10.08.2016, Arena, Wien

MINISTRY

Text: bender | Fotos: Stefan Kuback
Veröffentlicht am 19.08.2016

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Seit MINISTRY das letzte Mal in Wien waren (es muss so 2006 gewesen sein), hat sich bei den Industrial-Pionieren doch einiges geändert. Die damaligen Mitstreiter Paul Raven und Mike Scaccia sind mittlerweile leider viel zu früh verstorben, die letzten Platten waren allesamt alles andere als berauschend, und der alleinige Bandkopf Al Jourgensen hat die Band zwischenzeitlich schon mehrfach definitiv aufgelöst, aber sich dann doch immer wieder zum Weitermachen entschieden. Es wird also vermutlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man MINISTRY live bewundern durfte, denn mittlerweile wurde auch bereits wieder ein neues Album angekündigt.

Lokale Vorband war an diesem Abend eine Gruppe aus Wien namens IT'S THE LIPSTICK ON YOUR TEETH. Musikalisch war ihr gefällig-hysterischer Synth-Rock (der bisweilen ein wenig an die YEAH YEAH YEAHS erinnerte) durchaus ansprechend, aber insgesamt wirkten sie an diesem Abend schon ein wenig deplaziert. Die Band wäre auf einer Hipster-Bobo-Veranstaltung im MQ definitiv besser aufgehoben gewesen, denn dort würde man sie wahrscheinlich schon allein aufgrund ihres wirklich übel unsympathischen aber dafür mächtig trendigen Bandnamens ordentlich abfeiern.

Ob der zunehmende Drang von Al Jourgensen sich selbst zur Kultfigur hochzustilisieren angebracht ist (es gab schon beinahe mehr „Uncle Al“ als MINISTRY T-Shirts zu kaufen), darf zumindest angezweifelt werden. Der auf diesen Personenkult aufbauende Eröffnungssong „Hail to His Majesty (Peasants)“ (vom ohnehin recht schwachen aktuellen Album „From Beer To Eternity“), war aber auf alle Fälle zunächst einmal ein ziemlich misslungener Einstand. Danach ging es in der Setlist stets recht konsequent chronologisch rückwärts voran, was man immerhin als taktisch recht klugen Schachzug werten kann. Nach zwei weiteren eher mauen Nummern ihrer letzten Platte, ging es mit drei Stücken von „Rio Grande Blood“ sowie „Waiting“ weiter, und dann war die Zeit des „modernen“ MINISTRY-Sounds vorerst einmal zu Ende. Die zweite Konzerthälfte wurde mit den drei „Psalm 69“-Klassikern „N.W.O.“,  „Just One Fix““, sowie dem Titelsong eröffnet, ehe dann sogar (bis auf das schmerzlich vermisste „Burning Inside“) alle Songs ihrer überragenden 1990er Livescheibe „In Case You Didn`t Feel Like Showing Up“ dargeboten wurden. Jede einzelne Nummer zu diesem Zeitpunkt des Konzerts war ein richtiger Hit, und sie wurden vom Publikum auch allesamt gebührend gefeiert. Diese Phase hätte gerne noch endlos so weitergehen können, doch spätestens bei der letzten Zugabe, einer Coverversion des DEVO-Songs, „Gates Of Steel“ von Al Jourgensens aktuellem Projekt SURGICAL METH MACHINE, war man wieder in der Gegenwart angekommen.

Natürlich sind MINISTRY live immer noch eine ziemliche Urgewalt, aber mittlerweile scheinen sie sich selbst auch nur mehr auf diese reduziert zu haben (sofern man überhaupt von einer Band sprechen will, eigentlich handelt es sich ja seit langem nur mehr um ein Soloprojekt von Al Jourgensen). Das macht nicht zuletzt dank der eingestreuten Klassiker zwar auch größtenteils noch richtig Spaß, aber ihren Status als geniale Innovatoren haben sie eigentlich schon vor vielen Jahren eingebüßt.

Setlist MINISTRY:
1. Hail to His Majesty (Peasants)
2. Punch in the Face
3. PermaWar
4. Rio Grande Blood
5. Señor Peligro
6. LiesLiesLies
7. Waiting
8. N.W.O.
9. Just One Fix
10. The Missing
11. Deity
12. Thieves
13. Stigmata
Zugabe 1:
14. Psalm 69
15. So What
16. Khyber Pass
Zugabe 2:
17. Gates of Steel


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