16.08.2016, Arena, Wien

CHELSEA WOLFE & KING DUDE

Text: Lee | Fotos: Stefan Kuback
Veröffentlicht am 21.08.2016

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KING DUDE hat mit der Entwicklung zu Dark/Neo-Folk hin nicht nur die langen Haare gegen einen Kurzhaarschnitt getauscht, sondern auch eine ganz eigene Kategorie von Düsternis geschaffen. Als Besucher von mittlerweile verdammt vielen Konzerten habe ich viele Leute on stage erlebt und kann guten Gewissens behaupten, dass dieser Mann eine der eindrucksvollsten und faszinierendsten Präsenzen ist, die ich je live gesehen habe. Abgesehen von der samtigen Stimme, die in atemberaubendem Tempo von tiefem Schnurren zu eindringlichem, kratzigem Rufen wechselt, strahlt der König des Dämmerlichts eine ganz eigene, authentische Wirkung aus, geprägt von seinem Humor, seiner Musik und der erzeugten Stimmung.
Er zündet sich beim Konzert auf der Bühne eine Zigarette an - angeregtes Gemurmel im Saal, neben mir jemand: „Bist deppat, er is a coole Sau“ – und das goldgelbe Gesöff, das er sich in großzügigen Schlucken immer wieder einverleibt, erklärt, womit der Kerl seine einzigartige Stimme ölt.
Bei manchen Songs stärker als bei anderen, aber ich kann die Assoziation nicht abschütteln: NICK CAVE. Anyone? Ich kann damit nicht allein sein. KING DUDE klingt durchaus vergleichbar... und die dazu passende PJ HARVEY wäre dann: CHELSEA WOLFE.
Seine Texte sind zumeist düster, passend wie der King über Lucifer singt, es klingt als hätte er persönliche Bekanntschaft gemacht. Umgeben von äußerst fähigen Musikern und unterstützt von einem grandiosen Sound-Techniker ergibt sich eine absolut sehens- und hörenswerte Performance, die im Gedächtnis bleiben wird.
Am Ende seiner Show: „God bless you.“ ...und wir wissen ja alle, wie das gemeint ist.

Empfehlung: KING DUDE – „Death Won’t Take Me“

CHELSEA WOLFE hat viele Gesichter. Manchmal klingt sie wie ein verwundetes Tier – verstört, verzweifelt und anklagend – dann wieder klingt sie wie ein grollendes Unwetter, das in den Köpfen der Zuhörerschaft entfesselt wird. Sie kann wütend, sie kann traurig, sie kann so klingen, als würde sie gar nicht für irgend jemanden singen, sondern nur für sich selbst, als wäre ihre Musik die einzige Sprache, die sie fließend spricht.
Nach „Pain Is Beauty“ (2013) meldete sie sich mit „Abyss“ (2015) zurück, und der Titel könnte treffender nicht sein: CHELSEA WOLFE legt den Finger in offene Wunden, sie singt von Schmerz und Leid und dem Leben.
Die Show ist intensiv, die Arena Wien dröhnt und vibriert mit jedem Takt bis in den letzten Backstein mit und man sieht den Leuten an, dass es jeden in den Bann der Lady aus den USA zieht.
„Abyss“ ist härter als die Vorgängeralben und auch bei der Live-Performance kommt jeder Song mit einer Wucht an, die ihresgleichen sucht. Auch bei CHELSEA WOLFE leistet der Soundkünstler Großartiges, die Komplexität ihrer Musik kommt glasklar an.
Neben (u.a.) dem Klassiker „Feral Love“ vom „Pain Is Beauty“ Album spielt sie viel vom neuen Album – die meisten scheinen auch genau deshalb da zu sein, scheinbar hat sie sich mit ihrem letzten Werk doch eine größere Fanbase erspielt.
Das Publikum ist durchmischt, ein Sinnbild für die Diversität, die CHELSEA WOLFE unter ihrem Namen eint, ebenso vielfältig wie ihre Lieder.
Ein Abend voller Spannung – so wie die Luft draußen kurz vor dem Regen war sie auch drinnen fast spürbar geladen.
Gerne wieder, gerne öfter!

Empfehlung: CHELSEA WOLFE - „Iron Moon“


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