9.8.2016, ((szene)) Wien, Wien

ANIMALS AS LEADERS & INTERVALS & PLINI

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 21.08.2016

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Da ich ANIMALS AS LEADERS im Oktober 2014 (zum Bericht) schon einmal in der ((szene)) Wien zur Tour des nach wie vor aktuellen und genialen Albums „The Joy Of Motion" gesehen habe, war ich mir gar nicht sicher, ob ich den (nun) weiten Weg aus Oberösterreich unter der Woche antreten sollte. Ausschlaggebend war eher mein Versprechen im Bericht über das sensationelle Konzert von PROTEST THE HERO – eine der aktuell genialsten Bands überhaupt – im Jänner 2014 (zum Bericht), dass ich INTERVALS beim nächsten Wien-Konzert unbedingt sehen müsste. Ich hatte damals aufgrund der frühen Beginnzeit um 19:30 Uhr leider nur mehr den letzten Song von dieser genialen Band gehört. Meine Entscheidung, nach Wien zu fahren, sollte am Abend des 9. August mehr als belohnt werden.

PLINI aus Australien als Opener waren nämlich schon eine Offenbarung sondergleichen, die Musiker allesamt Meister ihres Faches. Mastermind und eigentlich einziges offizielles Mitglied, Künstler Plini himself, kreierte Melodien und Grooves für die Ewigkeit. Das Publikum, pünktlich um 20 Uhr schon zahlreich anwesend, goutierte die Leistungen des sicherlich durch YouTube-Videos bekannten Künstlers. Ich kann mir sonst kaum erklären, weshalb so viele junge Menschen anwesend waren, die dann noch dazu ungewöhnlich selten ihre Smartphones zum Filmen der außergewöhnlichen Leistungen von PLINI benutzten. Ich war begeistert von den Songs und der großartigen Atmosphäre, die in der ((szene)) herrschte.

Auch die Band selbst zeigte sich euphorisch über die Publikumsreaktionen und bedankte sich für die ekstatische Stimmung, mit der sie bei einer ihrer ersten Clubshows in Europa begrüßt wurden – z.B. mit sympathischen Publikumsinteraktionen und Ansagen sowie Geschichten darüber, dass sich INTERVALS-Gitarrist Aaron Marshall, der bei PLINI live die zweite Gitarre übernahm, gerade erst beim Brotschneiden in den linken Zeigefinger geschnitten hatte. Er spielte aber in Tony Iommi-Manier mit Fingerkuppenersatz – aus Gaffa-Tape und Klebstoff – seine Parts trotzdem virtuos. Es war einfach für alle Zuseher eine Freude, vor allem auch dem lässigen Schlagzeuger Troy Wright und dem Bassisten Simon Grove – die ebenfalls eine Klasse für sich waren – zuzusehen.


PLINI

Bei INTERVALS verhielt es sich ähnlich, war die Musik ja auch nicht weit von jener von PLINI entfernt. Eigentlich war es von der Live-Besetzung fast die gleiche Band, nur die beiden Gitarristen tauschten ihre Posten und es war ein neuer Schlagzeuger auf der Bühne zu sehen. Die Progressiv Rock-Party ging aber genauso weiter, wie sie mit PLINI begonnen hatte.

Der Opener „I’m Awake“ vom aktuellen Album „The Shape Of Colour“ vermittelte sogleich ein komfortables Gefühl, der geile Rhythmus, die Gitarrenmelodien und die Flageolett-Töne schmeckten vorzüglich. Genauso cremig kam „Shure Shot“ um die Ecke. Welch geile Soli auf JOE SATRIANI-Niveau, was für mich den Musikhimmel auf Erden bedeutet! Eine so abwechslungsreiche und positive Musik wie beim nächsten Song „Faible“ macht mich einfach fröhlich und lässt mich eine kleine Freudenträne verdrücken. „Black Box“ kam danach in bester PROTEST THE HERO-Manier daher, welch ein Fest für die Ohren! Nach zwei älteren Songs („Moment Marauder” vom Album „A Voice Within” und „Momento“ von der EP „In Time”) beendeten INVERVALS mit „Libra” und dessen Klängen, als ob man mit einem Alien surfen würde (Grüße an Satriani), ein unvergleichliches Konzerterlebnis.


INTERVALS

Eigentlich hätte ich dermaßen befriedigt schon nach Hause gehen können. Doch den 8-Saitenzauberern von ANIMALS AS LEADERS muss gehuldigt werden, oder nicht? Die Fans waren zwar von Beginn an aus dem Häuschen, auch ein älterer, sicher über 100 Jahre alter Typ, der mich schwer an Radegast, den verwirrten Zauberer aus „Der Hobbit“, erinnerte, gestikulierte statt mit seinen Exkrementen gottseidank nur mit seinen Extremitäten wild herum, doch bei der Band selbst und somit auch bei mir dauerte es einige Zeit, bis wir warm wurden.

Während des Eröffnungstriples von den auf Platte superben Songs „Tooth And Claw“, „Wave Of Babies“ und „Tempting Time“ gab es noch des Öfteren Zeichen von Tosin Abasi an den Tontechniker. Zweitgitarrist Javier Reyes zeigte sich mehr konzentriert als begeistert. Lediglich Schlagzeuger Matt Garstka sah man durchgehend den Spaß an der Sache an. Das Gefühl war ähnlich wie schon beim letzten Konzertabend, an dem sich ANIMALS AS LEADERS an den Soundtüftlern von TESSERACT messen lassen mussten. Nach den spielfreudigen Supportbands PLINI und INTERVALS zeichnete sich aus meiner Sicht bei den eigentlichen Headlinern die Euphorie weniger ab.

Erste Entzückung löste bei mir erst der Song „Ka$cade” aus, bei dem elektronische und symphonische Elemente mit den vertrackt schnellen, aber auch hart groovenden Passagen kombiniert wurden und das geniale Gitarrensolo zum Niederknien aufforderte. Bei dem YouTube-Videohit „Physical Education“ zuckten dann die meisten Zuseher aus, als sie den signifikanten Gitarrenlick "dididi, didi, didididididididi" erkannten. Dieser Song ist mit seinen abgehackten Riffs und knackigen Melodien ein Paradebeispiel für das populäre Djent-Genre.


ANIMALS AS LEADERS

Vom exzellenten Vorgängeralbum „Weightless“ wurde leider nur der luftig-locker fluffige Titelsong spendiert. Neben Songs vom Debütalbum lag der Schwerpunkt der Setlist, wie schon beim letzten Konzert, auf „The Joy Of Motion“, weshalb auch die Konzerte selbst sehr ähnlich waren – ein neues Album hätte das Ganze doch ein wenig interessanter gemacht, denn nach einiger Zeit wurde das Zuhören, auch wenn ich persönlich sehr auf instrumentale Musik stehe, zugegebenermaßen etwas anstrengend.

Zum Schluss sponnen die Progressive Rock-Helden mit „The Woven Web” einen Melodienreigen, der die Besucher eher wenig zärtlich umgarnte, sondern noch einmal richtig zum Abgehen herausforderte. Auch wenn nach dem offiziell letzten Song noch nach „three more songs“ verlangt wurde, quittierte Tosin die Aufrufe lächelnd mit: „We play one more for you, which is equal to three songs“, was man bei dem Tempo, mit dem ANIMALS AS LEADERS ihre 8-Saiter bearbeiteten, durchaus gelten lassen kann. Somit wurde mit der Zugabe „CAFO“ ein interessanter Konzertabend beendet, dem ich aber attestieren muss, dass die Supportbands PLINI und INTERVALS um einiges mehr als die Headliner glänzten.


Crowd

Setlist ANIMALS AS LEADERS:

  • Tooth and Claw
  • Wave of Babies
  • Tempting Time
  • Lippincott
  • Nephele -
  • The Price of Everything and the Value of Nothing / Behaving Badly
  • Weightless
  • Mind-Spun
  • The Woven Web
  • Encore:
  • CAFO

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