14.08.2016, Weekender, Innsbruck

MANTAR & TRACKER

Text: Thomas Patsch | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 18.08.2016

TRACKER aus Innsbruck sollten den heutigen Reigen eröffnen dürfen und füllten ihre Rolle dabei bestens aus. Schwere Stonergrooves rollten über die gespannten Zuhörer hinweg und Tirol zeigte einmal mehr, dass abseits der SAHARA SURFERS noch andere Könner in Sachen Desertrock mit einiger Live-Experience am Start sind. Über dem groovenden Rhythmusfundament von Basser Martin und Drummer Daniel entlockte Sänger Max seiner Sechssaitigen so manch psychedelisch Wüstentöne, die fein in die gespitzten Ohren der Interessierten staubten. Einzig gesangstechnisch dürfte der Fronter noch ein wenig mehr aus sich herausgehen, ansonsten hinterließ das Trio wie schon zuletzt einen äußerst positiven Eindruck. So gilt auch heute: Daumen hoch für eine kurzweilige und schwer groovende Performance!

Mit dem Headliner MANTAR war sodann Minimalismus angesagt. Reduziert auf´s Wesentliche allein schon die Bühnenbesetzung. Eine Gitarre, ein Schlagzeug, alles gesagt. Wer braucht schon eine zweite Sechssaitige oder einen wummernden Bass, wenn selbst eine kleine Abordnung derart Alarm zu schlagen vermag. Und das Duo setzte die durch den letzten Longplayer "Ode To The Flame" geschürten Hoffnungen und Erwarten auch auf der Bühne um. Der Einstieg vermochte mit dem fesselnden „Praise The Plague“ perfekt zu gelingen. Der Sound drückte unbändig und tiefschwarz und zur Euphorie gesellte sich das wohlige Gefühl der Bestätigung, keineswegs einem Hype aufgesessen zu sein, sondern hier etwas Spezielles heranreifen und gedeihen zu sehen.

Ungewöhnlich, aber mehr als nur logisch und folgerichtig auch die ungewöhnliche Anordnung der Musiker, die sich - auf gleicher Bühnenhöhe platziert - gegenseitig an und nicht ins Publikum blickten. Introvertiert auch Fronter Hanno, der sich in seinen Ansagen wohltuend schlicht gab und sich in Anti-Rockstar-Gehabe übte, dafür jeden Tropfen seines Herzbluts in seine Performance steckte und das hemdsärmlige und garstige Duo für die Zuschauer pulsieren ließ und dabei Gift und Galle spie.

Der Fronter lebte und durchlitt den Sound des Bremer Zweiers augenscheinlich. Trotz aller Müdigkeit ob der Vielzahl an absolvierten Shows schien der Fronter seine Aggressionen und Emotionen in sein Mikro reinbrüllen und -schreien zu wollen. Zu den wuchtigen Klängen des zweiköpfigen Soundmonsters gebärdete sich Hanno wie ein Berserker, grätschte ein, schnitt Grimassen, bog und wand seinen schlacksigen Körper und schien die Intensität des MANTAR-Sounds miterlebbar machen zu wollen, was ihm auch gelang. Und ja, der immer wieder auf die Bühne hinrotzende Sänger verzichtete onstage tatsächlich auf seine ansonsten festgewachsenen Basecaps und agierte - ebenso wie Drummer Erinc - oben rum textilbefreit. Der wiederum tobte sich auf dem reduzierten Drumkit aus und gab mit druckvollen Schlägen den Beat der Urgewalt MANTAR vor, die dem Publikum ihre schwarzen Brocken gleich reihenweise vor die Füße wuchtete.

Genügend Platz also für das Duo aus Bremen, seine giftig-schwarze Soundmelange ins Publikum zu dröhnen, und auch im Auditorium hätten noch so manche Soundliebhaber Platz gehabt. Wie schon des Öfteren wusste nur ein geringer Teil des Tiroler Konzertpublikums (knapp über hundert, bunt gemischte Besucher) das Programm zu schätzen, das heute um absolut geldbeutelschonende (12 € im VVK) an einem vor einem Feiertag gelegenen Abend aufgefahren wurde. Die Hundertschaft jedoch, die dieser heißen und authentischen Performance im stilechten Club beiwohnte, machten dieses Manko mit lautstarkem Beifall und begeistertem Gebrüll mehr als wett.

Understatement, Garstigkeit und Reduktion sind die Waffen, welche die mächtigen DIY-Rocker für sich gewählt haben, mit niederschmetternder Wuchtigkeit, erlebbarer Intensität und emotionalem Tiefgang haben sie bislang alle Kriege gewonnen, auch heute bestätigten die Beiden, dass sie nicht zu Unrecht als ganz heißes Eisen gehandelt werden. Toll dabei vor allem auch die Songs („Spit“ oder das rockige „Cult Witness“) vom Erstling „Death By Burning“.

„Bei „Cross The Cross“ wurde schließlich sogar ein Pit eröffnet, das griffige „Era Borealis“ amtlich abgefeiert. Die stimmige Lichtshow (mit leider viel zu wenig Stroboskopgewitter!) trug ihren Teil zu diesem tollen Konzerterlebnis bei und rundete dieses spezielle Konzert, das mit dem durchdringenden „White Nights“ zu Ende ging, eines der heißesten Metaleisen der Gegenwart noch im intimen Rahmen erfahrbar machte. Kennt man aus der jüngeren Vergangenheit etwa mit AMON AMARTH, SABATON oder VOLBEAT, die man auch hierzulande vor nicht allzu langer Zeit noch in Clubatmosphäre erleben durfte.

Die heutige Konzertdarbietung darf als Erfahrung verstanden und verinnerlicht werden. Auch wenn die Spielzeit mit knapp über einer Stunde samt Verzicht auf eine Zugabe etwas kurz bemessen war, so muß festgehalten werden, dass diese Stunde in puncto Intensität, Authentizität und Liveerlebnis ein absolutes Highlight darstellte und drückende Düsternis über Innsbruck hereinbrechen ließ. Musikalische Urgewalt, komprimiert auf eine Stunde Wahnsinn, auch wenn die Hits schon in der Mitte des Sets rausgehauen wurden. Man darf gespannt sein, wie aufregend die weitere Karriere der Band verläuft, wie spannend sie in ihrer Selbstlimitierung bleiben und sich entwickeln kann. Ihr Pulver hat die Band noch nicht verschossen, man darf gespannt auf weitere Glanztaten sein! Übrig bleibt die Frage, was bitte an neuen, aufregenden Bands aufgefahren werden soll, dass den scheinbar hohen Ansprüchen der Metal-Society Genüge getan werden kann und sie sich vor die Bühne begibt, wenn schon nicht bei einem Kracher wie MANTAR. Wer heute nicht anwesend war, hat heute ein Stück tiroler metallische Clubgeschichte, jedenfalls aber ein tolles Konzert eines brandheißen Newcomers, verpasst!

    


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