt,  wieder aus der Lethargie gerissen und in wahrhafte Jubelstürme versetzt. Der Song gehört ins Liveset, bei jedem Gig, und ganz subjektiv gesehen eigentlich ans Ende des Sets. Jedoch ist es wichtig, dass die Finnen die Phase "Wir-mögen-keine-schnellen-Songs-mehr" überstanden haben und wieder zu ihrer eigenen Vergangenheit stehen. Ganz groß! Aber damit nicht genug, denn es folgt das Epos "White Pearl, Black Ocean" in voller Länge. Und siehe da, auch das progressivste Stück in der Setlist kann dank der geschickten Dramaturgie das Publikum in seinen Bann ziehen. Mit "Don't Say A Word" und dem obligatorischen "Vodka"-Finale macht man den Sack zu. Noch einmal umschauen: Ja, trotz der anfänglichen Leere haben es die Finnen mit Sympathie und Spielwitz geschafft, das Publikum zu begeistern und auch die Passanten und Nachzügler zu fesseln. Wäre da nur nicht die Sache mit dem Gimmick..

So, langsam aber sicher gehen die Konditionen zur Neige. Die lange Zeit, die Hitze, all das fordert seinen Tribut. Ein paar Schlachten gilt es aber noch zu schlagen. Die eine heißt BEHEMOTH! Auf dem Campground bekam man in den letzten Tagen den Eindruck, dass viele genau wegen dieser Band überhaupt zum Out & Loud angereist sind, und so verwundert es nicht, dass die Main Stage schon zu Beginn aus allen Näten platzt. Vor weißem Backdrop steigen der nach schwerer Krankheit wiedererstarkte Nergal und seine Mannen mit dem sensationellen "Blow Your Trumpets Gabriel" in ein fast exklusives "The Satanist"-Set ein. Schon etwas länger sind die Polen mit ihrer "Satanist"-Only Show on Tour, was auch maßgeblich dazu beiträgt, dass ebendieses Album zu einem der wichtigsten Metal Alben der Moderne gereift ist. "Furor Divinus" folgt, bevor zur "Messe Noire" geladen wird. Der obligatorische Weihrauch inklusive. Danach ein frühes Highlight, "Ora Pro Nobis Lucifer", eines der stärksten Stücke auf "The Satanist"!. Generell gilt heute: Der Sound knallt alles um, während BEHEMOTH für sich ein perfekt aufeinander abgespieltes und gewachsenes Team darstellen. Einige Feuereffekte spart man sich aufgrund der relativ frühen Uhrzeit, aber dennoch kann auch die Show mit ihrer prachtvollen Opulenz sehr überzeugen. "O Father, O Satan, O Sun" setzt wie auf dem Album den dramaturgischen Höhepunkt, an dem auch dann die wohlbekannten "Black Metal Konfetti" einsetzen. Das Publikum feiert sich derweil in absolute Extase, obwohl man munkelt, dass Nergal nicht gerade begeistert war über die aufgeblasene Hüpfburg, die da inklusive Crowdsurfern über das Auditorium getragen wird.

Die letzte Schlacht des Tages, und damit des Festivals, schlagen die holländischen Überflieger WITHIN TEMPTATION. Nur leider heute Abend vergleichsweise vergeblich. Und das, obwohl die Show optisch ansprechend und die musikalische Darbietung als grundsolide einzustufen ist.

Mit einer Verspätung von etwa zwanzig Minuten entern Sharon Del Adel und Gefolge die Bühne und legen mit "Our Solemn Hour" als Einstieg recht überraschend los. Damit die Stimmung nach oben schnellt, hat man aber direkt die beiden "Unforgiving" Überkracher "Faster" und "In The Middle Of The Night" im Gepäck, gefolgt von "Fire & Ice" von ebensolchem Album, wenn auch nicht ganz so einschlagend. "And We Run" mit virtueller Rap Einlage von XZIBIT wird ebenso nicht ganz so euphorisch aufgenommen, obwohl der Song an sich trotz Gerappe nicht in die Hip Hop oder Crossover Richtung abdriftet, im Gegenteil recht dramatisch und zackig gehalten wird. Nun ja, besser wird es mit dem "Heart Of Everything" Triumvirat aus dem Titelstück, dem fantastischen "The Cross" und "The Howling". Mit "Stand My Ground" wird es noch einmal sehr poppig, bevor man mit "Caged" eine unerwartete Perle vom "Mother Earth" Album serviert bekommt. Daumen hoch! "Covered By Roses", die zweite und letzte Ballade des Festivals, beschließt derweil schon den kurzweiligen Hauptteil der Show. Als Zugabe gibt es noch mal zwei Videoscreen-Gastauftritte, nämlich Keith...Pardon...Mina Caputo bei "What Have You Done" (So war er...Pardon...Sie trotz LIFE OF AGONY Absage doch kurz auf der Bühne zu sehen), und TARJA bei "Paradise". Mit "Mother Earth" geht das Festival dann krachend zu Ende, leider müssen wir heute auf die "Ice Queen" verzichten.

Klingt doch alles gar nicht so übel, was also ging schief? Na einfach, weil WITHIN TEMPTATION für das Out & Loud der falsche Headliner war. Selbstverständlich sind sie aus kommerzieller Sicht, wie auch vom allgemeinen unszpezifischen Bekanntheitsgrad der populärste Name auf dem Line Up, jedoch wollen sie stilistisch nicht zum Rest der eher extrem gehaltenen Card passen, sie schon gar nicht anführen. Nicht falsch verstehen, WITHIN TEMPTATION bereichern jedes Line Up, jedoch hätte man hier die Slots mit BEHEMOTH tauschen müssen. So hätten die Holländer weitaus mehr Publikumsresonnanzen erhalten und auch sicherlich den einen oder anderen Neugierigen vor die Bühne gezogen, während die Vorfreude auf BEHEMOTH weiter gestiegen wäre. So hat man nach BEHEMOTH sein größtes Pulver verschossen, und WITHIN TEMPTATION müssen sozusagen den Rest aufkehren. Schade, denn die Show hat sehr viel Gutes und rein objektiv gibts hier gar nichts zu kritisieren.

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Tja, das war die 2016er Auflage des Out & Loud, welches zwar etwas kleiner ausfiel als die letztjährigen Ausgaben, aber dennoch insgesamt als voller Erfolg für alle Anwesenden zu werten ist. Für den Schreiberling geht eine der gemütlichsten und lockersten Festivalerlebnisse der letzten Jahre damit außerordentlich zufriedenstellend zu Ende. Die Vorfreude auf nächstes Jahr ist schon jetzt sehr groß!

Abschließend in der Übersicht noch ein zusammenfassendes +/-:

+++ Perfektes Festivalgelände, komplett geteert
+++ Perfekte Infrastruktur, weder Geld, noch Bier, noch Tabak, noch Essen wird irgendjemandem ausgehen
+++ Gefühlt mehr wassergespülte Toiletten als Dixis
+++ Fußmarsch einmal vom hinteren Ende des Campgrounds bis nach vorne circa fünf Minuten
+++ Das Line Up
+++ Die Größe, beste Sicht von überall und problemloses nach Vorne kommen
+++ Die Stimmung im Publikum
+++ Nahezu perfekte Organisation in allen Bereichen
+++ Super freundliche Securities (Vielen Dank für den guten Job!)
+++ Die große Eventhalle, welche bei eventuellem Schietwetter perfekten Unterschlupf bietet...

- ...aber manchmal mit Soundproblemen zu kämpfen hat
- WITHIN TEMPTATION und BEHEMOTH hätten Slots tauschen müssen
- wenigstens ein Dixi für die Autoschläfer wäre schön gewesen

 

Anmerkung des Verfassers: Besten Dank an Werner für die Pics. Liked seine Seite: https://www.facebook.com/MetalWerner


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